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Juri Norstein

Mit Zeichentrickfilmen wie Joshik w Tumane (dt. „Der Igel im Nebel“) erschuf Juri Norstein außergewöhnliche filmische Welten, die der Animation eine neue Richtung verliehen und Kinder wie Erwachsene bis heute begeistern und berühren. Henriette Reisner über den russischen Trickfilmer, der am 15. September seinen 80. Geburtstag feierte.

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Blokadniki

Vor 80 Jahren begann die Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht. Während der Belagerung der Stadt vom 8. September 1941 bis zum 27. Januar 1944 kamen über eine Million Menschen ums Leben. Die meisten verhungerten oder erfroren, viele starben im Bomben- und Artilleriebeschuss. Nina Weller über das Schicksal der Blokadniki.

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Bantiki – Haarschleifen

Je kleiner die Mädchen, desto größer die Haarschleife? Die riesigen weißen bantiki, die Haarschleifen sowjetischer Schülerinnen waren Ikonen einer idealisierten sowjetischen Kindheit. Wie die Blumensträuße für die Lehrerinnen gehören sie auch heute noch zu den Bildern des ersten Schultags, dem 1. September.

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Dimitri Vrubel

Der russische Künstler Dimitri Vrubel (geb. 1960) wurde als der Urheber des Bruderkusses an der East Side Gallery bekannt: ein Bildnis der Staatsmänner Breshnew und Honecker an der ehemaligen Berliner Mauer, die einander im sozialistischen Bruderkuss innig zugeneigt sind.

Mit seinem 1990 entstandenen Gemälde Bruderkuss am Mauerabschnitt der jetzigen East Side Gallery schuf Vrubel ein Werk, das für das historische Ereignis des Mauerfalls, für die Stadt Berlin und nicht zuletzt für Vrubel als Künstler zum Symbol werden sollte. Die Worte „Mein Gott, hilf mir, diese tödliche Liebe zu überleben“ rahmen auf russisch und deutsch das Mauerkunstwerk ein. Eigentlich redet er hier von etwas Persönlichem: Von sich und seiner Liebe zu einem Mädchen aus der amerikanischen Botschaft – sowas konnte schonmal vorkommen, im Moskau des Kalten Krieges. Gleichzeitig entwirft er jedoch in großen Lettern eine ästhetische Strategie, die er bis heute verfolgt: das Politikerbild als Illustration der individuellen Seelenlage. Vrubel jedenfalls hat überlebt und wurde zum Star der East Side Gallery; sein Bruderkuss zur Ikone, zum kreativen Gemeingut, zum Zeitbild.

Seit 2009, als er die fällige Sanierung seines Gemäldes an der East Side Gallery selbst besorgte, lebt Vrubel in Berlin und betreibt zusammen mit seiner Frau Viktoria Timofejewa auf dem Gelände der Kulturbrauerei im Prenzlauer Berg (wie die East Side Gallery auch ein touristischer Hotspot der Stadt) sein offenes Atelier Bruderkunst.

Vrubel arbeitet an der Synthese von Politik und zeitgenössischer Kunst. Als Ingenieurssohn entstammt er dem intellektuellen, dissidentischen Milieu Moskaus. Vrubel studierte an der künstlerisch-graphischen Fakultät des Moskauer Lenininstituts. Sein Weg als Künstler führte ihn allerdings schnell in die für die 1970er und 1980er Jahre typische Selbstmarginalisierung: Wie so viele der heute als Konzeptkünstler bezeichneten Künstlerkollegen veranstaltete er Ausstellungen in seiner Wohnung oder in seinem Atelier. Er schuf in dieser Zeit vor allem großformatige Portraits von Künstlerfreunden und russischen Menschen.

Berlin, East Side Gallery - Foto © Bundesarchiv, Thurn, Joachim F. unter CC BY-SA 3.0

Der Bruderkuss ist längst zu einem allgegenwärtigen Merchandisingartikel geworden, was Vrubel aber nicht verdrießt. Er ist in einer radikal demokratischen Mission unterwegs, die Kunst hat unter allen Umständen zugänglich zu sein. Er macht Projekte mit Jugendlichen in Marzahn (einem Plattenbauviertel am östlichen Rand Berlins) und Perm. Er verkauft kleinformatige Reproduktionen seiner Grafiken in großer Stückzahl. Er produziert tagesaktuell neue Bilder, die das Potenzial zur Ikone haben. Er findet seine Sujets in den Nachrichten und Fotografien, die um die Welt und durch die sozialen Netzwerke gehen. So garantiert er den hohen Wiedererkennungswert seiner Werke.

Vrubels Bild-Bearbeitungen – in gemischter Technik, hyperrealistisch, manchmal geglättet und regenbogenfarbig unterlegt – erzählen nicht nur Geschichten über Julian Assange oder Wladimir Putin, Osama bin Laden oder Paris Hilton. Sie sprechen auch über den Künstler Dimitri Vrubel und seinen Weg und über die Betrachter, die sich selbst wiedererkennen. Vrubel ist ein Spion des Zeitgeistes, auf der Suche nach der Verbindung zwischen dem Politischen und dem Persönlichen. Aber gibt es so etwas wie den intimen Blick auf das dokumentarische Foto? Das hunderttausendste Portrait der Angela Merkel, der Flüchtlingsfrau im Kopftuch oder des prügelnden Polizisten nehmen wir nicht mehr wahr. Es sei denn, Dima Vrubel hat es gemalt.

Die den portraitierten Politikern und Zeitgenossen zugeschriebenen Aussprüche geben Vrubels Serien bisweilen comicartigen Charakter. Zitate aus der klassischen Literatur oder biblische Texte als Bildunterschriften leihen den Bildern ihre Ernsthaftigkeit, ihre Welthaltigkeit und gleichzeitig eine ironische Mehrdeutigkeit. Dabei ist Vrubels Arbeitsweise von großer Formenvielfalt gekennzeichnet. Er nennt es Multimediagraffiti, wenn seine über das Internet verbreiteten Bilder bei weißrussischen Studentenaufständen ebenso auftauchen wie im Nahen Osten. In facebook-Auktionen versteigert er aktuelle Werke für kleines Geld. Sein aktuelles Projekt Anna Karenina News ist ein Werk im Blogformat, welches Antworten auf die Fragen der heutigen Welt in Tolstois Texten sucht und findet.

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Lew Rubinstein

Lew Rubinstein (geb. 1947) ist ein russischer Dichter, Literaturkritiker, Essayist und Publizist. In literarischer Hinsicht ist er vor allem für seine minimalistische Karteikarten-Poesie bekannt, eine Mischung aus literarischer, visueller und performativer Kunst, die er in den 1970er Jahren entwickelte. Rubinstein gilt zudem als einer der Begründer und führender Vertreter des Moskauer Konzeptualismus.

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Kasimir Malewitsch

Sein Name ist untrennbar mit seinem größten Coup verbunden – dem Schwarzen Quadrat (1915, Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau). Sein im doppelten Sinn ikonisches Gemälde stellt eine Tabula rasa für das Medium Malerei dar und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer gegenstandslosen Abstraktion, die bis heute andauert. Malewitsch verstarb am 15. Mai 1935.

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Marietta Tschudakowa

Marietta Tschudakowa ist Professorin für Literaturwissenschaften und in Russland darüberhinaus auch als Historikerin und Publizistin bekannt. Sie ist in der politischen Opposition aktiv, in der sie zu den liberalen Kräften gezählt wird.

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Moskauer Staatliche Lomonossow-Universität

Am 25. Januar 1755 wurde sie auf Initiative des Universalgelehrten Michail Lomonossow gegründet: Die Staatliche Universität Moskau ist nicht nur die älteste, sondern auch die wichtigste und renommierteste Hochschule Russlands. Das Gründungsdatum am Tatjanin Den (dt. Tatjana-Tag) wird bis heute in Russland als Feiertag der Studierenden begangen.

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Walenki

Walenki sind nahtlose, in einem Stück gefertigte Filzstiefel aus Schafswolle. Sie halten auch bei großer Kälte warm und gelten deshalb als ideales Winterschuhwerk für die trockenen russischen Winter. Walenki werden als ein Symbol traditioneller russischer Kultur betrachtet, heute aber in erster Linie mit dem Landleben assoziiert.

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