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April 2017: Lesen, Wischen, Recherchieren

Quelle dekoder

Liebe dekoder-Leserinnen und -Leser,

normalerweise melden sich an dieser Stelle die redaktionellen Macher von dekoder zu Wort – für das heutige Editorial wurden wir gebeten, einige Zeilen beizusteuern – was wir sehr gerne tun!

Wir sind das Palasthotel, Gesellschaft für digitale Pracht mbH. Wir sind die technischen Macher, die dem dekoder-Team beim Aufbau der Seite geholfen haben. Vor allem bei der Programmierung und Realisation der Seite mit dem Content-Management-System Drupal, aber auch konzeptionell und gestalterisch, um die von Herausgeber Martin Krohs im Artikel Unser Geist so wunderbar beschriebene Idee von Assoziationen, Querverweisen und mehrdirektionalen Diagonalen im Internet in eine reale und responsive, also auch mobil vollständig benutzbare Webseite zu verwandeln.

Für die kombinierte Darstellung der zentralen Artikel und ihrer weiterführenden Begriffserklärungen (Gnosen) entwickelten wir ein Design, das sich an die Bedienung alter Mikrofiche-Lesegeräte anlehnt, bei denen der Benutzer den Mikrofilm unter dem Objektiv hin- und herschiebt. Auf dekoder.org verschiebt der Leser die Spalten Medien und Gnosen und kann bequem zwischen Inhalten wechseln. Um dieses ungewöhnliche Design zu realisieren, haben wir das ein klein wenig unflexible Drupal nicht nur mit unserer OpenSource-Eigenentwicklung Grid ausgestattet, mit dem Redaktionen möglichst komfortabel Landingpages mit statischen sowie dynamischen Inhalten bestücken können. Sondern wir haben mittels jQuery und Ajax auch dafür gesorgt, dass die beiden Inhaltsbereiche (links Medien, rechts Gnosen) animiert hin und her verschoben werden können. Javascript sorgt dann für das asynchrone Nachladen von Inhalten sowie entsprechende Animationen.

Damit sich die dekoder-Redaktion hinter dem Vorhang, also im Innern des Redaktionssystems, im täglich größer werdenden Meer aus verknüpften Artikeln und Gnosen trotzdem möglichst gezielt und genau bewegen kann, zeigt ein sich permanent selbst aktualisierendes Modul alle bereits bestehenden Verweise zwischen verschiedenen Inhalten an. Dabei werden Querverbindungen nicht nur manuell, sondern auch vollautomatisiert hergestellt: Ein von uns gebauter Autolinker durchsucht die Texte in Echtzeit auf Schlagwörter aus Gnosen-Titeln und verlinkt sie entsprechend. Ungewollte Autoverlinkungen können dabei natürlich auch ausgeschlossen werden – um zu vermeiden, dass Sie als Leser etwa im Wort SchaFSBAls Inlandsgeheimdienst ist der FSB die Nachfolgeorganisation des sowjetischen KGB. Die Abkürzung FSB steht für Federalnaja Slushba Besopasnosti, auf Deutsch: Föderaler Sicherheitsdienst.ock einen Link auf den russischen Inlandsgeheimdienst FSBAls Inlandsgeheimdienst ist der FSB die Nachfolgeorganisation des sowjetischen KGB. Die Abkürzung FSB steht für Federalnaja Slushba Besopasnosti, auf Deutsch: Föderaler Sicherheitsdienst. angeboten bekommen. Die Redaktion kann sich also meist auf das reine Erstellen neuer Inhalte konzentrieren, um das hypertextuale Netz immer noch dichter und größer aufzuspannen.

Wir wünschen viel Vergnügen beim Lesen, Wischen, Recherchieren, Assoziieren – und sich einfach mal Verlieren!

Sascha Hagemann
Palasthotel, Gesellschaft für digitale Pracht mbH 

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Samogon

Als Samogon bezeichnet man einen in häuslicher Eigenproduktion und für den Eigenbedarf hergestellten Schnaps. Grundlage bildet eine Maische, die in der Regel aus Kartoffeln, Früchten, Zucker oder Getreideprodukten besteht und in selbstgebauten Anlagen destilliert wird. Vor allem in den Übergangsphasen vom Zarenreich zur Sowjetunion und später während der PerestroikaIm engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion. war der Samogon, der inzwischen fest zur russischen Alltagskultur zählt, weit verbreitet.

Der Begriff Samogon für eine unter häuslichen Bedingungen und für den eigenen Bedarf hergestellten Spirituose entstand Anfang des 20. Jahrhunderts. Ursächlich für die weite Verbreitung der Schwarzbrennerei war das sogenannte suchoi sakon (wörtlich: trockenes Gesetz): Kurz vor Ausbruch des Ersten WeltkriegsRussland ist dem Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten Anfang August 1914 beigetreten. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen kam es zu Rückschlägen und bald stellte sich heraus, dass der russische Staat den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen war. Die Transportprobleme und schlechte Versorgung der Städte führten Anfang 1917 zu großen Demonstrationen, die in die Februarrevolution mündeten. Die Frage von Frieden und Krieg war auch nach der Abdankung Nikolaus´ II. von entscheidender Bedeutung. Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter, was zu einem militärischen und innenpolitischen Desaster führte. Erst nach der Oktoberrevolution wurde am 3. März 1918 ein separater Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Russland musste erhebliche Verluste an Territorium, Produktionskapazitäten und Bevölkerung hinnehmen. erließ Zar Nikolaus II.Nikolaus II. (1868–1918) war der letzte russische Zar. Der Sohn Alexanders III. regierte von 1894 bis zu seiner erzwungenen Abdankung am 02. (15.) März 1917. Unter seiner Herrschaft verlor Russland nicht nur den Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, sondern erlebte auch die Revolution von 1905, die zur Einführung des ersten russischen Parlaments, der Duma, führte. In der historischen Forschung wird Nikolaus II. oft als eher schwacher und unentschlossener Herrscher dargestellt. Im Juli 1918 wurde er gemeinsam mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Im Jahr 2000 wurden er und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. 1914 einen UkasAls Ukas wird ein Präsidentenerlass bzw. -dekret mit Gesetzeskraft bezeichnet, der die Herstellung und den Verkauf aller Sorten alkoholischer Produkte im Zarenreich verbot. In der Folge begannen immer mehr Menschen, selbst Schnaps zu brennen - auf Russisch sam gonju, woher sich auch der Begriff Samogon ableitet.

Herstellung von Samogon. Foto © Yuriy75 unter CC BY-SA 3.0Die BolschewikiDie Bolschewiki („Mehrheitler“) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki („Minderheitler“) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  schafften das suchoi sakon zunächst nicht ab. Als die Schwarzbrennerei jedoch immer größeren Umfang annahm, sahen sie sich 1923 letztlich doch gezwungen, die gewerbliche Produktion und den offiziellen Verkauf von Alkohol wieder zu gestatten. Gleichzeitig wurde dafür ein striktes Verbot zur Herstellung von Samogon eingeführt, das bis zum Ende der Sowjetunion Bestand hatte. Es konnte allerdings nicht konsequent durchgesetzt werden: So führte zum Beispiel die bekannte Anti-Alkoholkampagne unter Michail GorbatschowGeboren 1936 beerbte Gorbatschow 1985 Konstantin Tschernenko als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Seine Reformprogramme Glasnost und Perestrojka öffneten die UdSSR für politische und wirtschaftliche Veränderungen, die im – von ihm nicht angestrebten – Zerfall der UdSSR mündeten. Er leitete das Ende des Kalten Krieges ein, ermöglichte die deutsche Wiedervereinigung und erhielt für seine Verdienste 1990 den Friedensnobelpreis. Im heutigen Russland werfen ihm viele vor, für den Zusammenbruch der Sowjetunion und die wirtschaftlichen Probleme der 1990er Jahre verantwortlich zu sein. von 1985 bis 1991 zum erneuten Aufblühen der Schwarzbrennerei, wobei der auf dem Schwarzmarkt erhältliche Samogon von minderer Qualität war und oft Gesundheitsprobleme hervorrief.

Bis heute bleibt die heimische Eigenherstellung von Samogon eine weitverbreitete Praxis. In der gegenwärtigen Gesetzgebung der Russischen Föderation gibt es kein Verbot der Herstellung von Samogon, wenn auch entsprechende Intitiativen mehrmals in der DumaAls Staatsduma wird das 450 Abgeordnete umfassende Unterhaus der Föderalen Versammlung Russlands bezeichnet. Im Verhältnis zu Präsident und Regierung nimmt die Duma verfassungsmäßig im internationalen Vergleich eine schwache Stellung ein. Insbesondere das Aufkommen der pro-präsidentiellen Partei Einiges Russland führte dazu, dass die parlamentarische Tätigkeit zunehmend von Präsident und Regierung bestimmt wurde. vorgeschlagen wurden, zuletzt Anfang Juli 2015.1


1.Lenta.ru: „Wodka pachnet ukolom w sadnizu“. Potschemu w Rossii ne stoit sapreschtschat proiswodstwo samogona
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