Quelle

Nowaja Shisn

Die am 1. Mai (18. April) 1917 gegründete Tageszeitung Nowaja Shisn (dt. Das neue Leben) war ein parteiunabhängiges Organ, das den sozialdemokratischen Kräften nahestand. Ihre politische Position änderte sich im Laufe der Zeit. Die Redaktion war aber immer äußerst oppositionell eingestellt, sowohl gegenüber der Provisorischen Regierung, als auch nach dem Oktoberumsturz gegenüber den Bolschewiki. Der Chefredakteur der Zeitung war der berühmte Schriftsteller Maxim Gorki.

Drei Mal wurde die Arbeit der Zeitung jeweils für circa eine Woche eingestellt: Im September 1917 von der Provisorischen Regierung, im Februar und im Juni 1918 von den Bolschewiki. Nach der zweiten Schließung schrieb die Zeitung am 02. März 1918 in einem Leitartikel: „Ja, als Nowaja Shisn noch existierte, gab es zum Pech für uns noch keine Regierung, gegenüber der wir nicht extrem negativ eingestellt waren. Wir waren in der Opposition zu allen revolutionären Regierungen, und sie zahlten es uns hundertfach heim.“1 Im Juli 1918 wurde die Zeitung, nicht ohne Beteiligung von Wladimir Lenin, endgültig geschlossen. Die Verhandlungen Gorkis mit Lenin über die Wiederbelebung der Zeitung blieben erfolglos.

Die Nowaja Shisn berichtete über viele Themen kritisch: den Ersten Weltkrieg, den Oktoberumsturz, die Auflösung der Verfassunggebenden Versammlung, den Friedensvertrag von Brest-Litowsk et cetera. Die Zeitung veröffentlichte nicht nur politische und wirtschaftliche Texte, sondern auch Literaturstücke und Rezensionen. Auch die Artikelserie von Maxim Gorki Unzeitgemäße Gedanken über Revolution und Kultur wurde in der Nowaja Shisn veröffentlicht.

Eckdaten

Gründung: 1. Mai 1917
Schließung: 16. Juli 1918
Chefredakteur: Maxim Gorki
Gescannte Ausgaben der Zeitung finden Sie auf der Seite der Russischen Nationalbibliothek.


1.zit. nach: Korostelev, S. (2014): Gazeta „Novaja Žizn´“ (1917–1918) i cenzurnyje uslovija v Rossii posle Fevral´skoj i Oktjabr´skoj revolucij, in: Vestnik Moskovskogo Universiteta, Serija 10: Žurnalistika, 2014, Nr. 3, S. 115
Gnosen
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