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Maly Trostenez

Sie war der größte Tatort nationalsozialistischen Mordens in den von Deutschen besetzten Gebieten der Sowjetunion: die NS-Vernichtungsstätte Maly Trostenez in Belarus. Zehntausende Jüdinnen und Juden wurden dort ermordet. Ihren Ausgangspunkt nahm die organisierte Massengewalt vor 80 Jahren im Minsker Ghetto.

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Peredwishniki

Die Peredwishniki (dt. Wanderer) waren die erste unabhängige Künstlervereinigung Russlands. Künstler wie Ilja Repin, Viktor Wasnezow und Iwan Schischkin organisierten ab 1870 in ganz Russland Wanderausstellungen mit Motiven aus dem Leben der einfachen Bevölkerung. Die Arbeiten der Gruppe standen für ein erwachendes Heimatgefühl, griffen aber auch sozialkritische Aspekte auf.

Die Künstlervereinigung der Peredwishniki – Russisch für Wanderer – entstand in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts als Gegenbewegung zum starren Formen- und Themenkanon der akademischen Kunst. Statt sich mit mythologischen Szenen und Historiendarstellungen zu beschäftigen, wandten sich die Peredwishniki dem Hier und Jetzt zu und erhoben die Welt der einfachen russischen Bevölkerung zum Bildmotiv. Häufig wird das heterogene Schaffen der Gruppe daher auch mit dem Epochenbegriff des russischen Realismus gleichgesetzt, der sich auch mit den großen Romanen dieser Zeit, allen voran den Werken Dostojewskis und Tolstois, verbindet. Der größte Beitrag der Peredwishniki besteht in ihrem Streben, die Kunst zu demokratisieren: Mit insgesamt 48 von ihnen organisierten Wanderausstellungen, denen die Bewegung auch ihren Namen verdankt, gelang es den Peredwishniki erstmals, die Kunst einer breiteren, weniger elitären Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Neben den Gründungsmitgliedern Iwan Kramskoi, Grigori Mjassojedow, Nikolaj Ge und Wasili Perow gehörten den Peredwishniki so bedeutende Künstler wie Viktor Wasnezow, Iwan Schischkin und Ilja Repin an.

Die Themen der Peredwishniki reichen von Landschaftsdarstellungen über Portraits bis zu Genreszenen. Auch historische Ereignisse, Epen und Märchen sind beliebt. Die Hinwendung zur eigenen – bäuerlichen – Kultur zeugt von der Suche nach einer russischen Identität. In den Darstellungen der einfachen, oft beschwerlichen Lebenswirklichkeit fanden die Peredwishniki zu kritischen, sogar anklagenden Tönen. Ihre Malerei reflektiert damit generelle gesellschaftliche Tendenzen im späten Zarenreich: Die Situation der unter Alexander II. nominell aus der Leibeigenschaft entlassenen Bauern hatte sich nur wenig verbessert, was auch von der sozialrevolutionären Bewegung der Narodniki angeklagt wurde, die – ähnlich wie die Peredwishniki – die unverdorbene und reine Kraft der bäuerlichen russischen Bevölkerung idealisierten. Noch heute stehen die Peredwishniki für eine sozial engagierte Kunst und das erwachte Nationalbewusstsein in Russland. Viele ihrer Werke gehören zum visuellen Gedächtnis des Landes.

Drei prominente Beispiele können das weite Spektrum verdeutlichen, in dem sich diese Kunst inhaltlich, aber auch emotional bewegt. Wasnezows Gemälde Die drei Recken (Bogatyr, 1898, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg) zeigt mit den drei Bogatyri die großen, ritterhaften Helden der mittelalterlichen Märchen- und Sagenwelt Russlands. Sie stellen Identifikationsfiguren dar, gelten als furchtlose Kriege und tapfere Beschützer.

„Die drei Recken“ von Viktor Michailowitsch Wasnezow

Das Gemälde Die Wolgatreidler von Ilja Repin (Burlaki na Wolge, 1870/73, Staatliches Russisches Museum, St. Petersburg) dagegen zeigt die harte physische Arbeit der Treidler, die einen Lastkahn den Fluss stromauf ziehen. Repins ins Monumentale gesteigerte Schilderung der gebeugten Gestalten, die in schwere Schleppriemen eingespannt ihre monotone Tätigkeit verrichten, gibt der Genreszene eine aufrüttelnde soziale Komponente. Trotz ihrer zerlumpten Kleidung und der widrigen körperlichen Tätigkeit verlieh Repin jedem einzelnen der elf Treidler eine individuelle Würde. Das Bild wurde als Allegorie für die Leidensfähigkeit des russischen Volkes gelesen, das – symbolisiert durch die jugendliche Gestalt, die mit erhobenem Haupt zu versuchen scheint, den Schleppriemen abzuwerfen – zur Freiheit drängt.

„Die Wolgatreidler“ von Ilja Efimowitsch Repin

Neben den Figurenbildern widmeten sich die Peredwishniki der russischen Landschaft und Natur, die sie zum Topos des Heimatgefühls erhoben. Schischkins Morgen im Kiefernwald (Utro w sosnowom lesu, 1886, Staatliche Tretjakow Galerie, Moskau) etwa ist in Russland jedem Kind bekannt. Es gehört zu den beliebtesten Bildern der Tretjakow-Galerie, deren Gründer einer der wichtigsten Mäzene der Peredwishniki war. Darüber hinaus ziert die Bärenfamilie, die im Morgengrauen im Wald herumtollt, die Verpackung des Schokoladen-Konfekts Tollpatschiges Bärchen (Mischka Kosolapi) der Moskauer Schokoladenfabrik Roter Oktober.

„Morgen im Kiefernwald“ von Iwan Iwanowitsch Schischkin

Die Vereinigung der Peredwishniki existierte bis 1923. In einer Zeit der ungezählten, sich schnell ablösenden Strömungen und ständig wechselnder Allianzen in der Kunst bilden sie eine Konstante. Ihre innovativste Kraft entfalteten die Peredwishniki aber in der Zeit vor der Jahrhundertwende – danach fand die ursprüngliche Protestbewegung ihren Platz im Establishment, während eine jüngere Künstlergeneration um Kasimir Malewitsch und Wassily Kandinsky mit ihrer abstrakten Bildsprache frappierte. Das Erbe der Peredwishniki ist nach den avantgardistischen Höhenflügen wieder im Sozialistischen Realismus der Stalinära spürbar.

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Landschaft der Trauer, © Valery Vedrenko (All rights reserved)