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    Etappe (Gulag)

    Im russischen Sprachgebrauch ist  das Wort während des Großen Terrors in den 1930er Jahren zu einer Metapher nicht nur für die Gefangenen-Kohorten, sondern auch für die verschiedenen Abschnitte geworden, die ein Gefangener nach seiner Verhaftung auf dem Weg ins Lager durchlief. Es umfasst den Transport zum Lager genauso wie die einzelnen Stationen von der Gefängnishaft bis zur Verurteilung. War ein Häftling „auf Etappe“, dann war er noch nicht an seinem endgültigen Bestimmungsort angekommen. Die Metapher drückt deshalb gleichzeitig auch Ungewissheit, Angst und eine gewisse Hoffnung der Häftlinge aus, die zumeist enttäuscht wurde.

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    Zone (Synonym für Lager)

    Als Zone wurden im Häftlingsjargon die einzelnen Lager bezeichnet, in denen die Häftlinge untergebracht waren. Die Gefangenen unterschieden  zwischen der „kleinen Zone“ (dem Lager) und der „großen Zone“ (der Freiheit). Die sowjetische Führung übertrug viele sowjetische Alltagsphänomene in die „kleine Zone“. So gab es auch im Lager ein Plansoll, das es zu erfüllen gab und verschiedene „sozialistische“ Wettbewerbe. Die Bezeichnung Zone ist in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen und wird auch heute noch umgangssprachlich als Synonym für Gefangenenkolonien verwendet.

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    Wainache

    Als Wainachen wird eine ethnologische Gruppe bezeichnet, zu der die Völker der Tschetschenen, Inguschen und Kisten gehören. Sie sind der Gruppe der Nachen zugeordnet, die zumeist aus dem Nordkaukaus stammen. Die wainachische Sprache ist die einzige in der Gegenwart noch lebendige Sprache der nachischen Sprachen. Aufgrund der Popularität der Wainachen werden heute andere nachische Völker häufig als Wainachen bezeichnet, obwohl diese nur eine Gruppe im Volk der Nachen sind.

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    Telnjaschka

    Die Matrosenshirts (im Russischen Telnjaschka genannt) sind bis in die Gegenwart von der russischen Marine und der Luftwaffe getragene blau-weiß gestreifte Unterhemden. Diese Hemden wurden im 19. Jahrhundert aus Westeuropa eingeführt und erhielten mit der Oktoberrevolution 1917, auf der sie von den Revolutionären getragen wurden, ihre romantische Verklärung. Auch die sowjetische Propaganda griff das Motiv auf. So erreichten die Telnjaschki bald Kultstatus und finden sich auch in vielen Redewendungen wieder. „Nas malo, no my w telnjaschkach“ (dt. etwa „Wir sind wenige, aber wir tragen Telnjaschkas“) hat seinen Ursprung z. B. im Großen Vaterländischen Krieg und bezieht sich auf die in Unterzahl errungenen Erfolge der russischen Marine.

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    Krestowski-Stadion

    Das Krestowski-Stadion in St. Petersburg ist mit über 68.000 Plätzen eines der größten Fußballstadien in Russland – und mit über 600 Mio. Euro Baukosten eines der teuersten Stadien weltweit. Die Bauarbeiten begannen 2007 und wurden von großen Korruptionsskandalen begleitet. Eröffnung war erst 2017. Zenit St. Petersburg nutzt es wegen mangelnder Rasen-Qualität allerdings nicht und spielt im alten Petrowski-Stadion.

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    Pjotr Durnowo

    Pjotr Durnowo (1843/45–1915) war ein konservativer russischer Politiker. 1905/06 bekleidete er für einige Monate das Amt des Innenministers und war in dieser Zeit verantwortlich für Massenverhaftungen und für die blutige Niederschlagung von Streiks. Sein hartes Vorgehen gegen die Revolution brachte ihm in konservativen Kreisen hohes Ansehen ein, löste aber auch viel Kritik aus, die schließlich zu seiner Ablösung führte.

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    Singer-Haus

    Das Singer-Haus ist ein prachtvolles Gebäude, das 1904 im Herzen St. Petersburgs, an der Ecke Newski Prospekt und Gribojedow-Kanal, im Jugendstil erbaut wurde. Vor der Revolution 1917 residierte dort die US-amerikanische Firma The Singer Corporation, die die berühmten Nähmaschinen herstellt. Nach der Revolution befanden sich im Gebäude verschiedene Verlage. Seit 1938 ist dort der berühmteste Buchladen Russlands – Dom Knigi (dt. Haus des Buches) – ansässig, dem das Gebäude seinen zweiten Namen verdankt. In den drei oberen Stockwerken hat das Unternehmen VKontakte seinen Sitz.

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    Juri Kilin

    Juri Kilin (geb. 1961) ist ein russischer Historiker und Professor an der Staatlichen Universität Petrosawodsk. Seine Forschungsschwerpunkte sind unter anderen der Sowjetisch-Finnische Winterkrieg von 1939–1940 sowie die internationalen Konflikte um das Gebiet Karelien. Kilins Publikationen sind auch ins Finnische übersetzt und gelten unter Historikern als sehr differenziert. 2010 erschien sein Buch über den Winterkrieg, das er mit dem finnischen Militärhistoriker Ari Raunio verfasst hatte. Das Werk gilt als die erste systematische Abhandlung dieses Kriegs.  

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    Zentrum für soziokulturelle Expertisen

    Das Zentr soziokulturnych Expertis (dt. Zentrum für soziokulturelle Expertisen) ist eine Beratungseinrichtung, die verschiedene Experten-Gutachten für Gerichte sowie Privatleute anbietet. Laut Kritik aus unabhängigen Medien erstelle das Zentrum die Expertisen stets mit Ergebnissen, wie sie von den Auftraggebern gewünscht werden. So habe es im Fall Juri Dmitrijews wie auch beim Prozess der Band Pussy Riot belastende Gutachten vorgelegt, die die Verurteilungen begünstigt hätten, allerdings jeglicher Fachkompetenz entbehrten. Nach eigenen Angaben besteht die Moskauer Organisation aus vier Fachleuten.

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