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HIV-Epidemie in Jekaterinburg?

„HIV in JekaterinburgJekaterinburg ist mit rund 1,3 Millionen Einwohnern die viertgrößte Stadt Russlands. Sie gilt als das größte Wirtschafts- und Kulturzentrum der Ural-Region. Zwischen 1924 und 1991 hieß die Stadt Swerdlowsk – zu Ehren von Jakow Swerdlow (1885–1919), einst führender Politiker in der Partei der Bolschewiki. offiziell zur Epidemie erklärt“ – diese Meldung erregte kürzlich großes Aufsehen in Russland. Auch weil schnell ein unerwartetes Statement kam: Das sei überhaupt keine Neuigkeit und in vielen russischen Regionen der Fall. Jekaterinburgs Bürgermeister Jewgeni RoismanJewgeni Roisman (geb. 1962) ist seit 2013 Bürgermeister der Stadt Jekaterinburg (sein Amt ist auf repräsentative Aufgaben beschränkt, die Exekutive liegt in der Hand des Oberstadtdirektors). Neben seinem Bürgermeisterposten ist Roisman für die örtliche Stiftung Stadt ohne Drogen (Gorod bes narkotikow) tätig, die er selbst gegründet hat. Sie richtet sich gegen Drogenhandel und bietet Rehabilitationsprogramme für Abhängige. Mehrere tausend Menschen haben die Programme durchlaufen. Die Stiftung ist damit landesweit bekannt geworden. Dabei gibt es auch kritische Stimmen seitens anderer NGOs: Die Programme würden mit fraglichen Mitteln durchgeführt, die Abhängigen schlecht behandelt. hatte sich da zu Wort gemeldet, ein unkonventioneller Typ in der russischen Regionalpolitik.

Roisman – der nicht im Tagesgeschäft der Stadtregierung steckt, sondern repräsentative Funktionen hat – sprang mit seiner Stellungnahme zum HIV-Problem dem eigenen Gesundheitsamt zur Seite, das ohne Umschweife einfach nur neueste Zahlen präsentiert habe. Die schockierenden Zahlen einerseits und das halbe Dementi zur Meldung andererseits verschafften dem Thema zusätzlich großes mediales Echo.

Das liberale Webmagazin slon.ru bat Anton KrassowskiAnton Krassowski (geb. 1975) ist Journalist und TV-Moderator. Seine Live-Sendung vom 25. Januar 2013, bei der das Gesetz gegen die sogenannte „homosexuelle Propaganda“ Thema war, beendete er mit den Worten: „Ich bin schwul und genauso ein Mensch wie Wladimir Putin oder Dimitri Medwedew.” Sein Coming-Out erzeugte im Internet eine breite Resonanz und kostete ihn zugleich seinen Job als TV-Moderator. Krassowski leitet seit der offiziellen Gründung im Juli 2016 das Spid.Zentr (zu deutsch: AIDS.Zentrum) – eine Stiftung und Plattform für HIV- und AIDS-Aufklärung.   , den Leiter des gemeinnützigen HIV-Präventivfonds spid.centerspid.center (dt. AIDS.Zentrum) ist eine Stiftung und Plattform für HIV- und AIDS-Aufklärung. Die Stiftung wurde offiziell im Juli 2016 gegründet, ihre gleichnamige Website ging jedoch schon im Februar 2015 online. Auf der Seite werden populärwissenschaftliche Texte zu den Themen HIV und AIDS veröffentlicht, außerdem bietet sie eine Datenbank mit Adressen, wo ein HIV-Test gemacht werden kann., gemeinsam mit Roisman zum Interview. Ist die Situation in Jekaterinburg tatsächlich schlimmer als anderswo in Russland?

Quelle slon

Jewgeni RoismanJewgeni Roisman (geb. 1962) ist seit 2013 Bürgermeister der Stadt Jekaterinburg (sein Amt ist auf repräsentative Aufgaben beschränkt, die Exekutive liegt in der Hand des Oberstadtdirektors). Neben seinem Bürgermeisterposten ist Roisman für die örtliche Stiftung Stadt ohne Drogen (Gorod bes narkotikow) tätig, die er selbst gegründet hat. Sie richtet sich gegen Drogenhandel und bietet Rehabilitationsprogramme für Abhängige. Mehrere tausend Menschen haben die Programme durchlaufen. Die Stiftung ist damit landesweit bekannt geworden. Dabei gibt es auch kritische Stimmen seitens anderer NGOs: Die Programme würden mit fraglichen Mitteln durchgeführt, die Abhängigen schlecht behandelt., Bürgermeister von Jekaterinburg

Kürzlich wurde bekanntgegeben, dass in Jekaterinburg 1,8 Prozent der Bevölkerung mit HIV infiziert sind. Aber das bedeutet ja nicht – betrachtet man ganz Russland – dass in Jekaterinburg die meisten Menschen mit HIV leben, sondern dass die Erkrankung in Jekaterinburg am häufigsten festgestellt wurde.

Eine derartige Situation haben wir nicht nur in Jekaterinburg – sondern im ganzen Land. Nur hat unser städtisches Gesundheitsamt den Mut, die Dinge beim Namen zu nennen. Wir haben keine Angst, das laut zu sagen.

In Wirklichkeit unterscheidet sich Jekaterinburg, was die Anzahl von HIV-Infizierten betrifft, überhaupt nicht von anderen russischen Millionen- und Industriestädten. Bei uns ist es genauso wie bei allen anderen. Aufs Ganze gesehen ist die Situation im Land sogar schlechter als in Jekaterinburg. Wir haben nur einfach die höchste Anzahl an getesteten Personen. Das Gesundheitsamt in Jekaterinburg arbeitet schon seit vielen Jahren an der Dokumentation von HIV. Wir haben ein großes Zentrum für Prävention und Bekämpfung von Aids. In Jekaterinburg wurde bislang etwa ein Viertel der Bevölkerung erfasst, also auf HIV getestet. In ganz Russland sind das durchschnittlich weniger als 15 Prozent.

In der Oblast SwerdlowskDie Oblast Swerdlowsk ist mit rund 4,3 Millionen Einwohnern die bevölkerungsreichste Oblast im asiatischen Teil Russlands. Das Verwaltungszentrum der Region liegt in Jekaterinburg. Die viertgrößte Stadt Russlands hieß zwischen 1924 und 1991 Swerdlowsk, wurde nach dem Zerfall der Sowjetunion aber umbenannt. Im Gegensatz dazu, behielt die Oblast Swerdlowsk ihren Namen. ist die Anzahl der HIV-Infizierten auf 100.000 getestete Personen sicherlich höher als in Jekaterinburg. Ganz sicher gibt es auch eine ähnliche Situation in Saratow, Nowosibirsk, Irkutsk, Kimry, Twer, Wyschni Wolotschok und vielen anderen russischen Städten. In landwirtschaftlichen Regionen sieht es vielleicht etwas besser aus, aber in Millionenstädten ist die Situation schlechter.

Warum dann jetzt erst die Nachrichtenschwemme über eine Epidemie?

Еine allgemeine Epidemie liegt vor, wenn mehr als ein Prozent der Bevölkerung infiziert ist. Das haben wir doch schon vor fünf Jahren öffentlich gemacht. Ich persönlich spreche seit 1999 davon, dass sowohl in der Stadt als auch in der gesamten Region eine HIV-Epidemie grassiert, weil es schon damals offensichtlich war.

Unser Drogenzentrum kann bis zu 300 Leute aufnehmen, davon waren etwa 50 HIV-positiv. Ich weiß also, wovon ich spreche.”

Den Zahlen des Gesundheitsamtes zufolge steigt die Zahl der Infizierten jährlich. Wenn ich es richtig verstehe, handelt es sich bei diesen Zahlen um die im jeweiligen Jahr dokumentierten HIV-Fälle und nicht um Neuinfektionen. Wie steht es denn um die tatsächliche Zahl der Neuinfizierten? Denken Sie, dass sie gerade zurückgeht?

Ich denke, die Dynamik dürfte sich ein bisschen verlangsamen. Dennoch steigt die Gesamtzahl der HIV-Infizierten, und diese werden unweigerlich weitere Menschen anstecken.

Die erste sehr starke HIV-Welle wurde durch Heroinkonsum ausgelöst: Bis zu 40 Prozent der heroinabhängigen jungen Männer hatten HIV. Von den jungen Frauen, die heroinabhängig waren, hatten es fast alle, außerdem waren fast alle von ihnen Prostituierte. Aber seit jener Zeit gibt es in den Apotheken sehr viele Einmalspritzen, so dass man sie problemlos kaufen kann.

Dann kam die zweite Welle durch die Droge DesomorphinDesomorphin, das in der Drogenszene auch Krokodil genannt wird, ist ein starkes Opioid. Da es oft mit einfachen Mitteln hergestellt werden kann, gilt die höchst toxische Droge als die „Droge der Armen“. Bereits nach einmaligem Gebrauch können irreversible Schäden entstehen; nach Einschätzung der Jekaterinburger Stiftung Stadt ohne Drogen beträgt die Lebenserwartung eines Krokodil-Konsumenten durchschnittlich ein Jahr nach der Ersteinnahme. Es gibt keine handfesten Zahlen für die Verbreitung der Droge, Experten gehen von einigen Zehntausend bis zu einer Million Abhängiger in Russland aus., im Volksmund auch Krokodil genannt. Zu der Zeit wurden in allen Apotheken im Land tonnenweise codeinhaltige Präparate vertrieben und jeder – vom Apothekerlehrling bis zum Gesundheitsminister – wusste ganz genau, wem und wozu sie verkauft wurden.

Damals lief alles völlig aus dem Ruder, denn Desomorphin ist eine Gemeinschaftsdroge, sie wird in den letzten Löchern konsumiert. Hinzu kommt noch, dass die Droge mit eigenen Spritzen aus einer gemeinsamen Schüssel aufgezogen wird. Im Vergleich mit Heroin war das so, als würde man Öl ins Feuer gießen – ich hatte mit diesen Menschen zu tun, die Zahl der Infizierten unter ihnen war erheblich höher.

Unser Drogenzentrum kann bis zu 300 Leute aufnehmen, davon waren etwa 50 HIV-positiv. Ich weiß also, wovon ich spreche. Wir haben in 15 Jahren etwa 9.000 Drogenabhängige behandelt und haben jeden, den wir aufgenommen haben, zur Blutabnahme ins HIV-Zentrum gebracht.

Codeinhaltige Präparate werden seit 2012 offiziell nur noch auf Rezept verkauft. Hat sich die Situation dadurch gebessert?

Man muss bedenken, dass HIV mit der Zeit vom Drogenmilieu in besser sozialisierte Schichten vorgedrungen ist. Es gibt plötzlich eine Menge Leute, die überhaupt nichts dafür können, dass sie sich angesteckt haben. Die Menschen stecken sich im normalen Leben an – bei Bluttransfusionen, und natürlich durch Geschlechtsverkehr. Doch am meisten schmerzt, dass bei uns seit Mitte der 1990er Jahre Kinder mit HIV zur Welt kommen. (In Jekaterinburg wurde bei 342 Kindern HIV diagnostiziert, bei weiteren 400 besteht der Verdacht. – Slon)


Anton KrassowskiAnton Krassowski (geb. 1975) ist Journalist und TV-Moderator. Seine Live-Sendung vom 25. Januar 2013, bei der das Gesetz gegen die sogenannte „homosexuelle Propaganda“ Thema war, beendete er mit den Worten: „Ich bin schwul und genauso ein Mensch wie Wladimir Putin oder Dimitri Medwedew.” Sein Coming-Out erzeugte im Internet eine breite Resonanz und kostete ihn zugleich seinen Job als TV-Moderator. Krassowski leitet seit der offiziellen Gründung im Juli 2016 das Spid.Zentr (zu deutsch: AIDS.Zentrum) – eine Stiftung und Plattform für HIV- und AIDS-Aufklärung.   , Leiter der Stiftung spid.centerspid.center (dt. AIDS.Zentrum) ist eine Stiftung und Plattform für HIV- und AIDS-Aufklärung. Die Stiftung wurde offiziell im Juli 2016 gegründet, ihre gleichnamige Website ging jedoch schon im Februar 2015 online. Auf der Seite werden populärwissenschaftliche Texte zu den Themen HIV und AIDS veröffentlicht, außerdem bietet sie eine Datenbank mit Adressen, wo ein HIV-Test gemacht werden kann.

Laut den Ihnen vorliegenden Informationen: Handelt es sich um eine Epidemie oder nicht?

Ich kenne keinen Fall, wo eine HIV-Epidemie auf regionaler Ebene festgestellt wird. Es geht ja hier nicht um eine Grippe, um eine Krankheit, die durch Tröpfcheninfektion übertragen wird, und auch nicht um eine, die sich durch regionale Maßnahmen bekämpfen ließe, verstehen Sie? Welche epidemologischen Maßnahmen könnten denn erfolgen? Das ist mir völlig unklar. Die Region kann natürlich eine gewisse Summe für den Einkauf von Präparaten beisteuern, lokale Programme und andere Dinge vorschlagen, aber das ganze Maßnahmenpaket muss mit Moskau abgestimmt werden. Das heißt grob gesagt: Die Region muss beim Gesundheitsministerium, beim VerbraucherschutzDie geläufige Bezeichnung der russischen Verbraucherschutzbehörde ist eine Abkürzung aus den Worten Rossiski potrebitelski nadsor, also: Russische Verbraucheraufsicht. Der volle Name der Behörde ist „Föderaler Aufsichtsdienst im Bereich des Schutzes der Verbraucherrechte und des menschlichen Wohlbefindens“., beim FöderationsratDer Föderationsrat ist gleichzeitig die Länderkammer und das Oberhaus des Parlaments. 170 Abgeordnete aus 85 Föderationssubjekten vertreten dort die Gliedstaaten im föderalen Gesetzgebungsprozess. und bei der Regierung irgendwelche Subventionen für irgendwelche Zusatzausgaben erwirken. Das alles ist eine sehr schwierige Angelegenheit.

Aber die Zahlen in Jekaterinburg sind tatsächlich so: zwei Prozent – und das sind nur die offiziell dokumentierten zwei Prozent.

Wie unterscheiden sich die Zahlen für ganz Russland?

Momentan sind in Russland über eine Million Menschen mit HIV-Infektion erfasst: Am 1. Juni waren es 1.057.000, zum Ende des Jahres werden es 1.120.000 Menschen sein. Und das sind die Zahlen über die gesamte Zeitspanne seit Ausbruch der Epidemie, die nicht jetzt gerade in Jekaterinburg ausgebrochen ist, sondern 1987 in der Sowjetunion.

Eine Epidemie beginnt, sobald in einem Land der erste Fall einer Infektionskrankheit auftaucht, die sich ausbreitet. Nach dem ersten Fall folgten immer mehr, es sind nie weniger geworden, sondern immer mehr. Die Epidemie war seit Beginn bekannt. Auch vor 30 Jahren in der Sowjetunion war sie bekannt. Heute sprechen wir jedoch von einer „generalisierten Epidemie“. Das tut man, wenn die Epidemie den Charakter einer Naturkatastrophe annimmt und ein Ausmaß erreicht, das sich durch nichts und niemanden kontrollieren oder vorhersagen lässt. Wenn also die Zahl ein Prozent übersteigt.

Hinzu kommt, dass das nicht die gesamte Bevölkerung betrifft, sondern den sexuell aktiven Teil. Die Epidemie grassiert also nicht unter Rentnern über 65. Das heißt zwar nicht, dass es unter ihnen keine Virusträger gibt, aber sie sind nicht der „Motor im Handelsverkehr“. Kinder auch nicht. Das sind Menschen im Alter zwischen 18 und 50. Und von dieser Bevölkerungsgruppe sind 5 Prozent infiziert. Bei Männern im Alter zwischen 20 und 39 Jahren sind es sogar 10 Prozent. Das sind die realen Zahlen.

„​Das sind Zahlen seit Ausbruch der Epidemie, die nicht jetzt in Jekaterinburg ausgebrochen ist, sondern 1987 in der Sowjetunion.”

Welche Regionen stehen außerdem noch oben auf der Liste?

Das ganze Uralgebiet, die ganze Wolgaregion, ganz Westsibirien. Aber das Problem ist ja nicht, dass in irgendeiner Stadt, beispielsweise in der Oblast Swerdlowsk, ausnahmslos alle HIV haben. In dieser und vielen anderen Regionen ist das Problem, dass ausnahmslos alle kein Geld und keine höhere Bildung haben. Aber sie haben HIV. Fahren Sie mal zum Beispiel nach Sewerouralsk und versuchen Sie dort, Menschen auf HIV zu testen. Oder versuchen Sie mal in Nishni Tagil, einen Aidstest durchzuführen.

Es geht nicht darum, dass die Menschen die Krankheit nicht dokumentieren lassen wollen, sondern darum, dass sie überhaupt keine Vorstellung davon haben, wie sie mit ihr umgehen sollen. Das Problem heißt nicht „HIV in Russland“, es heißt: Drogenkonsum wegen der depressionsfördernden Situation in den Regionen mit stümperhafter Lokalpolitik.

Das bedeutet, solange es bei uns Drogenkonsum gibt – und den wird es geben –, werdet ihr mit keiner Mühe dieser Welt das HIV-Problem lösen. Solange ihr keine Methadon-TherapieNach einer kurzen Testphase in den 1990er Jahren wurde Methadon unter das Betäubungsmittelgesetz gestellt und somit kriminalisiert. Nach der Angliederung der Halbinsel Krim wurde das dortige Methadon-Programm für rund 800 Abhängige eingestellt. in eurem Land erlaubt. Solange ihr nicht aufhört, Drogenkonsum zu kriminalisieren und jeden kleinen Junkie nach Paragraph 228Der Artikel 228 des Strafgesetzbuchs regelt Besitz, Verbreitung und Herstellung von Drogen nach dem Betäubungsmittelgesetz. Nach Angaben der zentralen Drogenvollzugsbehörde – die Behörde wurde im April 2016 geschlossen, ihre Kompetenzen gingen an das Innenministerium über – gab es im April 2015 rund 600.000 entsprechende Verurteilte. zu verurteilen, anstatt ihn anständig zu therapieren, ihm ein paar Tropfen Methadon, ein paar Tabletten und einen Job zu geben. Doch in unserem Land sperrt man ihn stattdessen für acht Jahre weg. Das ist der Grund, warum wir nächstes Jahr zwei Millionen Infizierte haben werden. Andere Lösungen gibt es nicht – das ist eine wissenschaftlich belegte Tatsache.

In der ganzen Welt wird sie anerkannt, nur bei uns herrscht eine andere Politik: Unser Chef-SuchtmedizinerGemeint ist Jewgeni Brjun (geb. 1950) – Chef-Psychiater bzw. -Experte für Suchtmedizin im Gesundheitsministerium. Die zitierte Aussage des Suchtmediziners kann hier nicht rekonstruiert werden. Oft wendet er sich indes gegen die Gesundheitsarbeit nach modernen Standards, wie zum Beispiel gegen die sogenannten Spritzentauschprogramme, so dass ihm viele Experten Unprofessionalität vorwerfen. sagt, die Heilung von Drogensucht sei eine Frage der Willenskraft des Abhängigen. Und morgen behauptet dann der Chef-Onkologe, das Problem unserer Krebstherapie bestünde in der fehlenden Willenskraft der Krebskranken. Deswegen ist es völlig unmöglich, HIV zu besiegen. Hier ist es unmöglich.

Ende Oktober hat Premierminister Dimitri MedwedewDimitri Medwedew ist seit 2012 Premierminister und bekleidete von 2008 bis 2012 das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation. Er gehört zu den engsten Vertrauten von Präsident Putin und nimmt, nicht zuletzt als Vorsitzender der Regierungspartei Einiges Russland, eine wichtige Rolle im politischen Systems Russlands ein. die offizielle RegierungsstrategieNeben der Ausweitung der Diagnostik sieht die Regierungsstrategie eine verbesserte Versorgung mit HIV-Präparaten vor. Außerdem sollen die Präventionsprogramme sowie die HIV-Forschung ausgebaut werden. Eine Aufstockung der Mittel für die Realisierung ist in der Regierungsstrategie bislang nicht vorgesehen. im Kampf gegen die Verbreitung von HIV bis ins Jahr 2020 und darüber hinaus bestätigt.

Ja, und sie ist grausig. Diese Strategie lautet folgendermaßen: „Wir werden weiterhin haargenau das tun, was wir all die Jahre getan haben, sprich gar nichts.“ Wir werden den Drogenkonsum nicht bekämpfen. Wir werden Drogenabhängige weiterhin einsperren. Wir werden keine Tabletten ausgeben, weil wir kein Geld haben. Aber dafür werden wir irgendeine gemeinnützige OrganisationGemeint ist beispielsweise das Russische Institut für Strategische Studien. Es ist ein staatlich finanzierter, der Regierung nahe stehender Think Tank, der sich nach eigenen Angaben mit Fragen der nationalen Sicherheit und der strategischen Interessen Russlands beschäftigt. Direktor Leonid Reschetnikow (geb. 1947) sagte bei einem Interview im Oktober 2016, Spritzentauschprogramme und kostenlose Herausgabe von Kondomen würden Drogenmissbrauch und Prostitution fördern. Dies vernichte die traditionellen Werte, so Reschetnikow. unterstützen, die sich für irgendwelche traditionellen Familienwerte, geistig-moralische KlammernDer Ausdruck duchownyje skrepy (dt. ungefähr: verbindende Werte oder spirituelle bzw. geistige Klammern) wurde von Putin am 12. Dezember 2012 an prominenter Stelle in einer Parlamentsrede in Zusammenhang mit Begriffen wie Barmherzigkeit, Mitleid, Hilfsbereitschaft verwendet, die seiner Aussage nach den Zusammenhalt der Nation gewährleisten. Der Ausdruck fand schnell Eingang in den Sprachgebrauch vor allem konservativer russischer Politiker, bleibt aber inhaltlich oft sehr unklar. Ironisch gebraucht ist der Begriff zum populären Internet-Mem geworden, das die Integrität von Putins Aussage in Frage stellt und auf das Wertevakuum in Gesellschaft und Politik anspielt. usw. einsetzt. Dann gibt es noch die Webseite des Gesundheitsministeriums o-spide.ru [über-aids.ru – dek], die noch nie jemand zu Gesicht bekommen hat.

Es gibt viele gemeinnützige Organisationen, die tatsächlich versuchen etwas zu verändern, mit gefährdeten Gruppen zu arbeiten, über das Problem zu sprechen. Ehrlich gesagt, ohne unsere Bemühungen hätte man überhaupt nicht angefangen, darüber zu reden. Noch vor zwei Jahren hat niemand darüber geredet. Glauben Sie etwa, die Dynamik war damals eine andere? Dass die Zahlen sehr viel anders waren? Das waren sie nicht. Die Situation in Jekaterinburg war vor einem Jahr genau die gleiche wie vor zwei Jahren. Sie war einfach immer gleich, das muss man sich vor Augen führen. Sicherlich wird etwas getan, aber vor allem der Staat müsste etwas tun. Die Gesellschaft, oder genauer gesagt die NGOs, sollten den Staat unterstützen, und er sollte diese Hilfe dankbar annehmen. Aber der Staat hat kein Recht, wissenschaftlich fundierte Methoden im Kampf gegen das Problem abzulehnen. Ein Staat, der verkündet: „Wir werden den Virus und Drogenkonsum mit IkonenDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott. und Kreuzprozessionen bekämpfen“, hat kein Recht darauf zu existieren. Und ganz sicher wird er HIV nicht besiegen.


Quelle: Föderales AIDS-Bekämpfungszentrum
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HIV und AIDS in Russland

von Ulla Pape

Mangelnde Aufklärung und soziales Stigma behindern den Umgang mit der Krankheit. Dazu kommt eine wachsende Politisierung des Themas: Stimmen, die die Existenz der Krankheit leugnen oder hinter ihr ein Komplott äußerer Kräfte vermuten, werden lauter.

Prostitution in Russland

Prostitution oder Sexarbeit ist in Russland ein verbotenes Gewerbe. Trotzdem sind immer mehr Menschen in diesem Bereich tätig, unterschiedlichen Einschätzungen zufolge ein bis drei Millionen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass viele sexuelle Tabus keine Tabus mehr sind, aber auch mit zunehmender Armut und Migration nach dem Zerfall der UdSSR.

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HIV und AIDS in Russland

Am 1. Dezember 2015, am Welt-AIDS-Tag, trat der Journalist und Fernsehmoderator Pawel Lobkow mit einer aufsehenerregenden Mitteilung an die Öffentlichkeit. In der Sendung A Hard Day’s Night des Fernsehkanals Dozhd berichtete der bekannte Journalist, dass er 2003 positiv auf HIV getestet worden sei.1 In emotionalen Worten erzählte Lobkow von der schwierigen Zeit unmittelbar nach der Diagnose, in der ihn Selbstmordgedanken begleiteten. In vollem Ausmaß habe er damals die Diskriminierung durch das russische Gesundheitssystem zu spüren bekommen, das HIV-Patienten reguläre Behandlungen verweigert und sie stattdessen in spezielle AIDS-Zentren überstellt. Diese Zentren vergrößern nach Ansicht Betroffener wegen ihrer Trennung von regulären Gesundheitsinstitutionen das Stigma der Krankheit noch, da jeder Besucher eines solchen Zentrums als „AIDS-Patient“ identifiziert werden kann.

Mit seinem mutigen Schritt ist Pawel Lobkow der erste einem breiteren Publikum bekannte Russe, der seine HIV-Infektion öffentlich gemacht hat. Er begründete seinen Schritt mit der Hoffnung, zur Überwindung des Stigmas von HIV/AIDS beitragen zu können und für mehr Toleranz in der russischen Gesellschaft zu sorgen. Dass dies nötig ist, zeigt ein Blick auf die Infektionszahlen. Sie sind in den vergangenen 20 Jahren stark angestiegen und haben inzwischen ein Ausmaß erreicht, das von medizinischen Experten als regelrechte HIV/AIDS-Epidemie und als „nationale Katastrophe“ beschrieben wird.2

Insgesamt hat die Anzahl der Menschen mit HIV in Russland im vergangenen Jahr die Eine-Millionen-Marke überschritten.3 In einigen Regionen, besonders im Wolgagebiet und in Sibirien, wird die HIV/AIDS-Epidemie inzwischen als „allgemein“4 bezeichnet. Dies bedeutet, dass sich das Virus nicht mehr allein auf Hochrisikogruppen beschränkt, wie zum Beispiel Drogenabhängige, SexarbeiterInnen oder Männer, die Sex mit Männern haben. Die Infektion erfasst nun auch alle anderen Bevölkerungsgruppen. Immer häufiger wird HIV bei jungen Russen diagnostiziert, denen zuvor nicht bewusst war, dass die Epidemie sie selbst betreffen könnte.

Zu wenig Präventionsarbeit

Die wichtigste Ursache für die starke Verbreitung von HIV und AIDS in Russland ist politischer Art. Seit Jahren versäumt es die russische Regierung, systematische und umfangreiche Präventionsarbeit zu leisten. Nichtregierungsorganisationen, die im Bereich von HIV/AIDS arbeiten, werden im besten Falle toleriert, häufig jedoch von staatlichen Stellen blockiert oder ausgegrenzt.

Nichtstaatliche AIDS-Organisationen haben so gut wie keine Chance, staatliche Förderung für ihre Sozialprogramme zu beantragen. Fünf NGOs fallen aufgrund finanzieller Unterstützung aus dem Ausland unter das „Ausländische-Agenten“-GesetzIm Rahmen der zunehmenden Kontrolle der russischen Zivilgesellschaft wurde 2012 das sogenannte „Agentengesetz“ verabschiedet. Es sanktioniert „politisch aktive“ zivilgesellschaftliche Organisationen, die finanziell aus dem Ausland unterstützt werden. Das Gesetz ist unklar formuliert, sodass die russische Justiz nach eigenem Ermessen entscheidet, welche Organisationen mit dem historisch vorbelasteten „Agenten“-Label versehen werden. Betroffene Organisationen müssen strenge Vorschriften einhalten, die ihre Arbeit erheblich erschweren., auch andere Organisationen sind der Gefahr ausgesetzt, in das Agentenregister aufgenommen zu werden.
Obwohl die NGOs häufig gute Arbeit auf der lokalen Ebene leisten, gelingt es ihnen aufgrund von Finanzierungsproblemen meist nicht, Präventionsprogramme in größerem Maßstab anzubieten. Präventionsarbeit in Russland bleibt daher häufig lückenhaft und ist darum zumeist nur der bekannte „Tropfen auf den heißen Stein“.5

Für eine wirkungsvolle Bekämpfung von HIV in Russland fehlt es besonders an Programmen für Drogenabhängige und SexarbeiterInnenProstitution oder Sexarbeit ist in Russland ein verbotenes Gewerbe. Trotzdem sind immer mehr Menschen in diesem Bereich tätig, unterschiedlichen Einschätzungen zufolge ein bis drei Millionen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass viele sexuelle Tabus keine Tabus mehr sind, aber auch mit zunehmender Armut und Migration nach dem Zerfall der UdSSR.. Hier könnte durch gute Gesundheitsarbeit, wie zum Beispiel sogenannte Spritzentauschprogramme, viel erreicht werden. Aber auch allgemeine Öffentlichkeitskampagnen zum Thema HIV/AIDS und Aufklärungsprogramme für junge Menschen gibt es kaum.

Ein besonderes Problem stellt die Prävention und Behandlung von HIV und AIDS innerhalb der schwulen Gemeinschaft dar, da diese Gruppe in Russland von einer doppelten Diskriminierung betroffen ist.

Politisierung der Debatte

Insgesamt lässt sich im Umgang mit HIV/AIDS in Russland eine starke Politisierung ausmachen, wobei sich zwei Lager gegenüberstehen: Während die eine Gruppe, meist bestehend aus Vertretern von AIDS-Organisationen und Medizinern, einen pragmatischen Ansatz vertritt und auf die Umsetzung von international anerkannten Gesundheitsprogrammen setzt, machen ihre gesellschaftlichen Kontrahenten sich für einen ideologischen Kurs stark. Vertreter dieser Strömung sind der Ansicht, dass Russland einen eigenen Weg gehen sollte und sich vor allem nicht „vom Westen“ beeinflussen lassen dürfe. Viele Vertreter dieses Lagers wenden sich sogar immer extremeren Positionen zu, bis hin zum Leugnen der HIV/AIDS-Epidemie.

Als AIDS-Leugner bezeichnet man Menschen, die den kausalen Zusammenhang zwischen HIV und AIDS verneinen oder die Existenz der Epidemie allgemein anzweifeln. Das Leugnen ist diesem Fall stark mit Stigmata verbunden: Was nicht sein soll, das gibt es auch nicht. Die Position der AIDS-Leugner vermischt sich dabei mit antiwestlichen Einstellungen. Oft werden die USA, Europa, die CIA, Pharmaunternehmen oder die internationale Kondomindustrie für die Verbreitung von HIV/AIDS in Russland und damit für die Schwächung des Landes verantwortlich gemacht.

AIDS-Leugner sind in den letzten Jahren in Russland deutlich aktiver und sichtbarer geworden. Sie erhalten dabei zum Teil Hilfe aus dem Ausland, unter anderem aus Deutschland.6 Häufig erreichen sie mit ihren wissenschaftlich unhaltbaren Botschaften gerade die Menschen, die selbst von der Krankheit betroffen sind – mit oft tragischen Folgen für diese Personen. Es gibt aber auch unabhängig von solchen Einflüssen zahlreiche HIV-Infizierte in Russland, die sich einer Behandlung entziehen oder erst dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Krankheit das Endstadium erreicht hat und keine Therapie mehr möglich ist. Die Sterblichkeitsrate von HIV/AIDS-Infizierten in Russland ist unter anderem deswegen in den letzten Jahren kontinuierlich angestiegen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei die allgemein schlechte Informationslage zum Thema HIV und AIDS, die die Menschen verunsichert und sie empfänglich macht für unseriöse medizinische Angebote und politisch motivierte Botschaften.


1.Hard Day’s Night, Pawel Lobkow: U menja obnaružili VICh v 2003 godu
2.Kommersant: So skorostʹju SPIDa
3.Die Daten zur Entwicklung der russischen HIV/AIDS-Epidemie finden sich auf der Website des Föderalen AIDS-Zentrums
4.Die Weltgesundheitsorganisation und das gemeinsame Programm der Vereinten Nationen zur Reduzierung von HIV/AIDS (UNAIDS) bezeichnen eine HIV/AIDS-Epidemie als „allgemein“, wenn mehr als ein Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 45 Jahren HIV-positiv ist. Im Gegensatz zu einer „konzentrierten“ HIV/AIDS-Epidemie (weniger als ein Prozent der Bevölkerung zwischen 15 und 45 Jahren) ist die Prävention in diesem Fall sehr viel komplexer, da die Infektion bereits in die allgemeine Bevölkerung vorgedrungen ist. Für Russland wird allgemein von einer Prävalenzrate von etwa 1,1 Prozent der Bevölkerung ausgegangen. Die Angaben gehen allerdings auseinander. Das Russische AIDS-Zentrum spricht von einer Prävalenzrate von 494,6 pro 100.000 Einwohner für den 31. Dezember 2014.
5.The Guardian: Sex, syringes and the HIV epidemic Russia can no longer ignore
siehe auch Pape, Ulla (2014): The Politics of HIV/AIDS in Russia, London
6.Die deutsche Filmemacherin A. Sono, die die Thesen der AIDS-Leugner unterstützt, drehte zum Beispiel auch in Russland und zeigte dabei Menschen, die sich einer medizinischen Behandlung entziehen und von denen wir annehmen dürfen, dass sie bereits nicht mehr am Leben sind.
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Korruption in Russland – soziologische Aspekte

Korruption ist in Russland weit verbreitet – sowohl in Politik und Wirtschaft als auch im Alltagsleben. Korruption, die nicht zuletzt durch niedrige Gehälter befördert wird, kommt in zahlreichen Variationen vor: gegenseitige Gefälligkeiten, Tausch unter der Hand, Abzweigung staatlicher Mittel, Bestechungsgelder und vieles mehr. Da die Korruption systemischen Charakter angenommen hat, ist vorerst nicht damit zu rechnen, dass sie wirksam bekämpft werden kann.

Präsidialadministration

Die Präsidialadministration (PA) ist ein Staatsorgan, das die Tätigkeit des Präsidenten sicherstellt und die Implementierung seiner Anweisungen kontrolliert. Sie ist mit beträchtlichen Ressourcen ausgestattet und macht ihren Steuerungs- und Kontrollanspruch in der politischen Praxis geltend.

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Prostitution oder Sexarbeit ist in Russland ein verbotenes Gewerbe. Trotzdem sind immer mehr Menschen in diesem Bereich tätig, unterschiedlichen Einschätzungen zufolge ein bis drei Millionen. Das hängt zum einen damit zusammen, dass viele sexuelle Tabus keine Tabus mehr sind, aber auch mit zunehmender Armut und Migration nach dem Zerfall der UdSSR.

Der Geist der Korruption

Für die Bezeichnung von Korruption gibt es im Russischen verschiedene Begriffe. Viele kommen aus Jargon und Umgangssprache, wie etwa wsjatka, sanos, otkat, administrative Ressource und viele andere. Dass es so vielfältige Bezeichnungen für korrupte Verhaltensweisen gibt, ist eng mit den sozialen Praktiken und ideellen Einstellungen in der Sowjetepoche und den ersten drei Jahrzehnten nach dem Zerfall der UdSSR verbunden.

Dimitri Peskow

Dimitri Peskow ist seit dem Machtantritt Putins für dessen Pressearbeit zuständig und gilt als offizielles Sprachrohr des Kreml. Üblicherweise für die Krisen-PR verantwortlich, sorgte er mehrfach selbst für negative Schlagzeigen, unter anderem im Rahmen der Panama Papers.

Die Wilden 1990er

Das Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet, aufgrund derer es in das kollektive Gedächtnis als die wilden 1990er eingegangen ist. Mit dem Begriff werden weniger die neu erlangten Freiheiten, sondern eher negative Erscheinungen wie Armut und Kriminalität assoziiert.

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Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)