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Erdöl – kulturhistorische Aspekte

Erdöl war die Grundlage der Wirtschaft in der UdSSR und ist es im heutigen Russland immer noch. Metaphorisch auch als „Blut der Erde“ oder „Schwarzes Gold“ bezeichnet, gilt es nicht nur als wichtigste Energiequelle, sondern auch als Motor der Geschichte insgesamt. Ilja Kalinin über kulturhistorische Aspekte des Erdöls. 

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Sergej Dorenko

Der russische Fernseh- und Radiomoderator Sergej Dorenko ist tot. Am 9. MaiDer Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen. Mehr dazu in unserer Gnose fuhr er auf seinem Motorrad der Marke Triumph den Moskauer GartenringEine circa 17 Kilometer lange Ringstraße im Moskauer Stadtzentrum. An ihrer Stelle befanden sich noch im 18. Jahrhundert Befestigungsanlagen. Auf dem Gartenring fanden im Jahr 2012 mehrere Protestereignisse statt. entlang, verlor plötzlich das Bewusstsein, geriet auf die Gegenspur und krachte in eine Betonabsperrung. Funktionsstörung des Herzens. Dabei hatten ihm viele stets abgesprochen, ein Herz zu haben. Wenn man über ihn sprach, dann meist eher in technischen Metaphern: „Fröhlich schob er den Regler im Radiostudio nach oben. Mir schien, er hob nicht einfach den Mikrofonständer an, sondern bereitete ein Flugzeug zum Start vor. Und ihm schien es auch so: Wie ein Motor fing er an zu dröhnen: „Guuuuten Morrrrrrrgen, hier ist RrrrrrrrasworotRasworot oder Utrenni Rasworot (dt. „Wende“ oder auch „Doppelseite“) ist eine tägliche Sendung auf Radio Echo Moskwy, die abwechselnd von verschiedenen Journalisten zu zweit moderiert wird. In der Sendung, die früh morgens live ausgestrahlt wird, werden die wichtigsten Themen des Tages besprochen. “, erinnert sich die Journalistin Tonja Samsonowa, die mit ihm eine Zeit lang eine Sendung auf Echo Moskwy moderierte. Mit seiner Energie und seinem Talent, vielleicht sogar journalistischem Genie, was selbst seine Todfeinde wie der Moskauer Ex-Bürgermeister Juri LushkowJuri Lushkow (geb. 1936) war von 1992 bis 2010 Moskauer Bürgermeister. Er versuchte, sich 1999 mit einer neuen Partei (Vaterland) im Rennen um das Präsidentenamt zu positionieren, was vom Kreml durch die Gründung einer Gegenpartei (Einheit, dem Vorläufer von Einiges Russland) unterbunden wurde. In seine Amtszeit fällt der Moskauer Bauboom um den Jahrtausendwechsel, zugleich wurden ihm Korruption und die Zerstörung der historischen Zentren vorgeworfen. Lushkow wurde vom damaligen Staatspräsidenten Dimitri Medwedew im September 2010 entlassen, offiziell aufgrund von Vertrauensverlust. Zu seinem Nachfolger wählten die Moskauer im Oktober 2010 Sergej Sobjanin (geb. 1958). anerkennen, galt er als eine TV-Ikone der späten 1990er JahreDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Mehr dazu in unserer Gnose , als „Telekiller“, der erst „Putin zum Präsidenten gemacht hat“ und später eine öffentliche Konfrontation mit ihm wagte. 

Sie nannten ihn „Telekiller“ – Journalist Sergej Dorenko galt als TV-Ikone der späten 1990er Jahre / Foto © Gennadi Guljajew

1959 als Sohn eines Militärpiloten und einer Bibliothekarin auf der KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus. Mehr dazu in unserer Gnose geboren, schloss Sergej Dorenko ein Dolmetscher-Studium an der Moskauer Universität der Völkerfreundschaft ab und fing 1982 zunächst an, als Portugiesisch-Übersetzer in Angola zu arbeiten. 1984 wird er kurz zur Armee eingezogen, bevor er 1985 beim staatlichen Rundfunk Gosteleradio anheuert. So beginnt seine kontroverse journalistische Karriere. 

Facts were irrelevant

Sein Name ist mit dem Vorgänger des Ersten KanalDer Erste Kanal gilt aufgrund seiner hohen Reichweite als das wichtigste Massenmedium des Landes. Seit dem Ende der Sowjetunion war er stets mehrheitlich im Staatsbesitz – wenn auch seit 1994 unter Beteiligung von Großunternehmern. Er ist ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation des Kreml. Mehr dazu in unserer Gnose , dem Fernsehkanal ORT, verbunden, dessen Abkürzung für „öffentliches russisches Fernsehen“ stand. Anders als in Deutschland, war das „öffentliche Fernsehen“ in den 1990ern ein Privatunternehmen, dessen Besitzer, der OligarchAls Oligarchen werden Großunternehmer bezeichnet, die starken Einfluss auf die Politik nehmen. In Russland, aber auch in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in denen Wirtschaft und Politik sehr eng verwoben sind, stellen sie ein zentrales Charakteristikum des politischen Systems dar. Mehr dazu in unserer Gnose Boris BeresowskiBoris Beresowski (1946-2013) gelangte während der Privatisierungen der 1990er Jahre durch Verbindungen in die Politik zu enormem Reichtum. Er besaß mehrere Medien – darunter große Anteile am staatlichen Ersten Kanal – die er auch zur politischen Einflussnahme nutzte. Zunächst ein enger Vertrauter Jelzins und Unterstützer Putins, kritisierte er Putin ab dem Jahr 2000 für autoritäre Tendenzen. Er entging der eingeleiteten Strafverfolgung durch politisches Asyl in Großbritannien. Von dort aus blieb er bis zu seinem Tod im Jahr 2013 ein scharfer Putinkritiker., eine der kontroversesten Figuren der 1990er Jahre und ein Freund Dorenkos, war. 

Von 1996 bis 1999 moderiert Dorenko die bekannte Nachrichtensendung WremjaWremja ist die quotenstärkste Nachrichtensendung des russischen Fernsehens. Sie wird allabendlich im staatlichen Fernsehsender Erster Kanal ausgestrahlt. (dt. „Zeit“), die er mit seiner emotionalen Präsentation und einer journalistisch unsauberen Arbeitsweise boulevardisiert – womit er bei den Zuschauern offensichtlich Erfolg hat. Laut des ehemaligen Moskauer Büroleiters von The Economist  Arkady Ostrovsky, transformiert Dorenko die Nachrichtensendung in eine „Show vernichtender Enthüllungen“, die „den Tonfall verschärfte, Empörung auslöste und Hass stiftete. Aber am Wichtigsten: Sie faszinierte die Zuschauer und brach Tabus“. Dabei gilt: „Facts were irrelevant“.1 Im September 1999 bekommt Dorenko schließlich seine eigene TV-Sendung, nämlich die Programma Sergeja Dorenko (dt. „Sergej-Dorenko-Show“). Auch mit dieser Show sorgt er für politische Kontroversen und arbeitet weiter an seinem Ruf als Skandaljournalist.

Telekiller

1999 stehen in Russland ParlamentswahlenNach dem Wahlkampf zu den Präsidentschaftswahlen 1996, der aufgrund von Manipulationen und Beleidigungen als besonders schmutzig in die Geschichte einging, sah sich Präsident Boris Jelzin (1931–2007) 1999 abermals mit seinem kommunistischen Widersacher Gennadi Sjuganow (geb. 1944) konfrontiert. Die KPRF stellte nämlich die größte Duma-Fraktion, womit sie Jelzins Politik erfolgreich zu blockieren wusste. Jelzins Team gründete mit Einheit eine Gegenpartei, die mit 23 Prozent deutlich das zuvor in Umfragen führende Wahlbündnis Vaterland – Ganz Russland schlug und nur einen Prozentpunkt hinter den Kommunisten landete. Laut Beobachtern schnitt die KPRF auch deshalb so schlecht ab, weil Jelzins Team eine massive Diffamierungskampagne gegen sie lanciert hatte. an, bei denen sich zwei große Lager gegenüberstehen: Auf der einen Seite findet sich die Partei Jedinstwo (dt. „Einheit“) des damaligen Präsidenten Boris JelzinBoris Jelzin (1931–2007) war der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands. Er regierte von 1991 bis 1999, seine Amtszeit war durch tiefgreifende politische und ökonomische Krisen geprägt. Jelzin setzte massive Reformen in Gang: unter anderem ein Programm zur Privatisierung von Staatseigentum und ein folgenschweres Programm zur Umgestaltung der politischen Kultur. Letzteres bezeichnen viele Wissenschaftler als „Entsowjetisierungs-Programm”.. Jelzin installierte gerade den noch relativ unbekannten Geheimdienstchef Wladimir Putin als PremierministerDer Premierminister oder Ministerpräsident ist nach dem Präsidenten die zweite Amtsperson im russischen Staat. Er ist vor allem für Wirtschafts- und Finanzpolitik verantwortlich. Mehr dazu in unserer Gnose und Wunschnachfolger und kann auf die Unterstützung von ORT-Eigner Boris Beresowski zählen. Auf  der anderen Seite stehen der Moskauer Bürgermeister Juri Lushkow und der im Mai 1999 abgesetzte Premieminister Jewgeni PrimakowJewgeni Primakow (1929–2015) war bereits Direktor der Auslandsaufklärung des sowjetischen Geheimdienstes. Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion leitete er bis 1996 die russische Nachfolgeorganisation SWR. Als Außenminister unter Boris Jelzin setzte er sich von 1996–1998 unter anderem für eine Wiederherstellung des russischen Einflusses im Nahen Osten ein. Die Duma übertrug ihm während seiner Zeit als Ministerpräsident zeitweise die Amtsgeschäfte und Vollmachten des Präsidenten in Vertretung des erkrankten Jelzin. Er protestierte gegen den Kosovokrieg und sorgte für einen politischen Eklat, als er einen Staatsbesuch in die USA absagte. 1999 wurde er seines Amtes enthoben. mit ihrer Partei Otetschestwo – wsja RossijaVaterland – Ganz Russland (OWR) war ein Wahlbündnis, das zwischen 1998 und 2002 bestand. 1999 galt es laut Umfragen zeitweise als Favorit für die Dumawahl, mit rund 13 Prozent der Wählerstimmen landete es aber nur auf dem dritten Platz. Im Jahr 2001 fusionierte das Bündnis mit der Partei Einheit und versammelte nach und nach die meisten einflussreichen Politiker unter dem neuen Label Einiges Russland. (dt. „Vaterland – Ganz Russland“). 

Dass der Jelzin-Unterstützer Beresowski Mehrheitseigentümer des Fernsehsenders ORT ist, spielt in der Wahlkampfauseinandersetzung eine nicht zu unterschätzende Rolle; schon länger hat Beresowski den dort arbeitenden Dorenko gefördert, der nicht zu Unrecht als „Beresowskis Bulldogge“2 oder als „perfekter Söldner“3 bezeichnet wird. Dorenko schießt sich in seiner Sergej-Dorenko-Show auf Beresowskis Gegner Lushkow und Primakow ein.4 Nicht zuletzt aus persönlichen Motiven: Dorenko wurde auf Betreiben Primakows bei ORT kurzzeitig gefeuert und war zudem einer Steuerprüfung ausgesetzt, wofür er Lushkow verantwortlich machte.5

 

In seiner Show montiert Dorenko Juri Lushkows Kopf auf ein Bild Monica Lewinskys

In seiner Fernsehshow setzt Dorenko weiter auf Emotion und unlautere Mittel. Er deckt Lushkows Vermögensverhältnisse auf und zeigt dessen luxuriöse Immobilien, veröffentlicht auch angebliche OP-Fotos von Primakow, um dessen Gesundheit in Zweifel zu ziehen, und montiert Lushkows Kopf auf ein Bild Monica Lewinskys. Aufgrund dieser Kampagne wird Dorenko bald als „Telekiller“ bezeichnet: Primakow und Lushkow verlieren die Parlamentswahl 1999 tatsächlich. Nachdem Jelzin am 31. Dezember 1999 überraschend zurücktritt, gewinnt Putin die folgenden Präsidentschaftswahlen spielend, während der ursprünglich chancenreiche Primakow gar nicht erst antritt.

„Dem Volk etwas einzuflüstern“ 

In einem Youtube-Interview von 2018 mit Juri DudJuri Dud (geb. 1986) ist ein russischer Sportjournalist und Videoblogger. Zum Medienstar wurde er mit seinem YouTube-Projekt vDud, das er im Februar 2017 startete. Seine langen Interviews mit bekannten Musikern, Politikern und Medienschaffenden erreichen Millionen Aufrufe und stehen damit in Konkurrenz zum staatlichen Fernsehen. Mehr dazu in unserer Gnose ist Dorenko durchaus stolz auf seine Rolle in den Wahlkämpfen 1999 und 2000. Zwar sei es unrichtig zu behaupten, wie es manche tun, dass er Putin zum Präsidenten gemacht habe, denn „nur das Volk kann einen Menschen zum Präsidenten machen“. Allerdings habe er seine Aufgabe durchaus darin verstanden, „dem Volk etwas einzuflüstern“.6 Er bezeichnet Russland als „geficktes Mädchen“, das „von vielen Menschen gebumst wurde, die seinen Zopf um ihre Faust wickelten und es von hinten stießen. Und dieses Land hat einen Bruder-Soldaten verdient. Und Putin ist dieser Bruder-Soldat … Und dem Land musste man das einflüstern: Es kommt der Bruder und wird sich für dich einsetzen“. 

 

In einem Youtube-Interview zeigt sich Dorenko 2018 stolz auf seine Rolle in den Wahlkämpfen 1999 und 2000

Hat Dorenko also seinen eigenen Favoriten dem Volk erfolgreich „eingeflüstert“ und Beresowski ans Ziel seiner Wünsche gebracht? Wie sich schnell herausstellen sollte, ist dem nicht so. Beresowski bezieht Ende Mai 2000 offen gegen Putin Stellung, und die von ihm kontrollierten Medien – darunter ORT – vollziehen diesen Schwenk nach. Dementsprechend positioniert sich Dorenko nun als lautstarker Kritiker Putins. Diese Entwicklung gipfelt in der Sendung vom 2. September 2000: Dorenko widmet sie der Tragödie um das gesunkene Atom-U-Boot KurskEin im Jahr 2000 nach einer Explosion aufgrund eines technischen Defekts in der Barentsee gesunkenes russisches Atom-U-Boot. Gescheiterte Rettungsversuche der russischen Marine und die sehr späte Annahme internationaler Hilfsangebote führten zu einer gravierenden Verzögerung der Rettungsmaßnahmen. Erst drei Tage später gelang es norwegischen Einsatzkräften, die Ausstiegsluke zu öffnen. Keines der 23 Besatzungsmitglieder hatte die Katastrophe überlebt.. Er kritisiert nicht nur das Krisenmanagement der Regierung und die chronische Unterfinanzierung der Marine, sondern bezichtigt Putin höchstpersönlich der Lüge und gibt ihm die Schuld am Tod der Matrosen. „Die Mächtigen gehen nur deshalb so mit uns um, weil wir es zulassen“,  ist der letzte Satz der Sendung.7 Und wie sich schließlich herausstellen sollte, war es für viele Jahre auch der letzte Satz Dorenkos im Fernsehen überhaupt. Der Leiter des Senders, Konstantin ErnstKonstantin Ernst (geb. 1961) ist seit 1999 Generaldirektor des Ersten Kanals, der staatliche Fernsehkanal mit der größten Reichweite im Land. Ernst gilt als kreml-loyal und war u. a. für die Eröffnungszeremonie der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 in Russland verantwortlich. Die einflussreiche US-amerikanische Zeitschrift Variety nannte Ernst im Jahr 2017 eine der 500 einflussreichsten Personen im weltweiten Showgeschäft., setzt Dorenkos Sendung kurz danach ab, und Dorenko selbst wird arbeitslos.8 Sein Förderer Beresowski hat bereits im Juli sein Mandat als Abgeordneter abgegeben, verkauft zahlreiche seiner Firmenanteile, darunter jene an ORT, und geht im November 2000 ins Londoner Exil wo er sich 13 Jahre später das Leben nimmt.

Mehrere Leben nach dem Fernsehen 

Nach seiner Entlassung kehrt Dorenko dem Fernsehen gezwungenermaßen den Rücken; bis auf zwei kurze Intermezzi bei REN TVREN TV ist ein privater russischer Fernsehsender, der sich ehemals durch weitgehend unabhängige Berichterstattung auszeichnete, in den letzten Jahren aber fast vollständig auf die offizielle Linie eingeschwenkt ist. (2011) und TV-ZentrEin in Moskau ansässiger Fernsehsender, der hauptsächlich zu moskau-spezifischen Inhalten berichtet, es gibt jedoch auch spezielle Regionalprogramme. Der Sender befindet sich zu über 99 % im Besitz der Stadt Moskau. (2013) ist er nicht mehr als Fernsehmoderator tätig. Anfang der 2000er Jahre engagiert sich Dorenko vielmehr politisch, tritt 2003 der Kommunistischen Partei der Russischen Föderation (KPRFDie KPRF ist die Kommunistische Partei der Russischen Föderation. Sie ist die direkte Nachfolgeorganisation der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) und orientiert sich politisch an einem sozialistischen Kurs, unterscheidet sich in vielerlei Hinsicht jedoch auch von ihrer Vorgängerin. Bei den letzten Parlamentswahlen 2016 erreichte die KPRF 13,3 Prozent der Wählerstimmen und bleibt damit die größte Oppositionspartei im Parlament. Mehr dazu in unserer Gnose ) bei und hält 2004 im Zuge der Orangenen RevolutionAls Farbrevolutionen bezeichnet man eine Reihe friedlicher Regimewechsel in post-sozialistischen Ländern. Diese wurden unter anderem durch gesellschaftliche Großdemonstrationen gegen Wahlfälschungen ausgelöst. Aufgrund der Farben beziehungsweise Blumen, mit denen die Bewegungen assoziiert werden, ist der Sammelbegriff Farbrevolutionen entstanden. Stellt der Begriff für die politische Elite in Russland eine Bedrohung ihrer Macht dar, verbinden oppositionelle Kräfte damit die Chance auf einen Regierungswechsel. Mehr dazu in unserer Gnose eine Rede auf dem Kiewer Maidan, wo er ankündigt: „An jenem Tag, an dem wir gewinnen, sperren wir Putin in einen eisernen Käfig“.9 2005 verfasst er den dystopischen Roman 2008, in dem er eine Revolution gegen Putin beschreibt. 
Daneben beginnt Dorenko 2004 wieder, als Moderator zu arbeiten, diesmal allerdings beim Radio. Von 2004 bis 2008 arbeitet er beim Radio Echo Moskwy, 2008 gründet er die Radiostation Russkaja slushba nowostej (dt. „Russischer Nachrichtendienst“), wo er auch als Moderator und Chefredakteur fungiert. Gleichzeitig versuchte Dorenko, auch im Internet Fuß zu fassen; zunächst als Blogger im LiveJournalLiveJournal ist ein Soziales Netzwerk, das Weblogs anbietet. Ursprünglich ein amerikanisches Unternehmen, wurde es 2007 vom russischen Unternehmer Alexander Mamut (geb. 1960) gekauft. Bis in die 2010er Jahre hinein war LiveJournal die am häufigsten genutzte Blogplattform Russlands., später ist er als Videoblogger auf Youtube und Instagram vertreten. Seine Spitznamen sind rasstriga (dt. „Abtrünniger“) und pastushok (dt. „Hirtenjunge“). 2014 wechselt Dorenko sowohl als Moderator als auch als Chefredakteur zum neugegründeten Radio Govorit MoskvaGovorit Moskva (dt. „Moskau spricht“) ist ein im Jahr 2014 von Sergej Dorenko gegründeter Radiosender. Mit aktuellen Nachrichten, Analysen und Reportagen wendet er sich vor allem an ein Publikum in der russischen Hauptstadt. Das Format ist interaktiv. Hörer können jederzeit per Telefon, SMS oder über die sozialen Netzwerke Nachrichten kommentieren oder Neuigkeiten mitteilen. Im Jahr 2015 erhielt der Sender die Auszeichnung „bestes Informationsradio“ der staatlichen Radio Station Awards. Generaldirektor ist Wladimir Mamontow (geb. 1952), der auch Vorsitzender des Direktorenrates der staatsnahen Komsomolskaja Prawda ist.  (dt. „Hier spricht Moskau“), das auch zu seiner letzten Station werden sollte.  

Auffallend ist, dass Dorenko in den letzten Jahren wieder von seinem Anti-Putin-Kurs abrückte. Nicht nur, dass er an Putins Inauguration am 7. Mai 2018 teilnimmt. Wie er Juri Dud berichtet, kaufte er sich auch eine Wohnung im Haus am UferDas Haus der Regierung ist ein von 1928 bis 1931 errichtetes Wohnhaus unweit des Kreml. Es liegt am Ufer des Flusses Moskwa und wird deshalb üblicherweise als das Haus an der Uferstraße (dom na nabereshnoi) bezeichnet. Es verkörpert die Geschichte der frühen Stalin-Ära wie kaum ein anderes Gebäude: Hier lebten mitunter die mächtigsten Menschen der Sowjetunion, unter anderem Minister, Mitglieder des Politbüros, Marschälle und Admiräle. Rund 800 Bewohner des Hauses fielen 1936 bis 1938 dem Großen Terror zum Opfer. Heute gilt das Gebäude als eine der besten Adressen Moskaus. Mehr dazu in unserer Gnose , mit direktem Blick auf den Kreml.10 Dieses Haus wurde in den 1920ern errichtet, um für Günstlinge der Sowjetmacht Luxuswohnungen im Moskauer Zentrum zur Verfügung zu stellen. Mit seiner Übersiedlung in dieses geschichtsträchtige Haus hatte es Dorenko – spät, aber doch – zumindest symbolisch wieder zurück ins Zentrum der russischen Macht geschafft.


1.Ostrovsky, Arkady (2017): The Invention of Russia: The Rise of Putin and the Age of Fake News, New York, S. 248 
2.Burrett, Tina (2011): Television and Presidential Power in Putin’s Russia, London/New York, S. 49 
3.Ostrovsky, S. 247 
4.Dorenko unterstützt Beresowski im Parlamentswahlkampf aktiv durch Wahlkampfauftritte und hilft ihm, einen Sitz als Abgeordneter der Republik Karatschai-Tscherkessien zu erlangen, vgl.: Colton, Timothy J./McFaul, Michael (2002): Popular Coice and Managed Democracy: The Russian Elections of 1999 and 2000, Washington, S. 269 
5.Ostrovsky, S. 249 
6.Youtube: vDud’ 2018: Dorenko – o russkom narode, Putine i  den’gach 
7.Youtube: Obschtschestwenno-polititscheskij kanal / RVISION 2014. Poslednaja peredatscha Dorenko na ORT (Schjostkaja kritika Putina po powodu  APL „Kursk“) 
8.Norris, Stephen M. (2012): Blockbuster History in New Russia: Movies, Memory, and Patriotism. Indianapolis (IN), S. 275 
9.YouTube: a. fomenko. Dorenko: “My posadim Putina w kletku” 
10.vDud’ 2018 
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Wladimir Solowjow (geb. 1963) ist einer der einflussreichsten Akteure der kremltreuen Medienwelt Russlands. Er profiliert sich vor allem als ein Scharfmacher, der gegen den Westen poltert und Liberale diffamiert. Gleichzeitig appelliert er aber auch oft an die Moral und traut sich sogar, dem Präsidenten unbequeme Fragen zu stellen. Magdalena Kaltseis über die Wandlungsfähigkeit des Talkmasters.

Dimitri Kisseljow

Der Journalist Dimitri Kisseljow spielt im gelenkten russischen Staatsjournalismus eine zentrale Rolle. 2008 wurde er Vizedirektor der staatlichen Medienholding WGTRK. Seit 2014 leitet er die staatliche Nachrichtenagentur Rossija Sewodnja.

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Selbstgedreht, 1987, Foto © Gennady Bodrov/The Lumiere Brothers Center for Photography (All rights reserved)