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Auflösung der Sowjetunion

Der Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik.

Sila Sibiri

Gemeinsam mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping nimmt Präsident Putin heute das Pipeline-Projekt Sila Sibiri in Betrieb. Warum sich die Inbetriebnahme mehrfach verzögerte und welche wirtschaftliche Bedeutung die Pipeline hat, das analysiert Julia Kusznir.

AIDS in der Sowjetunion

Ab 1981 sorgte eine neu entdeckte Krankheit weltweit für Verunsicherung – AIDS. 1985 wurde auch in der Sowjetunion der erste Fall registriert. Eine Gnose darüber, wie die UdSSR mit dem Virus und den Betroffenen umging – und wie dies die Situation in Russland bis heute beeinflusst.

Gnosen
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Woina

Die Gruppe Woina führte in Russland in den Jahren 2007 bis 2010 spektakuläre Aktionen durch, die auch auf Internetforen rege diskutiert wurden. Woina griff aktuelle Themen der russischen Gesellschaft auf (zunehmend autoritäre Regierung, Fremdenhass, Homophobie)  und inszenierte sie als politische Konzeptkunst.

Die Künstlergruppe Woina (dt. Krieg) formierte sich im Atelier des Künstlers Oleg KulikOleg Kulik (geb. 1961) ist ein russischer Aktionskünstler ukrainischer Herkunft und einer der wichtigsten Vertreter des Moskauer Aktionismus. In einer seiner Performances aus den 90er Jahren trat er nackt in der Rolle eines Hundes auf, um die „Bodenperspektive“ des Daseins zu illustrieren. Kulik ist heute auch ein gefragter Kurator. , der während der neunziger Jahre in Performances als nackter bellender Hund Aufsehen erregt hatte.1 Später äußertе sich Kulik jedoch sehr skeptisch über die Gruppe Woina und beschuldigtе sie, durch ihre provozierenden Aktionen dem repressiven Regime Putins in die Hände zu spielen.2 In der Tat wurden die Stunts von Woina von den meist regierungskritischen Internet-Usern als mutige Ersatzhandlungen für die eigene politische Passivität begrüßt, in der breiten Öffentlichkeit hingegen überwog Unverständnis und Ablehnung.

Neben Kulik  war der Moskauer Konzeptualist Dimitri Prigow eine weitere wichtige Inspirationsquelle für Woina. Nachdem er am 16. Juli 2007 gestorben war, fand zu seinen Ehren am 25. August 2007 die Aktion „Das Leichenmahl“ statt: In einem Metrowaggon, der auf der Moskauer Ringlinie verkehrte, wurden Tische und Speisen aufgestellt. Zu Ehren des Verstorbenen rezitierten die Aktionskünstler inmitten der regulären Passagiere Gedichte, aßen und tranken. Damit sollte die Wertschätzung für Prigows revolutionäre Kunst direkt in die Mitte der Gesellschaft getragen werden.

Bald übernahm Oleg Worotnikow die Führungsrolle in der Gruppe Woina. Als Hauptziel der Aktionen nannte er die „Desakralisierung des Regimes“: Die quasi-religiöse Selbstinszenierung der Staatsmacht sollte durch karnevalistische Aktionen der Lächerlichkeit preisgegeben werden.  Allerdings wurde Worotnikows Autorität von den übrigen Mitgliedern immer wieder in Frage gestellt, weil Woina ja gerade einen Gegenentwurf zur hierarchischen russischen Gesellschaft präsentieren wollte.

Breite Aufmerksamkeit erhielt die Künstlergruppe mit der Aktion „Fick für einen Nachfolger des Bärchens“, die am 28. Februar 2008 in einem Moskauer Biologie-Museum stattfand. Nackte Paare vollzogen den Geschlechtsakt, während der Titel der Aktion auf einem Poster präsentiert wurde. Die Aktion spielte auf die bevorstehenden Präsidentschaftswahlen an, die mit Dimitri MedwedewDimitri Medwedew ist seit 2012 Premierminister und bekleidete von 2008 bis 2012 das Amt des Präsidenten der Russischen Föderation. Er gehört zu den engsten Vertrauten von Präsident Putin und nimmt, nicht zuletzt als Vorsitzender der Regierungspartei Einiges Russland, eine wichtige Rolle im politischen Systems Russlands ein. Mehr dazu in unserer Gnose einen willfährigen Putin-Vertrauten an die Macht brachte („Bärchen“ ist ein Spitzname für Medwedew). Die Aktion, die in der russischen Öffentlichkeit schnell als pornographisch gebrandmarkt wurde, parodierte einerseits das nationale Programm zur Anhebung der niedrigen Geburtenzahl und kritisierte andererseits die bereits absehbare Ablösung Medwedews durch Putin in den Präsidentschaftswahlen 2012. Mit der umfassenden Dokumentation der Aktion auf seinem Blog etablierte sich Alexej Pluzer-Sarno als PR-Manager der Gruppe Woina.

In aller Deutlichkeit zeigte sich der politische Anspruch von Woina in den Aktionen „Sturm auf das Weiße HausGemeint ist das Regierungsgebäude der Russischen Föderation, in dem seit 1994 das Regierungskabinett seinen Sitz hat. Es wurde zwischen 1965 und 1979 erbaut und wird aufgrund seiner Farbe Weißes Haus genannt. “ (2008) und „Der FSBFSB (Federalnaja slushba besopasnosti, dt. Föderaler Sicherheitsdienst) ist der Inlandsgeheimdienst Russlands. Er ging aus dem sowjetischen Geheimdienst KGB hervor, der nach dem Ende der Sowjetunion zerschlagen wurde. Heute gehören Spionageabwehr, Terrorismusbekämpfung, aber auch organisierte Kriminalität und Wirtschaftskriminalität zum Arbeitsgebiet des FSB. Schätzungsweise rund 350.000 Menschen arbeiten heute für die Behörde. Mehr dazu in unserer Gnose hat den Schwanz eingesperrt“ (2010).3 In der ersten Aktion wurde mit einem Beamer eine gigantische Piratenflagge auf das Weiße Haus, den Sitz der russischen Regierung in Moskau, projiziert. Die zweite Aktion fand in Sankt Petersburg statt. Auf eine der Zugbrücken wurde ein 65 Meter großer Penis gezeichnet, der erst beim Hochziehen der Brücke sichtbar wurde. Die Brücke befand sich direkt vor der Petersburger Zentrale des Geheimdienstes FSB. Mit dieser Aktion realisierte Woina eine derbe Metapher, die als Redewendung jedem Russen geläufig ist. In beiden Fällen schritt die Polizei schnell ein: Die Projektion auf dem Weißen Haus war für 22 Sekunden sichtbar, der Phallus immerhin für zwei Stunden.4 Mit beiden Aktionen führte Woina vor, wie man mit subversiven Zeichen das Monopol der Regierung auf die Inszenierung der eigenen Macht stören kann.

Sankt Petersburger fotografieren sich vor der Zugbrücke nach der Aktion „Der FSB hat den Schwanz eingesperrt“. Quelle - bigpicture

Die Konflikte mit der Justiz nahmen nach der Verhaftung der beiden Aktivisten Oleg Worotnikow und Leonid Nikolajew im November 2010 rasant zu. Nikolajew tauchte nach Verbüßung einer mehrmonatigen Haftstrafe unter und starb 2015 in Moskau nach einem Arbeitsunfall. Die beiden Woina-Mitglieder Nadeschda Tolokonnikowa und Jekaterina Samuzewitsch engagierten sich in der Gruppe Pussy RiotPussy Riot ist eine Gruppe von Kunstaktivistinnen. Ab Herbst 2011 traten Frauen in Sturmhauben und bunten Kleidern moskauweit an öffentlichen Orten mit feministisch motivierten Punkperformances auf. Den Höhepunkt bildete im Frühjahr 2012 der Auftritt mit dem Punkgebet in der Christ-Erlöser-Kathedrale. Für zwei der Mitglieder endete der anschließende Prozess mit Haft im Straflager. Mehr dazu in unserer Gnose und wurden nach einer aufsehenerregenden Aktion in der Christ-Erlöser-KathedraleDie Christ-Erlöser-Kathedrale steht am linken Ufer der Moskwa in unmittelbarer Nähe zum Kreml. Sie wurde als Denkmal des Sieges über Napoleon konzipiert und entwickelte sich zum zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche. In den 1930ern wurde die Kathedrale gesprengt, in den 1990ern originalgetreu wieder aufgebaut. Ihre Rolle im heutigen Russland ist dabei weiter kontrovers: Den Status als Heiligtum der Orthodoxie hat die Christ-Erlöser-Kathedrale längst wiedererlangt – verkörpert jedoch zugleich das enge Band zwischen Staat und Kirche. Mehr dazu in unserer Gnose zu einer zweijährigen Lagerstrafe verurteilt. Sie kamen erst nach einer Amnestie im Vorfeld der Olympischen Winterspiele in Sotschi wieder frei. Oleg Worotnikow setzte sich mit seiner Familie nach Westeuropa ab. Heute existiert die Gruppe Woina nur noch im virtuellen Raum und betreibt einen eigenen Twitter-Account.

Die Aktionskünstler während der Aktion „Das Leichenmahl“ zu Ehren Dimitri Prigows in der Moskauer Metro. Quelle - bigpicture

1.Dieser Text beruht auf einem Kapitel meines Buchs: Schmid, Ulrich (2015): Technologien der Seele: Vom Verfertigen der Wahrheit in der russischen Gegenwartskultur, Berlin, S. 258 ff.
2.Frankfurter Allgemeine Zeitung: Die russische Kunst-Guerilla
3.bigpicture.ru: Lučšie akcii skandalʼnoj moskovskoj art-gruppy „Vojna“
4.Ėpštejn, Alek (2012): Total’naja vojna: Art-aktivizm ėpochi tandemokratii, Jerusalem/Moskau/Riga, S. 62-192
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Pussy Riot

Internationales Aufsehen erregte am 21. Februar 2012 ihr Punkgebet in der Moskauer Christ-Erlöser-Kathedrale – und vor allem der anschließende Prozess, bei dem zwei Mitglieder zur Haft im Straflager verurteilt worden waren. Auch wenn sich die Ursprungsgruppe inzwischen aufgelöst hat, traten sie beim Finalspiel der Fußball-WM 2018 erneut in Erscheinung. Matthias Meindl über die Kunstaktivistinnen von Pussy Riot.

Boris Nemzow

Heute wäre er 60 Jahre alt geworden: Boris Nemzow. Er war einer der bekanntesten Politiker Russlands und galt als scharfer Kritiker Wladimir Putins. In zahlreichen Publikationen machte er auf Misswirtschaft und Korruption in Russland aufmerksam, was ihm viele einflussreiche Gegner einbrachte. Eduard Klein über den Oppositionspolitiker, der im Februar 2015 ermordet wurde.

Vladimir Sorokin

Für die einen sind seine Texte nichts als postmodernes Geschreibsel voller Zoten und Flucherei, für die anderen dagegen sind sie prophetische Meisterwerke. Dagmar Burkhart über den Autor Vladimir Sorokin, seine politischen Visionen und seine Ästhetik der Obszönität und Gewalt.

Kasimir Malewitsch

Heute vor 84 Jahren starb Kasimir Malewitsch. Sein Name ist untrennbar mit seinem größten Coup verbunden – dem Schwarzen Quadrat (1915, Staatliche Tretjakow-Galerie, Moskau). Sein im doppelten Sinn ikonisches Gemälde stellt eine Tabula rasa für das Medium Malerei dar und bildet gleichzeitig den Ausgangspunkt für die Entwicklung einer gegenstandslosen Abstraktion, die bis heute andauert.

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Zweckentfremdet, Foto © Oksana Ozgur (All rights reserved)