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Iwan Ochlobystin

Der Schauspieler Iwan Ochlobystin spielt sehr unterschiedliche Rollen – und er spielt sie alle mit Überzeugung. Im TV-Porträt, das ihm vom ersten russischen Programm Erster KanalDer Erste Kanal gilt aufgrund seiner hohen Reichweite als das wichtigste Massenmedium des Landes. Seit dem Ende der Sowjetunion war er stets mehrheitlich im Staatsbesitz – wenn auch seit 1994 unter Beteiligung von Großunternehmern. Er ist ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation des Kreml. 2011 gewidmet wurde,1 erscheint er vor allem als Familienmensch – als liebender, treuer Ehemann und Vater von sechs Kindern. In den Interviewpassagen wirkt er unprätentiös und gibt sich natürlich – einfach ein russischer Mann: kurzgeschnittenes Haar, ärmelloses rotes T-Shirt, beide Arme stark tätowiert, Sonnenbrille. Als Persönlichkeit des öffentlichen Lebens spielt er seit Anfang der 1990er Jahre jedoch noch ganz andere Rollen: Er ist Filmschauspieler, Drehbuchautor, Filmregisseur, orthodoxer Priester, Manager. Seit 2011 artikuliert er sich verstärkt auch politisch. Dabei vertritt er nationalkonservative, antiliberale Positionen und provoziert mit aggressiven Aussagen gegen Homosexuelle, Liberale„Liberal“ kann in der russischen Sprache heute vieles bedeuten. Der Begriff hat mehrere Wandlungen durchgemacht und ist nun zumeist negativ besetzt. Oft wird er verwendet, um Menschen vorzuwerfen, sie seien unfähig, schwach und widersetzten sich dem Staat nur, weil sie zu nichts anderem in der Lage seien. Das liberale Credo vom Schutz der Menschen- und Eigentumsrechte, so heißt es oft, lenke davon ab, dass unter liberaler Führung der Staat zugrunde gehen würde. oder die Ukraine.

Geboren 1966 unweit von Moskau erfuhr Ochlobystin seine künstlerische Sozialisation als Regiestudent an der Moskauer Filmhochschule, die er 1992 abschloss. Erstmals in Erscheinung trat er jedoch als Schauspieler und zwar in der Rolle eines Afghanistan-Heimkehrers in dem surrealistischen Drama Noga (dt. Der Fuß, 1991). In der Folge sicherte sich Ochlobystin einen festen Platz in der Moskauer Filmszene der 1990er JahreDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion., indem er Drehbücher verfasste und Filmrollen übernahm.

Ochlobystin gehörte damals einer neuen Generation an, die sich den ideologiefreien Raum nach dem Zerfall der SowjetunionDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. zunutze machte und Tabubruch und Provokation zu ihren ästhetischen Prinzipien erhob. Den Höhepunkt und gleichzeitig auch den Abschluss dieser Phase seines Künstlerlebens bildet der Film Daun Chaus (2001). An dieser Entweihung von Fjodor DostojewskisFjodor Dostojewski (1821–1881) gehört zu den bedeutendsten russischen Schriftstellern. Viele seiner Werke gelten als Klassiker der Weltliteratur, etwa Die Brüder Karamasow, Verbrechen und Strafe oder Der Idiot. Mit seinen erzählerischen Perspektiven, die verschiedene Interpretationen erlauben, entwickelte er eine allgemeine Charakteristik des modernen Romans.  Roman Idiot, die die Handlung in das kriminelle Moskau der 1990er JahreDas Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet, aufgrund derer es in das kollektive Gedächtnis als die wilden 1990er eingegangen ist. Mit dem Begriff werden weniger die neu erlangten Freiheiten, sondern eher negative Erscheinungen wie Armut und Kriminalität assoziiert. verlegt, waren auch die wichtigsten Weggefährten Ochlobystins beteiligt: Roman Katschanow führte Regie und verfasste gemeinsam mit Ochlobystin das Drehbuch. In den Hauptrollen waren Ochlobystin selbst sowie Fjodor BondartschukFjodor Bondartschuk (geb. 1967) ist ein russischer Schauspieler und Regisseur. Der Sohn des Regisseurs Sergej Bondartschuk (Ein Menschenschicksal, 1959; Der stille Don, 1994) ist Vorstandsvorsitzender der Produktionsfirma Lenfilm. Seinen Durchbruch als Regisseur erlebte er 2005 mit dem mehrfach ausgezeichneten und auch international erfolgreichen Film The 9th Company (russ. 9 Rota). Sein Kriegsfilm Stalingrad, der 2013 als erster russischer Film in 3D-Technik veröffentlicht wurde, handelt von einem jungen Mädchen, das sich während der Schlacht um Stalingrad im Zweiten Weltkrieg in einen Soldaten der Roten Armee verliebt. In der Kritik fiel der Film aufgrund vieler historischer Ungenauigkeiten der Handlung durch., der Sohn des berühmten und regimetreuen sowjetischen Regisseurs Sergej BondartschukSergej Bondartschuk (1925–1994) war ein bedeutender sowjetischer und russischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Bereits mit 32 Jahren wurde er als jüngster Schauspieler überhaupt als Volkskünstler der UdSSR ausgezeichnet. Sein Regiedebüt Ein Menschenschicksal (1959) gilt heute als Klassiker des sowjetischen Kinos. Im Westen wurde er vor allem durch die Verfilmung des Romans Krieg und Frieden (1967) von Lew Tolstoi bekannt, in der er auch eine der Hauptrollen übernahm. Der Film gehört zu den erfolgreichsten sowjetischen Filmen und hatte auch international großen Erfolg. 1969 erhielt er den Golden Globe und den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Weitere bedeutende Regiearbeiten Bondartschuks sind unter anderem Waterloo (1970), Boris Godunow (1986) und der Mehrteiler Der stille Don (1994)., zu sehen.

Auf die Jahre als Enfant terrible folgten Jahre des Rückzugs aus dem öffentlichen Leben. 2001 übersiedelte Ochlobystin mit seiner Familie nach TaschkentTaschkent ist die Hauptstadt Usbekistans, das bis 1991 eine von 15 Republiken der Sowjetunion war. Usbekistan gehörte zu den sonnigsten Regionen der UdSSR, unter anderem deshalb war die Teilrepublik Zentrum der sowjetischen Baumwollindustrie. Noch heute ist das Land der drittgrößte Baumwollexporteur der Welt., wo er zum orthodoxen Priester geweiht wurde. Nach sieben Monaten kehrte er mit Frau und Kindern nach Moskau zurück und stand bis 2010 als Vater Ioann im Dienst der Orthodoxen KircheDie Russisch-Orthodoxe Kirche ist die christliche Kirche mit der größten Glaubensgemeinschaft in Russland. Prägend für ihr Verhältnis zum russischen Staat ist das von der byzantinischen Mutterkirche übernommene Ideal der Symphonie, d. h. einer harmonischen Beziehung zwischen Staat und Kirche. Vor 1917 galt die Orthodoxie neben der Autokratie und dem „Volk“, genauer: einem volksverbundenen Patriotismus, als eine der wichtigsten Stützen des russischen Staates und des Zarenreichs – eine Traditionslinie, die heute wieder wirksam scheint.. Ab 2007 übernahm er jedoch wieder Filmrollen.  Er spielte unter anderem den blasphemischen Narren des Zaren Iwan der SchrecklicheIwan IV. Wassiljewitsch, der Schreckliche (1530–1584) war Großfürst von Moskau, bevor er sich 1547 zum Zaren von Russland erklärte. Seine Feldzüge gegen tatarische Khanate brachten enorme Landgewinne, das Zarentum Russland expandierte. Vor diesem Hintergrund war ein großer Teil seiner Zeit auf dem Thron durch die sogenannte Opritschnina geprägt – eine regional beschränkte, tyrannische Innenpolitik, die sich mit umfangreichem Terror gegen die Bevölkerung richtete. in Pawel Lungins Historienfilm Car (2009). Die Rolle provozierte seine vorübergehende Suspendierung durch den Moskauer Patriarchen KirillIm Jahr 1946 als Wladimir Gundjajew geboren, wurde Kirill 2009 zum Patriarchen der Russisch-Orthodoxen Kirche gewählt. Als solcher setzte er sich für ein stärkeres soziales Engagement der Kirche und eine bessere Klerikerausbildung ein. Gleichzeitig geriet er aufgrund der Annäherung der Kirche an den Kreml und mehrerer Korruptionsskandale in die Kritik.. Seither ist Ochlobystin als Schauspieler äußerst aktiv, vor allem in Fernsehserien.

© Mikhail Popov CC BY-SA 1.0Im September 2011 trat Ochlobystin außerdem erstmals lautstark als politische Figur in Erscheinung. So präsentierte er in einer Polit-Performance im Moskauer Sportpalast Luzhniki, die ihresgleichen sucht, eine Art politisches Manifest.2 Diese Doktrin-77 hat jedoch wenig mit einem ernstzunehmenden politischen Programm gemeinsam. Als Auftaktveranstaltung zur angekündigten Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2012 lanciert, präsentierte Ochlobystin ein Konglomerat aus imperialen, nationalrussischen und religiösen Ideen, das mit Fantasy-Elementen angereichert war. So ist darin beispielsweise vom Weltenende und einem apokalyptischen Endkampf die Rede sowie davon, dass die Russen für den Krieg geschaffen seien.  

Kritische Beobachter fühlten sich durch die Präsentationsform – mit einer weißen Pyramide als Bühnenbild, Rauch, Musik und dem an Schlüsselstellen seines Textes die Pauke schlagenden Ochlobystin – an die Praktiken totalitärer Sekten erinnert.3 Gleichzeitig wurde darüber spekuliert, wer diese Show denn finanziert habe und wessen Werbestrategie das sei. Denn Ochlobystin hatte zu diesem Zeitpunkt den Posten eines Kreativdirektors beim Mobilfunkanbieter Evroset inne.

Ochlobystins politisches Engagement als Präsidentschaftskandidat, dann als Gründer einer Partei namens Koalition Himmel und schließlich als Ideologe der Partei Rechte Sache (Pravoje delo), löste sich schnell in nichts auf. Weit nachhaltiger wirken dagegen seine auf Provokation ausgerichteten politischen Aussagen über Liberale, Oppositionelle und Andersdenkende, die als Bestandteile eines nationalkonservativen Populismus in den russischen Medien kursieren. Dazu gehören insbesondere seine Aussagen über Homosexuelle, die man am besten „bei lebendigem Leibe in den Ofen stecken sollte“4, oder seine Unterstützung für die Separatisten im DonbassDer Krieg im Osten der Ukraine ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Die Ukraine wirft dem Nachbarland Russland vor, die Rebellen mit Personal und Waffen zu unterstützen, was Russland bestreitet. Der Krieg kostete bereits etwa 10.000 Menschen das Leben. Eine anhaltende Waffenruhe konnte trotz internationaler Vermittlungsbemühungen bisher nicht erreicht werden.   , für die er 2014 mit einem Einreiseverbot in die Ukraine belegt wurde.

Iwan Ochlobystin ist eine prominente Figur der russischen Medienwelt. Durch seine provokanten politischen Aussagen trägt er wesentlich zur medialen Mobilisierung gegen Andersdenkende im heutigen Russland sowie zu einer Verrohung des gesellschaftlichen Diskurses bei. Dabei ist Ochlobystin als mediales Phänomen höchst komplex. So kann längst nicht mehr zwischen den Rollen, die er spielt, und den politischen Meinungen, die er vertritt, unterschieden werden. Eine Strategie, die Ochlobystin einsetzt, um genau diese Grenze zu verwischen, ist die Rolle des JurodiwyJurodiwyje (dt. „Christusnarren“) geißeln ihren eigenen Körper, üben strenge Askese und inszenieren sich als Wahnsinnige. Ihre intentionelle Selbsterniedrigung wird in der Nachfolge Christi gesehen. Das ehemals so bedeutsame Christusnarrentum, das immer auch Gesellschaftskritik beinhaltet, inspiriert die russische Kultur bis heute: Bands wie Pussy Riot oder der Künstler Pjotr Pawlenski beleben es in völlig neuer Form wieder., der russisch-orthodoxen Variante des Narren in Christo. Dass dieses Spiel aufgeht, zeigt die Einschätzung des Schriftstellers Dimitri BykowJuri Bykow (geb. 1981) ist ein bekannter russischer Regisseur, Schauspieler und Szenarist. Er begann seine Karriere nach einem Schauspielstudium zum Ende der 2000er Jahre und wurde sogleich auf dem wichtigsten Festival des Landes, dem Kinotawr, für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. In seinen Filmen geht Bykow oft hart ins Gericht mit den politischen und sozialen Strukturen Russlands. Eine prominetnte Ausnahme bildete seine Fernsehserie Spjaschtschije (dt. Die Schläfer) – eine von vielen Kritikern als propagandistisch eingestufte Produktion. Mitte Oktober 2017 distanzierte sich Bykow öffentlich von diesem Werk. Er entschuldigte sich bei den Zuschauern und gab an, sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen zu wollen.Dimitri Bykow (geb. 1967) ist ein bekannter Schriftsteller, Journalist und Professor für Literatur und Kultur. Er hat mehrere Romane und Gedichtbände veröffentlicht und ist Preisträger zahlreicher Literaturauszeichnungen. Seine Literatursendung „Grashdanin Poet“, in der er die politischen Verhältnisse in Russland humorvoll parodierte, war insbesondere während der Protestbewegung 2011/12 äußerst populär., der die Meinung vertritt, Ochlobystin würde die Losungen der orthodoxen Kirche wie auch der Politik extrem überzeichnen und damit als absurd entlarven.5 Dabei wird allerdings übersehen, dass die traditionelle Funktion des JurodiwyJurodiwyje (dt. „Christusnarren“) geißeln ihren eigenen Körper, üben strenge Askese und inszenieren sich als Wahnsinnige. Ihre intentionelle Selbsterniedrigung wird in der Nachfolge Christi gesehen. Das ehemals so bedeutsame Christusnarrentum, das immer auch Gesellschaftskritik beinhaltet, inspiriert die russische Kultur bis heute: Bands wie Pussy Riot oder der Künstler Pjotr Pawlenski beleben es in völlig neuer Form wieder. darin bestand, die Macht bzw. die Mächtigen mit Verachtung zu strafen. Ochlobystin dagegen geht mit dem derzeitigen politischen Mainstream konform.


1.Ochlobystin, Ivan (2011): Pop-zvezda, Produktion TK Ostankino, Regie: Ivan Cybin, Andrej Lukov
2.Video und Text dieses Auftritts sind abrufbar unter: Pravmir.ru: Doktrina-77 Ivana Ochlobystina: Polʼnyj tekst + video
3.Lenta.ru: Stadionnaja ochlokratija: Ivan Ochlobystin predstavil v Moskve „Doktrinu-77“
4.Die Aussage tätigte Ochlobystin am 11.12.2013 während eines Auftritts in Nowosibirsk, der unter dem Motto „geistiger Gespräche“ stand.
5.Vgl. Dimitri BykowJuri Bykow (geb. 1981) ist ein bekannter russischer Regisseur, Schauspieler und Szenarist. Er begann seine Karriere nach einem Schauspielstudium zum Ende der 2000er Jahre und wurde sogleich auf dem wichtigsten Festival des Landes, dem Kinotawr, für den besten Kurzfilm ausgezeichnet. In seinen Filmen geht Bykow oft hart ins Gericht mit den politischen und sozialen Strukturen Russlands. Eine prominetnte Ausnahme bildete seine Fernsehserie Spjaschtschije (dt. Die Schläfer) – eine von vielen Kritikern als propagandistisch eingestufte Produktion. Mitte Oktober 2017 distanzierte sich Bykow öffentlich von diesem Werk. Er entschuldigte sich bei den Zuschauern und gab an, sich aus dem Filmgeschäft zurückziehen zu wollen. in der Sendung Osoboe mnenie vom 09.01.2014 auf Radio Ėcho Moskvy
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Sergej Bondartschuk

Sergej Bondartschuk (1925–1994) war ein bedeutender sowjetischer und russischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Schauspieler. Bereits mit 32 Jahren wurde er als jüngster Schauspieler überhaupt als Volkskünstler der UdSSR ausgezeichnet. Sein Regiedebüt Ein Menschenschicksal (1959) gilt heute als Klassiker des sowjetischen Kinos. Im Westen wurde er vor allem durch die Verfilmung des Romans Krieg und Frieden (1967) von Lew Tolstoi bekannt, in der er auch eine der Hauptrollen übernahm. Der Film gehört zu den erfolgreichsten sowjetischen Filmen und hatte auch international großen Erfolg. 1969 erhielt er den Golden Globe und den Oscar als bester fremdsprachiger Film. Weitere bedeutende Regiearbeiten Bondartschuks sind unter anderem Waterloo (1970), Boris Godunow (1986) und der Mehrteiler Der stille Don (1994).

Andrej Tarkowski

Andrej Tarkowski (1932–1986) war ein sowjetischer Regisseur und gilt als einer der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Seine Werke greifen spirituelle, philosophische und metaphysische Themen auf und zeichnen sich durch lange Einstellungen und eine unkonventionelle Handlungsstruktur aus. In der Sowjetunion blieb Tarkowski, der seine Filme stets gegen die behördliche Zensur verteidigen musste, die offizielle Anerkennung versagt. 1983 emigrierte er, seine letzten beiden Filme entstanden im Ausland.

Leviathan

Der Film Leviathan von Andrej Swjaginzew ist ein 2014 erschienenes russisches Sozialdrama. Der international beachtete und mit dem Golden Globe gekrönte Film löste in Russland aufgrund der kritischen Darstellung der russischen Lebensrealität heftige Kritik aus.

Andrej Swjaginzew

Er war ein Laie, dessen erster Film 2003 mit dem Goldenen Löwen der Filmfestspiele von Venedig ausgezeichnet wurde. Heute zählt er zu den wichtigsten Regisseuren Russlands. Sein neuestes Werk Neljubow  (dt. Abneigung) läuft jetzt im Wettbewerb von Cannes und kommt am 1. Juni in die russischen Kinos. Eva Binder über den ungewöhnlichen Filmemacher Andrej Swjaginzew, seine Beziehungsdramen im „großen Still“ und die Hetzkampagne rund um seinen Film Leviathan.

Wladimir Medinski

Wladimir Medinski leitet seit 2012 das Kulturministerium der Russischen Föderation. Zu den zentralen Anliegen seiner Kulturpolitik zählen die Förderung des russischen Patriotismus sowie der Einsatz gegen vorgeblich antirussische Tendenzen in der Kultur.

Erster Kanal

Der Erste Kanal gilt aufgrund seiner hohen Reichweite als das wichtigste Massenmedium des Landes. Seit dem Ende der Sowjetunion war er stets mehrheitlich im Staatsbesitz – wenn auch seit 1994 unter Beteiligung von Großunternehmern. Er ist ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation des Kreml.

Liberale in Russland

„Liberal“ kann in der russischen Sprache heute vieles bedeuten. Der Begriff hat mehrere Wandlungen durchgemacht und ist nun zumeist negativ besetzt. Oft wird er verwendet, um Menschen vorzuwerfen, sie seien unfähig, schwach und widersetzten sich dem Staat nur, weil sie zu nichts anderem in der Lage seien. Das liberale Credo vom Schutz der Menschen- und Eigentumsrechte, so heißt es oft, lenke davon ab, dass unter liberaler Führung der Staat zugrunde gehen würde.

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