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Kulturmetropole in den nördlichen Weiten

In Totma im Norden Russlands, 1000 km östlich von Sankt Petersburg entfernt im Landesinneren, gibt es sechs Museen, zwei Volkstheater, zwei Kulturpaläste, einen Schachklub, ein Kinder-Kreativhaus, eine Musik- und eine Kunstschule. Und das alles für 10.000 Einwohner. An Feiertagen kommt die halbe Stadt zusammen, auf Premierenkarten hat man nie eine Chance, Vorführungen von Amateurkünstlern sind restlos ausverkauft, und alte Damen trainieren Biathlon. Ein Phänomen? Und ob!

Sergey Maximishin, zweimaliger Preisträger beim World Press Photo Award, hat die Stadt besucht, Les zeigt seine Fotoreportage.

Источник dekoder

Schiffsförmige Kirchen zur Rettung der Kaufmannsseelen. Uliza Lenina – Lenin Straße. Rechts: Kirche zum Einzug des Herrn in Jerusalem, heutzutage ein Museum. Links: Christi Auferstehungskirche, eine der zwei Kirchen in Totma, die noch in Betrieb sind. Fotos © Sergey Maximishin

In den 880 Jahren ihrer Geschichte erlangte die Stadt Totma zweimal den Gipfel des kommerziellen Erfolgs. Zunächst im 16. und 17. Jahrhundert, als die Salzförderung von Sol Wytschegodsk [heute Solwytschegodsk – dek] an ihrem Höhepunkt war und die Stadt Sol Totemskaja hieß. In den Salinen von Totma dampfte man aus unterirdischen Quellen gewonnene Sole ein – und die Stadtbevölkerung wurde reich. Totma war ein so wichtiger Ort, dass Zar Peter dreimal hier weilte und sich einmal sogar dazu herabließ, höchstselbst einen Eimer Sole aus dem Schacht zu ziehen.

Die fetten Jahre hielten an, bis Russland die Astrachaner Steppen mit dem dort befindlichen Salzsee Baskuntschak eroberte. Das Salz von Totma war im Vergleich aufwändig in der Gewinnung und daher nicht mehr attraktiv. Mit den Salinen ging es bergab. Fast wäre Totma verarmt. Jedoch, wie Wikipedia schreibt:

„ ... den Kaufleuten von Totma gelang es, neue Ertragsquellen zu erschließen und für einen nicht weniger eindrucksvollen wirtschaftlichen Aufschwung der Stadt zu sorgen. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts unternahmen die Kaufleute zahlreiche Expeditionen in den Osten: nach Sibirien, Fernost und an die Küste Amerikas. Handelsgesellschaften aus Totma machten rund 20 Forschungsreisen in den Pazifik – mehr als Konzerne aus Moskau, Wologda und Weliki Ustjug zusammengenommen.“

Iwan Kuskow aus Totma gründete – am südlichsten Punkt Russisch-Amerikas – Fort Ross, in Kalifornien. Zur Erinnerung daran sind Fort Ross und Totma heute Partnerstädte. Die Kaufleute kehrten von ihren Seefahrten mit Pelzen zurück, als besonders wertvolle Beute galt das Fell des Silberfuchses, der nur in Amerika lebte. Von den Einnahmen ließen die Kaufleute zur Rettung ihrer Seelen schiffsförmige Kathedralen bauen.

Kirow Straße. Kirche zum Einzug des Herrn in Jerusalem – die größte Schiffs-Kirche von Totma, erbaut von reichen Kaufleuten vom Verdienst ihrer erfolgreichen Seefahrten Richtung Osten. Die Kirchenmauern sind verziert mit Kartuschen, dem charakteristischen Bauelement des sogenannten Totmaer Barock

Gesichter schauen durch Krusten abblätternder Ölfarbe, die Restaurierung der Fresken ist noch lange nicht vollendet – im Gebäude der Kirche zum Einzug des Herrn in Jerusalem war zu Sowjetzeiten eine Weinkellerei untergebracht. Heutzutage ist in den beheizbaren Teil das Seefahrts-Museum eingezogen  Der Sommerflügel wurde an die Kirche zurückgegeben

Ab Beginn des 19. Jahrhunderts entwickelte sich Totma zu einem ruhigen Provinzstädtchen. Ohne Höhenflüge, aber – Gott sei Dank – auch ohne nennenswerte Abstürze. Aus den letzten zwei Jahrhunderten sind ein paar solide Steingebäude geblieben. In einem davon befindet sich jetzt das Polytechnische Lyzeum, in einem anderen, dem ehemaligen Gebäude der Handwerkerschule Peter der Große, die Mittelschule.

Die Tür der Schule Nr. 1, untergebracht in einem edlen dreistöckigen Steingebäude, früher die Handwerksschule Peter der Große, in der junge Menschen lernten, aus dem Holz der Gegend Spielzeug zu fertigen – auf Kosten des Kaufmanns Tokarew

Unter den Romanows wurden politische Gegner nach Totma verbannt. Berühmte Verbannte waren der Narodnik Lawrow sowie die Revolutionäre Molotow und Lunatscharski. Auf seinem Weg nach Solwytschegodsk verbrachte auch Stalin drei Tage in Totma.

Im Heimatkundemuseum – Stalin war einst auf der Durchreise in Totma

In der Sowjetzeit wurde auf dem Klosterareal eine Sportschule gebaut, die bis heute in Betrieb ist. In einer der Kirchen wurde eine Weinkellerei eingerichtet, in einer anderen ein Kino. Später wurde das Kino dem Städtischen Kulturzentrum übergeben. Damit begann auch meine Bekanntschaft mit der Kulturanomalie Totmas.

In der Maske

Ende Februar/Anfang März ist in Totma kulturelle Hochsaison: 23. Februar, 8. März, und dazwischen noch die Masleniza. Nonstop laufen Proben: Duette und Soli, Tanzensembles, Blasorchester. Kostüme werden genäht und ein letztes Mal anprobiert, und auf die Bühne darf man nur gemäß Belegungsplan.

Blasorchesterprobe im Gewölbe der Christi-Erscheinungskirche, der größten Kirche des alten Totma. Der Leiter des Zentrums sagt voller Stolz: „Unser Blasorchester ist das einzige im Osten der Wologdaer Oblast!”

Die Tanzgruppe „To li delo" (dt. sinngemäß „Mit Abstand am besten!”)

Die Tanzgruppe beim Maßnehmen

Das mehrfach preisgekrönte Kollektiv „Romaschki” (Die Kamillenblüten)

Probe der Kamillenblüten

Am Tag des Konzerts dann ein Unglück – es war schlagartig warm geworden, vom Dach lief das Wasser in Strömen. Es überschwemmte die Garderobe und das Büro der Direktorin Swetlana Cholmogorowa. Die Besucher trudelten bereits ein, während die Belegschaft die nasse Bühnenkleidung auf den Heizkörpern verteilte.

Tauwetter

Hinter den Kulissen – gleich geht es auf die Bühne

Wer wird denn da schmulen ...

Der Saal rappelvoll, das Publikum feingemacht, Blumen und Applaus – am Abend wird dann alles wie auf der großen Bühne 

Die leisesten Bewohner des Kulturzentrums sind die Schachspieler. Mit der für die Region Wologda typischen o-lastigen Aussprache tröstet der Amateurtrainer einen kleinen Verlierer: „Och, wer ist denn schuld? Selbst schuld, kleiner Hornochs! Hast deinen Sieg vertrottelt! Wieso hast du denn nicht mit dem Läufer die Dame gefressen?“

Tief versunken

Hochstapler beim Schach?

In Totma gibt es sechs Museen. Manche wirken eher wie Wanderausstellungen, aber trotzdem; alles zusammen heißt Museumsverband. Die Verbandsleitung sitzt im Heimatkundemuseum. Dort wohnt auch der Motor und Direktor des ganzen Betriebs Alexej Nowosjolow.

Ausstellung zum Internationalen Frauentag

Wo der Bär zu Hause ist

Bestände

Der Stolz des Museums: die Sammlung hölzerner Altarskulpturen

Für die Musikschule reicht in dem einen Gebäude der Platz nicht. Gitarre und Akkordeon werden auf der anderen Straßenseite unterrichtet. Die Musikschule hat auch keinen eigenen Konzertsaal. Und noch ein Problem: Vor einem halben Jahr ist die Geigenlehrerin nach Wologda gezogen und es gibt in Totma keinen Ersatz für sie.    

Ein etwa zehnjähriges Mädchen lernt Domra. Die Lehrerin streichelt ihr sanft über den Kopf. Und fragt mich:

„Sieht sie nicht aus wie Serafima?“
„Welche Serafima?“
„Was heißt, welche?! Die Schöne Serafima! Aus der Serie. Die kennen sie doch?“
„Nein“, sage ich, „kenn ich nicht. Ich habe keinen Fernseher.“
„Wie leben Sie denn? Die müssen Sie unbedingt sehen! Da geht es um eine Frau, die ihr Schicksal selbst in die Hand nimmt!“

Die Lehrerin hat das Mädchen im Chor der Sonntagsschule gehört und sie dann gefragt, ob sie Unterricht nehmen will. „Serafimas“ Mutter sagte, sie könne keine 400 Rubel [5,60 Euro – dek] im Monat bezahlen (das ist in Totma, wo das Durchschnittsgehalt niedriger ist als die Durchschnittsrente, viel Geld), und erst recht nich könne sie ein Instrument kaufen. So bekommt das Mädchen gratis Unterricht. Sie kam in eine Klasse für Volksmusikinstrumente – Domren und Balalaikas sind in der Schule ausreichend vorhanden.

In der Musikschule: Notenlinie oder Garderobe? Notenschlüssel oder -schloss?

Der Chor probt das Lied „Kinder lieben Jazz

„Ein zehnjähriges Mädchen lernt Domra. Die Lehrerin streichelt ihr sanft über den Kopf: ‘Sieht sie nicht aus wie Serafima?'“

Doo Reee Miii …

Klavierunterricht am Nachmittag

Kleines Blockflöten-Trio

In Totma gibt es zwei Volkstheater, die in Konkurrenz zueinander stehen. Swetlana Samodurowa, Regisseurin am Volkstheater des Jugendkulturtheaters Totma, sagt, ihr Theater blicke auf 140 Jahre ununterbrochene Geschichte zurück. Derzeit proben sie Wölfe und Schafe von Ostrowski. Ein Mäzen von hier hat dem Theater 10.000 Rubel [140 Euro – dek] gegeben, für dieses Geld konnten für alle Schauspieler des Stücks Kostüme genäht werden. 

Erste Anprobe

Kindergarten. Frühe Spuren von Kultur an der Fassade

In der Kunstschule gibt es vier Klassen Basisunterricht und eine fünfte, zur Vorbereitung auf die Aufnahmeprüfung an der Kunsthochschule.

Malklassen

Maler und Musen

Vor der Revolution war Totma berühmt für sein Holzspielzeug, man nannte die Stadt sogar „russisches Nürnberg“. 

Antike Totmaer Spielzeugfiguren aus Pappmaché

Das ist Nadeshda Schulga und ihr Hündchen. Nadeshda war einst Erzieherin im Kindergarten und ist jetzt Hobbykünstlerin mit besonderer Handschrift: Sie bewahrt die Tradition und arbeitet mit Pappmaché

Swetlana, die Direktorin des Städtischen Kulturzentrums, hat zur Masleniza Mütterchen Winter gespielt. Von ihr war auch das Drehbuch für die dreistündige Aufführung. Das Budget dafür betrug 3000 Rubel [ca. 42 Euro – dek]. Die ganze Stadt war auf dem zentralen Torgowaja-Platz versammelt. Dem Publikum wurde (im direkten und übertragenen Sinn) drei Stunden lang ordentlich eingeheizt. Von den typischen Masleniza-Bräuchen fehlten nur die „Pfosten mit Stiefeln”. Offenbar hatte das Budget dafür nicht gereicht.

Masleniza-Feier auf dem zentralen Platz der Stadt

Hobbyschauspieler hinter den Kulissen des Straßentheaters zur Masleniza. Der schwarze Fuchs ist das Wappentier von Totma. Im Jahr 1785 erließ Katharina die Große ein Dekret – Totma erhielt ein Wappen mit einem schwarzen Fuchs auf goldenem Grund: „Als Zeichen, dass die Bewohner der Stadt Fuchsjagd betreiben“

Fürs Masleniza-Fest haben die Mitglieder des örtlichen patriotischen Klubs zur Freude der Bürger einen Schießstand organisiert

„Dem Publikum wird (im direkten und übertragenen Sinn) drei Stunden lang ordentlich eingeheizt”

Als Lunatscharski von seiner Verbannung in Totma zurückkehrte, erzählte er:

„Totma ist ein bezauberndes, schmuckes Städtchen, mit Kirchen im Rokoko-Stil, am Ufer eines riesigen Flusses gelegen, hinter dem sich dunkle Wälder erstrecken. Unweit der Stadt befindet sich ein Kloster, zu dem man im Schlitten durch silberne Winterwälder fahren kann und wo man mit Brot, Kwas und Ucha bewirtet wird, wie ich sie nie zuvor und nie danach je genossen habe ... Ich habe Totma in Erinnerung wie ein Wintermärchen, wie eine Kulisse für Snegurotschka.“

Ich bin nicht im Schlitten zum Kloster gefahren, habe die Suppe nicht probiert. Doch Kwas und Brot sind in Totma immer noch köstlich. Und die Wirkung der Stadt ist ungefähr immer noch die gleiche.

 

Text und Fotos: Sergey Maximishin
Übersetzung: Ruth Altenhofer
Erschienen am 15.02.2018

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Akademie der Künste in St. Petersburg

Am Ufer der Newa in St. Petersburg, gegenüber der Admiralität, erhebt sich die imposante Prunkfassade der Kaiserlichen Akademie der Künste. Seit ihrer Gründung im Jahr 1757 war sie nicht nur die maßgebliche Ausbildungsstätte für angehende Künstler, sondern nahm auch in kulturpolitischen Belangen wichtige Funktionen war und prägte über viele Jahre den Geschmack und das ästhetische Empfinden in Russland. Die lange unangefochtene Monopolstellung der Akademie stellten erstmals die Peredwishniki in der Mitte des 19. Jahrhunderts in Frage, als sie sich gegen den starren Formen- und Themenkanon der akademischen Ausbildung auflehnten.

Die Gründung der Kaiserlichen Akademie der Künste ist eine Folge der historischen Umbrüche, die Russland zu Beginn des 18. Jahrhunderts erfassten: Unter Peter dem Großen sollten Staatswesen, Wissenschaft und eben auch die Künste modernisiert werden. Die Kunstproduktion Russlands reagierte auf diese Entwicklungen. Statt der jahrhundertalten Ikonenmalerei war nun eine weltlichere Kunst gewünscht, die der Ausstattung der schnell wachsenden Kapitale sowie der Selbstdarstellung des Adels dienen sollte. Eine Kunstakademie, wie sie bereits in Italien, Frankreich oder Holland bestand, sollte die entsprechenden Künstler hervorbringen.
In unmittelbarer Nähe der ebenfalls noch jungen Akademie der Wissenschaften entstand ab 1764 der klassizistische Bau für die Kaiserliche Akademie der Künste nach einem Entwurf von Alexander Kokorinov und Jean Baptiste Vallin de la Mothe. Wie alle europäischen Kunstakademien war auch die in St. Petersburg durch straffe Organisation, systematische Ausbildung und strikte Regularien geprägt. Der Akademie stand ein Mitglied der Zarenfamilie vor; ihre Aktivitäten wurden von der staatlichen Zensur überwacht. Die künstlerische Ausbildung folgte einem strengen Curriculum. Bereits im Kindesalter wurden die Schüler aufgenommen und durchliefen eine 10- bis 15-jährige Ausbildung, bei der auf das Zeichenstudium besonderer Wert gelegt wurde. Der Klassizismus mit seinem idealschönen Menschen- und Naturbild war die tonangebende Manier. Eine Spezialbibliothek zur Kunst und Architektur diente der theoretischen Unterweisung; die umfangreiche Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen als Anschauungs- und Lehrmaterial. Es gab ein System von Medaillen und Ehrungen, denen Wettbewerbe und Juryentscheide vorausgingen. Auch Auslandsstipendien wurden vergeben. Wichtige Künstler, die aus den Reihen der Akademiki hervorgingen, waren Dmitri Lewizkij (1735 – 1822), Orest Kipresnkij (1782 – 1863) Fjodor Bruni (1799 – 1875) und Karl Brüllow (1799 – 1852).

Die imposante Fassade der Kaiserlichen Akademie der Künste am Ufer der Newa - Foto © Alex 'Florstein' Fedorov unter CC BY 4.0
Die Akademie bildete Graphiker, Architekten und Bildhauer, vor allem aber Maler aus. Für die einzelnen Gattungen der Malerei bestand eine strenge Hierarchie: Die bedeutendste Gattung war die Historienmalerei, der sich das Portrait, schließlich die Landschaftsdarstellung, das Stillleben und das Genrebild unterordneten. Die großformatigen Historiendarstellungen in Feinmalerei zeigten biblische Motive oder Darstellungen der hellenistisch-römischen Mythologie, aber nur selten Szenen der eigenen Geschichte. Darüberhinaus war das Portrait eine beliebte Gattung. Prachtvoll gewandet ließen sich die russischen Gräfinnen und Fürsten im Stil der absolutistischen Herrscher Europas mit ihren Machtinsignien darstellen.
Die Produktion der Akademie in St. Petersburg gleicht damit der akademischen Kunst anderer europäischer Länder; es lassen sich keine markanten Kennzeichen eines nationalen Stils ausmachen. Dieses Epigonentum wurde den Akademiki ebenso vorgeworfen, wie der beinahe militärische Drill, der die Ausbildung prägte und eine freie geistige Entfaltung der angehenden Künstler unterdrückte. So erschienen die Absolventen der Kunstakademie den Spöttern mehr als Staatsdiener denn als autonome Künstlergenies. Die Künstler waren auf die Aufträge des Adels angewiesen, ihre Werke reflektieren daher unweigerlich deren Anschauungen und Geschmack. Erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts machte ein bürgerliches Mäzenatentum ein unabhängiges künstlerisches Schaffen ökonomisch möglich.

1863 rebellierte eine Gruppe von Studenten gegen die strengen Vorgaben der Akademie und gründete wenige Jahre darauf die Gesellschaft der Peredwishniki. Als Reaktion auf diese Secession sowie den generellen gesellschaftlichen Wandel wurde die Akademie 1893 reformiert. Mit Ilja Repin und Iwan Schischkin wurden sogar Mitglieder der Peredwishniki in den Rat und die Lehrwerkstätten der Akademie aufgenommen, um die konservative Institution an die Bedürfnisse der Gegenwart anzupassen.
Als nach der Russischen Revolution 1917 viele der avantgardistischen Künstler in kulturpolitische Ämter berufen wurden, war eines ihrer dringlichsten Anliegen die Umgestaltung der künstlerischen Ausbildung. 1918 wurde die Kaiserliche Akademie der Künste aufgelöst und zu einer der Freien Staatlichen Kunstwerkstätten, den SWOMAS, umgewandelt. In den 1920er Jahren war aber nicht mehr St. Petersburg das Zentrum für die künstlerische Ausbildung, sondern Moskau. Die dort gegründeten Höheren Künstlerisch-Technischen Werkstätte, die WChUTEMAS, an denen auch Wassily Kandinsky und Kasimir Malewitsch unterrichteten, wurden zum Ausgangspunk eines progressiven Kunstverständnisses.
 

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