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Protest am 25. August 1968

Der Protest wurde von der bekannten sowjetischen Menschenrechtsaktivistin Larissa BogorasLarissa Bogoras war eine russische Linguistin, Publizistin und bekannte Menschenrechtlerin. Sie war vor allem im sowjetischen Untergrund der 1960er Jahre aktiv, als sie Mitschriften von politischen Schauprozessen anfertigte und Informationen darüber auch im Ausland zugänglich machte. Ihre öffentliche Demonstration gegen die gewaltsame Zerschlagung des Prager Frühlings brachte ihr eine Lagerstrafe ein. Auch das hielt sie nicht von ihrem Engagement ab, und so blieb sie auch nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion bis zu ihrem Tod eine der aktivsten Menschrechtlerinnen in Russland. organisiert, die damit gegen die Niederschlagung der Demokatisierungsbewegung des Prager Frühlings in der Nacht vom 20. auf den 21. August protestieren wollte. Am Mittag des 25. August fanden sich am Lobnoe Mesto – einem historischen Architekturdenkmal auf dem Roten Platz an einer Stelle, an der früher Hinrichtungen stattfanden – acht Protestierende ein. Sie zeigten Transparente mit Aufschriften wie „Für eure und unsere Freiheit“, „Schande den Okkupanten“ und „Hände weg von der Tschechoslowakei“. Um keine unbeteiligten Passanten mit in ihre Aktion hineinzuziehen, protestierten sie im Sitzen.

Innerhalb weniger Minuten wurde der Protest von den am Kreml patroullierenden Milizionären gewaltsam aufgelöst. Ursprünglich wurden acht Demonstranten verhaftet, einer wurde später jedoch wieder auf freien Fuß gesetzt, so dass die Aktion unter dem Namen „Demonstration der Sieben“ bekannt wurde.

Einige Demonstranten wurden in psychiatrische Einrichtungen eingewiesen, andere erhielten bis zu vierjährige Haftstrafen. Kritiker warfen dem Regime vor, das Urteil sei bereits vor der Verhandlung gefällt worden.

Rückblickend gilt der Protest als einer der wichtigsten der sowjetischen Dissidentenbewegung. Der Ort des Protests besitzt in Oppositionskreisen noch heute eine große symbolische Bedeutung: So fand am 40. Jahrestag – kurz nachdem Russland im August 2008 im Rahmen des SüdossetienSüdossetien liegt im Norden Georgiens an der Grenze zu Russland. Seit der Unabhängigkeit Georgiens von der Sowjetunion strebte Südossetien nach Autonomie von Georgien. Der Konflikt wurde 1990-1992 und 2004 mit militärischen Mitteln ausgetragen. Im Jahr 2008 eskalierte er erneut: Russische Truppen unterstützen die südossetischen Separatisten – seitdem ist das Gebiet de facto von Georgien unabhängig. Heute wird Südossetien als souveräner Staat von Russland, Venezuela, Nicaragua und Nauru anerkannt. Konflikts in Georgien einmarschiert war – eine Demonstration statt, auf der ebenfalls der Slogan „Für eure und unsere Freiheit“ benutzt wurde, wobei die Protestler jedoch darauf hinwiesen, dies stünde nicht im Zusammenhang mit den Ereignissen im Südkaukasus.

Zum 45-jährigen Jubiläum am 25. August 2013 fand erneut eine Aktion mit demselben Slogan statt, auf der sogar eine der Demonstrantinnen von 1968 anwesend war. Wie damals wurden die Demonstrierenden verhaftet, konnten jedoch Haftstrafen entgehen.

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