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Wassily Kandinsky

Der in Moskau geborene Wassily Kandinsky (1866 – 1944) nimmt nicht nur für die russische, sondern auch für die deutsche Entwicklung der künstlerischen Avantgarde zu Beginn des 20. Jahrhunderts eine Schlüsselrolle ein. Sein von kräftigen Farben und reduzierten Formen geprägter Expressionismus sowie seine von der Empfindung und dem Geistigen angeregte abstrakte Malerei machen ihn zu einem zentralen Akteur der Moderne und Vermittler zwischen Ost und West. Als Gründungsmitglied der Künstlervereinigung „Der Blaue Reiter“ und Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau prägte Kandinsky gleich zwei künstlerische Bewegungen, deren Echo noch heute nachhallt.

Kandinsky, eigentlich ein ausgebildeter Jurist, geht 1896 nach München und wird schnell zur wichtigen Figur der dortigen progressiven Kunstszene. 1901 ist er Mitbegründer der Ausstellungsvereinigung „Phalanx“, die, dem Secessionismus der Zeit folgend, nicht nur nach einem neuen Ausdruck in der Kunst sucht, sondern auch die künstlerische Ausbildung neu definiert. Im bayerischen Murnau am Kochelsee findet Kandinsky zu einem Wendepunkt: Mehr und mehr befreit er sein künstlerisches Schaffen von der dienenden, die Dingwelt wiedergebenden Funktion und dringt zu einer reinen Malerei vor. Der Gründung der Künstlervereinigung „Blauer Reiter“ 1911 folgt die Veröffentlichung seiner programmatischen Schrift „Das Geistige in der Kunst“. Sie begleitet seine gegenstandslose Abstraktion, die von den sinfonischen Dichtungen Arnold Schönbergs und dem modernen Tanz beeinflusst ist. Kandinsky unterscheidet zwischen Impressionen, den ‚direkten Eindrücken der äußeren Natur‘ und Improvisationen, den ‚Eindrücken der inneren Natur‘; die Kompositionen dagegen sind nicht dem unmittelbaren, spontanen Eindruck entsprungen, sondern stellen bewusst-absichtsvolle Harmonien von Farben und Formen dar.

Bei Ausbruch des 1. WeltkriegRussland ist dem Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten Anfang August 1914 beigetreten. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen kam es zu Rückschlägen und bald stellte sich heraus, dass der russische Staat den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen war. Die Transportprobleme und schlechte Versorgung der Städte führten Anfang 1917 zu großen Demonstrationen, die in die Februarrevolution mündeten. Die Frage von Frieden und Krieg war auch nach der Abdankung Nikolaus´ II. von entscheidender Bedeutung. Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter, was zu einem militärischen und innenpolitischen Desaster führte. Erst nach der Oktoberrevolution wurde am 3. März 1918 ein separater Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Russland musste erhebliche Verluste an Territorium, Produktionskapazitäten und Bevölkerung hinnehmen.s sieht sich der Russe Kandinsky gezwungen, Deutschland zu verlassen und nach Russland zurückzukehren. Er erlebt die Oktoberrevolution 1917Am 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. in Moskau und übernimmt – wie auch Kasimir MalewitschDer Künstler Kasimir Malewitsch ist die zentrale Figur der Russischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Die von ihm begründete Stilrichtung und Theorie des Suprematismus markiert den Durchbruch zu einer gegenstandslosen, auf geometrischen Formen aufbauenden Malerei, die auch für die westliche Kunstentwicklung prägend war. – organisatorische Aufgaben in den von den BolschewikiDie Bolschewiki („Mehrheitler“) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki („Minderheitler“) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  neu eingerichteten kulturpolitischen Institutionen. Doch Kandinskys von subjektiver Empfindung geprägte Abstraktion steht in Opposition zum sich um 1920 herausbildenden Konstruktivismus.

1921 geht Kandinsky zurück nach Deutschland und folgt dem Ruf an das Bauhaus in Weimar (ab 1925 in Dessau), das unter der Leitung von Walter Gropius im Begriff ist, zur fortschrittlichen Ausbildungsstätte für Kunst, Architektur und Design zu werden. Kandinsky unterrichtet Farben- und Formenlehre und vertieft mit der Schrift „Punkt und Linie zur Fläche“ von 1926 seine Kunsttheorie. 1928 nimmt Kandinsky die deutsche Staatsbürgerschaft an. Als sich das politische Klima in der Weimarer Republik wandelt und das Bauhaus unter dem Eindruck der Machtübernahme der Nationalsozialisten 1933 letztlich schließt, zieht Kandinsky nach Neuilly-sur-Seine bei Paris, wo er bis zu seinem Tod lebt.

Komposition VIII, 1923, Solomon R. Guggenheim Museum, New York

Unter den Nationalsozialisten wurde das Werk Kandinskys als degeneriert verfemt und zerstört. Doch heute gehört Kandinsky wie selbstverständlich zur russischen und deutschen Kunstgeschichte. Das Label „Blauer Reiter“ ist ungebrochen populär und sorgt bei Ausstellungen für Besucheranstürme.

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