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Erdöl – kulturhistorische Aspekte

Erdöl war die Grundlage der Wirtschaft in der UdSSR und ist es im heutigen Russland immer noch. Metaphorisch auch als „Blut der Erde“ oder „Schwarzes Gold“ bezeichnet, gilt es nicht nur als wichtigste Energiequelle, sondern auch als Motor der Geschichte insgesamt. Ilja Kalinin über kulturhistorische Aspekte des Erdöls. 

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Alexandra Kollontai

Alexandra Kollontai (1872–1952), Generalstochter aus wohlhabendem Haus, Berufsrevolutionärin und Vorkämpferin der Frauenemanzipation, Revolutionsteilnehmerin, VolkskommissarinDas Volkskommissariat war im revolutionären Russland und der UdSSR die oberste Behörde der Regierung. Als zentrale politische Organe mit voneinander abgetrennten Aufgabenbereichen hatten die Volkskommissariate faktisch die Funktion von Ministerien inne und die Volkskommissare die Rolle der Minister. Diese bildeten im Rat der Volkskommissare von 1917 bis 1946 die Regierung der UdSSR. 1946 wurde der Rat der Volkskommissare von Stalin in Ministerrat umbenannt. für Sozialfürsorge in der ersten sowjetrussischen Regierung, scharfe Kritikerin des Friedens von Brest-LitowskAm 3. März 1918 schloss Sowjetrussland mit den Mittelmächten in Brest-Litowsk nach langwierigen Verhandlungen einen Friedensvertrag. Die sowjetische Seite schied damit aus dem Ersten Weltkrieg aus, musste aber erhebliche Verluste an Territorien, Bevölkerung, Anbauflächen und Industrieanlagen akzeptieren. Für die sowjetische Seite gab es angesichts der Bedrohung durch die deutschen Truppen keine Alternative zur Unterzeichnung des Abkommens. Die Mittelmächte hofften – letztlich vergeblich – mit den gewonnenen Ressourcen den Krieg im Westen fortsetzen und gewinnen zu können. Mehr dazu in unserer Gnose , Leiterin der Frauenabteilung im ZentralkomiteeDas Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) war das eigentliche Machtorgan der UdSSR. Es bestand unter anderem aus dem Politbüro, dem Sekretariat und dem Apparat des ZK. Der Apparat bündelte zum Teil dieselben Kompetenzen wie der Ministerrat der UdSSR – die formale Regierung des Landes. (ZK) der RKP(b)Die Kommunistische Partei hieß von 1918 bis 1925 Kommunistische Partei Russlands (der Bolschewiki) RKP(b), dann Kommunistische Allunionspartei (der Bolschewiki) WKP(b) und ab 1952 schließlich Kommunistische Partei der Sowjetunion KPdSU., Mitglied der „Arbeiteropposition“, welterste Diplomatin und außerdem Literatin – nach eigener Einschätzung hat sie „nicht nur ein, sondern viele Leben gelebt“.1
Früh zeigte sich ihr starkes Verlangen nach Selbstbestimmung, im Privaten wie auf der politischen Bühne. Legendär bereits zu Lebzeiten, faszinierte sie viele Menschen mit bemerkenswerter Schönheit, eleganter Kleidung und temperamentvollem Auftreten, hat Köpfe verdreht, Herzen entflammt, aber auch für Klatsch und Empörung gesorgt. 
Viele ihrer politischen Positionen wurden kontrovers diskutiert, ja bewusst verzerrt, lächerlich gemacht und schließlich geächtet. Bis in die Gegenwart sind ihre Schriften nicht gefeit vor Vereinnahmung und einseitiger Rezeption.

Kein Leben im Käfig

Ein großer Drang, der elterlichen Überbehütung zu entkommen, trieb die erst 21-jährige Alexandra Domontowitsch in eine nicht standesgemäße Ehe mit einem Vetter, dem mittellosen Ingenieur Wladimir Kollontai. Trotz aller Liebe empfand sie nach kurzer Zeit das konventionelle Dasein einer Hausfrau und Mutter als bedrückenden Käfig und verließ Mann und Sohn, um fortan eigene, autonome Wege zu gehen. Diese führten sie wie so viele junge Frauen aus dem Russischen Reich zunächst zum Studium nach Zürich. Doch nicht die Wissenschaft wurde ihr Lebenselixier, sondern die europäische sozialistische Bewegung, deren führende Vertreter sie in der Schweiz kennengelernt hatte. Diese Verbindung erwies sich als dauerhaft – einen ebenbürtigen Partner für eine langjährig erfüllende Liebesbeziehung hingegen hat sie nie gefunden – als ökonomisch und geistig unabhängige „neue Frau“ traf sie meist Männer vom alten Schlage.2

Berufsrevolutionärin in eigener Sache

Eines ihrer vielen Leben führte Kollontai bereits vor der Jahrhundertwende in die russische Sozialdemokratie (RSDRP), während ihres Exils in Westeuropa (1908–1917) außerdem in die SPD und zu den französischen Sozialisten. Ausgestattet mit einem ausgeprägten Selbstbewusstsein, großem Kommunikationstalent und ausgezeichneter Kenntnis von fünf Fremdsprachen, wirkte sie ebenso leidenschaftlich wie unermüdlich als Autorin, Publizistin, Rednerin und Organisatorin. Dabei ließ sie sich von den Ideen des „Vaters des russischen MarxismusEnde des 19. Jahrhunderts wurde Karl Marx in Russland zu einem der einflussreichsten Philosophen. Schon bald nach der deutschen Erstausgabe von 1867 gab es sein Kapital auch auf Russisch. Das Werk fand in Russland ein weitaus lebhafteres Echo als in Deutschland oder irgendwo sonst in Europa. Nach der Oktoberrevolution wurde ein vermeintlich texttreuer, dogmatischer Marxismus zu einer dominierenden und schließlich sogar absolut gesetzten Ideologie. Mehr dazu in unserer Gnose “, Georgi Plechanow, inspirieren, aber auch von Persönlichkeiten wie dem Schriftsteller Maxim GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war der meistgedruckte sowjetische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen.Maxim Gorkis Paradox bestand darin, dass er seine moralische Autorität in den Dienst des Stalinismus stellte. Ulrich Schmid über den meistgedruckten sowjetischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mehr dazu in unserer Gnose . Viele Denkanstöße lieferten ihr auch die Lafargues in Frankreich, die Webbs in England sowie die führenden deutschen Sozialisten.

1903 entstand ihre erste eigene grundlegende Untersuchung über die finnische Arbeiterschaft, bis sie – stark beeinflusst durch Bebels Grundlagenwerk Die Frau und der Sozialismus (1879) und die Organisationserfolge von Clara Zetkin unter deutschen proletarischen Frauen – die „Frauenfrage“ als ihr eigenes Haupt- und Lebensthema entdeckte.

Theoretikerin und Praktikerin der Frauenbefreiung

Kollontai selbst bewertete rückblickend den Kampf für die Befreiung der Frauen als „wertvollsten Beitrag“ ihrer sechs Jahrzehnte umfassenden politischen Tätigkeit3 – dabei hatte das, was die Sowjetunion unter Stalin als „vollendete Emanzipation“ ausgab, mit ihren visionären Vorstellungen von Frauenbefreiung kaum etwas gemein. Da es nie eine Gesamtausgabe ihrer wichtigsten politischen Schriften gab, sind manche Werke heute nur noch mit Mühe aufzutreiben. Einige Titel, darunter auch das belletristische Werk, wurden in den 1970er Jahren durch die Neue Frauenbewegung der BRD wiederentdeckt und in deutscher Sprache publiziert.4

Für Kollontai war die Befreiung der Frauen keine unvermeidliche Folge der Revolution und erschöpfte sich mitnichten in ökonomischer Teilhabe und rechtlich-sozialer Gleichstellung. Vielmehr sollte die sozialistische Gesellschaft einen neuen Typ von Frau hervorbringen, der auf Grund der eigenen inneren und äußeren Unabhängigkeit qualitativ neuartige Beziehungen zum anderen Geschlecht anstrebte. In der Mutterschaft sah Kollontai zwar eine wichtige soziale Funktion, aber ebenfalls nicht den Kern weiblichen Daseins. Dieser war vielmehr: „die soziale Idee, die Wissenschaft, der Beruf, das Schaffen“.5 Ein solches Selbstverständnis verlangte den Frauen eine gewaltige psychische Leistung ab, nämlich das Loslassen alles „Weibchenhaften“.6 Aber auch die Männer sollten unter diametral veränderten Bedingungen nicht dieselben („alten Iwans“) bleiben.

Die russischen Bäuerinnen konnten mit solch utopischen Zukunftsentwürfen wenig anfangen und lehnten sie ab. Das männliche Parteiestablishment war der Propaganda für die Revolutionierung der menschlichen Beziehungen auch bald überdrüssig – es lebte sich als Mann ja ganz gut mit überkommenen Beziehungsformen. Frühsowjetische Ideen von der Vergesellschaftung der Hausarbeit und Kindererziehung fanden ebenso wenig Widerhall in der Bevölkerung, die Debatten über die Revolutionierung des Alltagslebens (bytMit dem Begriff byt wurden zu Beginn des 20. Jahrhunderts verschiedene Aspekte des Alltagslebens bezeichnet. Er umfasste sowohl Strukturen, wie soziale Einrichtungen, aber auch individuelle Einstellungen, Denk- und Verhaltensweisen. Wichtiger Bestandteil des „neuen byt“ war die Frauenfrage, unter der eine breite Einbeziehung von Frauen in die Arbeiterschaft verstanden wurde, indem reproduktive Arbeiten im Haushalt und in der Familie durch staatliche Institutionen übernommen werden sollten.) verstummten noch in den 1920er Jahren. Kollontai setzte sich auch für freie Liebe und Sexualität ein, doch bald wurden solche Ideale durch eine konservative Sexualmoral und die Stärkung der Familie als Institution abgelöst.

Vertriebene oder erfolgreiche Diplomatin

Die Jahre 1922 bis 1945 verbrachte Alexandra Kollontai als sowjetische Diplomatin in Norwegen (1922–1926, 1927–1930), Mexiko (1926/27) und vor allem in Schweden (1930–1945). Die feministisch orientierte Historiographie bewertete ihre Diplomatentätigkeit als unfreiwilliges Exil oder Strafversetzung. Dabei ging der Wunsch, fortan im Ausland zu wirken, von Kollontai selbst aus. Ihre (zweite) Ehe mit Pawel DybenkoGemeint ist Pawel Dybenko (1889–1938) – ein Revolutionär, Marineoffizier und Mitglied im Rat der Volkskommissare, dem obersten Organ der Exekutive und Legislative in der frühen Sowjetunion. Dybenko war für brutale Niederschlagungen von Aufständen in den 1920er Jahren verantwortlich. 1938 ist der oft als „Henker“ bezeichnete Offizier den Stalinschen Säuberungen zum Opfer gefallen. war gescheitert, ebenso der Versuch, im Rahmen der Arbeiteropposition eine echte proletarische Demokratie gegen den Führungsanspruch der Partei zu verteidigen und sich für innerparteiliche Kritik stark zu machen. Nach all diesen quälenden Niederlagen wollte sie Abstand gewinnen, sich neu orientieren und bat deshalb Stalin, damals Generalsekretär der Kommunistischen Partei, um eine Aufgabe im Ausland, etwa als Korrespondentin. Stattdessen wurde sie Legationsrätin an der sowjetischen Handelsvertretung in Norwegen, später Leiterin der Bevollmächtigten Vertretung. Die längste Zeit ihrer diplomatischen Laufbahn verbrachte sie als sowjetische Gesandte in Schweden – seit 1943 im Rang einer Botschafterin und Doyenne des diplomatischen Corps. 
In ihren letzten Lebensjahren als Beraterin des Volkskommissariats für Auswärtige Angelegenheiten blieben ihr der Botschaftertitel und eine sehr auskömmliche Versorgung erhalten. Bis kurz vor ihrem Tod bearbeitete, das heißt bereinigte sie ihre Memoiren, auf deren Erscheinen  sie (vergeblich) hoffte. Auch zu ihrem 100. Geburtstag 1972 gab es noch keine Veröffentlichung.7 Das Jubiläumsjahr war der politischen Führung lediglich eine Briefmarke wert. Doch 1969 kam ein Spielfilm über ihre diplomatische Tätigkeit ins Kino, der später wegen seiner Popularität auch im TV lief.8

Alexandra Kollontai, deren Leben schon lange von schwerer Krankheit und zunehmender Vereinsamung getrübt war, verstarb am 9. März 1952 in Moskau. Obwohl international geachtet und hochdekoriert, versagte ihr die PrawdaDie Prawda (dt. Wahrheit) ist eine russische Tageszeitung, die 1912 von Lenin aus dem Exil gegründet wurde. Sie sollte eine Zeitung von Arbeitern für Arbeiter sein und war in der Sowjetunion das Parteiorgan der KPdSU. So war die Prawda mit einer offiziellen täglichen Auflage von elf Millionen Exemplaren die größte Zeitung der Sowjetunion. Nach dem Zerfall der Sowjetunion geriet sie allerdings in finanzielle Schwierigkeiten und wurde 1996 eingestellt, bevor sie im April 1997 als Organ der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation unter Chefredakteur Alexander Ilin neu gegründet wurde. Seit 2009 ist Boris Komozki Chefredakteur der Zeitung. einen Nachruf. Das Ausland dagegen reagierte mit Etikette und Anstand auf ihren Tod. Schließlich konnte sie einige maßgebliche Erfolge vorweisen. Die Vermittlertätigkeit bei den sowjetisch-finnischen Friedensschlüssen 1940Der Finnisch-Sowjetische Krieg oder auch Winterkrieg währte von November 1939 bis März 1940 und endete mit der Unterzeichnung des Friedensvertrags von Moskau. Nachdem Finnland Gebietsforderungen der Sowjetunion abgelehnt hatte, griff die Rote Armee das Land an. Zur Beendigung des Krieges musste Finnland Teile von Karelien sowie einige andere Gebiete wie das Territorium rund um die Stadt Kuolajärvi (heute in der Oblast Murmansk) und die Stadt selbst und eine Reihe von Inseln im Finnischen Meerbusen an die Sowjetunion abtreten. Im Gegenzug behielt es seine Souveränität. Die Sowjetunion wurde als Aggressor aus dem Völkerbund ausgeschlossen. Etwa 70.000 Finnen wurden verwundet oder getötet. Die Höhe der Verluste auf sowjetischer Seite ist umstritten. Historiker gehen von bis zu 270.000 Toten und bis zu 300.000 Verwundeten aus. und 1944 hatte ihr sogar die zweimalige Nominierung für den Friedensnobelpreis eingetragen. 
Kollontais größte Leistung aber war die vorbildlose Selbstbehauptung in einer klassischen Männerdomäne sowie ihr geschicktes Mitwirken an der Ausgestaltung der frühen sowjetischen Diplomatie – ohne jede Kenntnis diplomatischer Gepflogenheiten, dafür aber mit einem gewissen Eigensinn. Ihre adlige Erziehung, umfassende Bildung, Fremdsprachenkenntnisse, Gewandtheit, Diskretion und zugleich Kontaktfreudigkeit im Umgang mit Menschen glichen die fehlende diplomatische Ausbildung spielend aus. Als Diplomatin ging sie häufig bis an die Grenzen ihrer Gestaltungsspielräume und gelegentlich sogar darüber hinaus. Natürlich machte ihr die immer weitere Beschneidung zu schaffen, sie litt unter der ständigen Bespitzelung durch den NKWDNarodny komitet wnutrennych del (dt. Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) war von 1934 bis 1946 der Name des sowjetischen Innenministeriums. Zusätzlich zu den normalen Polizeieinheiten war das NKWD auch für die Geheimpolizei zuständig und daher verantwortlich für zahllose Verbrechen gegen wirkliche oder vermeintliche „Konterrevolutionäre“. Das Ministerium koordinierte außerdem das Straflagersystem Gulag.. Mit Beginn des Großen TerrorsAls Großen Terror bezeichnet man die staatlichen Repressionen gegen die sowjetische Bevölkerung zwischen 1936 und 1938. Der Begriff wurde durch die gleichnamige Monographie des britischen Historikers Robert Conquest geprägt. Während des Großen Terrors wurden Schätzungen zufolge rund 1,6 Millionen Menschen verhaftet, etwa 680.000 von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Repressionen erfolgten in mehreren Wellen. Waren zunächst vor allem hohe Parteikader betroffen, gerieten im Laufe der Zeit immer neue Gesellschaftsgruppen ins Visier der Sicherheitsorgane. Eine juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen fand bis heute nicht statt. Mehr dazu in unserer Gnose musste sie gar um ihr Leben fürchten. Die meisten alten Kampfgefährten, insbesondere Diplomaten, fielen ihm zum Opfer.

Loyale Überlebende

Ob sie nur deshalb lebend davonkam, weil Stalin, dem sie in persönlichen Briefen sowie in ihren Aufzeichnungen eindrucksvoll zu schmeicheln wusste, seine Hand über sie hielt oder vielmehr weil sie, wie der spätere Außenminister MolotowWjatscheslaw Molotow (1890–1986) war ein enger Weggefährte Stalins. In den Jahren 1939–1949 sowie 1953–1956 war er Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten beziehungsweise sowjetischer Außenminister. Bereits mit 16 Jahren war Molotow Mitglied der Bolschewiki. Er war vor der Revolution 1917 zweimal verhaftet und in Straflagern interniert worden. meinte, ihnen nicht geschadet habe9, muss offen bleiben. Jedenfalls ertrug Kollontai die Ermordung zweier ihrer früheren Partner (Alexander Schljapnikow, Pawel Dybenko) in stoischer Trauer, wohl auch geplagt von nagenden Zweifeln. Doch wie so viele Davongekommene ihrer Generation fand sie nicht die Kraft, sich von dem Regime Stalins loszusagen, sondern hielt ihm bis zu ihrem Lebensende allem Anschein nach die Treue. 


Quellen:
Kollontai, Alexandra (1972): Die Arbeiteropposition (1921), in: Kool, F./Oberländer, E. (Hrsg.) Arbeiterdemokratie oder Parteidiktatur, Bd. 1, München (Lizenzausgabe), S. 182–240
Kollontai, Alexandra (1975): Die Situation der Frau in der gesellschaftlichen Entwicklung: Vierzehn Vorlesungen vor Arbeiterinnen und Bäuerinnen an der Sverdlov-Universität 1921, Frankfurt am Main
Kollontai, Alexandra (1979): Der weite Weg: Erzählungen, Aufsätze, Kommentare, Frankfurt am Main
Zum Weiterlesen:
Bonwetsch, Bernd (1990): „Madame Kollontai“: Die erste Diplomatin der Welt, in: von Soden, Kristine (Hrsg.): Lust und Last: Sowjetische Frauen von Alexandra Kollontai bis heute, Berlin, S. 52–55 
Clements, Barbara Evans (1979): Bolshevik Feminist: The Life of Aleksandra Kollontai, London
Farnsworth, Beatrice (1980): Aleksandra Kollontai: Socialism, Feminism, and the Bolshevik Revolution, Stanford
Fuchs, Marina (2001): Die „geheime Verbindung“: Briefe von Aleksandra Kollontaj an Vjačeslav Molotov 1926–1952: Zur Illustration der Rolle des „Patron-Klient“-Verhältnisses im politischen Mechanismus der Sowjetunion, in: Forum für osteuropäische Ideen- und Zeitgeschichte, 5 (1), S. 295–356
Porter, Cathy (1980): Alexandra Kollontai: A Biography, London
Raether, Gabriele (1986): Alexandra Kollontai zur Einführung, Hamburg
Schejnis, Sinowi (1984): Alexandra Kollontai: Das Leben einer ungewöhnlichen Frau, Frankfurt am Main
Steiner, Helmut (2002): Rosa Luxemburg und Alexandra Kollontai: Gemeinsamkeiten und Unterschiede zweier sozialistischer Politikerinnen, Berlin
Stites, Richard (1991): The Women’s Liberation Movement in Russia: Feminism, Nihilism, and Bolshevism, 1860–1930, Princeton (New Edition)
Vaksberg, Arkadij (1997): Val’kirija revoljucii, Smolensk

1.Kollontai, Alexandra (1980): Ich habe viele Leben gelebt … Autobiographische Aufzeichnungen, Köln, S. 502 
2.Kollontai, Alexandra (1975): Autobiographie einer sexuell emanzipierten Kommunistin, Wien, S. 11 
3.Kollontai, 1980, S. 498 
4.Kollontai, Alexandra (1973): Wassilissa Malygina: Erzählungen über «Wege der Liebe» im frühen Sowjet-Russland/Frauen zwischen Ehe und Revolution, Frankfurt am Main; dies. (1980): Wege der Liebe: Drei Erzählungen (Lizenzausgabe), Frankfurt am Main 
5.Kollontai, Alexandra (1977): Die neue Moral und die Arbeiterklasse, Münster, S. 36 
6.ebd., S. 43 
7.Sie erschienen erst 2001/2003 in russischer/deutscher Sprache: Kollontai, Alexandra (2003): Mein Leben in der Diplomatie: Aufzeichnungen aus den Jahren 1922 bis 1945, Berlin 
8.Posol Sovetskogo Sojuza (Botschafter der Sowjetunion), 1969. Vgl. Steiner, Helmut (2004): Alexandra M. Kollontai (1872–1952) über Theorie und Praxis des Sozialismus, in: Leibniz-Sozietät/Sitzungsberichte 63, S. 123 
9.Schattenberg, Susanne (2013): Ein Diplomat im Kleid: Aleksandra Kollontaj und die sowjetische Diplomatie, in: Bastian, Corina et al. (Hrsg.): Das Geschlecht der Diplomatie, Köln, S. 233 
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Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)