Medien

Alexander Graef

Alexander Graef ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Politikwissenschaft der Universität St. Gallen. Sein Dissertationsprojekt beschäftigt sich mit Expertennetzwerken in der Russischen Außen- und Sicherheitspolitik. Das Jahr 2017 wird er als Gastwissenschaftler an der National Research University Higher School of Economics**(HSE) in Moskau verbringen. Er twittert als @alxgraef.

Gnosen
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Sergej Schnurow

Ehemann kommt stockbesoffen nach Hause: Ich war heut besoffen und am Arsch. Du sagst, deine Nerven sind auf Abmarsch. Du sagst, du kannst nicht mit mir. Du sagst, du krankes Alki-Tier. Ich sag, scheiß drauf, mir schnurz, zieh Leine, ich bin Agent 007 auch alleine. Du sagst, du liebst mich nicht mehr. Du sagst, ein Schwein macht da mehr her. Ich sag, scheiß drauf, mir schnurz, hau ab, 0,5 Liter Wodka kauf ich vorab. Ein typischer Liedtext von Sergej Schnurow – in diesem Fall aus dem Album Datschniki (dt. soviel wie Kleingärtner), mit dem er und seine Band Leningrad im Jahr 2000 berühmt geworden sind. Es ist ein schlichtes Sujet mit eigener Sprache, wie in vielen seiner Lieder: Schnurows Protagonist schuftet, kommt besoffen nach Hause, setzt sich vor die Glotze, streitet mit seiner Frau, schimpft über den Westen und verwendet ständig Kraftausdrücke (Mat). Auf diese Art thematisiert und ästhetisiert Schnurow ein Lebensgefühl und eine Lebensweise, die von vielen Menschen in Russland aufgrund ihrer Derbheit verachtet werden. Und doch wurde Schnurow in kürzester Zeit zu einem der populärsten Musiker Russlands, und seine Konzerte ziehen bis heute zigtausende Menschen an.

https://www.youtube.com/watch?v=csKPu3kUeNwSergej Schnurow, kurz Schnur genannt, mimt den russischen Mann und Macho in einer dezidiert rauen und brutalen Ausprägung. Mit dieser Rolle repräsentiert er ein Stereotyp, spielt ironisch damit und revoltiert gleichzeitig gegen eine süßliche, verweichlichte und angepasste Popkultur, die auf Russisch abwertend auch als popsa bezeichnet wird.Diese Weiterlesen

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Neueste Gnosen

Die Geiselnahme von Beslan

Die Geiselnahme im nordossetischen Beslan ist der wohl grausamste Terroranschlag, der im Zuge des Tschetschenienkonfliktes verübt wurde. Die Ereignisse in der Schule Nr. 1 hielten die russische Bevölkerung die ersten drei Septembertage 2004 in Atem. Sie stehen für die Entgrenzung terroristischer Taktiken sowie für die Brutalität dieses Krieges. Viele Fragen sind bis heute umgeben von Unwissenheit und Schweigen.

Lenins Fahrt in die Revolution

Als „weittragendes und schicksalsentscheidendes Geschoss“ in der neueren Geschichte bezeichnete Stefan Zweig den „versiegelten Zug“, in dem Lenin im April 1917 aus dem Schweizer Exil nach Russland zurückkehrte. Frithjof Benjamin Schenk über eine mythenumwobene Episode der Russischen Revolution.

Chruschtschowki – die Geburt der „Platte“

Auf dem Kongress der Baufachleute 1954 verordnete Chruschtschow eine radikale Umkehr, weg von neoklassizistischen Prachtbauten hin zu sparsamen Dimensionen, neuen Materialien und Großtafeln, die auf der Baustelle nur noch montiert werden mussten. Das war die Geburtsstunde der Platte. Mit seiner Wohnungsbaukampagne wollte Chruschtschow die Bevölkerung für die „Erneuerung des Sozialismus nach Stalin“ mobilisieren – und setzte eine Massenbewegung in Gang: Zwischen 1955 und 1970 zogen 132 Millionen Sowjetbürger in eine neue Wohnung.

Andrej Tarkowski

Andrej Tarkowski (1932–1986) war ein sowjetischer Regisseur und gilt als einer der einflussreichsten Filmemacher des 20. Jahrhunderts. Seine Werke greifen spirituelle, philosophische und metaphysische Themen auf und zeichnen sich durch lange Einstellungen und eine unkonventionelle Handlungsstruktur aus. In der Sowjetunion blieb Tarkowski, der seine Filme stets gegen die behördliche Zensur verteidigen musste, die offizielle Anerkennung versagt. 1983 emigrierte er, seine letzten beiden Filme entstanden im Ausland.

Sachar Prilepin

Vom nonkonformistischen Oppositionellen zum patriotischen Medienliebling: Schriftsteller Sachar Prilepin polarisiert. Nun kämpft er als Major im Donbass. Puschkin habe ihn dazu motiviert. Nina Frieß und Konstantin Kaminskij über den politisch-literarischen Dichterkrieger.

Siebte Legislaturperiode der Staatsduma

Am 18. September 2016 begann die siebte Legislaturperiode der Staatsduma. Gewählt wurde das Parlament mit der historisch niedrigsten Wahlbeteiligung, insgesamt genießt es kaum Vertrauen in der Bevölkerung. Das soll sich nun grundlegend ändern. Fabian Burkhardt über das Neue in der siebten Staatsduma:

Sanktionen

Als Reaktion auf die Angliederung der Krim beschlossen sowohl die USA als auch die EU im März 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstop russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzernen, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen.

Dimitri Kisseljow

Der Journalist Dimitri Kisseljow spielt in dem gelenkten russischen Staatsjournalismus eine zentrale Rolle. 2008 wurde er Vizedirektor der staatlichen Medienholding WGTRK. Seit 2014 leitet er die staatliche Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja.

Frauen und die Revolution

Es waren Frauen, die mit ihrer Demonstration am 8. März die Ereignisse in Gang setzten, die vor 100 Jahren den Zaren stürzen und den radikalen Politikwechsel ermöglichen sollten. Zu der Zeit kämpften Frauen in Russland immer mehr um ihre Rechte – und gestalteten die revolutionären Umbrüche aktiv mit. Carmen Scheide über die historische Frauenbewegung, ihre Vorstellungen von einer sozialistischen Zukunft und den Verlust revolutionärer Utopien.

Die Februarrevolution

„Um mich herum sind Verrat, Feigheit und Betrug“, notierte Zar Nikolaus II. am 2. März (15. März) 1917 in sein Tagebuch, nachdem er am Tag zuvor in einem Eisenbahnwaggon seine Abdankungsurkunde unterzeichnet hatte. Frithjof Benjamin Schenk über die dramatischen Entwicklungen im Winter 1917, die als Februarrevolution in die Geschichte eingegangen sind. 

Szene aus dem Film Stalker (All rights reserved)