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Haus der Regierung

Das Haus der Regierung (auch: Haus an der Uferstraße) ist ein Gebäude im Zentrum Moskaus gegenüber dem Kreml. Es ist sowohl architektonisch als auch politisch-historisch bedeutsam und verkörpert die Geschichte der frühen Stalin-Ära wie kaum ein anderes Gebäude.

Das Haus der Regierung wurde 1928–1931 für die sowjetische (Partei-)Elite errichtet. Es befindet sich auf der Bolotnaja-Insel westlich des Bolotnaja-PlatzesDer Bolotnaja-Platz befindet sich zwischen dem Kreml und dem alten Kaufmannsviertel Samoskworetschje im Zentrum Moskaus. Er hat im Mittelalter zunächst als Handelsplatz gedient, später kam ihm immer wieder eine wichtige politische Bedeutung zu, zuletzt während der Proteste gegen die Regierung in den Jahren 2011/12. und südwestlich des Kremls. Erbauer des mehr als 3 Hektar großen Gebäudekomplexes direkt am Ufer der Moskva war Boris Iofan, der auch den Palast der Sowjets entworfen hatte.

Das Haus der Regierung gilt als Prototyp sowjetischer Architektur und ist im Stil des späten Konstruktivismus erbaut. Das damals größte Wohngebäude Europas mit mehr als 500 Wohnungen, die ebenfalls im konstruktivistischen Design ausgestattet wurden, symbolisierte den Aufbruch in die sowjetische Moderne. Ursprünglich sollte die Fassade mit rotem Granit versehen werden, um mit dem Kreml ein Ensemble zu bilden. Dies wurde jedoch nicht realisiert, und in seinen dunkelgrauen Tönen wirkte das zwölfstöckige Gebäude, zumal im Jahr der Fertigstellung die gegenüberliegende Christ-Erlöser-KathedraleDie Christ-Erlöser-Kathedrale steht am linken Ufer der Moskwa in unmittelbarer Nähe zum Kreml. Sie wurde als Denkmal des Sieges über Napoleon konzipiert und entwickelte sich zum zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche. In den 1930ern wurde die Kathedrale gesprengt, in den 1990ern originalgetreu wieder aufgebaut. Ihre Rolle im heutigen Russland ist dabei weiter kontrovers: Den Status als Heiligtum der Orthodoxie hat die Christ-Erlöser-Kathedrale längst wiedererlangt – verkörpert jedoch zugleich das enge Band zwischen Staat und Kirche. gesprengt wurde, wie eine emporragende Trutzburg.

Die zwölfstöckige Trutzburg ist ein beliebtes Wohnhaus. Blick auf den Kreml inklusive.

Die handverlesenen Bewohner lebten für damalige Verhältnisse im Luxus: Die großen Appartements (bis zu 200m2) verfügten über fünf Meter hohe Decken, Telefonanschlüsse, Gasherd sowie Aufzüge; es gab einen eigenen Kindergarten, eine Kantine, eine Bibliothek, und auch das legendäre Kino Udarnik befand sich im Komplex.

Das Haus der Regierung wurde nicht nur bewundert, sondern auch gefürchtet: Die zahlreichen berühmten Bewohner, darunter Nikita ChruschtschowNikita Chruschtschow (1894–1971) war zwischen 1953 und 1964 Parteivorsitzender der Kommunistischen Partei der Sowjetunion (KPdSU). Er übernahm das Amt nach Stalins Tod, 1956 initiierte er mit seiner Geheimrede auf dem XX. Parteitag der KPdSU die Entstalinisierung des Landes. Chruschtschow betrieb ein massives Programm der Aufrüstung, dessen Auswirkungen als eine der Ursachen für die Kuba-Krise 1962 gelten. Seine Annäherung an die BRD sowie seine tiefgreifende Parteireform kosteten ihn viele Unterstützer in der KPdSU-Führung: 1964 wurde Chruschtschow gestürzt, sein Amt übernahm Leonid Breshnew., Georgi Schukow und die Kinder Stalins, standen unter totaler Kontrolle: Sie wurden ständig überwacht, ihre Telefone wurden abgehört, die Hausschlüssel mussten beim Verlassen abgegeben werden und es gab spezielle Geheimwohnungen für den NKWDNarodny komitet wnutrennych del (dt. Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten) war von 1934 bis 1946 der Name des sowjetischen Innenministeriums. Zusätzlich zu den normalen Polizeieinheiten war das NKWD auch für die Geheimpolizei zuständig und daher verantwortlich für zahllose Verbrechen gegen wirkliche oder vermeintliche „Konterrevolutionäre“. Das Ministerium koordinierte außerdem das Straflagersystem GULag.. Mehr als ein Drittel der Bewohner wurden unter der Terrorherrschaft Stalins verbannt oder ermordet, 1938 stand daher die Hälfte der Wohnungen leer. Exemplarisch für die dunkle Vergangenheit des Hauses ist die Geschichte von Alexei Rykov, der als Ministerpräsident den Bau des Gebäudes persönlich überwachte, als einer der ersten einzog und 1938 schließlich als Konterrevolutionär exekutiert wurde.

Aufgrund der düsteren Geschichte sowie zahlreicher Legenden – es heißt, beim Bau sei man auf Gebeine der Exekutierten vom naheliegenden Bolotnaja-Platz gestoßen1 – erhielt das Haus im Laufe der Zeit zahlreiche inoffizielle Namen, u. a. Haus der Erschießungen, Krematorium/Friedhof des Kremls, Mausoleum am Ufer. Aus dem „Paradies für Auserwählte“ wurde eine „Hölle für alle“.2

Im neueren Sprachgebrauch hat sich der Begriff Haus an der Uferstraße etabliert. Er stammt aus der gleichnamigen Novelle des Schriftstellers Juri Trifonow, einem ehemaligen Hausbewohner, der den angsterfüllten Alltag im Haus beschrieb. Heute befinden sich unter anderem das Haus der Russischen Presse sowie ein Museum zur Geschichte des Hauses im denkmalgeschützten Gebäudekomplex. Aufgrund seiner zentralen Lage mit Blick auf den Kreml ist es auch als Wohnhaus beliebt.


1.Gazeta.ru: Dom na nabereshnoi
2.Bolschoi gorod: „Choteli postroit raj dlja isbrannych, a polutschilsja ad dlja wsech“. (Zitat von Olga Trifonowa, Leiterin des Museums im Haus der Regierung)
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Der Bolotnaja-Platz befindet sich zwischen dem Kreml und dem alten Kaufmannsviertel Samoskworetschje im Zentrum Moskaus. Er hat im Mittelalter zunächst als Handelsplatz gedient, später kam ihm immer wieder eine wichtige politische Bedeutung zu, zuletzt während der Proteste gegen die Regierung in den Jahren 2011/12.

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Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)