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Oktober: Restricted Areas

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Dieselelektrisch betriebenes U-Boot, das größte jemals gebaute – Oblast Samara, 2013 / Fotos © Danila Tkachenko

Was vom Fortschritt übrig bleibt: Danila Tkachenko fotografiert Relikte technischer Utopien im postsowjetischen Raum. Viele der Objekte befinden sich in Restricted Areas, ehemaligen Sperrzonen, die früher nur einem sehr engen Kreis von Mitarbeitern zugänglich waren. Einsam stehen die technischen Gebilde auf Tkachenkos Fotografien da, außerhalb aller Zivilisation, die Farbe ist bis auf ein Minimum zurückgenommen, die Zeit scheint in Schnee und Eis zum Stillstand gekommen zu sein.

Danila Tkachenko (geboren 1989 in Moskau und Absolvent der dortigen Rodchenko School of Photography and Multimedia) begreift sich als Visual Artist, der mit den Mitteln der Dokumentarfotografie arbeitet. Zu seiner Serie Restricted Areas sagt er: „Ich suche auf meinen Reisen Orte, die einen großen Stellenwert für den technischen Fortschritt hatten und die nun verlassen sind. Diese Orte haben ihre Bedeutung verloren zusammen mit der utopischen, nun obsolet gewordenen Utopie: Die perfekte technokratische Zukunft, die nie eingetreten ist.“

Tkachenko ist einer der wichtigsten Vertreter der jungen russischen Fotokunst. Für seine Serie Escape, die modernen Einsiedlern in Russland gewidmet ist, wurde er 2014 mit einem ersten Platz beim World Press Photo Award ausgezeichnet. Auch Restricted Areas (entstanden von 2013 bis 2015) wurde vielfach prämiert, das zugehörige Buch in fünf Sprachen übersetzt. Derzeit wird die Arbeit im Rahmen des Europäischen Monats der Fotografie in der traditionsreichen Ostberliner Fotogalerie Friedrichshain gezeigt, ergänzt durch Archivmaterial zu den abgebildeten Objekten. Die Ausstellung läuft bis zum 28. Oktober.

Landekapseln für Rückkehr der Astronauten und Forschungsausrüstung zur Erde –  Kasachstan, Gebiet Qysylorda, 2013

Verlassenes Observatorium – Kasachstan, Gebiet Almaty, 2015

 

„Tschaika" – Antenne für Troposphärenfunk  – Russland, Autonomer Kreis der Jamal-Nenzen, 2014

 

Berijew WWA–14, Amphibien-Flugzeug mit Senkrechtstart-Möglichkeit (VTOL) – Russland, Monino bei Moskau, 2013

 

Förderpumpen auf einem erschöpften Ölfeld –  Russland, Republik Baschkortostan, 2014

 

Sarkophag über einem 4 km tiefen Bohrloch, seinerzeit eine der tiefsten wissenschaftlichen Bohrungen weltweit – Russland, Region Murmansk, 2013

 

Test auf Wasserkontaminierung in einem See bei Osjorsk (früher Tscheljabinsk-40). Im Jahr 1957 kam es hier zum ersten Kernkraftunfall; er wurde etwa 30 Jahre lang geheimgehalten. Die Stadt ist umgeben von Seen, die bis heute radioaktiv kontaminiert sind

 

Geborgenes Wrack des Passagierschiffs „Bulgaria“, bei dessen Untergang 122 Menschen ertrunken sind – Republik Tatarstan, 2014

 

Schutzschirm gegen die biologischen Einflüsse von Radarstrahlung – Kasachstan, Qaraghandy Gebiet, 2015

 

Anlage zur Kohleverarbeitung. Russland – Republik Komi, 2014

 

Busludscha-Denkmal zu Ehren der sozialistischen Bewegung Bulgariens – Bulgarien, Chadschi Dimitar, 2015

Fotos: Danila Tkachenko
Bildredaktion: Nastya Golovenchenko, Text: Martin Krohs

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Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR (WDNCh)

Die WDNCh (Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR, Moskau) war ein Abbild der idealisierten Sowjetunion: In diesem Miniatur-Wunderland gruppierten sich kunstvoll angelegte Pavillons der einzelnen Teilrepubliken mit deren exotischen Erzeugnissen und regionaltypischem Kunsthandwerk einträchtig hinter einem zentralen Palast. Den Besuchern wurde so ein utopisches Modell des idealen Staates präsentiert, wie ihn sich viele erträumten. Die zahlreichen Umbauten der Ausstellung spiegeln die verschiedenen Veränderungen in der Sowjetunion wider. Lange nach dem Zerfall des Staates wurde das Ausstellungsgelände 2014 unter Denkmalschutz gestellt und die Erinnerung an goldene – wenn auch größtenteils imaginierte – Zeiten damit offiziell konserviert.

Reise durch die Sowjetunion en miniature - die WDNCh im Jahr 1957. Vorne der Brunnen „Steinerne Blume“, im Hintergrund der zentrale Palast. Foto © Kommersant

Die 1939 eröffnete Allunions-Landwirtschaftsausstellung (1959 umbenannt in WDNCh, Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR) stand in der Tradition nationaler und internationaler Ausstellungen, die seit Mitte des 19. Jahrhunderts in Europa ein wichtiges Medium der Selbstdarstellung von Nationalstaaten und ein Instrument des nation building waren.1

Das Muster einer ausgedehnten Pavillon-Stadt kam erstmals bei der Pariser Weltausstellung von 1889 zur Anwendung.2 Die Ausstellungen sollten das Publikum durch Teilhabe an nationalen Symbolen und Institutionen erziehen, bilden und kulturell assimilieren.3 Ihre Funktionen reichten von der nationalen Identitätskonstruktion über die Austragung von Rivalitäten bis hin zur Volksbildung und zum Laboratorium für Zukunftstechnologien für die „Welt von morgen“. Die sowjetischen Konzepte lehnten die kolonialen und imperialen Displays der internationalen Ausstellungen zwar ab. Die WSChW/WDNCh hatte jedoch im Grunde ganz ähnliche Ziele und Funktionen und übernahm grundlegende Muster.

Ewig leuchtendes Beispiel der sowjetischen Architektur

Die sowjetische Allunions-Landwirtschaftsausstellung (WSChW) sollte ursprünglich 1937 zum Jahrestag der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. eröffnet werden. Eine erste international ausgerichtete Landwirtschafts- und Gewerbeausstellung mit futuristischen Holzpavillons von Konstantin Melnikow, Boris Gladkow und Wladimir Schtschuko hatte 1923 einen Monat gedauert.4 Architekt Wjatscheslaw K. Oltarschewski, der 1935 den Wettbewerb für eine Neuauflage gewann, wollte die WSChW als Parade-Beispiel für standardisierte Bauweise in der Landwirtschaft gestalten. Während der Planung wurde jedoch beschlossen, dass die Ausstellung nicht 100 Tage, sondern fünf Jahre dauern sollte.  Angesichts der neuen Aufgabe, ein ewig leuchtendes Beispiel sowjetischer Architektur zu errichten, erschienen die geplanten hölzernen Pavillons als Akte der Sabotage. Die Eröffnung wurde verschoben, Oltarschewski verhaftet: die politischen Säuberungen der Jahre 1937 und 1938 erfassten die Ausstellungsplaner.

Sowjetunion en miniature

Ein neues Team um Sergej Tschernyschew gestaltete die Ausstellung zwischen 1937 und 1939. Die neue Version zeigte neoklassizistische, reich mit Ornamenten verzierte Bauten und die Kolossalskulptur Arbeiter und KolchosbäuerinArbeiter und Kolchosbäuerin ist eine der bekanntesten Skulpturen Russlands. Die rund 25 Meter hohe Plastik von Vera Muchina wurde 1937 im Stil des Sozialistischen Realismus hergestellt. Sie symbolisiert die Einheit von Arbeitern und Bauern und befindet sich vor dem Gelände von WDNCh – Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR. Landesweite Bekanntheit erlangte die Statue vor allem als Propaganda-Motiv und als Logo der Filmgesellschaft Mosfilm von Vera Muchina und Boris Iofan, die bereits den Pavillon an der Weltausstellung in Paris 1937 geschmückt hatte.5 Die Ausstellung wurde 1939 zum zehnten Jahrestag des Beginns der Kollektivierung eröffnet.

Das Gelände war als idealer Staat angelegt, mit einem palastartigen Zentralpavillon und dem Platz der KolchosenDas Wort bezeichnete in der Sowjetunion eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Es setzt sich zusammen aus den Anfängen der Wörter „kollektiv“ (kollektiwny) und „Wirtschaft/Haushalt“ (chosjaistwo). Seit 1929 wurde die Landwirtschaft mit Zwangskollektivierungen in Kolchosen organisiert. Die Betriebe waren formal selbstverwaltet, die Produktionsmittel gehörten dem Kollektiv. Die Leiter der Kolchosen wurden allerdings von der Partei eingesetzt, und der Boden gehörte dem Staat. , um den sich die Pavillons der Republiken mit ihren Musterpflanzungen scharten.

Usbekistan-Pavillon. Die Pavillons zeigten Dekorationen und Kunsthandwerk, die für die jeweilige Region typisch waren. Foto © Artyom Polevoy unter CC BY 2.0

Der als Narrativ angelegte Rundgang ermöglichte den Besuchern eine virtuelle Reise durch die Sowjetunion en miniature: Am ersten Tag würden die Besucher den zentralen Teil mit den Pavillons der Republiken besichtigen; am zweiten Tag die Pavillons für Ackerbau und Viehzucht mit ihren exotischen Früchten, seltenen Gänsen und Schweinesorten. Der dritte Tag schließlich gehörte der Unterhaltung und Erholung im Vergnügungspark mit seinen Cafés und Restaurants.

Dadurch wurden die Besucher mit einem Bild des Landes und mit einer Standard-Auswahl von Schlussfolgerungen über die ausgestellten Republiken und ihre Bewohner versorgt.

Ein Triumphtor zur Erinnerung an den Sieg

Nach dem Krieg, zwischen 1950 und 1954, wurde die Ausstellung im Stil des so genannten patriotischen Monumentalismus umgebaut und erhielt ein Triumphtor – zur Erinnerung an den Sieg im Großen Vaterländischen KriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte.. Der Platz der Kolchosen wurde erweitert um die drei annektierten baltischen Republiken und geschmückt mit dem Brunnen der Völkerfreundschaft. Die von weiteren Pavillons der Republiken gesäumte zentrale Allee führte zum erweiterten Pavillon der Mechanisierung und zu den Themenpavillons für Ackerbau und Viehzucht.

Alle Pavillons im zentralen Teil der Ausstellung zeigten Dekorationen und Kunsthandwerk, die für ihre jeweiligen Regionen typisch waren. Vor jedem Pavillon befanden sich ein Hof und ein Garten mit Pflanzen aus der Region. Der daran anschließende Erholungspark mit Cafés und Restaurants war ein Wunder der Landschaftsarchitektur mit märchenhaft anmutenden Pavillons wie der Nachbildung einer Eisgrotte für den Verkauf von Speiseeis.6

Nationale Leistungsschau mit Kosmos-Pavillon

Die Ausstellung wurde 1958 geschlossen, umgebaut und 1959 unter der Bezeichnung Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR als nationale Leistungsschau wiedereröffnet. Der Pavillon der Mechanisierung war zum Kosmos-Pavillon geworden. Ganz im Trend der internationalen Entwicklung diente die WDNCh der Popularisierung von Wissenschaft und Technik.7 Im Jahr 1967, zum 50. Jahrestag der Revolution von 1917, erfolgten weitere Vergrößerungen und Verbesserungen, ebenso zu den Olympischen Spielen in Moskau 1980. 

1959 ist der Pavillon der Mechanisierung zum Kosmos-Pavillon geworden. Hier ein Blick in die Kuppel. Foto © Sergey Norin unter CC BY 2.0

In der Ausstellung lebte der Monumentalismus fort. Der Versuch, von der thematischen Ausstellung zur Wechselausstellung überzugehen, führte allerdings zum Verlust des Gesamteindrucks. Auch die finanziellen Mittel flossen seit der BreshnewLeonid Breshnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte als erster Mann im Staat fast zwei Jahrzehnte lang das Geschehen der Sowjetunion. Seine Herrschaft wird einerseits mit einem bescheidenen gesellschaftlichen Wohlstand assoziiert, gleichzeitig jedoch auch als Ära der Stagnation bezeichnet.-Zeit nicht mehr so üppig, so dass sich der Gesamtzustand schleichend verschlechterte.

Wichtiger Erinnerungsort

In den 1990er Jahren wurden die Pavillons vermietet, teilweise in Geschäftslager umgebaut oder für Messen und Konsumgüterausstellungen genutzt. Auf dem Gelände wurde ein Vergnüngungspark untergebracht. Viele wertvolle Ausstellungsstücke, unter allem aus dem Pavillion „Kosmos”, wurden in dieser Zeit zerstört oder landeten auf dem Schrott.

In den 1990er Jahern werden unter den Augen Juri GagarinsJuri Gagarin war 1961 der erste Mensch im Weltraum. Doch er wurde bald auch zu einem kommunistischen Friedensboten, populären Jugendidol, nationalen Kulturheros, dissidenten Raumfahrer und einer globalen Popikone. Saatgut und Handtaschen verkauft. Foto: Ilya Varlamov

Heute bedient das Gelände als wichtiger russischer Erinnerungsort aktuelle Identitätsbedürfnisse: Es war wie die Moskauer Metro oder das Ferienlager ArtekDas Pionierlager Artek auf der Krim wurde 1925 erst als Sanatorium für Tuberkulosevorsorge eröffnet. Bereits in den 30er Jahren wurde das Lager zur Ikone stilisiert und ist zum Traumland und Wunschziel einiger Generationen der Pioniere geworden. Seit den 1960er Jahren verbrachten jeden Sommer insgesamt 20.000 Kinder ihre Ferien in Artek. Nach dem Zerfall der UdSSR wurde das Lager von der Ukraine weiterbetrieben und kam mit der Angliederung der Krim wieder unter russische Verwaltung. auf der KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus. Teil eines Systems perfekter Orte, an denen bereits in der sowjetischen Gegenwart die lichte Zukunft besichtigt und genossen werden konnte.8 Sie waren zu Sowjetzeiten sehr populär und erinnern heute an den vergangenen Großmachtstatus in Verbindung mit Freizeit und Vergnügen.

Die WDNCh steht seit 2014 unter Denkmalschutz und wird derzeit fein säuberlich auf den neuesten Stand gebracht: entrümpelt, restauriert, aber auch um angrenzende Areale erweitert und verändert.


1. Rydell, Robert W. und Nancy Gwinn (Hg.) (1994):  Fair Representations. World’s Fairs and the Modern World. Amsterdam; Greenhalgh, Paul (1988): Ephemeral vistas. The Expositions Universelles, Great Exhibitions and World’s Fairs, 1851-1939, Manchester; Swift, Anthony (1998): The Soviet World of Tomorrow at the New York World’s Fair, 1939, in: The Russian Review 57, S. 364-79; Morton, Patricia (2000): Hybrid modernities. Architecture and Representation at the 1931 Colonial Exposition, Paris, Cambridge, Mass.
2. Greenhalgh, Ephemeral vistas, S. 66
3. Yengoyan, Aram A. (1994): Culture, Ideology and World’s Fairs: Colonizer and Colonized in Comparative Perspectives, in: Rydell, Gwinn, Fair Representations, S. 62-83, hier S. 81
4. Starr, S. Frederick (1978): Melnikov. Solo architect in a mass society, Princeton, N.J. S. 57; Posochin, V. und Baranov, N. et al. (1968): Sovetskaja Architektura za 50 let., Moskau
5.Zinov’ev, A. (2014): Ansambl’ VSChV. Architektura i stroitel’stvo. Moskau.; PapernyVladimir Paperny (geb. 1944) ist russischer Kulturwissenschaftler, Architekturhistoriker und -kritiker. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört sowjetische Architektur, insbesondere der Stalin-Zeit. Paperny lebt seit 1981 in den USA. j, V. (1996): Kul’tura dva. Moskau, S. 196-197; Castillo, G. (1995): Peoples at an Exhibition: Soviet Architecture and the National Question, in: South Atlantic Quarterly 94 (3), S. 715-746 (Special issue: Socialist Realism without Shores. Hg. von Thomas Lahusen und Evgeny Dobrenko), hier S. 728
6.Olenčenko, N. (2002): Vystavka-prodaža/The Soviet Trade Show, in: Proekt Rossija 23, S. 78
7.Schroeder-Gudehus, Brigitte und Cloutier, David (1994): Popularizing Science and Technology During the Cold War. Brussels 1958, in: Rydell, Gwinn, Fair Representations, S. 157-180
8.Foucault, M. (1991): Andere Räume, in: Stadt-Räume. Hg. von Martin Wentz. Frankfurt a. M. usw. , S. 65–72; Ryklin, M. (2003): Räume des Jubels. Totalitarismus und Differenz, Frankfurt a. M.
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