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    Machtvertikale

    Als Machtvertikale werden in Russland vor allem zwei Aspekte der autoritären Konsolidierung seit den frühen 2000er Jahren beschrieben: Der Abbau des Föderalismus und Errichtung der sogenannten föderalen Vertikale sowie der Abbau der Demokratie zugunsten der sogenannten gelenkten Demokratie. Seit Mitte der 2000er Jahre fordern konservative Politiker und Medien außerdem eine nationale Vertikale: Im multiethnischen Staat sollen Russen per Verfassung zur „staatskonstituierenden Ethnie“ erklärt werden, so die Forderung.

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    Planwirtschaft

    Die Begriffe Planwirtschaft und (zentral-)administrative Wirtschaft werden zumeist synonym beziehungsweise parallel verwendet. Manche Ökonomen verweisen allerdings darauf, dass eine (zentral-)administrative Wirtschaft ohne staatliche Planvorgaben auskommen kann. Darin bestehe auch der Unterschied zwischen dem gegenwärtigen Russland und der Sowjetunion. In dieser war der sogenannte Fünfjahresplan (rus. pjatiletka beziehungsweise pjatiletni plan) ein zentrales Instrument zur Planung volkswirtschaftlicher Aktivitäten.

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    Realeinkommen

    Zur Ermittlung des Realeinkommens der russischen Bevölkerung gibt es keine verlässlichen Quellen. Offiziell ist es nach einem Höchststand im Jahr 2013 bis Ende 2022 um 6,5 Prozent gefallen, Schätzungen unabhängiger Experten fallen mehrheitlich höher aus.

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    Gesetz zur Kapital-Amnestie

    Das Gesetz zur Kapital-Amnestie trat im Juni 2015 in Kraft. Die Rückkehr von Kapital aus dem Ausland wird in Russland seitdem nicht versteuert. Laut Beobachtern nutzten im ersten Jahr lediglich 2500 Menschen dieses Gesetz, das außerdem Straffreiheit für frühere Steuer- und Devisenvergehen garantiert.

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    Verstaatlichung in der Realwirtschaft (Mirkin)

    Der in diesem Zusammenhang häufig verwendete Begriff Verstaatlichung ist eine Zuspitzung. Die 70 Prozent beziehen sich auf die gesamte Staatsbeteiligung im Wirtschaftsprozess, sie stehen nicht für die formale Überführung von Privat- in Staatseigentum.

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    Mobilisierungswirtschaft

    Als Mobilisierungswirtschaft wird eine Volkswirtschaft bezeichnet, in der alle Ressourcen genutzt werden, um auf eine Bedrohung zu reagieren. Das Land solle autark werden, um in einem möglichen Konfliktfall nicht vom Ausland abhängig zu sein, so das Kalkül der Befürworter. In Russland gilt der Ökonom und Präsidentenberater für Wirtschaftsfragen Sergej Glasjew (geb. 1961) als Verfechter dieser Denkrichtung. Vor dem Hintergrund der Sanktionen gegen Russland empfiehlt er einen wirtschaftsprotektionistischen Kurs. Zu Glasjews Forderungen gehören Steuern für Auslandsüberweisungen, ein Verbot von Krediten in Fremdwährungen, eine staatliche Preisregulierung und drastisch erhöhte Sozialleistungen.

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    Territorien vorauseilender Entwicklung

    In Russland gibt es zwei Arten von administrativ abgegrenzten Regionen mit rechtlich geregelten Erleichterungen für Investoren: Seit 2005 wurden über 30 Sonderwirtschaftszonen eröffnet, seit 2015 treiben russische Behörden Planungen zur Schaffung von rund 15 Territorii opereshajuschtschego Raswitija (dt. „Territorien vorauseilender Entwicklung“) voran. Diese sind zumeist im Fernen Osten geplant, sie sollen unter anderem durch Steuererleichterungen Investoren anlocken und damit die sogenannte nicht-rohstofforientierte Produktion ankurbeln.

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    Borderisation

    Der sogenannte Prozess der Borderisation beschreibt die Festigung der de facto-Grenzen durch Zäune, Stacheldraht, Gräben und Schilder. Er hat zur Folge, dass in den Gebieten wohnende Menschen regelmäßig wegen unbefugten „Grenzübertritts“ festgenommen und Bauern von ihren Ländereien abgeschnitten werden.

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    Autonome Republiken der Sowjetunion

    Neben 15 Republiken gab es in der Sowjetunion zeitweise bis zu 21 Autonome sowjetische sozialistische Republiken (ASSR). Diese hatten zwar einen gewissen Autonomiegrad, waren aber verfassungsmäßig in die Sowjetrepubliken eingegliedert. Ihre jeweiligen Sprachen waren offizielle Amtssprachen neben dem Russischen. Im Gegensatz zu den Sowjetrepubliken durften die autonomen Republiken laut der sowjetischen Verfassung nicht aus der Sowjetunion austreten.

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    Isprawitelnyje Kolonii

    Alle weiblichen Insassen und Gefangenen, die aufgrund minderschwerer Verbrechen verurteilt sind, werden in Russland in sogenannten Kolonien untergebracht – die meisten davon (etwa 484.000) in Isprawitelnyje Kolonii (kurz IK, dt. „Besserungskolonien“). Die Strafgefangenen sind hier zur Arbeit verpflichtet. Im formalrechtlichen Sinne gibt es dagegen nur acht Gefängnisse in Russland – mit insgesamt 1348 Insassen (Stand: Juli 2018), die schwere oder besonders schwere Verbrechen begangen haben.

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