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Vom Ökostrom-Vorreiter zum Erdöl-Junkie

Elektroautos, Windkraft und Solaranlagen: Die Sowjetunion hatte das alles schon. Wie die UdSSR zunächst Vorreiter der erneuerbaren Energien wurde und weshalb daraus schließlich doch nichts wurde – das beschreibt Konstantin Ranks in einem Rückblick auf Republic.ru.

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Der Sonnenofen „Sonne“ lenkte mit Hilfe von Heliostaten das Sonnenlicht auf einen Sammelspiegel / Fotos © Victor Borisov/Livejournal

Was erneuerbare Energien angeht, liegt Russland weit hinter den Weltmarktführern zurück. Was bei genauerer Betrachtung recht sonderbar ist: Denn noch vor einem halben Jahrhundert gehörte Russland zur Avantgarde innerhalb der Bewegung für eine neue Energiewirtschaft. Damals ging es allerdings noch nicht um ökologische Nachhaltigkeit – eher um eine billige Energievariante.

Man kann sich das heute kaum noch vorstellen, aber bis Mitte der 1960er Jahre war die Sowjetunion im Grunde Erdölmangel-Land. Die Stromgewinnung aus erneuerbaren Energiequellen war eine objektive Notwendigkeit – zumal der Führer des Weltproletariats LeninNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen.  und seine Gesinnungsgenossen die saubere Elektroenergie als Hauptquell der neuen Industrialisierung ansahen – und nicht die durch Dampf oder Benzin erzeugte Energie. Der GOELRO-Plan zur staatlichen Elektrifizierung Russlands aus dem Jahr 1920, der von einem 200-köpfigen Wissenschaftlerkollektiv vorgelegt worden war, sah den Einsatz unterschiedlichster Energiequellen vor.

Exotische ingenieurtechnische Forschungen

Die Frage, wo die elektrische Energie herkommen sollte, um Industriebetriebe und die über das riesige Land verteilten Orte zu versorgen, regte zu recht exotischen ingenieurtechnischen Forschungen an, die bis Anfang der 1990er JahreDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. fortgeführt wurden. Im Moskauer Krshishanowski-Institut für EnergietechnikDas Krshishanowski-Institut für Energietechnik ist eine 1930 in Moskau gegründete Forschungseinrichtung, die Lösungen für die Energieversorgung entwickelt. Das Institut arbeitet derzeit unter anderem an einer Energiestrategie, die eine langfristige Versorgung Russlands mit elektrischer Energie sicherstellen soll. erforschte man die Nutzung von Sonnenenergie mit dem Ziel, Sonnenöfen und Solarheizkraft­werke zu bauen.

Ein Solarofen namens Sonne in Taschkent

Ein Solarofen namens Sonne wurde 1981 in der Nähe von TaschkentTaschkent ist die Hauptstadt Usbekistans, das bis 1991 eine von 15 Republiken der Sowjetunion war. Usbekistan gehörte zu den sonnigsten Regionen der UdSSR, unter anderem deshalb war die Teilrepublik Zentrum der sowjetischen Baumwollindustrie. Noch heute ist das Land der drittgrößte Baumwollexporteur der Welt. errichtet. Der Ofen war mit 62 beweglichen Heliostaten ausgestattet, die die Sonnenstrahlen auf einen Sammelspiegel lenkten; dieser wiederum bündelte die Strahlen dann auf einem speziellen Versuchstisch. Innerhalb weniger Sekunden stieg die Temperatur im Brennpunkt des Systems auf über 3000 Grad Celsius. Das ermöglichte es, das Verhalten von Stoffen unter den Bedingungen des sogenannten thermischen Schocks zu untersuchen.

62 bewegliche Heliostaten bündeln das Sonnenlicht auf einem Versuchstisch – in kürzester Zeit steigt die Temperatur auf über 3000 Grad Celsius

Das Sonnenwärmekraftwerk SES-5 funktionierte nach dem gleichen Prinzip: Ein System von 1600 Heliostaten, die sich automatisch nach der Sonne ausrichteten, warf das Sonnenlicht auf einen in der Spitze des 99 Meter hohen Turms untergebrachten Dampfkessel. Der erhitzte Dampf wurde in den Turbinenraum im unteren Teil des Turms geleitet. Mit Hilfe der dort befindlichen Wärmespeicher konnte der Normalbetrieb des Kraftwerks für drei bis vier Stunden aufrecht­erhalten werden, etwa im Fall unerwarteter Bewölkung.

Das Kraftwerk stand im Osten der KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus., seine Leistung betrug 5000 kW, womit es damals (1985) zu den stärksten Solarkraftwerken der Welt gehörte. Im Übrigen war das Krim-Kraftwerk in erster Linie eine Versuchsplattform, dort sollte erarbeitet werden, welche Besonderheiten bei einem Kraftwerk mit erheblich höherer Leistung zu beachten wären. Doch als mit dem Zerfall der UdSSRDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. die Finanzierung eingestellt wurde, stellte auch SES-5 seinen Betrieb ein und kam auf den Schrott.

Erfinder sahen für die Windkraft in Russland eine große Zukunft

Insgesamt hatte die Nutzung von Wasserkraft einen bedeutenden Anteil an der Energiebilanz des Landes (bis zu 20 Prozent). Doch die Gewinnung von Wasserkraft im Flachland erfordert den Bau von Staudämmen (und verursacht entsprechende Kosten), wohingegen die Nutzung von Windkraft nichts Derartiges notwendig machte.

Elektroautos, Windkraft und Solaranlagen: Die Sowjetunion war lange Zeit Vorreiter in der Entwicklung erneuerbarer Energie

1923 hatte der sowjetische Staat für die Windkraftanlage des Kursker Erfinders Anatoli Ufimzew 5000 Rubel bereitgestellt. Im Februar 1931 ging das Kraftwerk an den Start. Die Erfinder sahen für die Windkraft in Russland eine große Zukunft – sie sprachen [in Anspielung auf Lenins Staatsplan zur Elektrifizierung1920 formulierte Lenin einen Leitspruch: „Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes“. Nach dem Bürgerkrieg sollte diese Losung maßgeblich für die wirtschaftliche Entwicklung Sowjetrusslands sein.] von der „AnemofizierungVon griechisch άνεμος (ánemos) – Wind. Anemo- bedeutet entsprechend „den Wind betreffend“.“ Russlands: das Ufimzewsche Windrad überlebte sowohl den Zweiten WeltkriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. als auch seine Erbauer und gab erst in den 1950er Jahren seinen Geist auf.

Nach dem Krieg wurden serienmäßig kleinere Windaggregate für den Betrieb von Rundfunkstationen und für die Ortsbeleuchtung hergestellt. Damals kamen auch die sogenannten kombinierten Windkraftanlagen auf, bei denen Windgeneratoren mit Dieselanlagen kombiniert wurden (sobald der Wind nachließ, sprangen automatisch die Dieselgeneratoren an).

Auf der Suche nach dem Energie-Eldorado der UdSSR

In den 1950er Jahren weckte die Suche nach einem Energie-Eldorado in der UdSSR das Interesse an den unterschiedlichsten Energieformen. Neben industriellen Experimenten mit Atom-, Sonnen- und Windenergie wurde auch Exotischeres erforscht. So zum Beispiel im Jahr 1966 in einem Flusstal auf der Kamtschatka-Halbinsel, wo ein Geothermie-Kraftwerk mit einer Leistung von 5000 kW gebaut und in Betrieb genommen wurde – es war landesweit das erste und weltweit das erste mit Niedertemperatursystem. Solche Kraftwerke, die als Wärmeträger leichterhitzbare Flüssigkeiten benutzen, hätte man gut auch im Nordkaukasus, in Ostsibiren und sogar in der Ukraine errichten können.

Erdölmangelverwaltung

Offensichtlich konnte Sowjetrussland auf dem Gebiet der Erdölförderung mit den entwickelten Ländern nicht Schritt halten. Obwohl 1932 Öl in BaschkirienRepublik Baschkortostan oder Baschkirien ist eine Region im Osten des europäischen Teils Russlands. In der Republik leben rund vier Millionen Menschen. Mit großen Ölvorkommen und guter Infrastruktur gehört Baschkortostan zu den reichsten Regionen des Landes. entdeckt worden war, kam die Erschließung nur schleppend voran. Zwar betonte die sowjetische Führung stets die Notwendigkeit, die Erdölförderung auszubauen, Öl galt als strategische Ressource, unter anderem für Verteidigungszwecke. Die Frage, weshalb sie damals dennoch prioritär auf Kohleförderung setzte, ist in der Geschichtsforschung Gegenstand zahlreicher Diskussionen.

Ende der 1960er Jahre hatte die Sowjetunion die Chance verpasst, in der Entwicklung moderner Technologien weiter mitzuhalten

Der Entwicklung erneuerbarer Energien hingegen lag eine klare Logik zugrunde: Je mehr die nur knappen Erdölprodukte durch „kostenlose“ Elektrizität ersetzt werden konnten, desto mehr blieb für den Bedarf von Armee, Luftwaffe und Flotte sowie weitere nach Ansicht der sowjetischen Führung elementare Aufgaben übrig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde schnell klar, dass großzügige Erdölreserven eine entscheidende strategische Ressource darstellten. Die USA schwammen in billigem Öl. Auch die Europäer hatten diese Quelle angezapft, aber das Fahren solcher Riesenschlitten, wie sie bei den Amerikanern mittlerweile beliebt waren, konnte man sich im vom Krieg zerstörten Europa und in der UdSSR nicht leisten. Der Bau von Wasserkraftwerken, eines leistungsstärker als das andere, die Errichtung des ersten Atomkraftwerks der Welt in Obninsk, Experimente mit Wind-, Erdwärme- und Flutkraftwerken waren weniger Ausdruck eines neuen Umweltbewusstseins, als vielmehr Konsequenz mangelnder Kohlenwasserstoff­reserven.

Das „große Öl“ in Westsibirien

Kurioserweise gab es nach der Entdeckung des „großen Öls“ in Westsibirien 1963 noch mehrere Jahre ein Gerangel mit den Wasserkraftanhängern, die im Flusstal des Ob ein neues Wasserkraftwerk bauen wollten. Doch Ende der 1960er Jahre und besonders nach dem Erdölembargo der arabischen Länder 1973 sah die sowjetische Führung im Öl eine einfache Lösung für den Berg von Problemen, mit denen sich die Wirtschaft der UdSSR konfrontiert sah.

Die Arbeit mit erneuerbaren Energieträgern verlor vor diesem Hintergrund für die Parteiführung an Reiz. Sie verteilte nun begeistert Öldevisen an Länder, die sich für den „sozialistischen Entwicklungsweg“ entschieden hatten. 

Entwicklung zum Erdöl-Junkie

Im Westen hingegen setzte ab Mitte der 1970er Jahre im Zuge der Vervierfachung des Erdölpreises ein rasanter Wettlauf um die Effektivierung der Ressourcennutzung ein. Letztlich hatte die Sowjetunion Ende der 1960er Jahre die Chance verpasst, in der Entwicklung moderner Technologien weiter mitzuhalten. Sonnenöfen und Wärmekraftwerke, Windgeneratoren- und Hydrothermal­kraftwerke auf der Basis von Niedertemperatur-Kältemitteln – das alles war Weltniveau. Darüber hinaus war im Wolga-AutomobilwerkAwtoWAS (Wolschski awtomobilny sawod, dt. Wolga-Automobilwerk) ist ein seit 1966 bestehender PKW-Hersteller mit Sitz in Toljatti. Zu dem Unternehmen gehören solche Marken wie Shiguli, Niva und Lada. AwtoWAS ist der größte PKW-Hersteller in Russland, es beschäftigt derzeit rund 37.000 Mitarbeiter. jahrelang an der Entwicklung von Elektroautos gearbeitet worden.

Jahrelang arbeitete man im Wolga-Automobilwerk an der Entwicklung von Elektroautos / Foto © Sergey.G/flickr

Welches Verhängnis für Russland darin lag, sich zum „Öl-Junkie“ zu entwickeln, erkannte man sogar in der Erdölbranche. Der Entdecker des sibirischen Öls Salman Farmanow sowie der ehemalige Erdölindustrie-Minister und stellvertretende Vorsitzende des sowjetischen Ministerrats Nikolaj Baibakow hatten in den 1980er Jahren nachdrücklich davor gewarnt, dass eine Wirtschaft, die sich auf den Ölhandel gründet, das Land in die technologische Abhängigkeit führen werde. Doch um diese Gefahr abzuwenden, war es bereits zu spät, wie die folgende Entwicklung zeigte. Dass neue Generationen von russischen Ingenieuren in der Lage sein werden, auf dem Gebiet der regenerativen Energien Neuigkeiten vorzulegen – davon kann man ausgehen.

Das Problem liegt vielmehr darin, dass es eine Nachfrage für diese Entwicklungen nicht nur auf dem Weltmarkt, sondern auch in Russland geben müsste. 

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Siemens in Russland und der Sowjetunion

Es war ein besonderes Jubiläum, das die Siemens AG 2003 in St. Petersburg feierte – 150 Jahre Siemens in Russland. Prominente Gäste nahmen am Festakt teil: unter anderem Präsident Putin und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder. Dieser hob in seiner Rede die große Bedeutung von Siemens für die deutsch-russischen Beziehungen und für die wirtschaftliche Entwicklung Russlands hervor. 
Die Beziehungen des deutschen Unternehmens zum russischen Staat spielten dabei eine zentrale Rolle – nicht nur im vorrevolutionären Zarenreich und in der postsowjetischen Gegenwart. Auch mit der Sowjetunion machte Siemens Geschäfte.

Telegrafenbau während des Krimkriegs 1853 bis 1855

1847 in Berlin gegründet, konzentrierte sich das Unternehmen Siemens anfangs auf die neue Technologie der telegrafischen Kommunikation. Bereits 1849 kamen die ersten Kontakte zu einem Verwaltungsbeamten in Russland zustande.1

Zwei Jahre später zog Carl Siemens, ein jüngerer Bruder des Unternehmensgründers Ernst Werner, nach St. Petersburg. Der Ausbruch des KrimkriegsDer Krimkrieg (1853–1856) war eine militärische Auseinandersetzung zwischen Russland und einer Koalition aus dem Osmanischen Reich, Frankreich, Großbritannien sowie Piemont-Sardinien, die aus konkurrierenden Territorialansprüchen in Südosteuropa entstand. Russland erlitt eine verlustreiche Niederlage, die der Staatsführung die technologische und soziale Rückständigkeit des Landes vor Augen führte. Gleichwohl werden mit dem Krimkrieg bis heute heroische Motive der aufopfernden Verteidigung der Stadt Sewastopol verknüpft. im Oktober 1853 sollte seine Strategie der Markterschließung begünstigen: Russlands Militärführung forderte eine Telegrafenverbindung von der Hauptstadt in das Kriegsgebiet, und Carl Siemens lieferte.

Im Auftrag des russischen Staats verlegte die Firma innerhalb von zwei Jahren rund 9000 Kilometer Telegrafenkabel und schuf damit erstmals eine moderne Kommunikationsinfrastruktur. Den Kriegsausgang hat dies natürlich nicht beeinflusst. Für Siemens aber bedeutete der Auftrag einen enormen Geschäftsaufschwung. Nahezu die gesamte Produktion der Firma ging in diesen Jahren nach Russland.2

Der „Prussky Ingener“ Siemens

Ein wichtiger Grund dafür war, dass Carl Siemens bereits zuvor enge Beziehungen zu Entscheidungsträgern im russischen Staat aufbauen konnte. Im Winter 1853/1854 verlegte die Firma ein Telegrafenkabel vom WinterpalastDer Winterpalast (russ. Simni Dworez) war die Hauptresidenz des russischen Zaren in St. Petersburg. Erstmals errichtet 1711, wurde der Palast 1754 von dem russisch-italienischen Architekten Bartolomeo Francesco Rastrelli neu aufgebaut – wegen mangelnder Imposanz. Heute gilt das Gebäude als eines der Hauptwerke des russischen Barock und beherbergt einen großen Teil des weltweit bekannten Kunstmuseums Eremitage. zur Inselfestung Kronstadt und erwarb sich dadurch das Vertrauen von Graf Kleinmichel, Leiter der russischen Telegrafenverwaltung. 
Dieser mochte den jungen Ingenieur aus Preußen und habe ihm versprochen, er würde „später auch alle [Telegrafen-]Linien zu machen bekommen [sic!] und er [Kleinmichel – dek] wolle künftig jeden Concourrenten [sic!] aus der Türe werfen“3, so schrieb Carl Siemens im Dezember 1853 nach Berlin.

Kleinmichel hielt sein Versprechen, sodass Siemens den Staatsauftrag für die Wartung der Telegrafenlinien bekam und sich in den folgenden Jahren eine privilegierte Position im Zarenreich erarbeiten konnte.

Licht und Schatten

Nach dem Krimkrieg stagnierte das Geschäft allerdings. Erst als die Modernisierungspolitik Zar Alexanders II.Als Reformen Alexanders II. (auch: die Großen Reformen) wird ein Bündel von Gesetzesänderungen bezeichnet, von denen die Abschaffung der Leibeigenschaft 1861 als die wichtigste gilt. Durch weitreichende Strukturreformen sollte das Russische Reich auf die neuen Herausforderungen der Industrialisierung vorbereitet und weiter an europäische Normen herangeführt werden. langsam anfing Früchte zu tragen, konnte Siemens in den 1880er Jahren wieder an die vergangenen Erfolge anknüpfen.

Staatliche Aufträge für die Elektrifizierung setzten dabei die entscheidenden Impulse. Im Herbst 1882 fand in Moskau eine Industrieausstellung statt, auf der Siemens einen erst kürzlich entwickelten elektrischen Zug vorstellte. Zar Alexander III.Zar Alexander III. (1845–1894) regierte Russland als vorletzter Kaiser (1881–1894). Seine Regierungszeit prägten eine repressive Innen- und eine auf Ausgleich bedachte Außenpolitik. Am Ende des 19. Jahrhunderts fühlte er sich zunehmend vor Herausforderungen der Moderne gestellt, sei es in Gestalt politischer Ideen wie des Liberalismus oder durch technische Innovationen wie dem Projekt der Transsibirischen Eisenbahn. ließ sich auf der Miniaturbahn mehrfach im Kreis herumfahren. Zum Dank für diesen „Triumphzug“4 durfte Siemens den kaiserlichen Doppeladler im Briefkopf führen. Das Unternehmen bekam Staatsaufträge für elektrische Bahnen zum Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. 

Wenige Jahre später machte sich Carl Siemens auch bei der elektrischen Beleuchtung verdient. 1883 installierte er elektrische Lampen in der St. Petersburger Isaakskathedrale und auf dem Newski-ProspektDer Newski-Prospekt ist eine der berühmtesten Straßen Russlands und befindet sich im Zentrum Sankt Petersburgs. Angelegt zu Beginn des 18. Jahrhunderts als Verbindungsstraße von der Admiralität zum Alexander-Newski-Kloster, entwickelte er sich bald zu einer beliebten Flaniermeile. Der Newski-Prospekt beherbergt eine Reihe herausragender architektonischer Bauwerke und ist Handlungsort zahlreicher literarischer Werke wie etwa der gleichnamigen Erzählung Nikolai Gogols., auch den Winterpalast durfte Siemens 1887 mit einer Beleuchtungsanlage ausstatten.

Geschäfte ohne staatliche Beteiligung waren dagegen weitaus seltener. Wie auch für die meisten anderen ausländischen Unternehmen, die Ende des 19. Jahrhunderts zunehmend in Russland aktiv wurden, war der russische Staat der weitaus wichtigste Geschäftspartner für Siemens.

Carl Siemens verfügte über exzellente Kontakte zur Staatsmacht, auf seinem Landsitz in der Nähe der Hauptstadt war politische Prominenz häufig gesehen. Zar Nikolaus II.Nikolaus II. (1868–1918) war der letzte russische Zar. Der Sohn Alexanders III. regierte von 1894 bis zu seiner erzwungenen Abdankung am 02. (15.) März 1917. Unter seiner Herrschaft verlor Russland nicht nur den Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, sondern erlebte auch die Revolution von 1905, die zur Einführung des ersten russischen Parlaments, der Duma, führte. In der historischen Forschung wird Nikolaus II. oft als eher schwacher und unentschlossener Herrscher dargestellt. Im Juli 1918 wurde er gemeinsam mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Im Jahr 2000 wurden er und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. erhob den „treuunterthänigen Siemens “5 für seine Verdienste um die russische Elektroindustrie in den erblichen Adel. 

Zu dieser Zeit hatte Russland aber seine anfangs so entscheidende Bedeutung für das Unternehmen schon verloren. Die wirtschaftliche Dynamik im Zarenreich hinkte den westeuropäischen Entwicklungen hinterher, insbesondere die Kriegsniederlage gegen Japan 1905Der Krieg zwischen dem russischen und dem japanischen Kaiserreich (1904–1905) endete für Russland in einer verlustreichen Niederlage. Hintergrund war die Konkurrenz beider Länder um Gebiete in China und Korea sowie der Versuch der russischen Führung, die Bevölkerung von innenpolitischen Problemen abzulenken. Innenminister von Plewe erklärte im Januar 1904, ein „kurzer, siegreicher Krieg“ könne eine Revolution verhindern. Stattdessen beschleunigte die sich abzeichnende Niederlage die revolutionären Ereignisse der Jahre 1905–1907. und die folgenden revolutionären Unruhen im Land hemmten die Geschäftsentwicklung.

Ein Revolutionär als Manager

Als Folge dieser inneren Krisen stellte sich 1908 ein ungewöhnlicher Arbeitssuchender in Berlin-Siemensstadt vor. Es handelte sich um Leonid B. Krassin, der als Gefolgsmann LeninsNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen.  in den Revolutionswirren mehrere Überfälle organisiert hatte und als polizeilich Gesuchter das Zarenreich verlassen musste. 

Krassin war Ingenieur und bot nun seine Dienste dem deutschen Elektrounternehmen an. Dort arbeitete er sich schnell nach oben und wurde 1911 nach St. Petersburg versetzt. Dank guter Beziehungen zwischen Siemens und den staatlichen Behörden blieb Krassin von der Polizei unbehelligt. 

Mit Ausbruch des Ersten WeltkriegsRussland ist dem Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten Anfang August 1914 beigetreten. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen kam es zu Rückschlägen und bald stellte sich heraus, dass der russische Staat den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen war. Die Transportprobleme und schlechte Versorgung der Städte führten Anfang 1917 zu großen Demonstrationen, die in die Februarrevolution mündeten. Die Frage von Frieden und Krieg war auch nach der Abdankung Nikolaus´ II. von entscheidender Bedeutung. Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter, was zu einem militärischen und innenpolitischen Desaster führte. Erst nach der Oktoberrevolution wurde am 3. März 1918 ein separater Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Russland musste erhebliche Verluste an Territorium, Produktionskapazitäten und Bevölkerung hinnehmen. übernahm er die Leitung der russischen Siemens-Niederlassung. Staatliche Aufträge, vor allem für das Militär, sorgten für ein enormes Wachstum. 

Mit der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. änderte sich die Situation dann allerdings völlig. Das Geschäft kam zum völligen Stillstand, und Krassin besann sich seiner früheren Vergangenheit. 1918 nahm er für die BolschewikiDie Bolschewiki („Mehrheitler“) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki („Minderheitler“) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  an den deutsch-sowjetischen Friedensverhandlungen teil. In der Folgezeit wurde er zu einem der wichtigsten Ratgeber Lenins in wirtschaftspolitischen Fragen.6

Seine hervorragenden Kontakte nach Berlin kamen Krassin dabei zustatten. Mehrfach führte er in Berlin-Siemensstadt Gespräche über die Geschäftsmöglichkeiten von Siemens im sowjetischen Russland. Durch die Kriegsniederlage des Deutschen Reichs zerschlugen sich diese Pläne aber zunächst.

Kommunismus – das ist Sowjetmacht plus Elektrifizierung des ganzen Landes

Dieser Leitspruch Lenins aus dem Jahre 1920 sollte maßgeblich für die wirtschaftliche Entwicklung Sowjetrusslands nach dem Bürgerkrieg sein. Ohne die Einbindung ausländischer Unternehmen war dies allerdings nicht realisierbar. 

Krassin, nunmehr Volkskommissar für Außenhandel, reaktivierte daher seine Kontakte zu Siemens. Im Dezember 1920 kam der erste Auftrag zustande: Siemens lieferte unter anderem einen Telegrafen für den Moskauer Kreml. 

Doch insgesamt erwies sich die groß angekündigte Elektrifizierungspolitik Lenins als eine Illusion. Das Geschäft entwickelte sich schleppend, bis die deutsche Reichsregierung in den späten 1920er Jahren anfing, sowjetische Bestellungen durch Ausfallbürgschaften abzusichern. 

Während der Weltwirtschaftskrise und des ersten Fünfjahresplans kam das Sowjetgeschäft von Siemens dann voll in Schwung. Große Aufträge verzeichnete das Unternehmen unter anderem bei der Planung von Großprojekten wie dem Staudamm von Dnjeprostroi und der Moskauer Metro. Die Sowjetunion wurde zu einem der wichtigsten Kunden von Siemens. 

Nach 1933 kam das Geschäft weitgehend zum Erliegen. Als Folge des Hitler-Stalin-PaktsAm 23. August 1939 geschlossener und von den Außenministern des Deutschen Reichs (Joachim von Ribbentrop) und der Sowjetunion (Wjatscheslaw Molotow) in Moskau unterzeichneter deutsch-sowjetischer Nichtangriffspakt. Der offizielle Vertrag sah Neutralität bei Konflikten mit Dritten vor und einen Verzicht auf gegenseitige Gewaltanwendung. In einem erst 1945 bekannt gewordenen Zusatzprotokoll wurden die Einflusszonen beider Staaten in Ost- und Südosteuropa definiert, was unter anderem die Grundlage für den deutschen Überfall auf Westpolen und die Einverleibung Ostpolens durch die Sowjetunion bildete. erhielt Siemens zwar noch große sowjetische Bestellungen, diese kamen nach dem deutschen Überfall auf die SowjetunionAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. im Juni 1941 aber  nicht mehr zum Abschluss.

Besatzungszeit

Für die deutschen Besatzer der Sowjetunion hatte die Wiederherstellung der weitgehend zerstörten kriegsrelevanten Infrastruktur eine hohe Priorität. Siemens erhielt unter anderem Aufträge zur Wiederherstellung der Elektrizitätsversorgung im Donbass. Das Auftragsvolumen stieg, Siemens führte nicht nur zivile Projekte aus, sondern auch viele Aufträge von Wehrmacht und SS. 

Angesichts des weiteren Kriegsverlaufs währte diese Episode des Sowjetgeschäfts von Siemens nur kurz. Im November 1944 berichtete das mit dem Ostgeschäft betraute Technische Büro Ost an die Siemens-Zentrale, dass durch „den Verlust unseres Arbeitsgebietes mit neuen Aufträgen vorläufig nicht zu rechnen“7 sei.

Neue alte Beziehungen

Es ist bemerkenswert, dass sowohl die deutsche KriegsniederlageDer Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen. 1945 als auch der beginnende Kalte Krieg das Sowjetgeschäft von Siemens nicht völlig zum Erliegen brachten. Bereits im Frühjahr 1950 nahm das Unternehmen Kontakt zur neu gegründeten sowjetischen Handelsvertretung in Berlin auf, in Erwartung „demnächst wieder Aufträge aus der UdSSR zu erhalten“8. 1959 kam die erste große Bestellung – Siemens sollte elektrische Lokomotiven für den Güterverkehr in Sibirien ausrüsten. 

Weitere Aufträge der Sowjetunion folgten. Als Siemens nach dem Zerfall der UdSSRDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. 1991 eine Niederlassung in St. Petersburg gründete, konnte das Unternehmen auf eine nahezu bruchlose Geschäftsbeziehung zurückblicken.

Beziehungen zum Staat 

Tragende Säule für Siemens waren über all die Jahrzehnte immer die Beziehungen zum Staat. Nicht nur während des Kalten Krieges, auch vor dem Hintergrund jüngster politischer Spannungen bemühte sich das Unternehmen um gute Geschäftsbeziehungen. So traf sich Siemens-Chef Joe Kaeser kurz nach der Angliederung der KrimAls Krim-Annexion wird die einseitige Eingliederung der sich über die gleichnamige Halbinsel erstreckenden ukrainischen Gebietskörperschaft der Autonomen Republik Krim in die Russische Föderation bezeichnet. Seit der im Frühjahr 2014 erfolgten Annexion der Krim ist die Halbinsel de facto Teil Russlands, de jure jedoch ukrainisches Staatsgebiet und somit Gegenstand eines ungelösten Konfliktes zwischen der Ukraine und Russland. mit Putin; danach sprach er von einer „vertrauensvollen Beziehung“ zu russischen Unternehmen – und erntete damit vor dem Hintergrund der kurz zuvor beschlossenen SanktionenAls Reaktion auf die Angliederung der Krim beschlossen sowohl die USA als auch die EU im März 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzernen, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen  (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht). gegen Russland scharfe Kritik aus Deutschland.9

Solche Vorwürfe, dass das Unternehmen Geschäfte über die Politik stelle, stießen bei Siemens allerdings meist auf taube Ohren oder wurden zurückgewiesen. Insofern war es ein absolutes Novum, als Siemens im Juli 2017 ankündigte, Kraftwerksgeschäfte mit russischen Staatsfirmen bis auf Weiteres zu stoppen. Hintergrund waren Gasturbinen des Unternehmens, die trotz Sanktionen auf die Halbinsel KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus. gelangt waren. 

Diese teilweise Kündigung der Geschäftsbeziehung war sehr außergewöhnlich. Schließlich verliefen die über 160 jährigen Beziehungen von Siemens zum russischen Staat trotz Weltkriege und Oktoberrevolution weitgehend kontinuierlich. Und so währte diese Periode auch nur sehr kurz: Bereits drei Monate nach der Ankündigung gab Siemens bekannt, sich an der Modernisierung russischer Kraftwerke zu beteiligen. Vorstandschef Joe Kaeser bemerkte dabei, dass die Lieferung an staatliche Kunden künftig aber besser überwacht werden soll.10


1.Bähr, Johannes (2016): Werner von Siemens: 1816-1892, München, S. 139
2.Lutz, Martin (2013): Carl von Siemens: Ein Leben zwischen Familie und Weltfirma, München, S. 96f.
3.Brief Carl Siemens an Werner Siemens, 13.12.1853, verfasst in St. Petersburg, Brüder-Briefe, Siemens-Archiv
4.Brief Carl Siemens an Werner Siemens, 24.9.1882, verfasst in Moskau, Brüder-Briefe, Siemens-Archiv
5.SAA 19380, Adelsdiplom Carl von Siemens
6.Lutz, Martin (2011): Siemens im Sowjetgeschäft: Eine Institutionengeschichte der deutsch-sowjetischen Beziehungen 1917-1933, in: Perspektiven der Wirtschaftsgeschichte 1, Stuttgart, S. 108ff.
7.TB Ost: Mitteilung an Reyß, Zwickau 13.11.1944, SAA 10756
8.ZTB-Rundschreiben Nr. 265, München 11.3.1950, SAA 68 Li 141.
9.Frankfurter Allgemeine Zeitung: Siemens-Chef verteidigt Treffen mit Putin
10.Reuters: Siemens will in Russland weiter Kraftwerke modernisieren

 

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Skolkowo

Das 2010 gegründete Innovations- und Technologiezentrum Skolkowo sollte in der Vorstellung seines Initiators Dimitri Medwedew das russische Silicon Valley werden. Da der russische Staat bisher jedoch nicht für seine effektiven industriepolitischen Initiativen bekannt war, wird die russische Öffentlichkeit seitdem nicht müde, diese Idee zu verspotten. Als Putin 2012 wieder an die Macht kam, begann auch die russische Justiz, sich für Skolkowo zu interessieren.

Gegensanktionen

Als Reaktion auf die westlichen Sanktionen, die nach der Angliederung der Krim gegen Russland verhängt wurden, reagierte Russland mit Gegensanktionen. Das russische Handelsembargo beinhaltet vor allem Einfuhrverbote für Lebensmittel. Während westliche Hersteller Exportverluste erlitten, verteuerten sich in Russland, nicht zuletzt durch die umstrittene Vernichtung von Lebensmitteln, die Preise für zahlreiche Nahrungsmittel.

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