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Wladimir Medinski

Wladimir Medinski leitet seit 2012 das Kulturministerium der Russischen Föderation. Zu den zentralen Anliegen seiner Kulturpolitik zählen die Förderung des russischen Patriotismus sowie der Einsatz gegen vorgeblich antirussische Tendenzen in der Kultur.

Medinski (geb. 1970) hat Journalismus am Moskauer Institut für Internationale Beziehungen studiert, der Kaderschmiede für angehende Diplomaten. Medinski war in der Sowjetunion zunächst als überzeugter Kommunist im KomsomolKommunistische Jugendorganisation der Sowjetunion. Das Kurzwort steht für​ Kommunistitscheski sojus molodjoshi​. Die politische Nachwuchsorganisation der KPdSU wurde 1918 für die 14- bis 28-Jährigen gegründet. Der Komsomol entwickelte sich rasch zu einer Massenorganisation mit 40 Mio. Mitgliedern im Jahre 1988. Er spielte eine zentrale Rolle in der politisch-ideologischen Erziehung der sowjetischen Jugendlichen. aktiv, nach 1991 unterstützte er die liberale Politik JelzinsBoris Jelzin (1931–2007) war der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands. Er regierte von 1991 bis 1999, seine Amtszeit war durch tiefgreifende politische und ökonomische Krisen geprägt. Jelzin setzte massive Reformen in Gang: unter anderem ein Programm zur Privatisierung von Staatseigentum und ein folgenschweres Programm zur Umgestaltung der politischen Kultur. Letzteres bezeichnen viele Wissenschaftler als „Entsowjetisierungs-Programm.”, anschließend den autoritären Kurswechsel Putins.

Medinski promovierte 1993 in Politikwissenschaften und schloss 1999 seine Habilitation ab. Die Antiplagiatsinitiative Dissernet deckte später auf, dass sich auf 87 von 120 Seiten in seiner Promotion Plagiate aus Arbeiten seines Doktorvaters finden.1

Ende der 1990er JahreDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. ging Medinski zunächst in den Staatsdienst und arbeitete kurzzeitig für die Steuerpolizei, bis er in die Politik wechselte, wo er von 2002 an für die Regierungspartei Einiges RusslandDie Partei Einiges Russland ist der parlamentarische Arm der Regierung. Ihre Wurzeln entstammen einem Machtkampf zwischen Jelzin und seinen Herausforderern im Jahr 1999. Danach entwickelte sie sich schnell zu einer starken politischen Kraft: Seit 2003 hat sie eine absolute Mehrheit der Parlamentssitze inne. Obwohl sie durchaus eine Stammwählerschaft entwickelt hat, verdankt sie ihren Erfolg zu großen Teilen Putins persönlicher Beliebtheit. tätig war. Für diese leitete er bei den Parlamentswahlen 2003 die Moskauer Wahlkampagne und zog auch für sie, ebenso wie bei den darauffolgenden Wahlen 2007, selbst in die DumaAls Staatsduma wird das 450 Abgeordnete umfassende Unterhaus der Föderalen Versammlung Russlands bezeichnet. Im Verhältnis zu Präsident und Regierung nimmt die Duma verfassungsmäßig im internationalen Vergleich eine schwache Stellung ein. Insbesondere das Aufkommen der pro-präsidentiellen Partei Einiges Russland führte dazu, dass die parlamentarische Tätigkeit zunehmend von Präsident und Regierung bestimmt wurde. ein. Bei den Parlamentswahlen 2011 erhielt er kein Mandat mehr für die Duma, wurde aber als enger Vertrauter Wladimir Putins zum Kulturminister ernannt. Bei vielen Kulturschaffenden stieß diese Personalie auf Ablehnung, so spottete der bekannte Galerist Marat GelmanEin erfolgreicher russischer Galerist und Publizist (geb. 1960). In der moldawischen SSR geboren und zum Ingenieur ausgebildet, übersiedelte er infolge seiner ersten Ausstellung 1987 nach Moskau, wo er 1990 eine der ersten unabhängigen Galerien für zeitgenössische Kunst eröffnete. Diese entwickelte sich zum Zentrum der modernen Kunstszene Russlands. Gelman stand zwischen 2009 und 2013 auch dem neu gegründeten Museum für moderne Kunst in Perm vor., Medinskis Ernennung mache aus dem Kulturministerium ein „Ministerium für Propaganda“.2

Der breiten Öffentlichkeit ist Medinski auch als Publizist bekannt. In seiner Publikationsreihe Mythen über Russland greift er „negative Mythen“ der russischen Geschichte auf und versucht diese zu widerlegen. Medinski ist Mitglied in der von Präsident MedwedewDimitri Medwedew ist seit 2012 Premierminister und bekleidete von 2008 bis 2012 das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation. Er gehört zu den engsten Vertrauten von Präsident Putin und nimmt, nicht zuletzt als Vorsitzender der Regierungspartei Einiges Russland, eine wichtige Rolle im politischen Systems Russlands ein. eingesetzten und unter Historikern nicht unumstrittenen Kommission Zur Verhinderung der Fälschung der Geschichte zum Schaden der Interessen Russlands, die ein einheitliches und positives Geschichtsbild zeichnen soll. Kritiker werfen Medinski allerdings vor, es mit der historischen Wahrheit nicht immer genau zu nehmen. Als kürzlich ein Heldenmythos über eine Schlacht vor den Toren Moskaus vom Staatsarchiv offiziell als sowjetische Propaganda und Erfindung entlarvt wurde3, äußerte er sich so: „Diejenigen, die mit ihren dreckigen fettigen Fingern in der Geschichte von 1941 herumwühlen, sollte man mit der Zeitmaschine in die Gräben von damals mit einer Handgranate gegen faschistische Panzer schicken. Meine Überzeugung: Man soll mit dem widerlichen Beschmutzen dieses Themas aufhören”.4

Besuch im Polytechnischen Museum 2013 © CC BY 2.0Medinskis Kulturpolitik steht für den zunehmenden, öffentlich geförderten russischen Patriotismus und setzt sich gegen vorgeblich antirussische Tendenzen in der Kultur ein, was oft zu Lasten unabhängiger und kritischer Kulturschaffender geht. So entließ er den Kurator des russischen Pavillons auf der Biennale in Venedig, Grigori Rewsin, nachdem dieser sich gegen die Krim-AnnexionAls Krim-Annexion wird die einseitige Eingliederung der sich über die gleichnamige Halbinsel erstreckenden ukrainischen Gebietskörperschaft der Autonomen Republik Krim in die Russische Föderation bezeichnet. Seit der im Frühjahr 2014 erfolgten Annexion der Krim ist die Halbinsel de facto Teil Russlands, de jure jedoch ukrainisches Staatsgebiet und somit Gegenstand eines ungelösten Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland. ausgesprochen hatte. Dem sozialkritischen russischen Film LeviathanDer Film Leviathan von Andrej Swjaginzew ist ein 2014 erschienenes russisches Sozialdrama. Der international beachtete und mit dem Golden Globe gekrönte Film löste in Russland aufgrund der kritischen Darstellung der russischen Lebensrealität heftige Kritik aus., der vom Kulturministerium gefördert wurde, warf er ein unpatriotisches Russlandbild vor und stellte in Aussicht, derartige Filme zukünftig nicht mehr zu fördern. Zuletzt sorgte Medinski im März 2015 für Aufsehen, als er auf Druck der Russisch-Orthodoxen KircheDie Russisch-Orthodoxe Kirche ist die christliche Kirche mit der größten Glaubensgemeinschaft in Russland. Prägend für ihr Verhältnis zum russischen Staat ist das von der byzantinischen Mutterkirche übernommene Ideal der Symphonie, d. h. einer harmonischen Beziehung zwischen Staat und Kirche. Vor 1917 galt die Orthodoxie neben der Autokratie und dem „Volk“, genauer: einem volksverbundenen Patriotismus, als eine der wichtigsten Stützen des russischen Staates und des Zarenreichs – eine Traditionslinie, die heute wieder wirksam scheint., die eine Tannhäuser-Inszenierung an der Nowosibirsker Oper kritisierte, kurzerhand den Operndirektor entließ.5


1.Dissernet: Ekspertisa. Medinski Wladimir Rostislawowitsch
2.Gaseta.ru: Ministr Mifow. Ministrom kultury w nowom prawitelstwe budet Wladimir Medinski
3.Staatsarchiv der Russischen Föderation: Sprawka-doklad glawnowo woennowo prokurora N. Afanasewa „O 28 panfilowzach“
4.Rbc.ru: Medinski – RBK: „Kto u nas liberaly? Internet-klikuschi i ich kumiry?“ oder auch: Frankfurter Allgemeine Zeitung: Kriegsdenkmäler in Russland. Die unfassbare Lüge dieser Helden
5.Bayerischer Rundfunk: Eklat um „Tannhäuser“ in Nowosibirsk. Demonstration um Absetzung
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Im September 2014 unterzeichnete Gandlewski zusammen mit 6.000 weiteren Intellektuellen eine Erklärung gegen die russische Aggression in der Ukraine.

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Kurz vor der Dumawahl 2016 war es soweit: Das Lewada-Zentrum, das als das einzige unabhängige Meinungsforschungsinstitut Russlands gilt, wurde als ausländischer Agent registriert. Dem international renommierten Institut droht nun die Schließung. Weshalb das Lewada-Zentrum den russischen Behörden schon seit Jahren offenbar ein Dorn im Auge ist, erklärt Eduard Klein.

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Jewgeni Jasin (geb. 1934) ist ein liberaler russischer Ökonom, der zunächst als Berater von Boris Jelzin und von 1994-1997 dann als Wirtschaftsminister die Wirtschaftsreformen der Jelzinzeit entscheidend mitprägte. Auch nach seinem Ausscheiden aus der aktiven Politik ist er weiterhin gesellschaftspolitisch aktiv: Jasin ist Forschungsdirektor der Higher School of Economics, leitet die Stiftung Liberale Mission und ist Kolumnist beim unabhängigen Radiosender Echo Moskwy. Als Vertreter der wirtschaftsliberalen Elite kritisiert er die zunehmende Autokratisierung in Putins Regime und fordert mehr Rechtsstaatlichkeit ein.

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Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)