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Monumentale Propaganda

Ein Denkmal wird, so sagt man, nur zweimal wirklich wahrgenommen: Am Tag seiner Enthüllung und am Tag seines Sturzes. Dazwischen ist es unsichtbar. 

Als 1991 nach der Auflösung der SowjetunionDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. Read more in our Gnose eine Menschenmenge vor der LubjankaDer Lubjanskaja-Platz (Lubjanka) ist ein Platz im Zentrum Moskaus, an dem die Zentrale des russischen Inlandsgeheimdienstes FSB liegt. Im selben Gebäude hatten zuvor der sowjetische Geheimdienst KGB sowie seine Vorgängerorganisationen ihr Hauptquartier. Der Begriff Lubjanka wird in der Umgangssprache sowohl für den Platz als auch für die Organe der Staatssicherheit verwendet.  Read more in our Gnose medienwirksam eine Statue vom Sockel stürzte, musste sie mit Felix DsershinskiFelix Dsershinski (1877–1926) war ein russischer Revolutionär und sowjetischer Politiker. 1917 gründete er die WeTscheKa – eine Behörde für Staatssicherheit, deren Abkürzung Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage bedeutet. In den folgenden Jahren leitete er die Staatssicherheit bzw. das Innenministerium. Wie kaum ein anderer steht der Name Dsershinski für das sowjetische Machtinstrument des Staatssicherheitsdienstes, einer seiner Spitznamen lautete Eiserner Felix. Der Sturz seines Denkmals vor dem KGB-Gebäude an der Moskauer Lubjanka im Jahr 1991 gilt als eines der wichtigsten politischen Symbole der frühen 1990er Jahre. Vorlieb nehmen. Stalin-Statuen gab es schon seit 1962 nicht mehr. Wie es dazu kam …

Der Umgang mit Denkmälern nach ihrem Sturz gibt Auskunft über den Umgang mit der Vergangenheit, an die sie erinnern / Foto © Igor MukhinDie renommierte Literaturwissenschaftlerin Svetlana Boym bescheinigte den steinernen Gestalten verehrter Dichter und Denker die durchschnittliche Lebensdauer sowjetischer Männer von etwa 50 Jahren und spürte ihren nächtlichen und bedeutungsvollen Wegen durch Straßen und Hinterhöfe nach. Bedeutungsvoll, weil sie das Schicksal der Statuen in enger Beziehung zum Schicksal der Menschen sah. In den 1930er Jahren seien die Unliebsamen in Hinterhöfen verschwundenAls Großen Terror bezeichnet man die staatlichen Repressionen gegen die sowjetische Bevölkerung zwischen 1936 und 1938. Der Begriff wurde durch die gleichnamige Monographie des britischen Historikers Robert Conquest geprägt. Während des Großen Terrors wurden Schätzungen zufolge rund 1,6 Millionen Menschen verhaftet, etwa 680.000 von ihnen wurden zum Tode verurteilt. Die Repressionen erfolgten in mehreren Wellen. Waren zunächst vor allem hohe Parteikader betroffen, gerieten im Laufe der Zeit immer neue Gesellschaftsgruppen ins Visier der Sicherheitsorgane. Eine juristische Aufarbeitung dieser Verbrechen fand bis heute nicht statt. Mehr dazu in unserer Gnose , während für die Führer gegolten habe: je gigantischer die Statuen, desto geringer der Wert eines Lebens.1

„Im Stadtkern und in einigen Arbeitervierteln standen ganz frisch errichtete, meist aus Gips hergestellte Denkmäler berühmter Männer der Weltkultur und der russischen Vergangenheit, die sich um den Fortschritt verdient gemacht hatten. Viele Häuser trugen ebenfalls vor kurzem entstandene, in Kopfhöhe in die Straßenwand eingelassene Reliefs, die entweder in großen Buchstaben Grundideen des Sozialismus propagierten oder Szenen aus dem Befreiungskampf darstellten. Alle diese Denkmäler und Reliefs hoben sich stark vom Straßenbild ab und wurden dadurch besonders wirksam. Ich erfuhr, dass auch diese ‚Monumental-Propaganda‘, wie man damals sagte, auf eine Anregung LeninsNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen. Mehr dazu in unserer Gnose zurückging. Hier war der erste Versuch gemacht, die Künstler für eine unmittelbare Mitarbeit an der Verbreitung der sozialistischen Weltanschauung zu gewinnen.“2

Besetzung des öffentlichen Raums nach der Oktoberrevolution 1917

Lenin hatte die Bedeutung der symbolischen Besetzung von Raum und Zeit für die Machtsicherung erkannt. Am 12. April 1918 unterzeichneten Lenin, Stalin und der Kulturminister LunatscharskiAnatoli Lunatscharski (1875–1933) war ein russischer Journalist, Literatur- und Kunstkritiker, der nach der Oktoberrevolution 1917 das neu entstandene Volkskommissariat für Bildungswesen leitete und damit die Kultur- und Bildungspolitik der frühen Sowjetunion stark prägte. Er galt als enger Vertrauter Lenins. das Dekret über Monumentalpropaganda.3 Die BolschewikiDie Bolschewiki (dt. etwa: Mehrheitler) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki (dt. etwa: Minderheitler) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  führten einen neuen Festkalender ein, änderten die Namen von Straßen und Plätzen, stürzten Denkmäler und errichteten neue Monumente.4 In größter Eile sollten zum ersten Jahrestag der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. Mehr dazu in unserer Gnose neue Helden und Symbole geschaffen werden – die Sockel selbst wurden nicht gekippt, was sich eigentlich angeboten hätte. Aber die Bildhauerei hatte in Russland keine Tradition, da der Adel eher Tafelbilder in Auftrag gegeben hatte. Auch die Liste geeigneter Helden war umstritten. Lunatscharski entwarf schließlich ein demokratisches Verfahren: Entwürfe wurden in Gips und Lehm errichtet und dem Volk zur Begutachtung und Abstimmung überantwortet.5 Der Wettbewerb begann im Frühjahr 1918; bis die Skulpturen standen, war es September. Weil die Gebilde nicht wetterfest waren, litten sie unter dem nassen Herbstwetter. Auch ihre künstlerische Qualität war oft mangelhaft. Viele stießen auf wenig Gefallen und wurden durch Vandalismus verunstaltet oder zerstört.

Zum ersten Jahrestag der Oktoberrevolution wurden in aller Eile neue Helden und Symbole geschaffen / Foto © Igor MukhinEine konsequente Gestaltung öffentlicher Räume und eine einheitliche Formensprache entwickelten sich allerdings erst zu Beginn der 1930er Jahre: Mit dem Sozialistischen RealismusSozialistischer Realismus war seit den 1930er Jahren eine de facto staatlich verordnete Kunstrichtung, die jahrzehntelang die Kunstwelt der Sowjetunion und vieler anderer Ostblockländer prägte. In Kunst, Architektur und Literatur des Sozialistischen Realismus wurden häufig Alltagsszenen realisiert, in denen der Sowjetmensch – analog zur Staatspropaganda – als technikgläubig und optimistisch dargestellt wurde.    war eine einheitliche Kunstdoktrin installiert und staatliche Mittel wurden gebündelt. Die Richtlinien der Parteilichkeit, der Volkstümlichkeit und des Optimismus paarten sich mit dem Rückgriff auf eine klassische figürliche Formensprache.

Stalins Monumentale Propaganda

Anders als noch unter Lenin wurden die Stalin-Statuen bereits zu Lebzeiten aufgestellt. Stalin inszenierte sich zunächst als Erbe Lenins. Seine Herkunft war auf Plakaten und Reliefs als Erbfolge in Form einer Portrait-Reihe gestaltet: MarxEnde des 19. Jahrhunderts wurde Karl Marx in Russland zu einem der einflussreichsten Philosophen. Schon bald nach der deutschen Erstausgabe von 1867 gab es sein Kapital auch auf Russisch. Das Werk fand in Russland ein weitaus lebhafteres Echo als in Deutschland oder irgendwo sonst in Europa. Nach der Oktoberrevolution wurde ein vermeintlich texttreuer, dogmatischer Marxismus zu einer dominierenden und schließlich sogar absolut gesetzten Ideologie. Read more in our Gnose , Engels, Lenin, Stalin. Auf Plakaten und Gemälden war er zunächst hinter und neben dem lebendigen Lenin zu sehen und lernte von ihm. Dann geriet Lenin als Bild oder Skulptur in den Hintergrund und wurde immer kleiner. Schließlich verschwand er ganz und Stalin agierte bescheiden und väterlich inmitten seiner Getreuen. Nach dem gewonnenen KriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. Mehr dazu in unserer Gnose erschien Stalin losgelöst aus Kontexten, allein und monumental. 

Es gab kleine Stalins für den Alltag: Skulpturenfabriken produzierten hunderte von Stalin-Büsten und Statuen.6 Und es gab die Giganten. Sie monopolisierten den sozialen Raum. Ihre schiere Größe und Menge sollte dem Regime Glaubwürdigkeit verleihen und dessen „ewige“ Stabilität bezeugen. 

Die monumentalen Stalin-Statuen, Denkmäler und aufwendigen Reliefs, die in der zweiten Hälfte der 1930er Jahre entstanden, waren in sorgfältig gestaltete Landschaften und bauliche Ensembles eingebettet, in Großprojekte, die die stalinistische ModernisierungAls Industrialisierung der Sowjetunion wird der Übergang vom Agrar- zum Industriestaat bezeichnet. Er erfolgte in den Jahren 1929–1941, in dieser Zeit betrug das jährliche Wirtschaftswachstum rund drei bis sechs Prozent. Vor diesem Hintergrund hat sich in den 2000er Jahren eine Formel etabliert, die Stalin als „effektiven Manager“ darstellt. Stalin-Anhänger bringen sie vor, um die „Notwendigkeit“ der tiefgreifenden Reformen der 1930er Jahre zu unterstreichen, die letztendlich auch die „faschistische Gefahr“ gebannt hätten. Die Gegner dieser Formel betonen, dass Stalin über Leichen ging, um das Land zu industrialisieren.  vor Augen führten. Diese Ensembles waren klar abgegrenzte, von der Propaganda heftig beworbene Oasen im oft katastrophalen sowjetischen Alltag. Hierhin konnten sich die SowjetbürgerVom Idealmenschen zum untertänigen Opportunisten: Der einst utopische Begriff des Sowjetmenschen erfuhr nach der Perestroika eine komplette Umpolung. Soziologen erklären mit dem Phänomen die politische Kultur der UdSSR – aber auch Stereotypen und Überzeugungen von heute. Mehr dazu in unserer Gnose , die Erbauer des Kommunismus, nach Feierabend aus dem Schlamm der Baustellen, ihren überfüllten KommunalkaEine Kommunalka ist eine Wohnung, die gleichzeitig von mehreren Familien bewohnt wird. Die Wohnform nahm ihren Anfang nach der Revolution von 1917, als große Wohneinheiten wohlhabender Familien auf mehrere Familien aufgeteilt wurden. Anfänglich als Not- und Übergangslösung gedacht, etablierte sich die Kommunalka bald als permanenter lebensweltlicher Ausnahmezustand und soziale Instanz. Seit der Perestroika ist es das große Ziel eines Jeden, diese Wohnform gegen eine Einzelwohnung einzutauschen. Read more in our Gnose -Zimmern oder Arbeiterbaracken flüchten. Die prunkvolle Moskauer Metro mit ihren üppigen Säulenhallen brachte sie zum GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war der meistgedruckte sowjetische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen.Maxim Gorkis Paradox bestand darin, dass er seine moralische Autorität in den Dienst des Stalinismus stellte. Ulrich Schmid über den meistgedruckten sowjetischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Read more in our Gnose -Park für Kultur und Erholung, in die Allunions-LandwirtschaftsausstellungIn den 1930er Jahren als Landwirtschaftsausstellung in Moskau angelegt, wurde die Schau 1959 zur dauerhaften Ausstellung der Errungenschaften der Volkswirtschaft der UdSSR. Auf dem weitläufigen Gelände der WDNCh stellten sich die Teilrepubliken in Pavillons vor – es entstand ein idealtypisches Abbild des Staates im Kleinen. Nach dem Zerfall der Sowjetunion wurde das Areal zunächst als Vergnügungspark und für den Verkauf von Konsumgütern genutzt, bis es 2014 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Mehr dazu in unserer Gnose oder zum Flussbahnhof in ChimkiChimki ist eine Stadt an der nördlichen Grenze von Moskau, in der unter anderem Raketentriebwerke für die Sojus-Raketen gebaut werden. Bereits seit einigen Jahren wird über eine Eingemeindung Chimkis nach Moskau diskutiert. Zurzeit hat die Stadt rund 240.000 Einwohner., der Moskau über die Kanalbauten zum „Hafen von fünf Meeren“ machen sollte. Diese Orte waren wie Fenster, durch die sie in die wunderbare Zukunft blicken konnten. 

Parks, Sanatorien und Pionierlager waren ausgeschmückt mit lebensgroßen Statuen von SportlerInnen, Kindern oder Revolutionären / Foto © Igor MukhinDie Zukunftsinseln in den Großstädten und die SanatorienZu Zeiten der Sowjetunion waren Sanatorien, vor allem die an der Schwarzmeerküste auf der Halbinsel Krim, beliebte Kur- und Erholungseinrichtungen für die Bevölkerung. Für den Aufenthalt brauchte es ein ärztliches Attest, die Kosten trug der Staat. Noch heute sind die Einrichtungen beliebt, auch wenn sie inzwischen kostenpflichtig sind. Die Sanatorien und Kurorte sind in der russischen Literatur ein häufiger Topos: Menschen begegnen sich dort und erzählen Geschichten, die zu Binnenerzählungen werden. und PionierlagerDas Pionierlager Artek auf der Krim wurde 1925 erst als Sanatorium für Tuberkulosevorsorge eröffnet. Bereits in den 30er Jahren wurde das Lager zur Ikone stilisiert und ist zum Traumland und Wunschziel einiger Generationen der Pioniere geworden. Seit den 1960er Jahren verbrachten jeden Sommer insgesamt 20.000 Kinder ihre Ferien in Artek. Nach dem Zerfall der UdSSR wurde das Lager von der Ukraine weiterbetrieben und kam mit der Angliederung der Krim wieder unter russische Verwaltung. Mehr dazu in unserer Gnose auf der KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus. Read more in our Gnose waren üppig ausgeschmückt mit Reliefs und lebensgroßen antik anmutenden Statuen, SportlerInnen, Kindern oder kräftigen Revolutionären. Es waren Replica bekannter Formen, die in quasi-industrieller Produktion am Laufmeter produziert wurden. An zentraler Stelle, neben dem Moskau-Wolga-Kanal oder auf dem Gelände der Landwirtschaftsausstellung, überragte jeweils eine monumentale Stalin-Statue die Szenerie. Die Statuen zeigten Stalin als in sich ruhenden Kraftpol. Er hatte den Überblick und sah in die Zukunft.

Stalin selbst kontrollierte seine Abbilder. Die Statuen ähnelten sich alle, ganz gleich ob sie von Nikolaj Tomski, Sergej Merkurow, Alexander Kibalnikow oder anderen Künstlern stammten. Sie alle zeigten Stalin aufrecht stehend, den Mantel geöffnet, die rechte Hand im Revers der Uniformjacke, ein zusammengerolltes Papier in der Linken. 1951 wurde Tomski kritisiert, weil er einen lächelnden Stalin gewagt hatte.7  

Trotz der Einförmigkeit waren Stalin-Statuen ein gutes Geschäft. Eine kleine Gruppe von „Hofkünstlern“ unter der Leitung von Alexander Gerassimow monopolisierte zwischen 1939 und 1957 die Vergabe der Aufträge und die Festsetzung der Preise.8 Die Künstler kopierten ihre eigenen Statuen mehrfach, die multiplizierten Statuen bevölkerten verschiedene Städte. Künstler und Funktionäre teilten sich die so erzielten Gewinne.9 1953 kritisierte die Kulturabteilung des ZentralkomiteesDas Zentralkomitee (ZK) der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU) war das eigentliche Machtorgan der UdSSR. Es bestand unter anderem aus dem Politbüro, dem Sekretariat und dem Apparat des ZK. Der Apparat bündelte zum Teil dieselben Kompetenzen wie der Ministerrat der UdSSR – die formale Regierung des Landes. die mangelhafte Qualität der sowjetischen Bildhauerei und die Praxis der Replica, die dazu führte, dass in sowjetischen Städten immer die gleichen Statuen anzutreffen waren. 1954 wurden die finanziellen Unregelmäßigkeiten vom Kultusministerium aufgedeckt. Stalins Bildhauer-Kohorte Jewgeni Wutschetitsch, Nikolaj Tomski, Georgi Motowilow und Matwej Manizer hatte sich den Löwenanteil der Aufträge und Honorare gesichert.10

Stalin als Koloss

Um die Kolossalstatuen rankten sich Geschichten und Legenden, ganz gleich, ob sie umgesetzt wurden oder im Planstadium blieben wie der enorme Lenin, der den nie gebauten Palast der Sowjets krönen sollte. Diese Geschichten drehten sich um Fragen politischer Korrektheit – durfte man Lenin proportional verzerrt darstellen, damit er perspektivisch richtig wirkte? – oder um technische und terminliche Schwierigkeiten. 

 Stalin in Prag / CC-BY SA 3.0Die Stalin-Statue aus rosa Granit von Sergej Merkurow, die 1991 auf dem Moskauer Friedhof der gefallenen Helden auftauchte, soll eine Vorlage des Bildhauers aus dem Jahr 1937 für die 15 Meter hohe Kolossalstatue am Eingang des Moskau-Wolga-Kanals und für eine weitere auf dem Moskauer Theaterplatz gewesen sein.11 Der Legende nach hatte der Künstler die Statue nach der EntstalinisierungDie ersten Anzeichen einer Entstalinisierung zeigten sich bereits unmittelbar nach Stalins Tod 1953. Zentral dafür wurde jedoch erst die Geheimrede Nikita Chruschtschows, die er 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU hielt. Die Phase der Sowjetgeschichte, die als Tauwetter bekannt wurde, erlaubte eine deutliche Liberalisierung des Kulturbereichs und eine Abkehr von Repression und Gewalt. Read more in our Gnose in seinem Garten verscharrt.

Ebenfalls von Sergej Merkurow war der Stalin aus Eisenbeton vor dem Pavillon der Mechanisierung auf der 1939 eröffneten Landwirtschaftsausstellung. Auch hier gibt es eine Geschichte: „In die riesenhafte Stalin-Statue wurde das Modell eingelassen, nach dem sie errichtet worden war, da niemand es wagen konnte, dieses Modell zu vernichten.“12 Wie die Heiligen in den IkonenDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott. so war auch Stalin in seinen Abbildern als Modell gegenwärtig. Ein Angriff auf das Modell hätte ihm im magischen Denken Schaden zufügen können.

Nach 1945 wetteiferten zahlreiche Städte darum, Stalin durch möglichst große und prominent platzierte Monumente zu ehren. Anlässlich von Stalins 70. Geburtstag 1949 wurden allein in LeningradDie 1703 von Zar Peter dem Großen gegründete und nach seinem Schutzheiligen, Apostel Simon Petrus, benannte Stadt Sankt Petersburg wurde 1914 zum ersten Mal umbenannt. Sie hieß bis zu Lenins Tod im Jahr 1924 Petrograd. Dann wurde der Name zu seinen Ehren in Leningrad geändert. Seit 1991 heißt sie wieder Sankt Petersburg, umgangssprachlich meist Piter genannt. fünf Stalin-Statuen eingeweiht – eine symbolische Eroberung der Stadt Lenins.13 

In der armenischen Hauptstadt Jerewan wurde 1950 ein Siegespark eingeweiht, dessen gigantischer Stalin die Stadtsilhouette dominierte.14 Eine Initiative für eine Kolossalstatue gab es 1948 auch in der georgischen Hauptstadt Tbilissi. Das Monument sollte 80 Meter hoch sein und auf einem Berg 350 Meter oberhalb der Stadt stehen. Der Gigant gelangte dann aber nicht zur Ausführung.15 In Prag wurde 1955 eine immerhin 50 Meter hohe, weiße Marmorstatue enthüllt. Sie wog 17.000 Tonnen und soll die größte je errichtete Stalin-Statue gewesen sein.16

Der Bildersturm des TauwettersBefreiung vom Despoten, zarte Protestkultur und Poeten als Volkshelden: Die Zeit des Tauwetters in den Jahren nach Stalins Tod brachte eine Neudefinition des sowjetischen Lebens. Kultur und Politik erfuhren eine euphorische Phase der Liberalisierung. Doch schon mit der Entmachtung Nikita Chruschtschows setzte eine politische Restaurationsphase ein, die bis zur Perestroika andauern sollte. Heutzutage wird das Tauwetter oft nostalgisch verklärt, unter Historikern ist seine Deutung weiterhin umstritten. Read more in our Gnose

Unmittelbar nach der GeheimredeDie ersten Anzeichen einer Entstalinisierung zeigten sich bereits unmittelbar nach Stalins Tod 1953. Zentral dafür wurde jedoch erst die Geheimrede Nikita Chruschtschows, die er 1956 auf dem XX. Parteitag der KPdSU hielt. Die Phase der Sowjetgeschichte, die als Tauwetter bekannt wurde, erlaubte eine deutliche Liberalisierung des Kulturbereichs und eine Abkehr von Repression und Gewalt. Mehr dazu in unserer Gnose auf dem XX. ParteikongressVom 14. bis 25. Februar 1956 fand der XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der UdSSR statt. Er gilt als Anfang der sogenannten Tauwetter-Periode. Mit einer fünfstündigen Geheimrede initiierte Parteichef Nikita Chruschtschow eine Entstalinisierungskampagne. Chruschtschow kritisierte den Personenkult um Stalin und verurteilte die stalinistischen Säuberungen an Parteimitgliedern aufs Schärfste. 1956 gab es heftige Reaktionen an der Peripherie: In Tbilissi demonstrierten aufgebrachte Georgier gegen die Angriffe auf ihren Nationalhelden, in Budapest stürzte eine Menschenmenge die Stalin-Statue von ihrem Sockel. In der Sowjetunion waren die Menschen verunsichert: Sollte man Stalins Portraits abhängen? Zerstören?17 Viele Menschen warfen die Stalin-Bilder aus ihren Wohnungen, auch aus Büros und Klassenzimmern. In den 1950er Jahren wurden über einhundert Stalin-Statuen und -Reliefs aus der Moskauer Metro entfernt.18Angeblich klopften ehemalige GulagDer Begriff Gulag steht im weitesten Sinne für das sowjetische Lagersystem und damit für den Terror und den Repressionsapparat, den die kommunistische Partei der Sowjetunion zum Erhalt ihrer Macht aufbaute. GULag ist die Abkürzung für Hauptverwaltung der Erziehungs- und Arbeitslager. Diese Verwaltungsstruktur existierte von 1922 bis 1956 und unterstand dem sowjetischen Sicherheitsdienst. Read more in our Gnose -Häftlinge die Stalins aus den Wänden.19 
Aber spontane öffentliche Akte des Bildersturzes lösten bei den Parteioberen Unsicherheit und Ängste aus. Im April 1956 wurde in einem Bericht festgehalten, dass nach der Geheimrede zahlreiche Angriffe auf Bilder, Büsten und Statuen Stalins stattgefunden hatten. In Tallinn waren Bücher und Portraits verbrannt worden, vor der Bibliothek in Brest hatte ein Mann eine Stalin-Statue mit dem Hammer traktiert, und in Petrosawodsk war eine Statue mit Farbe beschmiert worden.20 Schon bald wurden Bilderstürmer, die man zunächst nur zur Ordnung gerufen hatte, strafrechtlich verfolgt, um jede Anarchie im Keim zu ersticken. Wer nun eine Stalin-Statue köpfte, wurde als Hooligan bestraft.21 

Gefallene Helden – die sowjetischen Ikonen wurden nach 1991 von ihren privilegierten Standorten entfernt / Foto © Igor MukhinDer XXII. Parteikongress 1961 sollte ChruschtschowsNikita Chruschtschow (1894–1971) war zwischen 1953 und 1964 Parteivorsitzender der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Er übernahm das Amt nach Stalins Tod, 1956 initiierte er mit seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Entstalinisierung des Landes. Chruschtschow betrieb ein massives Programm der Aufrüstung, dessen Auswirkungen als eine der Ursachen für die Kuba-Krise 1962 gelten. Seine Annäherung an die BRD sowie seine tiefgreifende Parteireform kosteten ihn viele Unterstützer in der KPdSU-Führung: 1964 wurde Chruschtschow gestürzt, sein Amt übernahm Leonid Breshnew. Vision des Kommunismus voranbringen, entwickelte sich dann aber zu einer „Orgie der Stalin-Kritik“.22 Diese gipfelte in dem symbolisch bedeutsamen Entscheid, Stalins einbalsamierten Leichnam aus dem Mausoleum zu holenNach Stalins Tod im Jahr 1953 wurde sein Leichnam einige Jahre neben Lenin im Mausoleum auf dem Roten Platz in Moskau aufgebahrt. Im Zuge der Entstalinisierung ließ Chruschtschow 1961 den Leichnam aus dem Mausoleum entfernen und auf dem Ehrenfriedhof hinter dem Mausoleum begraben., wo er an der Seite Lenins ruhteNach Lenins Tod im Januar 1924 entschied das Politbüro der Kommunistischen Partei, den Körper langfristig zu konservieren und in einem Mausoleum auszustellen. Lenins gegenwärtige Ruhestätte wurde sechs Jahre nach seinem Tod im Jahr 1930 fertiggestellt. Sie befindet sich an der Kreml-Mauer am Roten Platz in Moskau. Zu Zeiten der Sowjetunion wurde das Mausoleum zu einem der zentralen architektonischen Symbole des Landes und zum Mittelpunkt des Lenin-Kultes. Mehr dazu in unserer Gnose . In einer Nacht-und-Nebel-Aktion wurde er in einem Ehrengrab an der Kreml-Mauer beigesetzt. Dort liegt er noch heute.

In der Folge wurden die Stalinstatuen systematisch abgeräumt. Zahlreiche Betriebe und Institutionen, die Stalins Namen trugen, wurden umbenannt. Als aus Stalingrad WolgogradDie südrussische Stadt Wolgograd ist als Stalingrad durch das Inferno im Zweiten Weltkrieg in die Weltgeschichte eingegangen, hatte jedoch im Zarenreich einen anderen Namen tatarischen Ursprungs. Heute wird versucht, wieder stärker an die sowjetische Vergangenheit der Stadt anzuknüpfen, vor allem dadurch, dass die Stadt zu bestimmten Feiertagen wieder Stalingrad heißen darf. Mehr dazu in unserer Gnose wurde, gab es Widerstände wegen der historischen Bedeutung der Stadt im Großen Vaterländischen Krieg. Der Bildersturm war aber kein öffentliches Happening, sondern blieb auf eine kleine Elite beschränkt, die effizient und überaus diskret arbeitete. Die Bürger durften die Entfernung Stalins von den öffentlichen Plätzen fordern, aber nicht selbst Hand anlegen: Die Stalin-Statuen verschwanden ohne Ankündigung, auf geheimnisvolle Weise, meistens über Nacht.23 

Die Reaktionen waren auch jetzt ambivalent. Ein großes Stalindenkmal in Tbilissi wurde 1962 aus Angst vor Protesten während eines Fußballspiels per Helikopter abtransportiert, dann aber im Magazin des städtischen Museums verstaut.24 In Prag ordnete die Regierung die Sprengung des marmornen Giganten an. 800 Kilogramm Dynamit waren nötig, um den Koloss zu Kies zu machen, der dann in Lastwagen durch ein Spalier jubelnder Zuschauer abtransportiert wurde.25 

Noch heute liegt Stalin in einem Grab an der Kremlmauer, in das er 1961 umgebettet wurde / Foto © Igor MukhinAlle Stalins fielen. Aber es gab Ausnahmen. In Georgien war Stalin ein Volksheld, der berühmte Sohn des Landes, der die Sowjetunion in die Moderne geführt und die Faschisten besiegt hatte. In Stalins Geburtsstadt Gori wurde die Statue auf dem zentralen Platz erst 2010 entfernt,26 ungeachtet der Proteste der Kommunistischen Partei und der Stalin-Gesellschaft.27 Inzwischen steht sie wieder, im Park des Stalin-Museums, wo sie Igor MukhinDer Fotograf Igor Mukhin (geb. 1961) bewegte sich in der sowjetischen Rock-Szene der 1980er Jahre und hatte seine ersten Ausstellungen in der Sowjetunion und international während der Perestroika. Seine Langzeitprojekte befassten sich mit der Degeneration des sowjetischen Systems. Den gesellschaftlichen Zerfall studierte er unter anderem an sowjetischen Parkbänken. fotografierte. Diese Aufnahme aus dem Jahr 2017 zeigt sie in hellem Glanz. Stalin und die sowjetische Vergangenheit sind in der georgischen Gesellschaft ein strittiges Thema, das Verhältnis zu Russland ist schwierig. Aber auch in Russland ist Stalin für die einen Henker des eigenen Volkes, während die anderen ihn als Helden verehren. Er ist Teil des patriotischen Narrativs. In den letzten Jahren wurden über Hundert Gedenktafeln und Denkmäler zu seinen Ehren errichtet.28 

Der Umgang mit Denkmälern nach ihrem Sturz gibt Auskunft über den Umgang mit der Vergangenheit, an die sie erinnern: Die sowjetischen Ikonen wanderten nach 1991 von ihren privilegierten Standorten auf den zentralen Plätzen der Hauptstadt über die Müllhalde auf den „Friedhof der gefallenen Helden“. Hier lagen sie zunächst herum und wurden zur Touristenattraktion. Auf ihrer Wanderung durch die Stadt verloren sie Schuhe, Finger und Nasen, wurden beschmiert und angepinkelt. Nun lag Stalin neben Swerdlow, Kalinin, BreshnewLeonid Breshnew war von 1964 bis 1982 Vorsitzender der KPdSU und prägte als erster Mann im Staat fast zwei Jahrzehnte lang das Geschehen der Sowjetunion. Seine Herrschaft wird einerseits mit einem bescheidenen gesellschaftlichen Wohlstand assoziiert, gleichzeitig jedoch auch als Ära der Stagnation bezeichnet. Read more in our Gnose , einigen Lenins und dem „eisernen FelixFelix Dsershinski (1877–1926) war ein russischer Revolutionär und sowjetischer Politiker. 1917 gründete er die WeTscheKa – eine Behörde für Staatssicherheit, deren Abkürzung Außerordentliche Allrussische Kommission zur Bekämpfung von Konterrevolution, Spekulation und Sabotage bedeutet. In den folgenden Jahren leitete er die Staatssicherheit bzw. das Innenministerium. Wie kaum ein anderer steht der Name Dsershinski für das sowjetische Machtinstrument des Staatssicherheitsdienstes, einer seiner Spitznamen lautete Eiserner Felix. Der Sturz seines Denkmals vor dem KGB-Gebäude an der Moskauer Lubjanka im Jahr 1991 gilt als eines der wichtigsten politischen Symbole der frühen 1990er Jahre.“.29 Doch die Figuren erhoben sich überraschend schnell wieder, putzten sich heraus und gruppierten sich zur Darstellung von neuen Vergangenheitsversionen.30 Als die Moskauer Stadtverwaltung den Park 1996 aufräumte und die Statuen reinigte und restaurierte, stellte sie auch den liegenden Stalin wieder auf die Füße. Er wurde als Einziger in einem Arrangement mit Opfern des Terrors aufgestellt.31 Svetlana Boym deutete schon damals diese Wiederaufrichtung der Denkmäler im Park der Künste als symbolhaften Verweis auf den Umgang mit der sowjetischen Vergangenheit, deren Leitfiguren hier wieder auf ihre Sockel gestellt wurden.32 


1.Boym, Svetlana (2001): The Future of Nostalgia, New York, S. 89 
2.Kurella, Alfred (1967): Unterwegs zu Lenin: Erinnerungen, Berlin (Ost), S. 276-277, zit. nach: Kuntze, Klaus (Hrsg., 1980): Reise nach Moskau: Aufzeichnungen und Berichte, S. 1526-1972, Frankfurt/Main 
3.Tolstoy, Vladimir/Bibikova, Irina/Cooke, Catherine (Hrsg., 1990): Street art of the Revolution: Festivals and Celebrations in Russia 1918-33, London, S. 37 und Dmitrieva, Marina (2005): Dekorationen des Augenblicks im Massentheater der Revolution: Petrograd, Kiew und Witebsk 1918-1920, in: Bartetzky, Arnold/Dmitrieva, Marina/Troebst, Stefan (Hrsg.): Neue Staaten – neue Bilder? Visuelle Kultur im Dienst staatlicher Selbstdarstellung in Zentral- und Osteuropa seit 1918, Köln, S. 117-131 
4.Gaßner, Hubertus (1992): Sowjetische Denkmäler im Aufbau, in: Diers, Michael (Hrsg.): Mo(nu)mente. Formen und Funktion ephemerer Denkmäler, Berlin 1992, S. 153-178 
5.Bowlt, John E. (1978): Russian Sculpture and Lenin's Plan of Monumental Propaganda, in: Milton, Henry A./Nochlin, Linda (Hrsg.): Art and Architecture in the Service of Politics, Cambridge, Massachussetts, S. 182-192 
6.Plamper,Jan (2012): The Stalin Cult: A Study in the Alchemy of Power, New Haven, S. 184 
7.Kruk,Sergei (2008): Semiotics of visual iconicity in Leninist ‘monumental’ propaganda, S. 49-50, in: Visual Communication 7 (2008) 1, S. 27-56 
8.Kruk, S. 49-50 
9.Kruk, S. 50 
10.Kruk, S. 51 
11.Taylor, S. 46, Abb. bei Kruk, S. 42 
12.Ryklin, Michail (2003): Räume des Jubels: Totalitarismus du Differenz, Frankfurt/Main, S. 135 
13.Kruk, S. 35 
14.Lehmann,Maike (2011): Eine sowjetische Nation: Nationale Sozialismusinterpretationen in Armenien seit 1945, Frankfurt/Main, S. 118-120 
15.Kabachnik, Peter/Gugushvili, Alexi/Jishkariani, David (2015): A Personality Cult’s Rise and Fall: Three Cities after Khrushchev’s “Secret Speech” and the Stalin Monument that Never Was, S. 319-324, in: Region: Regional Studies of Russia, Eastern Europe, and Central Asia 4 (2015) 2, S. 309-26 
16.Kabachnik/Gugushvili/Jishkariani, S. 312 
17.Jones, Polly (2005): From the Secret Speech to the Burial of Stalin, S. 48, in: Jones, Polly (Hrsg.): Dilemmas of De-Stalinization, Abingdon-on-Themes, S. 41-63 
18.Kruk, S. 48 
19.Boym, S. 88 
20.Jones, S. 50 
21.Jones, S. 51 
22.Jones, S. 51 
23.Jones, S. 55-56 
24.Tomaszewski, Andrzej (1993): Zwischen Ideologie, Politik und Kunst: Denkmäler er kommunistischen Ära, in: Gamboni, Dario (Hrsg.): Bildersturm in Osteuropa: Die Denkmäler der kommunistischen Ära im Umbruch, Icomos Hefte des deutschen Nationalkomitees XIII, S. 29-34 
25.Kabachnik/Gugushvili/Jishkariani, S. 312 
26.Crawford, Dean (1990): History by Association, S. 55, in: Southwest Review, Vol. 75, No. 1, S. 55-71 
27.Bendtsen Gotfredsen,Katrine (2014): Void Pasts and Marginal Presents: On Nostalgia and Obsolete Futures in the Republic of Georgia, S. 246, in Slavic Review, Vol. 73, No. 2, S. 246-264 
28.Neue Zürcher Zeitung: Noch ist Stalin heiße Geschichte – Russlands Kampf mit einer Vergangenheit, die nicht vergehen will 
29.Brandon Taylor (2000): Later Soviet sculpture, S. 42, in: Third Text, 14:51, S. 39-50 
30.Forest,Benjamin/Johnson,Juliet (2002): Unraveling the Threads of History: Soviet-Era Monuments and Post-Soviet National Identity in Moscow, S. 536f., in: Annals of the Association of American Geographers,Vol. 92, No. 3, S. 524-547 und Boym, S. 79 
31.Forest/Johnson, S. 536 und Boym, S. 86 f. 
32.Boym, S. 89 
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Im engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion.

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