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Sila Sibiri

Gemeinsam mit seinem chinesischen Amtskollegen Xi Jinping nimmt Präsident Putin heute das Pipeline-Projekt Sila Sibiri in Betrieb. Warum sich die Inbetriebnahme mehrfach verzögerte und welche wirtschaftliche Bedeutung die Pipeline hat, das analysiert Julia Kusznir.

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Sila Sibiri

Sila Sibiri (dt. Kraft Sibiriens) ist der offizielle Name einer Pipeline, die seit Dezember 2019 Erdgas aus der Republik JakutienDie überwiegend von Jakuten bewohnte Republik Sacha (Jakutien) liegt im asiatischen Teil Russlands. Mit drei Millionen Quadratkilometern Fläche ist sie etwa so groß wie die EU und damit das größte Föderationssubjekt der Russischen Föderation. Allerdings ist die Republik mit nur etwa 950.000 Einwohnern sehr dünn besiedelt. Hauptstadt und einzige Großstadt ist Jakutsk. Jakutien ist reich an Bodenschätzen, unter anderem werden in der Region Diamanten und Gold gefördert. und der Region Irkutsk in die Länder des pazifischen Raums transportiert. Das Pipelineprojekt wurde im Jahr 2012 im Auftrag des Präsidenten Wladimir Putin vom staatlichen Gasmonopolisten GazpromGazprom ist das international größte Erdgasunternehmen: Auf Gazprom entfallen rund 69 Prozent der russischen und 12 Prozent der weltweiten Gasförderung. Die Aktienmehrheit gehört dem russischen Staat. Das Unternehmen beschäftigt knapp eine halbe Million Menschen und ist der größte Gas-, Strom-, und Wärmelieferant in Russland.  Mehr dazu in unserer Gnose initiiert. Nach dem geplanten Ausbau aller Stufen soll  die Pipeline  insgesamt rund 61 Milliarden Kubikmeter Erdgas im Jahr über eine Gesamtlänge von 4000 Kilometern transportieren.

Ein wesentlicher Teil der Lieferungen ist für den chinesischen Energiemarkt bestimmt. Laut dem Liefervertrag, den Gazprom und der chinesische Energiekonzern CNPC im Mai 2014 mit einer Laufzeit von 30 Jahren abschlossen, wird Gazprom jährlich bis zu 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China pumpen. Die Gesamtkosten der Sila Sibiri bezifferte Gazprom zunächst auf 55, später auf bis zu 70 Milliarden US-Dollar. Anlässlich des offiziellen Baustarts am 1. September 2014 nannte Putin das Vorhaben „das größte Bauprojekt der Welt“. Und die staatsnahen Medien Russlands lobten das Vorhaben auch, weil es die Abhängigkeit Russlands von den Gaslieferungen in den Westen verringere. 

Die Inbetriebnahme der Pipeline war ursprünglich für 2018 vorgesehen. Allerdings gingen die Bauarbeiten nur sehr schleppend voran. Gazprom fehlten die notwendigen finanziellen Mittel sowohl für die Förderung in schwer zugänglichen Gasfeldern als auch für die Durchführung des eigentlichen Pipeline-Projekts. Die im Zuge des Ukraine-KonfliktsDer Krieg im Osten der Ukraine ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Die Ukraine wirft dem Nachbarland Russland vor, die Rebellen mit Personal und Waffen zu unterstützen, was Russland bestreitet. Der Krieg kostete bereits mehr als 12.000 Menschen das Leben. Eine anhaltende Waffenruhe konnte trotz internationaler Vermittlungsbemühungen bisher nicht erreicht werden. Mehr dazu in unserer Gnose  beschlossenen westlichen SanktionenAls Reaktion auf die Annnexion der Krim und Russlands militärisches Eingreifen in der Ostukraine beschlossen sowohl die USA als auch die EU im Jahr 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen zunächst nur Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzerne, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht). Mehr dazu in unserer Gnose gegen Gazprom erschwerten zudem den Zugang zu westlichen Krediten und verhinderten die Teilnahme westlicher Investoren am Projekt. Aus diesen Gründen verzögerte sich die Inbetriebnahme bis Dezember 2019. Volle Leistung soll die Pipeline 2025 entwickeln, außerdem plant Gazprom einen Ausbau des Leitungsnetzes.

Doch stellen die derzeit relativ niedrigen Gaspreise die Rentabilität der Pipeline infrage. Laut Gazproms Berechnungen sollte der Konzern für die Gaslieferungen nach China insgesamt 400 Milliarden US-Dollar erhalten. Der Preis, den die chinesische Firma für das russische Gas zahlen muss, ist dabei an den aktuellen Ölpreis gebunden. Infolge der fallenden Ölpreise schrumpfen die erwarteten Einnahmen jedoch zusammen, allein die anfangs anberaumten Investitionen in Höhe von 55 Milliarden US-Dollar würden sich laut Schätzungen erst bei einem Ölpreis von 100 US-Dollar je Barrel amortisieren.1 Da der Rubel-Kurs zum US-Dollar in den folgenden Jahren allerdings massiv abgesackt ist, verringerten sich die in US-Dollar berechneten Investitionen. Doch bleibt unklar, welche Anteile der Investitionen in Rubel und welche in US-Dollar getätigt wurden. Auch aus diesem Grund glauben einige Kritiker, dass Sila Sibiri erst 30 Jahre nach Inbetriebnahme die Kosten einspielen werde.2 

Derzeit fehlen außerdem noch große Teile der geplanten Infrastruktur, die die Gasfelder in West- und Nordsibirien miteinander und mit der Sila Sibiri verbinden soll. Ebenso in der Schublade ist noch der Plan, Sila Sibiri bis nach ChabarowskChabarowsk ist die Hauptstadt des Föderationssubjekts Chabarowski Krai (dt. „Region Chabarowsk“) im Fernen Osten Russlands. In der Stadt leben derzeit rund 618.000 Menschen. Durch Chabarowsk verläuft die Transsibirische Eisenbahn sowie eine Eisenbahnlinie, die die Transsib mit der Baikal-Amur-Magistrale verbindet. Außerdem gibt es hier auch mehrere Fernstraßen, einen Binnenhafen und zwei Flughäfen. Damit ist Chabarowsk die Stadt mit der höchsten Beförderungskapazität der Region.  zu verlängern, von wo das Erdgas anschließend zu Gasverflüssigungsanlagen in WladiwostokWladiwostok ist eine Hafenstadt mit rund 600.000 Einwohnern im Fernen Osten Russlands. Unweit der Grenze zu China und Nordkorea gelegen, ist die östlichste Großstadt Russlands das Zentrum des Föderationskreises Ferner Osten. Wladiwostok ist ein wichtiger Verkehrsknoten internationaler Bedeutung: Hier befindet sich die Endstation der Transsibirischen Eisenbahn, ein Seehafen, ein internationaler Flughafen und wichtige Fernverkehrsstraßen. Laut offizieller Angabe beträgt das Fahrgastaufkommen am Wladiwostoker Bahnhof mehr als 20 Millionen Passagiere pro Jahr.  und auf der Pazifikinsel Sachalin transportiert werden sollte. Während der Bau einer Verflüssigungsanlage in Wladiwostok erst für 2020 geplant ist, sind die Kapazitäten auf Sachalin noch viel zu klein, um LNG (Flüssigerdgas) wie geplant exportieren zu können. Außerdem verteuert eine Verflüssigung das Endprodukt zusätzlich.

Finanzieller Erfolg von Sila Sibiri wird somit auch weiterhin vom Ölpreis, westlichen Sanktionen sowie von der Entwicklung der geopolitischen Lage im pazifischen RaumDer Kurilenkonflikt zwischen der Sowjetunion beziehungsweise Russland und Japan schwelt seit dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Japan beansprucht die vier Südinseln des Kurilen-Archipels, die die Sowjetunion damals zu ihrem Hoheitsgebiet erklärte. Die Unterzeichnung eines Friedensvertrags zwischen den beiden Ländern wird seitdem von dem Streit um die vier Pazifikinseln verhindert. Der Disput hemmt letztlich auch eine enge strategische Partnerschaft und ökonomische Kooperation beider Länder, deren Potential als sehr hoch eingeschätzt wird. Mehr dazu in unserer Gnose abhängen. Dasselbe gilt für das Gesamtvorhaben Gazproms, seine Abhängigkeit von Exporten in den Westen zu verringern.

Stand: 02.12.2019


1.Vedomosti: Vvod gazoprovoda Sila Sibiri sdvigaetsja minimum na polgoda 
2.vgl. news.ru: Minėnergo raskrylo stoimost' „Sily Sibiri“, „SP-2“ i „Tureckogo potoka“ 
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