Als Leutnant-Prosa bezeichnet man literarische Werke über den Deutsch-Sowjetischen Krieg, die von sowjetischen Schriftstellern geschrieben wurden, die selbst in der Roten Armee gekämpft hatten. Im Gegensatz zum offiziell-propagandistischen Bild vom Krieg und den Erinnerungen der Kriegsherren, die sich eher für die strategischen Fragen interessierten, behandelten diese Autoren meist die Kriegsroutine – oft sehr unangenehm, nicht selten erschreckend. Zwar erschien mit Wiktor Nekrasows W okopach Stalingrada (dt. In den Schützengräben von Stalingrad) das erste Werk bereits 1946, unmittelbar nach dem Kriegsende. Doch die Blütezeit der Leutnant-Prosa folgte erst nach dem Tod Stalins 1953 in der Tauwetter-Periode (1956-1965).