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Michail Prochorow

Prochorow gilt als typischer Vertreter der politisch gut vernetzten russischen Superreichen, die in den 1990er Jahren mit zwielichtigen Firmenübernahmen ein Vermögen machten. Im Jahr 2011 betrat er überraschend die politische Bühne. Mit seiner Kandidatur für die Präsidentschaftswahl – von einigen als Projekt des Kremls betrachtet – erzielte er auf Anhieb ein Ergebnis von 8 % der Stimmen.

Michail Prochorow (geboren 1965 in Moskau) studierte internationale Wirtschaftsbeziehungen – nach eigenen Angaben, weil er weder den Naturwissenschaften noch der Philosophie besonders zuneigte.1 Nach ersten Erfolgen während der PerestroikaIm engeren Sinne bezeichnet Perestroika die politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umgestaltung, die auf Initiative von Michail Gorbatschow ab 1987 in der Sowjetunion durchgeführt wurde. Politische Öffnung und größere Medienfreiheit führten bald dazu, dass sich die Forderungen nach Veränderung verselbständigten – obwohl die Reformen neben viel Hoffnung auch viel Enttäuschung brachten. Die Perestroika läutete einen unaufhaltsamen Prozess des Wandels ein und mündete im Ende der Sowjetunion. gründete er mit Wladimir Potanin 1992 die Interros-Holding. Interros und Potanins ONEKSIM-Bank genossen privilegierten Zugang zur Privatisierung von Staatsbetrieben, da Potanin erstens als stellvertretender Regierungschef die Privatisierung selbst koordinierte und zweitens die ONEKSIM-Bank ein wichtiger Kreditgeber des chronisch unterfinanzierten russischen Staatsbudgets war.

Interros und die ONEKSIM-Bank, der Prochorow ab 1993 vorstand, konnten so in den 1990er JahrenDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. mehrere Staatsbetriebe weit unter Marktwert erwerben. Prochorows breites Portfolio umfasst heute sowohl Medien (er kontrolliert u. a. die Mediengruppe RBС2) als auch Anteile an Rohstoffkonzernen. Der Konzern Norilsk Nickel entwickelte sich unter seiner direkten Führung bis 2007 zu einem hochprofitablen Unternehmen, das heute überdurchschnittliche Löhne zahlt. Trotz dieser Erfolgsgeschichte hängt Prochorow noch immer das Image eines skrupellosen OligarchenAls Oligarchen werden Großunternehmer bezeichnet, die starken Einfluss auf die Politik nehmen. In Russland, aber auch in anderen Staaten der ehemaligen Sowjetunion, in denen Wirtschaft und Politik sehr eng verwoben sind, stellen sie ein zentrales Charakteristikum des politischen Systems dar., eines Repräsentanten des Raubtier-Kapitalimus der 1990er Jahre an.

Der öffentlich wahrnehmbare Teil von Prochorows Lebensstil, dessen Vermögen laut Forbes etwa 8,3 Milliarden US-Dollar beträgt3, stützt dieses Image zumindest teilweise. So wurde er im Jahr 2007 im französischen Nobel-Skiort Courchevel von der Polizei festgehalten, die ihm vorwarf, für seine Freunde Prostituierte eingeflogen zu haben. Das Verfahren wurde später eingestellt. Trotz seiner Vorlieben für teure Clubs und extravaganten Urlaub betont Prochorow oft, dass Reichtum zu sozialer Verantwortung verpflichte. Er engagiert sich mit einer Stiftung für die Stärkung von Kultur und Wissenschaft in den russischen Regionen und fördert als begeisterter Sportler mehrere russische Sportvereine.4

Foto © A.Savin unter CC BY-SA 3.0Prochorows Einstieg in die Entwicklung eines in Russland produzierten Hybrid-Kleinwagens (Yo-Mobil) galt als PR-Gag, der seine beginnenden politischen Ambitionen unterstützen sollte. Im Juni 2011 übernahm er unerwartet für wenige Monate den Vorsitz der marktliberalen Sammelpartei Rechte Sache – Experten zufolge ein vom Kreml-Strategen Wladislaw SurkowWladislaw Surkow, den man zuweilen auch als „Putins Rasputin“, „Graue Eminenz im Kreml“ oder „Chefideologen des Landes“ bezeichnet, ist seit 1999 maßgeblich an den Public-Relations-Strategien des Kremls und der Organisation von Putins Wahlkampagnen beteiligt und fungierte darüber hinaus für Lobbygruppen als wichtiger Ansprechpartner in der Regierung. angestoßenes Projekt zur Diversifizierung des kontrollierten politischen Angebots.5 Infolge der Massenproteste gegen Einiges RusslandDie Partei Einiges Russland ist der parlamentarische Arm der Regierung. Ihre Wurzeln entstammen einem Machtkampf zwischen Jelzin und seinen Herausforderern im Jahr 1999. Danach entwickelte sie sich schnell zu einer starken politischen Kraft: Seit 2003 hat sie eine absolute Mehrheit der Parlamentssitze inne. Obwohl sie durchaus eine Stammwählerschaft entwickelt hat, verdankt sie ihren Erfolg zu großen Teilen Putins persönlicher Beliebtheit. erklärte Prochorow eine Woche nach den Parlamentswahlen im Dezember 2011 seine Kandidatur für die Präsidentschaftswahlen 2012 – etwa 35 % der Bevölkerung waren jedoch überzeugt, er sei ein vom Kreml kontrollierter Scheinkandidat.6 Obwohl er im Wahlkampf massiven Anfeindungen bezüglich seiner Rolle in den 1990er Jahren ausgesetzt war, erreichte er 8 % der Stimmen. Dieser Achtungserfolg ist möglicherweise auch seiner rhetorisch erheblich geschickteren Schwester Irina Prochorowa zu verdanken, einer bekannten Publizistin und Intellektuellen, die ihn während des Wahlkampfs unterstützte und die seine Kultur- und Wissenschaftsstiftung leitet. Sie stand auch der von Prochorow im Jahr 2012 gegründeten Partei Bürgerplattform bis 2014 vor. Die Partei ist weiter politisch aktiv, Prochorow selbst strebt zurzeit jedoch keine politischen Ämter an.


1.Snob.ru: Michail Prochorow
2.Newsland.com: Michail Prochorow kupit „Kommersant“?
3.Forbes.com: Mikhail Prokhorov
4.Einen guten Eindruck von Prochorows „Macher“-Persönlichkeit, seiner oft naiv anmutenden Weltsicht und auch seinem Oligarchen-Nimbus gewinnt man in diesem Interview mit dem Journalisten Wladimir Posner (auf Russisch): 1tv.ru: Posner. Gost Michail Prochorow
5.Ross, Cameron (2011): The Rise and Fall of Political Parties in Russia's Regional Assemblies, Europe-Asia Studies 2011 (3), Glasgow, S. 440
6.Russlandanalysen 2012 (235)
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Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)