Media

Der Hitler-Stalin-Pakt

Am 23. August 1939 landete der deutsche Außenminister Joachim von Ribbentrop in Moskau. Nach elf Stunden Verhandlungen wurde der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag unterschrieben. Claudia Weber über den Hitler-Stalin-Pakt, der den Weg zum Zweiten Weltkrieg freimachte. 

Augustputsch 1991

Die Putschisten wollten die Sowjetunion vor dem Zerfall bewahren – und beschleunigten im August 1991 nur ihr Ende. Vor 28 Jahren wurde ein Grundstein für das neue Russland gelegt. Ewgeniy Kasakow zeichnet die Ereignisse nach.

Default (1998)

Vor 21 Jahren, am 17. August 1998, erklärte der russische Staat unter der Führung Jelzins seine Zahlungsunfähigkeit nach einer Zeit des wirtschaftspolitischen Chaos. Dieses Ereignis markierte eine Wende in der russischen Finanzpolitik und es trug zur Popularität Putins bei – da er im Gegensatz zu Jelzin den gesellschaftlichen Bedarf an Stabilität und relativem Wohlstand bedienen konnte.

Napoleon Bonaparte in Russland

Idealbild des romantischen Helden, künftiger Messias und Symbol des Protests gegen die Unterdrückung in Russland – oder schlicht ein Krimineller, der sich gottgleich wähnte? Nikolaus Katzer zum 250. Geburtstag von Napoleon Bonaparte, der die russische Kultur im 19. Jahrhundert stark beeinflusste und noch lange die Gemüter bewegte wie kein zweiter. 

Gnoses
en

Akademie der Künste in St. Petersburg

Am Ufer der Newa in St. Petersburg, gegenüber der Admiralität, erhebt sich die imposante Prunkfassade der Kaiserlichen Akademie der Künste. Seit ihrer Gründung im Jahr 1757 war sie nicht nur die maßgebliche Ausbildungsstätte für angehende Künstler, sondern nahm auch in kulturpolitischen Belangen wichtige Funktionen war und prägte über viele Jahre den Geschmack und das ästhetische Empfinden in Russland. Die lange unangefochtene Monopolstellung der Akademie stellten erstmals die PeredwishnikiDie Peredwishniki (dt. Wanderer) waren die erste unabhängige Künstlervereinigung Russlands. Künstler wie Ilja Repin, Viktor Wasnezow und Iwan Schischkin organisierten ab 1870 in ganz Russland Wanderausstellungen mit Motiven aus dem Leben der einfachen Bevölkerung. Die Arbeiten der Gruppe standen für ein erwachendes Heimatgefühl, griffen aber auch sozialkritische Aspekte auf. Mehr dazu in unserer Gnose in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Frage, als sie sich gegen den starren Formen- und Themenkanon der akademischen Ausbildung auflehnten.

Die Gründung der Kaiserlichen Akademie der Künste ist eine Folge der historischen Umbrüche, die Russland zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfassten: Unter Peter dem Großen sollten Staatswesen, Wissenschaft und eben auch die Künste modernisiert werden. Die Kunstproduktion Russlands reagierte auf diese Entwicklungen. Statt der jahrhundertalten Ikonenmalerei war nun eine weltlichere Kunst gewünscht, die der Ausstattung der schnell wachsenden Kapitale sowie der Selbstdarstellung des Adels dienen sollte. Eine Kunstakademie, wie sie bereits in Italien, Frankreich oder Holland bestand, sollte die entsprechenden Künstler hervorbringen.
In unmittelbarer Nähe der ebenfalls noch jungen Akademie der Wissenschaften entstand ab 1764 der klassizistische Bau für die Kaiserliche Akademie der Künste nach einem Entwurf von Alexander Kokorinov und Jean Baptiste Vallin de la Mothe. Wie alle europäischen Kunstakademien war auch die in St. Petersburg durch straffe Organisation, systematische Ausbildung und strikte Regularien geprägt. Der Akademie stand ein Mitglied der Zarenfamilie vor; ihre Aktivitäten wurden von der staatlichen Zensur überwacht. Die künstlerische Ausbildung folgte einem strengen Curriculum. Bereits im Kindesalter wurden die Schüler aufgenommen und durchliefen eine 10- bis 15-jährige Ausbildung, bei der auf das Zeichenstudium besonderer Wert gelegt wurde. Der Klassizismus mit seinem idealschönen Menschen- und Naturbild war die tonangebende Manier. Eine Spezialbibliothek zur Kunst und Architektur diente der theoretischen Unterweisung; die umfangreiche Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen als Anschauungs- und Lehrmaterial. Es gab ein System von Medaillen und Ehrungen, denen Wettbewerbe und Juryentscheide vorausgingen. Auch Auslandsstipendien wurden vergeben. Wichtige Künstler, die aus den Reihen der Akademiki hervorgingen, waren Dmitri Lewizkij (1735 – 1822), Orest Kipresnkij (1782 – 1863) Fjodor Bruni (1799 – 1875) und Karl Brüllow (1799 – 1852).

Die imposante Fassade der Kaiserlichen Akademie der Künste am Ufer der Newa - Foto © Alex 'Florstein' Fedorov unter CC BY 4.0
Die Akademie bildete Graphiker, Architekten und Bildhauer, vor allem aber Maler aus. Für die einzelnen Gattungen der Malerei bestand eine strenge Hierarchie: Die bedeutendste Gattung war die Historienmalerei, der sich das Portrait, schließlich die Landschaftsdarstellung, das Stillleben und das Genrebild unterordneten. Die großformatigen Historiendarstellungen in Feinmalerei zeigten biblische Motive oder Darstellungen der hellenistisch-römischen Mythologie, aber nur selten Szenen der eigenen Geschichte. Darüberhinaus war das Portrait eine beliebte Gattung. Prachtvoll gewandet ließen sich die russischen Gräfinnen und Fürsten im Stil der absolutistischen Herrscher Europas mit ihren Machtinsignien darstellen.
Die Produktion der Akademie in St. Petersburg gleicht damit der akademischen Kunst anderer europäischer Länder; es lassen sich keine markanten Kennzeichen eines nationalen Stils ausmachen. Dieses Epigonentum wurde den Akademiki ebenso vorgeworfen, wie der beinahe militärische Drill, der die Ausbildung prägte und eine freie geistige Entfaltung der angehenden Künstler unterdrückte. So erschienen die Absolventen der Kunstakademie den Spöttern mehr als Staatsdiener denn als autonome Künstlergenies. Die Künstler waren auf die Aufträge des Adels angewiesen, ihre Werke reflektieren daher unweigerlich deren Anschauungen und Geschmack. Erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts machte ein bürgerliches Mäzenatentum ein unabhängiges künstlerisches Schaffen ökonomisch möglich.

1863 rebellierte eine Gruppe von Studenten gegen die strengen Vorgaben der Akademie und gründete wenige Jahre darauf die Gesellschaft der PeredwishnikiDie Peredwishniki (dt. Wanderer) waren die erste unabhängige Künstlervereinigung Russlands. Künstler wie Ilja Repin, Viktor Wasnezow und Iwan Schischkin organisierten ab 1870 in ganz Russland Wanderausstellungen mit Motiven aus dem Leben der einfachen Bevölkerung. Die Arbeiten der Gruppe standen für ein erwachendes Heimatgefühl, griffen aber auch sozialkritische Aspekte auf. Mehr dazu in unserer Gnose . Als Reaktion auf diese Secession sowie den generellen gesellschaftlichen Wandel wurde die Akademie 1893 reformiert. Mit Ilja RepinDer Maler Ilja Repin (1844–1930) gilt als der bedeutendste Vertreter des russischen Realismus. und Iwan SchischkinIwan Schischkin (1832–1898) war ein russischer Maler und Grafiker. Der Vertreter des Naturalismus gilt als einer der bedeutendsten Landschaftsmaler Russlands. wurden sogar Mitglieder der PeredwishnikiDie Peredwishniki (dt. Wanderer) waren die erste unabhängige Künstlervereinigung Russlands. Künstler wie Ilja Repin, Viktor Wasnezow und Iwan Schischkin organisierten ab 1870 in ganz Russland Wanderausstellungen mit Motiven aus dem Leben der einfachen Bevölkerung. Die Arbeiten der Gruppe standen für ein erwachendes Heimatgefühl, griffen aber auch sozialkritische Aspekte auf. Mehr dazu in unserer Gnose in den Rat und die Lehrwerkstätten der Akademie aufgenommen, um die konservative Institution an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen.
Als nach der Russischen Revolution 1917 viele der avantgardistischen Künstler in kulturpolitische Ämter berufen wurden, war eines ihrer dringlichsten Anliegen die Umgestaltung der künstlerischen Ausbildung. 1918 wurde die Kaiserliche Akademie der Künste aufgelöst und zu einer der Freien Staatlichen Kunstwerkstätten, den SWOMAS, umgewandelt. In den 1920er Jahren war aber nicht mehr St. Petersburg das Zentrum für die künstlerische Ausbildung, sondern Moskau. Die dort gegründeten Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätte, die WChUTEMAS, an denen auch Wassily KandinskyWassily Kandinskys (1866–1944) künstlerisches Erbe gehört zum Kanon der russischen und deutschen Kunstgeschichte. Dem expressionistischen Frühwerk folgte eine von den Klängen und Harmonien der Musik inspirierte Malerei. Kandinsky war 1911 Mitbegründer der Künstlervereinigung des Blauen Reiters und in den 1920er Jahren Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau. Mehr dazu in unserer Gnose und Kasimir MalewitschDer Künstler Kasimir Malewitsch (1879–1935) ist die zentrale Figur der Russischen Avantgarde des frühen 20. Jahrhunderts. Die von ihm begründete Stilrichtung und Theorie des Suprematismus markiert den Durchbruch zu einer gegenstandslosen, auf geometrischen Formen aufbauenden Malerei, die auch für die westliche Kunstentwicklung prägend war. Mehr dazu in unserer Gnose unterrichteten, wurden zum Ausgangspunk eines progressiven Kunstverständnisses.
 

Support dekoder
Related topics

Peredwishniki

Die Peredwishniki (dt. Wanderer) waren die erste unabhängige Künstlervereinigung Russlands. Künstler wie Ilja Repin, Viktor Wasnezow und Iwan Schischkin organisierten ab 1870 in ganz Russland Wanderausstellungen mit Motiven aus dem Leben der einfachen Bevölkerung. Die Arbeiten der Gruppe standen für ein erwachendes Heimatgefühl, griffen aber auch sozialkritische Aspekte auf.

Kasimir Malewitsch

Heute vor 84 Jahren starb Kasimir Malewitsch. Sein Name ist untrennbar mit seinem größten Coup verbunden – dem Schwarzen Quadrat (1915, Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau). Sein im doppelten Sinn ikonisches Gemälde stellt eine Tabula rasa für das Medium Malerei dar und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer gegenstandslosen Abstraktion, die bis heute andauert.

Wassily Kandinsky

Wassily Kandinskys (1866–1944) künstlerisches Erbe gehört zum Kanon der russischen und deutschen Kunstgeschichte. Dem expressionistischen Frühwerk folgte eine von den Klängen und Harmonien der Musik inspirierte Malerei. Kandinsky war 1911 Mitbegründer der Künstlervereinigung des Blauen Reiters und in den 1920er Jahren Meister am Bauhaus in Weimar und Dessau.

„Wer lebt glücklich in Russland?“

Wer lebt glücklich in Russland? (Komu na Rusi shit choroscho?), ein unvollendetes Poem von Nikolaj Nekrassow, beschreibt das Bauernleben in den Jahren nach der Abschaffung der Leibeigenschaft. Das Poem gehört in Russland seit Sowjetzeiten zum Schulkanon und gilt als eines der zentralen Werke der russischen klassischen Literatur.

Nikolaj Nekrassow

Nikolaj Alexejewitsch Nekrassow war ein Autor, Kritiker und einflussreicher Publizist, der insbesondere in politisch-revolutionär gesinnten Kreisen eine breite Anhängerschaft fand. Im westlichen Ausland kaum bekannt, gilt Nekrassow in Russland als Nationalheld der Literatur des 19. Jahrhunderts und als moralische Instanz der Kulturgeschichte. Nekrassow begriff Literatur in erster Linie als Medium zum Ausdruck sozialer und politischer Belange.

more gnoses
Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)