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Takie dela

Musyka: „Ich gehe einfach raus und spiele“

Boris GrebenschtschikowBoris Grebenschtschikow (geb. 1953) gilt als einer der Urväter der sowjetischen Rockmusik. Der Poet und Sänger gründete 1972 mit Anatoli Gunizki die in Russland allgemein bekannte und noch bestehende Band Aquarium. Der oftmals nach seinen Initialen benannte BG gilt als eine Integrationsfigur der russischen Jugendkultur der 1980er Jahre. ist lebende Musiklegende Russlands: Seine Rockband AquariumAquarium gehört zu den Urvätern der russischen Rockgeschichte. Die Band formierte sich 1972 und genießt auch heute noch größte Popularität in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Frontmann der Gruppe ist Boris Grebenschtschikow, der oft auch einfach BG genannt wird. gehört zum Soundtrack von PerestroikaIm engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion. und Glasnost, ist bis heute Kult und füllt ganze Hallen. Am liebsten aber tritt Grebenschtschikow nach wie vor auf der Straße auf. Alexandra Zhitinskaya traf ihn für Takie Dela in seinem Petersburger Studio, voller Bilder, Ikonen, einem Teetisch und „vorrevolutionärem“ Radio. Hier, in der Puschkinskaja 10Puschkinskaja 10 ist die Adresse und der Name eines Kulturzentrums in St. Petersburg, das nichtkommerzielle zeitgenössische Kunst fördert. Gegründet 1989 als Genossenschaft „Freie Kultur“ unterstützt es junge Underground-Künstler, veranstaltet Konzerte und führt Ausstellungen und Lesungen durch. Seit 1998 befindet sich in den Räumen des Zentrums außerdem das Museum für nonkonformistischer Kunst, ist seine Kreativität „schon seit 1991 nicht zu stoppen“, wie er sagt.

Quelle Takie dela

Boris Grebenschtschikow: „Wenn wir Lust haben und gutes Wetter ist, sieht man uns überall.“ / Foto © Alexej Abanin/Kommersant

Alexandra Shitinskaja: Die Frage ist ein bisschen bescheuert, aber ziemlich grundlegend: Warum spielt ihr auf der Straße?

Boris Grebenschtschikow: Die Antwort ist bescheuert und nicht weniger grundlegend: zum Spaß. Musik habe ich immer schon zum Spaß gemacht, von Anfang an. 

Sie haben also den Drive, gratis zu spielen, einfach so für sich ...

Nicht für mich. Für die Menschen. Wenn du für die Menschen spielst, macht es dir Spaß. Wir spielen, weil es uns freut und weil es die Leute freut, so wie vor 40 Jahren auch. Früher wurden wir deswegen allerdings manchmal mit zur Polizeistation genommen.  

 

Aber auf der Bühne spielen Sie ja auch für die Menschen.

Bei den Konzerten zahlen die Leute. Das ist eine ernste Sache dort. Aber hier spielen wir, wo die Leute das nicht erwarten. Die Leute rechnen nicht mit dir, und so gibt es auch keine vorgefertigte Reaktion ...

Ich kann mir schwer vorstellen, dass Sie auf der Straße jemand nicht erkennen würde.

Du bist einfach gut erzogen. Glaub mir: Der Großteil der Leute guckt angestrengt und schlägt sich mit der Frage rum: „Hm, kommt mir irgendwie bekannt vor, ist das nicht ... SchewtschukAls Frontmann der 1980 gegründeten Gruppe DDT zählt Juri Schewtschuk zu den bekanntesten Rocklegenden der ehemaligen Sowjetunion. Schewtschuk bezieht regelmäßig Stellung zu aktuellen politischen Entwicklungen und brachte beispielsweise 2010 gegenüber Putin persönlich seine Sorgen um die russische Demokratie unmissverständlich zum Ausdruck. Während des ersten Tschetschenienkrieges reiste er 1995 und 1996 in die umkämpfte Region, wo er unter anderem vor russischen Soldaten spielte. ? Nein, Schewtschuk nicht.“ Als ich aus dem Dom Kino in Moskau kam, sagte einer zu mir: „Ah! Sie sind Juri! Juri Zoi von Maschina WremeniMehrfache Verwechslung: Erstens hieß Zoi (1962–1990), mit Vornamen Viktor, zweitens war er Frontmann der Band Kino. Drittens ist Boris Grebenschtschikow der Frontmann von Aquarium – eine der wichtigsten Bands der russischen Rockgeschichte. Maschina Wremeni (dt. Zeitmaschine) dagegen ist eine seit 1969 bestehende Rockgruppe aus Moskau. Sie gilt ebenfalls als Kultband, als die Begründerin der russischen Rockmusik überhaupt und wird häufig mit The Beatles verglichen. Ein anderes Urgestein der Szene ist die seit 1980 bestehende Band DDT. Ihr Frontmann heißt Juri Schewtschuk.!“ Der hat das vollkommen ernst gemeint. 

Das heißt, Sie gehen raus und spielen, ohne das Gefühl, ein berühmter Musiker zu sein?

Ich gehe einfach raus und spiele, ohne irgendein Gefühl.

 

Was spielen Sie auf der Straße?

Alles, was mir einfällt. Lieder, Improvisationen ...

Und wer spielt mit?

Das sind alles Musiker aus der Band Aquarium.

Aber in der Gruppe spielen ja ganz unterschiedliche Musiker, auch aus dem Ausland?

Da möchte ich gleich was klarstellen: In dem Wort „Ausland“ schwingt etwas mir sehr Fremdes mit: „Hier sind unsere Leute in unserem Dorf, und draußen, jenseits der Grenzen, das sind wohl eher Feinde.“ 

Geografisch gesehen – spielen Sie nur in Städten in Russland, oder spielen Sie auf den Straßen der ganzen Welt?

Ganz einfach: Wenn wir Lust haben und gutes Wetter ist, sieht man uns überall. In Paris, in London, in Berlin haben wir schon gespielt ...

Wo finden Sie es am interessantesten?

Ach, es ist überall schön!

Was halten Sie denn selbst von Straßenmusikanten?

Manchmal trifft man auf interessante, dann bleibe ich stehen, höre zu. Bei ungewöhnlichen Instrumenten zum Beispiel, da horch ich auf. Kürzlich habe ich in Tallinn einen Straßenmusikanten gesehen, der Hang spielte. Bei den Erinnerungen, wie der erste Hang-Spieler, Manu Delago, an unserem Album Belaja Lotschtschad (dt. Weißes Pferd) mitgewirkt hat, luden wir diesen jungen Mann ein, bei unserem Konzert mitzuspielen. Der kannte uns zwar nicht, war aber dabei.

 

Geben Sie Straßenmusikanten oder einfach Leuten, die auf der Straße betteln, Geld? Haben Sie da keine Vorbehalte?

Was für Vorbehalte soll ich denn haben?

Es gibt die Meinung, dass das nicht wirklich arme Leute sind, illegale Geschäfte ...

TurgenjewIwan Turgenjew (1818–1883) war ein bedeutender russischer Schriftsteller. Er zählt zu den Klassikern der russischen Literatur, seine Werke wie Väter und Söhne prägten sie nachhaltig und beeinflussten viele nachfolgende russische sowie ausländische Autoren.  oder DostojewskiFjodor Dostojewski (1821–1881) gehört zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern. Viele seiner Werke gelten als Klassiker der Weltliteratur, etwa Die Brüder Karamasow, Verbrechen und Strafe oder Der Idiot. Mit seinen erzählerischen Perspektiven, die verschiedene Interpretationen erlauben, entwickelte er eine allgemeine Charakteristik des modernen Romans., einer der beiden hat geschrieben: „Gott bittet euch um eine Gabe. Nicht um ein Urteil.“ Was der Mensch mit diesem Geld macht – das ist seine Beziehung zu Gott. Aber das Geben, das ist eure Beziehung zu ihm.   

Hatten Sie [wegen der Straßenmusik – dek] nie Konflikte mit Behörden?

Wieso denn?

Na ja, immerhin sind das irgendwie Aktionen, die Behörden kriegen es ja mit der Angst zu tun, wenn sich ein paar Leute mehr auf der Straße versammeln ... 

Dann sind sie wohl selber nicht so ganz ... wenn sie sich fürchten.

 

Wie lange dauern Ihre Auftritte auf der Straße?

Nicht lang. 20 Minuten, eine halbe Stunde maximal. Man darf das Publikum nicht überfordern. Mehr packen die Leute nicht, so auf der Straße.  

Das glaube ich nicht. Die müssten Sie doch eher nicht mehr gehen lassen. Und schreien: „Halt, dageblieben, Zugabe!“

Ja, das stimmt.

Und ergeben sich nach den Auftritten manchmal Gespräche?

Die Gespräche bestehen hauptsächlich darin, dass die Leute zu drängeln beginnen und sich um ein Autogramm reißen, für sich oder ihren Schatz, noch dazu ohne Kugelschreiber. Das ist recht unangenehm. 

Wo würden Sie wirklich gern spielen in nächster Zeit ?

In New York. Im Central Park. Da kommen viele gute Leute aus aller Welt zusammen, die ich sehr gern mag – Schüler des indischen Gurus und Philosophen Sri Chinmoy. Er war selbst ein hervorragender Musiker, hat alle Instrumente gespielt. Und einmal im Jahr versammeln sich seine Schüler und Freunde. Vielleicht können wir mit dem einen oder anderen von ihnen im Freien zusammen Musik machen. 

Text: Alexandra Zhitinskaya
Übersetzung: Ruth Altenhofer

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Russische Rockmusik

„Ein fremder Baum, der in unsere Erde gepflanzt wird, kann keine Früchte tragen“1 , so bewertete die Zeitung Komsomolskaja Prawda im Jahr 1982 die Rockband Maschina Wremeni. Dieses Zitat  spiegelt sinnfällig das jahrzehntelange Misstrauen wieder, das das sowjetische Regime gegenüber einheimischen Künstlern empfand, die musikalische Formen oder Ideen aus dem Westen auf russische Bühnen brachten.

Die Rockmusik in der Sowjetunion orientierte sich stark an Vorbildern aus England oder den USA. Allerdings handelte es sich beim russischen Rock, der sich seit den späten 1960er Jahren entwickelte, nicht um eine bloße Nachahmung des Westens. Die politischen Rahmenbedingungen in der Sowjetunion bewirkten, dass Rockmusik von Anfang an einen oppositionellen Charakter hatte.

Künstler und Fans maßen den Texten eine ausgesprochen große Bedeutung bei, in denen sich häufig verschlüsselte kritische Aussagen über die sowjetische Gesellschaft verbargen. Auch in Kleidung und Verhalten bildeten die Rockmusiker einen Gegenentwurf zu dem, was die offizielle sowjetische Musikkultur ausmachte.

Lieferte den Soundtrack einer neuen Zeit – die Gruppe Aquarium / Foto © Dmitriy Konradt

Staat und Partei in der Sowjetunion betrachteten schon seit dem Oktoberumsturz 1917Am 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. alles, was an musikalischen Neuerungen aus dem Westen kam, mit ausgeprägtem Misstrauen. Als „Grunzen eines metallenen Schweines“ und „Balzgequake eines riesigen Frosches“ verunglimpfte der Schriftsteller Maxim GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war ein russischer Schriftsteller. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen. etwa den Jazz. Dennoch gelangte – selbst unter Stalin – unablässig westliche Musik in die Sowjetunion. Als Mittler fungierten westliche Radiosender, aber auch sowjetische Diplomaten, die Schallplatten für ihre Kinder aus Westeuropa oder Amerika mitbrachten.

Auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs

Das Jahr 1964 bedeutete nicht nur für Europa eine Zeitenwende. The Beatles dominierten – nach ihrem Durchbruch in Großbritannien und Westeuropa – die amerikanische Hitparade. Ihre auf Schallplatte oder Tonband ins Land geschmuggelte Musik verursachte auch in der Sowjetunion nachhaltige Erweckungserlebnisse. Das „Yeah, yeah, yeah“ aus dem frühen Beatles-Hit She Loves You ertönte als die kommunistischen Funktionäre verschreckender Ruf einer Generation, der auch auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs zu hören war. Da die englischen Top-Gruppen in der Sowjetunion nicht auftreten durften, heimsten Bands große Erfolge ein, die Musik und Auftreten der Briten nachahmten.2

Die Politik der bedingten Duldung ermöglichte in den 1970er Jahren die Existenz von vielen frühen Rockgruppen wie zunächst Maschina Wremeni (dt. „Zeitmaschine“) und später auch der von Boris GrebenschtschikowBoris Grebenschtschikow (geb. 1953) gilt als einer der Urväter der sowjetischen Rockmusik. Der Poet und Sänger gründete 1972 mit Anatoli Gunizki die in Russland allgemein bekannte und noch bestehende Band Aquarium. Der oftmals nach seinen Initialen benannte BG gilt als eine Integrationsfigur der russischen Jugendkultur der 1980er Jahre. gegründeten Band AquariumAquarium gehört zu den Urvätern der russischen Rockgeschichte. Die Band formierte sich 1972 und genießt auch heute noch größte Popularität in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. Frontmann der Gruppe ist Boris Grebenschtschikow, der oft auch einfach BG genannt wird.. Seit den 1970er Jahren verstanden sich viele Rockmusiker als Akteure der Gegenkultur. Während einige Künstler wie Alexander Gradski zumindest im Fernsehen und auf Schallplatte auch Lieder von „offiziellen“ Komponisten sangen, lehnten viele andere die staatlich geförderte Unterhaltungsmusik der sogenannten EstradaDer Begriff Estrada ist nicht trennscharf, üblicherweise wurden unter der Bezeichnung alle Richtungen der Bühnenkunst zusammengefasst, die in der Sowjetunion populär waren. Im engeren Sinne kann Estrada mit der deutschen Schlagermusik verglichen werden. Wegen der häufig propagandistischen Ausrichtung und üblicherweise wenig anspruchsvollen Texten wurde das Genre von Musik-Kritikern oft verrissen. Heute wird der Begriff Estrada häufig als Synonym zur einfachen, oft sentimentalen, Popmusik verwendet.   ab.

Generation der Hausmeister und Wächter

Die Machthaber missbilligten die Rockmusik nicht allein wegen ihrer musikalischen Form. Besonderen Argwohn erfuhren die Texte, die sich oft kritisch mit den sowjetischen Gegebenheiten auseinandersetzten. Sie würden angeblich „fremde Ideale und Auffassungen“ propagieren, wie es in einer Verordnung des Kulturministeriums hieß. Ohne die Möglichkeit, offizielle Konzerte zu geben oder Schallplatten zu veröffentlichen, mussten sich die Musiker der sogenannten „Generation der Hausmeister und Wächter“ ihren Lebensunterhalt in einfachsten Brotberufen verdienen. Häufig fanden Konzerte – die sogenannten kwartirniki (von kwartira, dt. „Wohnung“) – in heimischen Wohnzimmern statt. Die Alben erschienen als Kassetten im SamisdatDer Begriff Samisdat kommt aus dem Russischen und bedeutet Selbstverlag. Er beschreibt die Herstellung und Verbreitung von Texten in den sozialistischen Staaten Ost(mittel)europas ohne offizielle Druckgenehmigung an den staatlichen Zensurbehörden vorbei. Seit Anfang der 1960er Jahre wurde die Herstellung und Verbreitung von illegaler Literatur in der Sowjetunion als „antisowjetische Agitation und Propaganda“ verfolgt. Auch in Polen, der Tschechoslowakei oder Ungarn blieben derartige Aktivitäten nicht ungeahndet. und wurden von Gerät zu Gerät weiter überspielt, bis statt der Musik nur noch ein Rauschen zu hören war.

Soundtrack der neuen Zeit

Das äußere Erscheinungsbild der Rockmusiker mit ihren langen Haaren, westlichen Designerjeans und Basketballschuhen erregte das weitere Missfallen der Funktionäre. Die Rockmusik erschien den Jugendlichen im Gegensatz zur offiziellen Musikkultur mit ihren allgegenwärtigen Baritonen authentisch: Sie eröffnete ihnen glaubwürdige emotionale Gegenwelten zum offiziellen sowjetischen Raum. Rockmusik wirkte in der Zeit von PerestroikaIm engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion. und Glasnost durchaus systemverändernd: Die Musik von Gruppen wie Aquarium, KinoKino war eine Rockband aus Leningrad, sie gehörte zu den bedeutendsten Vertretern der Musikszene in der Perestroika-Zeit. Die Band wurde 1981 gegründet, mit dem tödlichen Autounfall des Frontmanns Viktor Zoi wurde die Band 1990 aufgelöst. oder DDTVon Juri Schewtschuk 1981 in Ufa gegründete russische Rockband. DDT gehört zusammen mit Aquarium und Kino zu den bedeutendsten musikalischen Vertretern der Perestroika-Zeit und der modernen russischen Popmusik. Obwohl die Band zeitweise unter Beobachtung des KGB stand und ihre Musik nur im Untergrund veröffentlichen konnte, war sie bereits vor Ende der Sowjetunion auch im Ausland eine der populärsten russischen Bands. bildete gleichsam den Soundtrack der neuen Zeit. Seit Anfang der 1980er Jahre gab es mit dem Leningrader Rock-Klub sogar eine offizielle – wenngleich streng vom Geheimdienst KGB beobachtete – Institution, die Musikern Auftrittsmöglichkeiten verschaffte.

Für die russische Rockmusik sind die Texte von besonderer Bedeutung. Viele Lieder wie Poworot (dt. „Wendung“) von Maschina Wremeni oder Chotschu peremen! (dt. „Ich will Veränderungen!“) von Kino waren offen gesellschaftskritisch. Die Texte anderer Lieder erschienen melancholisch und unverständlich oder hatten einfache und alltägliche Inhalte. Sie vermittelten den Zuhörern, auch wenn sie nicht prononciert systemkritisch waren, ein Gefühl von Freiheit und begleiteten damit den gesellschaftlichen Umbruch der 1990er JahreDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion..

Den gegenkulturellen Nimbus hat die Rockmusik heute in Russland wie im Westen längst verloren, auch wenn die seit den 1970er Jahren tätigen Musiker immer noch aktiv sind und junge Musiker, die ein nonkonformistisches Image pflegen, ebenfalls ihr Publikum finden. Längst bedienen sich aber auch Rechts- oder Linksextremisten der musikalischen Ästhetik des Rock. Den Machthabern jagt die Rockmusik keine Angst mehr ein, wenngleich ihre Protagonisten – wie Juri SchewtschukAls Frontmann der 1980 gegründeten Gruppe DDT zählt Juri Schewtschuk zu den bekanntesten Rocklegenden der ehemaligen Sowjetunion. Schewtschuk bezieht regelmäßig Stellung zu aktuellen politischen Entwicklungen und brachte beispielsweise 2010 gegenüber Putin persönlich seine Sorgen um die russische Demokratie unmissverständlich zum Ausdruck. Während des ersten Tschetschenienkrieges reiste er 1995 und 1996 in die umkämpfte Region, wo er unter anderem vor russischen Soldaten spielte. (DDT) – immer wieder regierungskritisch Stellung beziehen und dafür auch – wie Andrej MakarewitschMit seiner 1969 ins Leben gerufenen Band Maschina Wremeni (dt. „Zeitmaschine“) zählt Frontmann Andrej Makarewitsch zu den Pionieren der sowjetischen Rockmusik. Nach kritischen Äußerungen zur Politik des Kreml im Ukraine-Konflikt und einem Konzert in der Ostukraine für geflüchtete Kinder aus dem umkämpften Donbass-Gebiet gilt Makarewitsch in Teilen der russischen Gesellschaft als Volksverräter. Im russischen Fernsehen wurde ihm unter anderem vorgeworfen, den Faschismus und die Ermordung von Landsleuten zu unterstützen. (Maschina Wremeni) – bedrohliche Medienkampagnen in Kauf nehmen müssen.


-> Mehr zu russischem Rock in diesem Artikel auf dekoder.


1.Komsomolskaja Prawda: Ragu iz sinej pticy
2.Besonders erfolgreich waren die Pojuščie gitary aus Leningrad, die in den späten 1960er Jahren Stadien füllten. Ihre Musik konnte dabei so gut wie niemand hören, weil die technischen Anlagen nicht annähernd ausreichten, um Stadien zu bespielen. Wichtiger war dem Publikum offenkundig ohnehin das Gefühl, Teil eines Konzerterlebnisses zu sein, das sie für ein oder anderthalb Stunden in eine andere Welt entführte. Zwar kamen die Pojuščie gitary in den offiziellen Medien kaum vor, ihre Musik war aber immerhin nicht verboten, und vereinzelt konnten auch Schallplatten mit Beatmusik erscheinen.
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Perestroika

Im engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion.

Auflösung der Sowjetunion

Der Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik.

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Das Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet, aufgrund derer es in das kollektive Gedächtnis als die wilden 1990er eingegangen ist. Mit dem Begriff werden weniger die neu erlangten Freiheiten, sondern eher negative Erscheinungen wie Armut und Kriminalität assoziiert.

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Leonid Breshnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte als erster Mann im Staat fast zwei Jahrzehnte lang das Geschehen der Sowjetunion. Seine Herrschaft wird einerseits mit einem bescheidenen gesellschaftlichen Wohlstand assoziiert, gleichzeitig jedoch auch als Ära der Stagnation bezeichnet.

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Pussy Riot ist eine Gruppe von Kunstaktivistinnen. Internationales Aufsehen erregte ihr Punkgebet im Frühjahr 2012 in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale und vor allem der anschließende Prozess, bei dem zwei Mitglieder zur Haft im Straflager verurteilt worden waren. Seit diese wieder auf freiem Fuß sind, kam es zu diversen Interaktionen mit big politics, Musik- und Showbusiness. Pussy Riot indes beging virtuellen Selbstmord – die Gruppe hat sich aufgelöst.

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Szene aus dem Film Malenkaja Vera (All rights reserved)