Quelle

Grani.ru

Grani.Ru

Die Internet-Zeitung Grani.Ru (wörtl. ungefähr: Facetten) existiert seit dem Jahr 2000 und ist damit eines der ältesten oppositionellen Internet-Medien Russlands.

Grani.Ru wurde von dem OligarchenAls Oligarchen werden Großunternehmer bezeichnet, die starken Einfluss auf die Politik nehmen. In Russland, aber auch in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in denen Wirtschaft und Politik sehr eng verwoben sind, stellen sie ein zentrales Charakteristikum des politischen Systems dar. Mehr dazu in unserer Gnose Boris BeresowskiBoris Beresowski (1946-2013) gelangte während der Privatisierungen der 1990er Jahre durch Verbindungen in die Politik zu enormem Reichtum. Er besaß mehrere Medien – darunter große Anteile am staatlichen Ersten Kanal – die er auch zur politischen Einflussnahme nutzte. Zunächst ein enger Vertrauter Jelzins und Unterstützer Putins, kritisierte er Putin ab dem Jahr 2000 für autoritäre Tendenzen. Er entging der eingeleiteten Strafverfolgung durch politisches Asyl in Großbritannien. Von dort aus blieb er bis zu seinem Tod im Jahr 2013 ein scharfer Putinkritiker. gegründet und auch einige Jahre von ihm finanziert. Zur Zeit gehört sie zu gleichen Teilen dem ständigen Chefredakteur Wladimir Korsunski und der Herausgeberin Yulia Berezovskaya (die Namensgleichheit mit dem ersten Besitzer ist Zufall).

Die Finanzierung der Zeitung erfolgt teils durch Fördermittel1, teils durch Werbung und Spenden.

Obwohl die Zeitung seit ihrer Gründung verschiedene Besitzer hatte, sind die Redaktionspolitik und die politische Einstellung weitgehend konstant geblieben. Grani.Ru versteht sich als regierungskritisches Medium. Die Herausgeberin Berezovskaya sagte 2013 in einem Interview: „Wir haben schon unsere Kritik an den Vorgängen im Land kundgetan, lange bevor der Protest zum Mainstream wurde.“2

Viele der Autoren des Portals – etwa Elena Bonner, Walerija Nowodworskaja oder Lew RubinsteinLew Rubinstein (geb. 1947) ist ein russischer Dichter, Literaturkritiker, Essayist und Publizist. In literarischer Hinsicht ist er vor allem für seine minimalistische Karteikarten-Poesie bekannt, eine Mischung aus literarischer, visueller und performativer Kunst, die er in den 1970er Jahren entwickelte. Rubinstein gilt zudem als einer der Begründer und führender Vertreter des Moskauer Konzeptualismus. Mehr dazu in unserer Gnose  – gehören bzw. gehörten zu den Dissidenten und Oppositionellen der ersten Stunde.

Im März 2014 wurde der Zugriff auf das Internetangebot von Grani.Ru aus Russland für eine unbestimmte Zeit wegen „öffentlicher  Aufrufe zur Teilnahme an ungenehmigten Demonstrationen“ gesperrt3. Grani.Ru wurde so zum ersten Internet-Medium, das nach dem sogenannten Lugowoj-Gesetz (sieht die Möglichkeit einer außergerichtlichen Sperrung von Webseiten gemäß Entscheidung der Staatsanwaltschaft vor) in Russland verboten wurde. Seitdem setzen sich internationale Organisationen wie Amnesty International und Reporter ohne Grenzen für das Portal ein. Leser aus Russland können derzeit nur über eine Mirror-Site auf Grani.Ru zugreifen.

Eckdaten:

Gegründet: 2000
Chefredakteur: Wladimir Korsunski
Herausgeberin: Yulia Berezovskaya
URL: https://graniru.org/


1: http://www.colta.ru/articles/media/559
2: http://www.colta.ru/articles/media/559
3: https://www.amnesty.de/urgent-action/ua-106-2014/protest-website-blockiert
Gnosen

im Gnosmos

als Text

im Gnosmos

als Text

Neueste Gnosen

Leinwandbilder: Russen und Deutsche im Film

Feind- und Freundbilder auf Zelluloid, Wahnsinn ohne Logik und die Logik des Wahnsinns: Filmwissenschaftlerin Oksana Bulgakowa beschreibt, welche Bilder vom jeweils Anderen in Russland und Deutschland auf die Leinwand projiziert wurden und werden. 

Anton Tschechow

Der Vater der Drei Schwestern, der Landschaftsplaner des Kirschgartens und Autor von Stücken ohne Namen. Und der Vorläufer des Absurden. Am 29. Januar ist sein 160. Geburtstag. 

Die Krim – ein jüdischer Sehnsuchtsort

Nach der Revolution 1917 entsponn sich eine hitzige Debatte über jüdische Ansiedlungsprojekte. Eine der damals debattierten Fragen lautete: Krim oder Zion? Und einige zogen eine Ansiedlung auf der Krim der in Palästina vor. Jakob Stürmann über den jüdischen Sehnsuchtsort Krim, der allerdings nur von kurzer Dauer war.

Afrikapolitik

Afrika rückt mehr und mehr auf die politische Agenda des Kreml. Dabei spielen die Länder des Kontinents für Russland wirtschaftspolitisch keine wichtige Rolle – beträgt das jährliche Handelsvolumen doch nur rund 20 Milliarden US-Dollar. Felix Riefer erklärt die Gründe für das zunehmende Afrika-Interesse des Kreml. 

AIDS in der Sowjetunion

Ab 1981 sorgte eine neu entdeckte Krankheit weltweit für Verunsicherung – AIDS. 1985 wurde auch in der Sowjetunion der erste Fall registriert. Eine Gnose darüber, wie die UdSSR mit dem Virus und den Betroffenen umging – und wie dies die Situation in Russland bis heute beeinflusst.

Gazprom

Allzeithoch bei Exporten, Aktie auf Fünfjahrespeak, Rekorddividenden: Gazprom brilliert derzeit auf allen Gebieten. Warum der Glanz des Unternehmens jedoch bald verblassen könnte, erklärt Julia Kusznir. 

Die Sowjetunion und der Fall der Berliner Mauer

„Nach meiner Kenntnis gilt das sofort ... unverzüglich.“ Als Politbüromitglied Günter Schabowski mit seiner überstürzten Aussage zur Gültigkeit des neuen Reisegesetzes gegen 19 Uhr am 9. November den Sturm auf die Berliner Mauer auslöste, war weder der Kreml noch die sowjetische Botschaft in Ost-Berlin im Bilde. Jan Claas Behrends über das Epochenjahr 1989 und die Reaktionen Moskaus.

Alyona Kochetkova: Als ich krank war, Foto © Alyona Kochetkova (All rights reserved)