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„Der Fotoapparat war für mich eine Art Eintrittskarte in diese Welt des Mystischen“

Zehn Jahre ist der belarussische Fotograf Siarhej Leskiec durch seine Heimat gereist, hat recherchiert und fotografiert. So ist ein besonderes Projekt entstanden, das sich mit dem archaischen Heilritus des Flüsterns beschäftigt. Das Projekt und das daraus entstandene Buch haben in Belarus und in der belarussischen Exil-Gemeinschaft sehr viel Aufmerksamkeit erfahren. So ist sogar ein Theaterstück auf Grundlage von Leskiec' Recherchen entstanden, das von den Kupalaucy auf die Bühne gebracht wurde, dem Ensemble, das von den ehemaligen Angestellten des Janka Kupala-Theaters nach ihrer Entlassung infolge der Proteste 2020 gegründet worden war. Das Stück feierte in Stuttgart im November 2022 Premiere.

Wir haben Siarhej Leskiec zu seiner Arbeit und zur Tradition des Flüsterns befragt und zeigen dazu eine Auswahl an Bildern aus dem Projekt.

Belarussisches Original

Quelle dekoder

Während der Behandlung / Foto © Siarhej Leskiecdekoder: Ihr neuestes Fotoprojekt trägt den Titel Flüstern, auf Belarussisch Schept. Worum geht es in dem Projekt?

Siarhej Leskiec: Dieses Projekt beschäftigt sich mit der sehr alten und verschlossenen Tradition der Heilkunde. Es geht um die Menschen, die dieses Wissen pflegen. Dem Glauben nach besitzen sie alle die höhere göttliche Gabe, Menschen mit Worten und Handlungen zu heilen. Als wäre es nichts Übernatürliches, spricht der Heiler im Flüsterton geheimnisvolle Worte und heilt damit Menschen und auch Haustiere, zum Beispiel Kühe und Pferde. Die Gabe wird immer an die übernächste Generation weitergegeben, von der Großmutter auf die Enkelin, vom Großvater auf den Enkel. Diese Tradition ist fast ohne Unterbrechung aus der Tiefe der Jahrhunderte und Jahrtausende bis zu uns heute durchgedrungen. Diese Tradition ist nie abgebrochen, trotz des jahrtausendelangen Drucks seitens der christlichen Kirche, der Inquisition, des sowjetischen Atheismus und der Repressionen. Das hat mich inspiriert, denn viele bei uns haben schon von dieser Tradition gehört oder sind ihr begegnet, aber noch niemand hat je diese Menschen fotografiert.

Der Fotoapparat war für mich eine Art Eintrittskarte in diese Welt des Geheimnisvollen und Mystischen. Dank der Kamera bekam ich Zugang zu dieser verschwindenden Welt meiner Ahnen. Ich konnte mit eigenen Augen sehen, wovon ich vorher nur in anthropologischen und ethnografischen Büchern gelesen hatte.

Wie sind Sie auf diese Art des Heilens aufmerksam geworden?

Auf die eine oder andere Weise stammen wir Belarussen alle aus dem Dorf und sind dort tief verwurzelt, das ist wie ein genetisches Gedächtnis. Selbst in der Bezeichnung liegt eine tiefere Bedeutung. Babka nennen wir unsere eigene Großmutter, aber auch die Heilerin. Jeder kann eine Geschichte davon erzählen. Wenn zum Beispiel ein kleines Kind schlecht schläft, nachts schreit und die ganze Zeit weint, dann gibt man ihm ein bisschen von dem Wasser zu trinken, das der Heiler mit seinen Worten beflüstert hat. Häufiger behandeln sie Ausrenkungen, Zerrungen, Infektionskrankheiten (Ausschlag, Wundrose), oder sie versuchen, bei Unfruchtbarkeit zu helfen.

Ich selbst hatte schon als Kind davon gehört und gewusst, aber es nie mit eigenen Augen gesehen. Als ich dann zum ersten Mal eine solche Frau besuchte, war ich so aufgeregt, dass ich gar nicht fotografieren konnte. Ich brauchte einige Jahre für die Vorbereitung und das Eintauchen in dieses Thema. Ich habe unheimlich viel gelesen, bin herumgefahren und habe gesucht, wieder und wieder. Und eines Tages gelang es mir dann schließlich, mit dieser ersten Heilerin zu sprechen und ein Porträt von ihr zu machen. Ich wollte eigentlich schon nach Hause fahren, als zu dieser Heilerin Patienten zur Behandlung kamen und mir erlaubten, dabei zu sein. Stellen Sie sich vor, zwei Jahre sitzt du nur da und liest Bücher, und dann kommt der Moment, in dem man dir erlaubt, das zu sehen, was für andere tabu ist. Das war auf eine Art, so seltsam das klingen mag, meine Initiation. Danach war alles einfacher, ich traf öfter die richtigen Leute, und alle waren bereit zu Gesprächen. Denn ich war nicht mehr nur ein neugieriger Mensch, sondern trug schon etwas von ihrem Wissen in mir. 

Was passiert beim Flüstern genau?

Wie sie heilen, kann man jemandem, der in der rationalen Welt lebt, nur schwer erklären. Es folgt keiner Logik und auch nicht dem Verständnis der modernen Medizin und Wissenschaft. Die Heiler leben bis heute in einer mystisch-poetischen Welt, einer Welt der Märchen und Legenden, wie unsere Vorfahren sie kannten. Für sie basiert jedes Verständnis der Umwelt auf Empfindungen und Gefühlen.

Früher wurde die Tradition stets an die übernächste Generation weitergegeben, vom Großvater zum Enkel. Der Nachfolger musste der Älteste oder der Jüngste sein, nie der Mittlere. Er musste ein gutes Gedächtnis und einen anständigen Charakter haben, Mitgefühl und den Wunsch, anderen zu helfen. Der zukünftige Heiler wurde von früher Jugend an ausgebildet, ab dem Alter von sieben bis zwölf Jahren. In diesem Alter hat der Mensch ein kristallklares Gedächtnis, was er hört, merkt er sich sein Leben lang. Erst kurz vor dem Tod übergab der alte Heiler dann seine Gabe, ohne die das gesamte Wissen nutzlos wäre. Es gab auch eine andere Kategorie von Heilern, die ihre Gabe nicht durch Erbfolge bekamen, sondern von der Natur. Sie waren mächtiger. Diese Menschen erhielten ihre heilenden Kräfte und Worte im Schlaf, von höheren Mächten.

Wie heilen sie also? Meistens spricht der Heiler flüsternd seine Gebete über Wasser, das er aus dem Brunnen geholt hat. Danach muss der Kranke dieses Wasser trinken oder sein Gesicht damit waschen. Einige Heiler sprechen die Worte auch direkt über dem Patienten. 

Es gibt zahlreiche und sehr vielfältige Methoden. Hautausschlag zum Beispiel wird mit Kondenswasser von der Fensterscheibe eingerieben. Dabei werden natürlich die notwendigen Worte geflüstert. Wundrose, eine Infektionskrankheit, wird in der Regel so behandelt: Man legt ein rotes Tuch auf die betroffene Hautstelle und rollt aus Leinenfasern kleine Kügelchen, die man beim Sprechen der Gebete über diesem roten Tuch verbrennt. Bei einigen Krankheiten werden zur Behandlung auch Kräuter eingesetzt. Sie werden entweder als Tee getrunken, in Form einer Tinktur verabreicht oder angezündet, sodass der Qualm die Kranken umhüllt. 

Ist diese Tradition in ganz Belarus verbreitet?

Die Tradition verschwindet so schnell wie das Dorf. Schon heute sind diese Bräuche nicht mehr überall gleich stark verbreitet. Im Westen von Belarus zum Beispiel, wo die katholische Bevölkerung überwiegt, gibt es sehr wenige Träger dieser Tradition. Der Katholizismus hat dort gut „gewirkt“. Stärker ist die Heilkunde in den Grenzregionen erhalten, zum Beispiel auf dem Gebiet Palessiens. Dort trifft man noch Heiler an. Früher gab es fast in jedem größeren Dorf eine solche Person. 

In den Städten gibt es heute wie überall auf der Welt Vertreter des modernen Neoschamanismus und Heilpraktiker, doch das hat mit unserer Tradition überhaupt nichts gemein. 

Wo liegen die Wurzeln dieser Heilpraxis, und wie konnte sie die Zeit der Sowjetunion überdauern?

Man kann heute kaum mehr sagen, in welcher Zeit der Ursprung liegt. Wissenschaftler verorten ihn in der ursprünglichen Magie des Wortes, sehen in dieser Heilmethode eine der ersten Formen der Folklore. Der Ursprung liegt also in der Zeit, in der das Wort selbst entstand und seine sozusagen magischen Kräfte erlangte. Als der Mensch begann, seine Umgebung zu benennen und zu bezeichnen. 

In dieser oder anderer Form gab es in allen Völkern in einem bestimmten Entwicklungsstadium Heiler, also Menschen, die dabei halfen, mentale, geistige und körperliche Gesundheit zu erlangen. Während zum Beispiel in Europa die Inquisition diese Menschen weitgehend umgebracht hat, war in unserer Region die Kirche milder eingestellt. Dadurch konnte die Tradition über die tausendjährige Herrschaft des Christentums hinweg bewahrt werden. Als die sowjetische Ideologie an die Macht kam, setzte sich der Druck fort. Die Heiler waren denselben Repressionen wie die Priester ausgesetzt, wurden nach Sibirien deportiert. 

Das führte aber nicht zum Abbruch der Tradition, sie fand einfach unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt und wurde geheim gehalten. Die Behandlungen wurden nachts vorgenommen, damit niemand davon erfuhr. Mir ist zu Ohren gekommen, dass beispielsweise ein Kommunist heimlich zu einer Heilerin ging, um einen giftigen Schlangenbiss behandeln zu lassen, da es nicht möglich war, da kein Krankenhaus in Reichweite war. Das war für beide Seiten gefährlich. Die Heilerin konnte verhaftet werden, der Kommunist konnte seinen Status und seine Arbeit verlieren. 

Viele Nachkommen weigerten sich, die göttliche Gabe zu übernehmen. Denn natürlich war die damalige Jugend gegenüber solchen Kenntnissen eher skeptisch. Auch das hat zum langsamen Verschwinden der Tradition beigetragen. 

Alles in allem hat die Sowjetmacht ein System errichtet, das zum katastrophalen Verschwinden des belarussischen Dorfes führte. Während 1970 noch 75 Prozent der belarussischen Bevölkerung in Dörfern lebte, sind es heute nur noch 25 Prozent, und auch diese Zahl sinkt weiterhin.

Wie sind Sie fotografisch an das Projekt herangegangen?

Das mag vielleicht unglaublich klingen, aber die visuelle Sprache hat sich während der Arbeit am Projekt von selbst entwickelt. Ich wollte im Mittelformat arbeiten und habe zu Beginn noch Buntfilm verwendet. Die Digitalkamera hielt ich hier für überflüssig. Doch nach einigen Expeditionen waren die Filme einfach leer geblieben, ohne ein einziges Bild. Magie also …

Beim nächsten Mal verwendete ich Schwarzweißfilm und entwickelte die Negative selbst, mit allen chemischen Prozessen. Das kam mir wie eine besondere Alchimie vor, ein Spiel mit den Sinnen. Meine fotografische Magie hält die Magie der Heilerinnen fest. Das Licht in den Dorfhäusern ist zudem oft sehr schwach, sodass die Arbeit mit Schwarzweißfilm einfacher war. Es gab auch einen lustigen Vorfall: Verwandte hatten mich gebeten, etwas besprochenes Wasser mitzubringen. Auf dem Heimweg verwechselte ich vor Müdigkeit die Flaschen, füllte meinen Verwandten meine Chemikalien zum Film-Entwickeln ein und verwendete das Heilwasser dann zum Entwickeln der Negative. So liegen die geheimnisvollen Gebete nun als unsichtbare Schicht über den Porträtfotos. 

Wie reagieren die Ausstellungsbesucher in Belarus auf das Projekt?

Die Reaktion der Belarussen hat mich schlichtweg schockiert. Ein solches Maß an Aufmerksamkeit bin ich nicht gewohnt. Die Buchveröffentlichung war für mich ein Abenteuer. Ich bin ja kein Schriftsteller, sondern habe einfach meine Eindrücke des Gehörten und Gesehenen auf Papier festgehalten. Zehn Jahre Reisen, Recherchen, Entdeckungen. Die gesamte Auflage des Buchs war innerhalb von sechs Monaten ausverkauft.

Auch die Ausstellung sorgte für viele erfreuliche Momente. Wir mussten fünf Lesungen machen, weil immer wieder Leute in der Galerie anriefen und nachfragten. Wir mussten sogar Voranmeldungen aufnehmen, weil nicht genug Platz für alle Interessierten war. Die Ausstellung wurde drei Mal verlängert, sie war letztlich drei Monate lang zu sehen. Doch auch nach Ende der Ausstellung rufen die Leute noch in der Galerie an und wünschen sich weitere Lesungen.

Das ist aber alles gar nicht so sehr mein Verdienst, sondern vielmehr das meiner Heldinnen, ihres Schicksals, ihrer Bestimmung. Manche Leute lasen das Buch und kamen dann in die Ausstellung, um die Porträts zu betrachten, bei anderen war es umgekehrt, sie kauften das Buch nach der Ausstellung. Hier kommt wieder das genetische Gedächtnis ins Spiel, viele hatten von den Heilerinnen gehört, manche hatten welche in der Verwandtschaft, aber niemand kannte die Geheimnisse der Tradition. Mein Buch und die Ausstellung haben Einblick in die vergessene und verschwindende mystische Welt der belarussischen Heiltradition eröffnet. Wahrscheinlich war das der Grund für den Erfolg.
 

Das Frauenkreuz und die Flüsterin Babka Fedora. Jedes Jahr werden an dem Kreuz Stoffe und Ruschniki geopfert. Nach einem Jahr werden sie verbrannt und neue aufgehängt. Dies ist ein Heil- und Opferritual, das dafür sorgen soll, dass das ganze Dorf von schrecklichen Krankheiten verschont bleibt / Foto © Siarhej Leskiec
Pferdehaar im Haus einer Heilerin / Foto © Siarhej Leskieclinks: Eines der Heilungsrituale besteht darin, durch eine Baum- oder Tierhöhle zu klettern, eine Höhle, die an der Grenze zwischen Wald und Feld gegraben wurde / rechts: Wandas Großmutter stammte aus einem alten Hexengeschlecht. Doch ihre Mutter gab diese Tradition auf und praktizierte nur noch Heilung. Ihre Tochter führt die Tradition ihrer Mutter im Alter von 92 Jahren fort / Fotos © Siarhej Leskiec
Holzglut in einer Tasse. Durch die Glut wird Wasser gefiltert oder ein in der Kirche gesegnetes Kraut wird in die Glut geworfen, mit dem Rauch wird die kranke Person geräuchert / Foto © Siarhej Leskiec
Elenas Großmutter flüstert Zaubersprüche. Sie trägt mehrere Kreuze und Amulette auf der Brust, die ihrer Meinung nach ihre Heilkraft verstärken / Foto © Siarhej Leskiec
Brotopfer für ein Erntejahr (Pilze, Beeren). Eine der Heilerinnen zeigt, was sie tut. Auf einem Tuch bringt sie ein Stück Brot dar und legt es auf eine Lichtung / Foto © Siarhej Leskiec

Ein toter „Drachen“, häufiger eine Elster, als Talisman gegen die Umtriebe eines Hausmeisters (ein Geist, der im Hof lebt) / Foto © Siarhej Leskiec

 
links: Großmutter Anna lebt in Podlasie (was seit 1945 zu Polen gehört), sieht sich aber als orthodoxe Belarussin. Die Heilworte, so sagt sie, seien ihr von den verstorbenen Heiligen Kuzma und Demjan beigebracht worden / rechts: Heilerin mit neun unterschiedlichen Ähren. Es gehört zu ihrer Familientradition, auf Kupalle neun unterschiedliche Ähren zu sammeln und sie in der Kirche zu weihen. Sie helfen ihr bei der Heilung von Kranken / Fotos © Siarhej Leskiec
Papier mit Beschwörungsformeln. In verschiedenen Traditionen werden sie verbrannt und geräuchert, oder sie werden in Wasser eingeweicht und das Wasser dann getrunken, womit der Mensch die Worte in sich aufnehmen soll / Foto © Siarhej Leskiec
Laut Legende ist der Sumpf vom Teufel erschaffen worden, der die Samen des Lebens aus dem Mund Gottes nahm, woraufhin diese zu wachsen begannen und der Teufel sie ausspucken musste. Deswegen ist der Sumpf also das Gegenteil von Frieden und Harmonie – ursprüngliches Chaos. Dorthin verbannen die Heilerinnen alle Krankheiten. Dort wohnt nach ihrer Vorstellung der Teufel und dort haben Krankheiten ihren Ursprung / Foto © Siarhej Leskiec
Direkt am Haus der Flüsterin Elena befindet sich der Dedowa Gora, der Berg der Ahnen, wo die Einheimischen seit jeher Kupalle feiern. Wissenschaftler meinen, dass ein Ort mit solch einem Namen in der Vergangenheit ein heidnischer Tempel gewesen sei / Foto © Siarhej Leskiec
links: Mütterchen Elena zeigt die Kräuter, die sie zum Heilen verwendet / rechts: Eine der wenigen Heilerinnen, die - so wird es überliefert - Epilepsie bei Kindern heilen konnte / Fotos © Siarhej Leskiec
Der Wald ist seit Jahrtausenden Nahrungsgeber und Lebensraum der Belarussen. Deswegen kommt er so oft in Märchen, Bylinas und Beschwörungen vor / Foto © Siarhej Leskiec
Die Buchstaben der Heiligen Drei Könige gelten in der Heiltradition als Talisman. Kreide gilt als heiliges Attribut und kann zur Heilung und zum Hexenaustreiben verwendet werden / Foto © Siarhej Leskiec

links: „Die andere Welt ist nicht darstellbar oder beschreibbar, sondern ist ein Spiegelbild unserer eigenen.“ / rechts: Mütterchen Elena – Gott, so erzählt sie, sei ihr im Traum erschienen und habe ihr Worte gegeben, um Menschen und Tiere zu heilen / Fotos © Siarhej Leskiec

Sumpf. Federn einer weißen Taube, die von einem Raubvogel gerissen wurde / Foto © Siarhej LeskiecFotos: Siarhej Leskiec
Bildredaktion: Andy Heller
Übersetzung: Tina Wünschmann
Veröffentlicht am 03.01.2023

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Francisk Skorina

„Die herausragendste Persönlichkeit in der gesamten belarusischen Kultur“1 – so fasst es der renommierte Slawist Arnold McMillin zusammen. Francisk Skorina (belarus. Francysk oder Francišak Skaryna), 1470 bis ca. 1551, war der erste Ostslawe, der Bücher druckte. Angetrieben wurde er von der revolutionären Idee, den „einfachen Menschen“ eine sprachlich zugängliche Bibel zu liefern, die Biblija ruska. Mit Skorinas Bibel beginnt in der belarusischen Literaturgeschichte zugleich die Epoche der Renaissance: Skorinas rhetorisch ausgefeilten Vorworte sind bis heute lesenswert und die Gedichte Pionierarbeiten. Er signierte seine Werke, im Geist einer neuen Zeit, völlig unbescheiden: Er platzierte seinen Namen in roten Großbuchstaben auf dem Titelblatt der Heiligen Schrift. In einigen Exemplaren findet man sogar einen Holzschnitt mit seinem eigenen Porträt. 

Skorina ist für Belarus*innen ein wichtiger Teil ihrer kulturellen Identität, weil er aus der Region stammt. Er ist aber auch eine Symbolfigur für die multikulturelle Gesellschaft Litauens, denn er war zugleich der erste, der in Vilnius und damit im damaligen Großfürstentum Litauen Bücher druckte, und zwar im Jahr 1522, also genau vor 500 Jahren. Wer war Francisk Skorina? 

Vielleicht sollte man Skorina vor allem als einen Tatmenschen und Geschäftsmann sehen: mehr Johannes Gutenberg als Martin Luther, mehr Drucker als Reformer, mehr Buchhändler als Poet. Er stammte aus Polazk, das um 1500 eine florierende Handelsstadt war, und sein Vater war Kaufmann. Anders als Luther war Skorina kein Geistlicher und hat auch nie Theologie studiert. Er durchlief das übliche Grundstudium in den „Freien Künsten“ (Abschluss 1506 in Krakau) und machte danach seinen Magister. Er studierte auf Latein, muss aber auch eine Schule besucht haben, an der er die kyrillische Schrift und Kirchenslawisch lernte. An einer der Eliteuniversitäten seiner Zeit, im italienischen Padua, erwarb er 1512 schließlich den Doktor der Medizin.2

Ohne zertifizierte theologische Expertise sollte Skorina sich weniger als fünf Jahre nach der Promotion daran machen, die Biblija ruska zu drucken – ein Mammutprojekt. Die Heilige Schrift sei „nicht nur für Doktoren“, schrieb er, sondern für jeden wichtig. Dabei hatte er vor allem ostslawisch-orthodoxe Gläubige im Blick. 

Ein kosmopolitischer Europäer 

Mit dieser Idee und bei der Umsetzung in die Praxis zeigte sich Skorina als kosmopolitischer Europäer: Er bezog das notwendige Wissen vorurteilsfrei aus verschiedenen Kulturräumen und kümmerte sich nicht um konfessionelle Grabenkämpfe oder politische Konflikte. 
Die Arbeit an der Bibel, der Skorina seinen Ruhm verdankt, füllt allerdings einen recht geringen Teil seines bewegten Lebens. Seine intensive Drucker-Zeit dauerte (mit Unterbrechungen) nur von 1517 bis 1525. Dann wechselte er endgültig zurück in Brotberufe, denn als Nicht-Adliger und Nicht-Geistlicher musste er sich aktiv um seinen Lebensunterhalt bemühen: Er war zum Beispiel Arzt und Sekretär des Bischofs von Vilnius (vielleicht schon 1523, bis 1535). 1529 bis 1530 findet man ihn am Hof von Herzog Albrecht von Preußen. 1532 sitzt er wegen der Schulden seines verstorbenen Bruders im polnischen Posen im Gefängnis.3 
Irgendwann zwischen 1525 und 1533 ist er offenbar nach Moskau gereist und erlitt bei dem Versuch, einen neuen Absatzmarkt zu eröffnen, Schiffbruch. Das legt ein Beschwerdebrief des polnischen Königs und litauischen Großfürsten Sigismund II. August nahe: Auf Befehl des Zaren, heißt es darin, seien im Moskauer Reich Bibeln „in rus(s)ischer Sprache“ vernichtet worden, die ein Untertan seines Vaters gedruckt habe. Wem sonst als dem damals einzigen ostslawischen Bibeldrucker Skorina kann das passiert sein?4 


Links: Titelblatt des Buchs Genesis5, rechts: Skorina-Porträt aus dem Buch Jesus Sirach, letzte Seite6  / Bilder © gemeinfrei/open access

Buchkunst und Branding: die Prager Bibel

Die Hochzeit seines Druckerlebens verbrachte Skorina in Prag. Mit beeindruckender Geschwindigkeit wurde in den Jahren 1517 bis 1519 in einer angemieteten Werkstatt Buch auf Buch der Biblija ruska gedruckt. Jedes erschien als separate Einheit, mit der Option, alle zu einer Gesamtausgabe zusammenzufügen. Den Anfang machte der Psalter, danach Hiob, dann weitere Weisheitsbücher. Offenbar war hier die Nachfrage am größten: Der (manuell vervielfältigte) Psalter war damals das meistgelesene Buch überhaupt, erbauliche Lektüre für alle Lebenslagen, Gebetbuch und Lyrikband in einem. Mit Psalmen lernten Schüler die kyrillische Schrift lesen. Danach druckte die Prager Werkstatt weitere Teile des Alten Testaments, bald aus den Propheten, bald aus den Chroniken, dazwischen die fünf Bücher Mose – das Buch Genesis enthielt das repräsentative Gesamt-Titelblatt und ein umfangreiches Vorwort.

Der Herstellungsprozess war sicherlich Teamarbeit: Mitarbeiter bedienten den Setzerkasten und die Presse. Auch das Buchdesign der Biblija ruska stammt nicht allein von Skorina, all die Zeichnungen, die dann in Holz geschnitten wurden, die schmückenden Ornamentleisten, die verspielten Initialen.7 Offen bleibt, ob der Meister selbst die Muster für die im Ausland gefertigten kyrillischen Metalllettern entwarf. Konnten die Prager Mitarbeiter Kyrillisch lesen? Hat jemand seine Manuskripte lektoriert oder beim Setzen korrigiert?  

Wer in den – heute digital zugänglichen – Originalen blättert oder das berühmte Skorina-Porträt auf dem Titel studiert, trifft auf sich wiederholende Symbole, die nach wie vor Rätsel aufgeben. Selbst beim bekanntesten Motiv, einer Kombination aus Sonne und Mond, ist noch nicht endgültig geklärt, welche biographischen Bezüge oder symbolischen Bedeutungen dahinterstecken. In jedem Fall handelt es sich aber um eine Art Markenzeichen, mit der Skorina eine Gesamtautorschaft beansprucht. Der tschechische Forscher Ilja Lemeschkin hat kürzlich ein anderes Element entschlüsselt: Die (kyrillischen!) Buchstaben МЗ auf dem berühmten Porträt sind als Zahlen zu lesen. Skorina war im Jahr 1517, in dem er porträtiert wurde, also 47 Jahre alt und man muss die bisherigen Schätzungen um zehn bis 20 Jahre korrigieren. Die ‚Kritzeleien‘ in den drei Kartuschen am unteren Bildrand sind ebenfalls kunstvoll verflochtene Buchstaben. Sie ergeben Skorinas Vor- und Nachnamen sowie den akademischen Titel.9
Nach Prag sollte Skorina 1535 zurückkehren. Seine letzte bekannte Anstellung war die als Gärtner auf der Prager Burg im Dienst von Ferdinand von Habsburg, dem späteren Kaiser. Er starb ungefähr 1551, wohlgemerkt im Königreich Böhmen. 

Jubiläum 2022: Skorina – Vilnius – Litauen

Anfang der 1520er Jahre hatte Skorina Prag verlassen und begann, in Vilnius zu drucken. Sein zweites – und letztes – in der Hauptstadt des Großfürstentums Litauen produziertes Buch, erschien 1525. Es umfasste die Apostelgeschichte und Apostelbriefe, eine Art Fortsetzung seiner Biblija ruska, die sich noch auf Bücher des Alten Testaments beschränkt hatte. Das erste Buch der neuen Werkstatt verdient allerdings mehr Beachtung: Das Kleine Reisebuch (Malaja podoroshnaja knishka) ist 1522, also vor genau 500 Jahren, erschienen und war das erste gedruckte Buch im Großfürstentum. Dieses Jubiläum wird 2022 in der gesamten Region gefeiert, vor allem in Belarus und Litauen. Wegen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine fallen die Festlichkeiten allerdings etwas ‚leiser‘ aus und mit weniger Kooperationen als geplant.10 

Wie bei der Biblija ruska handelt es sich auch beim Kleinen Reisebuch um ein Konvolut von einzelnen Publikationen, die auch separat erworben werden konnten. Zusammen bilden sie eine Art universelles Andachtsbuch. Die komplette Version umfasste den nachgedruckten Psalter, Gebete und kunstvolle Hymnentexte (darunter zwei von Skorina selbst verfasste Gedichte), komplettiert mit kalendarischen Übersichten. Zusammengebunden ergibt sich ein Kompendium vom Format eines dicken Reclam-Buchs, das sich trotz des Umfangs von mehr als 700 Seiten gut in der Reisetasche verstauen ließ. Das einzige vollständig erhaltene Exemplar befindet sich heute in Kopenhagen.11 

Dieser Visionär hat in der Kulturgeschichte einer ganzen Region Spuren hinterlassen. In Vilnius erinnert unter anderem die 1973 von einem Kunststudenten illegal errichtete Skulptur „Chronist“ an ihn. Sie markiert den Ort, wo Skorinas Werkstatt vermutet wird. / Foto © Marion Rutz
 

Belarusische Ambivalenzen

In Belarus ist Skorina heute eine markante Größe im literarischen Kanon und im kollektiven Gedächtnis. Es gibt Denkmäler, Straßen und Schulen, die nach ihm benannt sind. So wertgeschätzt wurde er allerdings nicht immer. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, die die Sowjetzeit bewusst erlebt haben, notieren, dass Skorinas Bedeutung in der UdSSR lange Zeit heruntergespielt worden sei, um die Leistungen eines Anderen nicht zu überschatten: Iwan Fjodorow hatte 1564 – also mehrere Jahrzehnte nach Skorina – als erster Ostslawe in Moskau gedruckt. 
In einem erklärtermaßen atheistischen Staat galt es zudem zu übertünchen, dass Skorinas Lebenswerk im Kern darin bestand, möglichst vielen Menschen einen Zugang zum Wort Gottes zu eröffnen. Außerdem verwies der Name „Francisk, Franciscus“, mit dem er unterschrieb, eigentlich auf ein katholisches und damit polnisch beeinflusstes Milieu. Dies kam ihm insofern nicht zugute, da die sowjetische Geschichtspolitik polnischen und polonisierten Adeligen sowie der katholischen Kirche die Rolle der Bösewichte zuwies.12 In der belarusischen Forschungslandschaft brachten die Jahre 1988 bis 1990 die endgültige Wende. Der (falsch datierte) 500. Geburtstag Skorinas motivierte zu Editionsprojekten, Quellensammlungen und Monografien; zeitgleich bröckelte dank Glasnost und Perestroika das ideologische Zwangskorsett.
 

Der Unabhängigkeitsprospekt in Minsk, vormals Francisk-Skaryna-Prospekt: „Schwer zu fabrizierende Quadratur des Kreises, den europäischen Grenzgänger und Freigeist Skorina in das vom Lukaschenka-Regime propagierte Wertesystem einzupassen“ / Foto © Hanna Zelenko/CC BY-SA 3.0 

Neben den in der belarusischen Sowjetrepublik betriebenen Gedenk- beziehungsweise Vergessens-Praktiken gab es weitere Erinnerungsdiskurse, die ganz anders gelagert waren: Die belarusische Diaspora, die antikommunistisch gesinnt war, fand in Skorina – quasi als gebürtigem Belarusen – während des Kalten Krieges einen wichtigen identitätsstiftenden Bezugspunkt. Das 1951 in New York gegründete Belarusian Institute of Arts and Sciences wählte etwa das Skorina-Porträt als Logo. Und in London entstand die Francis Skorina Belarusian Library.13 

Obwohl Skorina heute in der offiziellen belarusischen Erinnerungskultur einzementiert erscheint, fallen gewisse Unstimmigkeiten auf. So wurde 1995 die wichtigste Magistrale der Hauptstadt (erneut) umbenannt: von Francisk-Skaryna-Prospekt in Unabhängigkeitsprospekt. Und es dauerte Jahre, bis entschieden war, dass das monumentale Minsker Skorina-Denkmal vor der Nationalbibliothek stehen sollte. Es erweist sich als schwer zu fabrizierende Quadratur des Kreises, den europäischen Grenzgänger und Freigeist Skorina in das vom Lukaschenka-Regime propagierte Wertesystem einzupassen, das zurück in die Sowjetzeit strebt.14

Mann der Superlative – berechtigt?

Aber auch der euphorische Skorina-Kult, dem sich die national und Lukaschenka-kritisch gesinnte belarusische Intelligenzija verschrieben hat, hat seine Schattenseiten. Man will in Skorina den Patrioten sehen, einen, der seiner „belarusischen“ Heimat und Muttersprache zutiefst verbunden gewesen sei. Man spricht über ihn in Superlativen, die den Blick auf seine Leistungen und sein Werk nicht weniger verstellen, als die ideologischen Vorgaben der Sowjetzeit. 

Tatsächlich besteht in der Wissenschaft bis heute bei grundlegenden Fragen Uneinigkeit und Klärungsbedarf. Kann man Skorina überhaupt als vollwertigen Bibel-Übersetzer bezeichnen? Denn anders als Luther übersetzte er nicht aus den Originalsprachen, sondern aus zweiter oder sogar dritter Hand, unter Zuhilfenahme verschiedener Textvorlagen. Daran schließen sich weitere Fragen an: Inwieweit hat er sich an vorhandene kirchenslawische Bibelversionen gehalten, von tschechischen Übersetzungen inspirieren lassen oder vielleicht auch nur Vorlagen klug umgearbeitet? Und: Übersetzte Skorina wirklich in die Volkssprache? Oder ist die Sprache der Biblija ruska ein – vereinfachtes – Kirchenslawisch? Linguisten gehen noch weiter und fragen ganz grundsätzlich: Macht die Unterscheidung Volkssprache und Kirchenslawisch bei seinen Büchern überhaupt Sinn, liegt die von Skorina verwendete Sprache nicht eher im stilistischen Dazwischen?15   

Es greift zu kurz, Skorinas Leistung pauschal darin zu sehen, die Bibel in die Volkssprache übersetzt und das „Altbelarusische“ auf ein neues Niveau gehoben zu haben. Viele Probleme, an denen sich die Forschung abarbeitet, waren für Skorina selbst wohl nur wenig relevant und seine Äußerungen sind widersprüchlich. Sehr leicht kann man daher grundlegende Fakten missverstehen: Vorsicht ist schon bei dem scheinbar so verständlichen Titel Biblija ruska geboten, der suggeriert, dass wir es mit einer „russischsprachigen“ Bibel im Verständnis des 21. Jahrhunderts zu tun hätten. Auf Deutsch sollte man Skorinas Meisterwerk besser als „Ruthenische“, „Rusʹische“ oder sogar „Ostslawische Bibel“ bezeichnen. Das Adjektiv ruski verwendete er in verschiedensten Bedeutungen. Das Schlüsselzitat, mit dem Skorina in einem Vorwort die von ihm verwendete Sprache charakterisierte, macht die Sache nicht leichter: Was meint ruskymi slowami a slowenskym jasykom? – „Mit rusʹischen (ruthenischen) Worten und slawischer (kirchenslawischer) Sprache“ klingt unsinnig. Die Linguistin N.B. Metschkowskaja hat die bisher beste Interpretation vorgeschlagen. Sie setzt beim Wort slowo an. Bis heute meint es ‚Wort‘, hatte damals aber auch eine zweite Bedeutung: ‚Schrift, Buchstabe‘. Dann ergibt sich folgende Übersetzung: Die Biblija ruska wurde „mit ruthenischen B u c h s t a b e n und in (kirchen-)slawischer S p r a c he“ gedruckt. 

In der Tat ist das Design der verwendeten kyrillischen Lettern sehr spezifisch und natürlich unterscheiden diese sich von „lateinischen“ oder „polnischen“ Buchstabensätzen. Der linguistische Befund zeigt, dass Skorinas Sprache sich zumindest stark am Kirchenslawischen orientierte.16 In der Forschung werden all diese Ansätze bis heute kontrovers diskutiert, während sich in populärwissenschaftlichen Beiträgen auch viel Unsinn findet.
Über das Gesamtwerk dieses kosmopolitischen Grenzgängers lässt sich dagegen eindeutig urteilen: Was es in Text und Bild zeigt, ist, dass er die Errungenschaften der orthodoxen und der lateinischen Kultur souverän zu einer Synthese gebracht hat. Damit hat dieser Visionär in der Kulturgeschichte einer ganzen Region Spuren hinterlassen. 


Anmerkung der Redaktion:

Weißrussland oder Belarus? Belarussisch oder belarusisch? Die Belarus oder das Belarus? Nicht ganz leicht zu beantworten. Da es im Deutschen keine einheitlich kodifizierten Schreibweisen für diese Bezeichnungen und deren Adjektive gibt, überlassen wir es den Autorinnen und Autoren der Gnosen, welche Schreibweise sie verwenden. Die Schreibweise in redaktionellen Inhalten (wie Titel und Erklärtexte) wird von der dekoder-Redaktion verantwortet.


1.McMillin, Arnold (2002): The Writer, in: Rothe, Hans/Scholz, Friedrich (Hrsg.): Biblija ruska vyložena doktorom Franciskom Skorinoju Prag 1517–1519, Kommentare: Apostol Wilna 1525, Facsimile und Kommentar, Paderborn et al., S. 32–41, Zitat S. 32 (im Original englisch) 
2.Seine italienische Alma Mater hat ihm in den 1940er Jahren als einem von 40 berühmten ausländischen Absolventen in einem Fresco-Zyklus ein Denkmal gesetzt. Zu sehen im Palazzo Bo (in der oberen Reihe, der zweite von rechts). 
3.Leseempfehlungen zur Biografie: Konan, Uladzimir (2002): Zum Lebenslauf und zur literaturgeschichtlichen Stellung, in: Rothe, Hans/Scholz, Friedrich (Hrsg.): Biblija ruska vyložena doktorom Franciskom Skorinoju Prag 1517–1519, Kommentare, Apostol Wilna 1525, Facsimile und Kommentar, Paderborn et al., S. 1–31. Ausführlich auf Russisch: Nemirovskij, E.L. (1990): Francisk Skorina: Žiznʹ i dejatelʹnostʹ belorusskogo prosvetitelja, Minsk. Zu Lücken und Legenden: Galenčanka, G.Ja. (2008): Francysk Skaryna u pacine versij, stėrėatypaŭ i mifaŭ, in: Rossijskie i slavjanskie issledovania. Vyp. 3. Minsk, Belaruskij gosudarstvennyj universitet, S. 123–136.
Die zentralen Quellendokumente, mit belarusischen und russischen Übersetzungen, wurden von V.I. Daraškevič und Ja.L. Nemiroŭski (russ. E.L. Nemirovskij) zusammengestellt: Francysk Skaryna: Zbornik dakumentaŭ i matėrijalaŭ, Minsk, 1988. 
4.Siehe hierzu den ursprünglich 1963 unter einem Pseudonym publizierten Aufsatz des Exil-Forschers Vitaŭt Tumaš: Symon Braha: Doktar Skaryna ŭ Maskve. Pradm. H. Sahanoviča. Mensk [sic!]: Navuka i tėchnika 1993 
5.Aus einem digitalisierten Exemplar der Russischen Staatsbibliothek 
6.Aus einem digitalisierten Exemplar der Russischen Staatsbibliothek 
7.Einen Überblick über das Bildmaterial gibt: Šmataŭ, Viktar F. (2002): Die künstlerische Gestaltung der Bibel, in: Rothe, Hans/Scholz, Friedrich (Hrsg.): Biblija ruska vyložena doktorom Franciskom Skorinoju Prag 1517–1519, Kommentare: Apostol Wilna 1525, Facsimile und Kommentar, Paderborn et al., S. 131–168 und S. 169–226 (Abbildungen) 
8.Die Russische Staatsbibliothek in Moskau bietet eine breite Auswahl an Digitalisaten. Das Gesamttitelblatt geht dem 1. Buch Mose voraus, S. #1. Das Porträt findet sich am Ende des Buchs Jesus Sirach, S. #163 
9.sh. Lemeškin, Ilʹja (2021): Portret Franciska Skoriny, 2. verb. und erg. Aufl. Vilnius, Prag, S. 54, 101–131; S. 62–67 
10.An der im September in Vilnius stadtfindenden internationalen Konferenz werden z.B. viele russische und belarusische Kolleg*innen nicht teilnehmen können. Was die wenig bekannte Bedeutung von Skorina in Litauen betrifft: Schon 2017 hat die Wróblewski-Bibliothek der Litauischen Akademie der Wissenschaften eine populärwissenschaftliche Jubiläumspublikation (in litauischer Sprache) herausgebracht und eine virtuelle Ausstellung organisiert (in englischer Sprache, sehr lesenswert). 
11.Link zum Kopenhagener Exemplar 
12.Zwischenzeitlich wurde Skorinas Vorname deshalb unter Berufung auf ein wackliges Quellendokument in Georgij geändert. Siehe Galenčanka, G.F. (2008): Francysk Skaryna u pacine versij, stėrėatypaŭ i mifaŭ, in: Rossijskie i slavjanskie issledovania, Vyp. 3, Minsk: Belaruskij gosudarstvennyj universitet, S. 123–136, S. 124–125 
13.Ausführlich über Skorina-bezogene Aktivitäten der Emigration: Jurėvič, Ljavon (2015): Ėmihrant Francysk Skaryna, ci Apalohija, Minsk 
14.Angenehm kritisch: Lemeškin, Ilʹja (2021): Portret Franciska Skoriny, 2. verb. und erg. Aufl., Vilnius, Prag, S. 255–265 
15.Arkadzij I. Zuraŭski bringt diese Situation schön auf den Punkt: Wer nachweisen wolle, dass Skorinas Sprache Belarusisch sei, finde Fakten, die diese These stützen. Genauso finde aber auch der, der sie für Kirchenslawisch halte, nicht weniger reichliche Belege für diese Gegenthese. Zuraŭski, Arkadzij I. (2002): Die Sprache der Übersetzungen,  in: Rothe, Hans/Scholz, Friedrich (Hrsg.): Biblija ruska vyložena doktorom Franciskom Skorinoju Prag 1517–1519, Kommentare: Apostol Wilna 1525, Facsimile und Kommentar, Paderborn et al., S. 69–103, S. 78. Ausführlich zur Sprache äußerte sich auch Rothe, Hans (2002): Zum Apostolos, Wilna 1525: Seine Erforschung und seine Quellen, in: Rothe, Hans/Scholz, Friedrich (Hrsg.): Biblija ruska vyložena doktorom Franciskom Skorinoju Prag 1517–1519, Kommentare: Apostol Wilna 1525, Facsimile und Kommentar, Paderborn et al., S. 921–1048 
16.Mečkovskaja, N.B. (1989): “Ruskymi slovami a slovenskym jazykom” (o jazykovom soznanii Franciska Skoriny, in: Russian Linguistics 13.3 (1989), S. 245–256. Diese Interpretation wird weiterhin dadurch gestützt, dass Skorina eine analoge Doppelformel im Bezug auf Bücher der Bibel verwendete, die „in aramäischer S p r a c h e (jazykom) und in hebräischen B u c h s t a b e n (slowami)“ geschrieben worden waren. 
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