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Juri Norstein

Mit Zeichentrickfilmen wie Joshik w Tumane (dt. „Der Igel im Nebel“) erschuf Juri Norstein außergewöhnliche filmische Welten, die der Animation eine neue Richtung verliehen und Kinder wie Erwachsene bis heute begeistern und berühren. Henriette Reisner über den russischen Trickfilmer, der am 15. September seinen 80. Geburtstag feierte.

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Blokadniki

Vor 80 Jahren begann die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Während der Belagerung der Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 kamen über eine Million Menschen ums Leben. Die meisten verhungerten oder erfroren, viele starben im Bomben- und Artilleriebeschuss. Nina Weller über das Schicksal der Blokadniki.

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Bantiki – Haarschleifen

Je kleiner die Mädchen, desto größer die Haarschleife? Die riesigen weißen bantiki, die Haarschleifen sowjetischer Schülerinnen waren Ikonen einer idealisierten sowjetischen Kindheit. Wie die Blumensträuße für die Lehrerinnen gehören sie auch heute noch zu den Bildern des ersten Schultags, dem 1. September.

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Noworossija

Als Noworossija (dt. Neurussland) wird derzeit von russischer Seite häufig der Südosten der Ukraine bezeichnet. Der Begriff wird auf unterschiedliche Gebiete angewendet, meistens werden aber darunter Territorien verstanden, die in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unter Katharina der Großen durch Russland erobert wurden. Im Zuge der Ukraine-Krise begannen die russischen Unterstützer der Separatisten diesen Begriff zu benutzen, um die sich abspaltenden Gebiete zu bezeichnen und diesen eine stärkere russische Identität zu verleihen.

Vor dem 18. Jahrhundert war Neurussland zum Teil Grundgebiet des Khanats der Krim, zum Teil weitgehend unbesiedeltes und von Kosaken beherrschtes Land. Die Territorien der heutigen Ost- und Südukraine – die Krim, Bessarabien und sonstige Gebiete an der Küste des Schwarzen und des Asowschen Meeres – wurden im Zuge der Russisch-Türkischen Kriege in den Jahren 1764 – 1768 erobert.1 Während der Revolution von 1917 und des darauffolgenden Bürgerkrieges wurde diese Region zur Hochburg der „weißen“, d. h. anti-revolutionären Bewegung und war eine Zeit lang de facto unabhängig. Die Region wurde gegen Ende des Bürgerkrieges 1922 in die Sozialistische Sowjetrepublik Krim integriert.

In Bezug auf die separatistischen Gebiete der Ukraine wurde der Begriff von Präsident Putin nur einmal benutzt – während seiner Bürgersprechstunde am 17. April 2014 (die Bürgersprechstunde ist eine Live-Sendung mit jeweils drei bis vier Stunden Dauer). Damals zählte er Charkow, Luhansk, Donezk, Cherson, Nikolajew und die Krim zu Noworossija – eine wesentlich größere Region, als die, die historisch unter diesem Begriff verstanden wird. Laut Putin wurde die Region erst unter den Bolschewiken an die Ukraine übergeben und gehöre damit eigentlich zu Russland. Der Begriff wurde im Anschluss darauf von vielen offiziellen Sprechern, Journalisten und Propagandisten verwendet sowie von Ideologen der eurasischen Bewegung aufgegriffen. Am 24. Mai 2014 kündigten die nicht anerkannten Donezker und Luhansker Volksrepubliken an, sich unter diesem Namen zusammenzuschließen. Die beiden selbsternannten Republiken haben allerdings eigene Regierungen und Verwaltungsstrukturen beibehalten, sodass der Zusammenschluss de facto nur auf dem Papier erfolgte. In der Region, die von den russischen Politikern und Journalisten als Noworossija bezeichnet wurde, leben viele ethnische Russen, die mehrheitlich Russisch als ihre Muttersprache ansehen.2

Zu den überzeugten Anhängern des Konzeptes Noworossija zählen hauptsächlich Mitglieder des 2012 gegründeten Isborski Klub, eines erzkonservativen Think Tanks geleitet von Alexander Prochanow3. Zum Gedankengut des Klubs gehören Imperialismus und orthodoxes Christentum, sie teilen aber auch in gewisser Hinsicht die Idee der Eurasischen Bewegung.  Das Konzept Noworossija zieht aber eine wesentlich größere Vielfalt an Anhängern an. Neben den Eurasisten sind es vor allem die Vertreter der „roten“ (kommunistischen), „weißen“ (zaristischen) und „braunen“ (nationalistischen) Ideologien. Trotz ihrer ideologischen Vielfalt haben die Noworossija-Anhänger zwei grundlegende Gemeinsamkeiten. Zum einen sehen sie alle Russland als Großmacht und erwarten, dass Russland dieser Rolle in der Region nachkommt und die russischsprachige Bevölkerung in Noworossija nicht im Stich lässt. Zum anderen sind sie alle Vertreter illiberalen Gedankengutes.4

Allerdings ist etwa seit Mitte 2015 die Rede davon, dass Russland Noworossija aufgegeben habe – der Terminus war aus dem offiziellen Sprachgebrauch weitgehend wieder verschwunden, wie der folgende Suchmaschinenchart zeigt.

Dass der Begriff überhaupt von russischen Politikern und Ideologen benutzt wurde, war aber ein nicht unwichtiger Versuch, den ostukrainischen Separatisten mehr Legitimität zu geben und eine mögliche Annexion der Ostukraine genauso wie die der Krim ideologisch und historisch zu begründen. Man kann davon ausgehen, dass das Verschwinden des Begriffes aus dem staatlich gelenkten Teil des öffentlichen Diskurses bedeutet, dass die Idee einer Annexion der Ostukraine vorläufig aufgegeben wurde.


1.Eine Karte des historischen Noworossija findet sich hier: Musings on Maps: Tag Archives: Novorossiya
2.Petro N. (2015): Understanding the Other Ukraine: Identity and Allegiance in Russophone Ukraine, in: Pikulicka-Wilczewska, A. / Sakwa R. (Hrsg.): Ukraine and Russia: People, Politics, Propaganda and Perspectives, E-International Relations
3.Eine Beschreibung von Noworossija aus der Sicht Alexander Prochanows: Izvestija: Novorossija – roždennaja v ogne
4.Laruelle, M. (2015): The three colors of Novorossiya, or the Russian nationalist mythmaking of the Ukrainian crisis, in: Post-Soviet Affairs 2015, online publiziert am 21.03.2015

 

 

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