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Gaza und die Juden im Kaukasus

Am 29. Oktober stürmten mehrere hundert überwiegend junge Männer den Flughafen von Machatschkala in der russischen Teilrepublik Dagestan. Sie überrannten Absperrungen, stürmten auf das Flugfeld und suchten Juden, die sie unter den Passagieren einer Maschine aus Tel Aviv vermuteten. Mindestens 20 Menschen wurden verletzt, zahlreiche Passagiere verbrachten Stunden in Angst an Bord ihrer Maschinen, bevor der Mob abzog und die Türen geöffnet werden konnten. 

Ausgelöst durch den Krieg in Israel hatte es bereits in den Tagen zuvor antisemitische Kundgebungen und Ausschreitungen im Nordkaukasus gegeben, wo mehrheitlich Muslime leben. Das war auch deshalb bemerkenswert, weil Demonstrationen in Russland derzeit in der Regel umgehend unterbunden werden. Die Beteiligten kamen bislang mit geringen Strafen davon. Offizielle Stellen betonten, Juden und Muslime hätten im Kaukasus immer friedlich zusammengelebt. 

Wahr daran ist, dass im Kaukasus schon lange Juden leben, erklärt der Ethnologe Valery Dymshits vom Petersburg Judaica Center, der viele Jahre Feldforschung in der Region betrieben hat. Die meisten dieser Bergjuden überlebten den deutschen Vernichtungskrieg gegen die Sowjetunion, da der Kaukasus nur verhältnismäßig kurz unter deutscher Besatzung war und die Wehrmacht die Zentren ihrer Siedlungen in Aserbaidschan, Dagestan und Tschetschenien nicht erreichte. Heute leben insgesamt noch etwa 10.000 Bergjuden an unterschiedlichen Orten im Kaukasus.

Quelle Takie dela

Wer sind die Bergjuden?

Die Bergjuden sind eine der jüdischen ethnischen Gruppen, deren Eigenbezeichnung „Juhuri“ lautet, was „Juden“ bedeutet. Ihre historische Heimat ist der Ostkaukasus, eine Region, in der sich das Gebirge des Kaukasus gen Kaspisches Meer senkt. In den politischen Grenzen von heute ausgedrückt, handelt es sich um den Süden von Dagestan und den Norden Aserbaidschans. Im 19. Jahrhundert siedelten die Bergjuden aus Dagestan im gesamten Nordkaukasus. Später verteilten sie sich über die ganze Welt. Die größte bergjüdische Gemeinschaft befindet sich heute in Israel. Viele Bergjuden leben auch in Moskau, den USA und in Europa.

Die Bergjuden sprechen einen der Dialekte des Tatischen, das zu den westiranischen Sprachen gehört. Die muslimischen Taten sprechen einen anderen Dialekt derselben Sprache. Nach dem Zweiten Weltkrieg, als der staatliche Antisemitismus in der UdSSR unter Stalin zunahm, versuchte die bergjüdische Intelligenzija in Dagestan und den anderen Republiken des Nordkaukasus, die Vorstellung zu verfechten, dass es auf die sprachliche Gemeinschaft ankomme, und nicht auf die Religion (diese sei etwas Überkommenes, das in einem atheistischen Staat ausgemerzt werden müsse!). Sie erreichten, dass die Bergjuden eine andere Bezeichnung erhielten und die Einträge in den Pässen entsprechend geändert wurden.

Dadurch entstand eines der „indigenen Völker Dagestans“ – die Taten. In Dagestan leben fast keine muslimischen Taten. Die meisten muslimischen Taten leben in Aserbaidschan, wo sie in den Meldelisten als Aserbaidschaner geführt werden. Da das Wort „Tate“ bei den aserbaidschanischen Volkszählungen nicht vorkam, blieben die Bergjuden, die in Aserbaidschan lebten, dem Pass nach Juden. Der Eintrag „Tate“ im Pass bedeutete in sowjetischer Zeit, dass der Inhaber ein Bergjude aus einer der nordkaukasischen Republiken der Russischen Föderation ist. Diese Geschichte aus der sowjetischen Vergangenheit hat dazu geführt, dass die Bergjuden bis heute mitunter als Taten bezeichnet werden, was ihnen nicht immer gefällt. Auch Präsident Putin wiederholte, als er über die Ereignisse in Machatschkala sprach, die Formel von den „Taten, einem indigenen Volk Dagestans“.

Antisemitismus im Kaukasus

Oft ist der unsinnige Touristen-Mythos zu hören, es habe im Kaukasus niemals Antisemitismus gegeben. In jedem Land, in dem es historisch eine jüdische Gemeinschaft gibt oder gab, gibt oder gab es auch Antisemitismus. Im Nordkaukasus hat es immer Antisemitismus gegeben. Die Verfolgung der Bergjuden zwang diese Ende des 18. Jahrhunderts, in den Schutz aserbaidschanischer Festungen wie etwa Derbent und Kuba umzusiedeln. Mitte des 19. Jahrhunderts mussten die Bergjuden während des Kaukasuskrieges erneut fliehen. Dieses Mal suchten sie hinter den Mauern der russischen Befestigungen Schutz (etwa in Naltschik, Kisljar oder Grosny). Die Bergjuden hatten sehr stark unter den Pogromen während des Bürgerkrieges zu leiden, der nach der bolschewistischen Revolution ausbrach.

Im August 1960 führte im dagestanischen Bujnaksk ein Artikel in einer Lokalzeitung fast zu einem Pogrom: Darin wurde behauptet, Juden würden fünf bis zehn Gramm muslimischen Bluts kaufen, es in einem Eimer Wasser verdünnen und dann an andere Juden weiterverkaufen. Der Inhalt des Artikels wurde am selben Tag im örtlichen Radiosender verbreitet. Die Juden in Bujnaksk wandten sich zum Schutz vor diesen Verleumdungen an das Politbüro des ZK der UdSSR. Um die Lage zu entschärfen, brauchte es die Intervention Moskaus.

Während des Sechstagekrieges 1967 gab es in der Moschee von Derbent eine Versammlung, auf der Israel verurteilt werden sollte. Dort hielten Kolchosenvorsitzende und Fabrikdirektoren Reden, in denen sie die Regierung aufriefen, „einen Schlag gegen den Aggressor zu führen“. Das Volk auf den Straßen verstand diese Worte als Genehmigung für Angriffe auf Juden. In der Stadt lag ein Pogrom in der Luft. Die Juden baten die Behörden um Schutz. Zudem organisierten sie Brigaden zur Selbstverteidigung, falls es zu Übergriffen kommen sollte. Dieses Mal ging alles glimpflich aus.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion war der Staat in Dagestan in der ersten Hälfte der 1990er Jahre sehr schwach. Kriminelle Gruppen kämpften um Macht, Einfluss, Land und Eigentum, und es kam zu politischen Morden. In den muslimisch dominierten Regionen hatte die vergleichsweise kleine Gruppe der Bergjuden mehr als andere unter diesen Umständen zu leiden. 1993 und 1994 waren die Juden in Dagestan oft Ziel von Gewalt (Drohungen, Entführungen, Morde). Sie sahen sich dadurch gezwungen, ihre Häuser und Wohnungen zurückzulassen und oft auch ihr Hab und Gut. Die humane Variante sah so aus: Man bekam 24 Stunden Zeit, um seine Sachen zu packen; dann sollte man den Wohnungsschlüssel unter die Fußmatte legen. Die inhumane Variante war Mord.

Die Juden flohen nach Israel, Moskau und Pjatigorsk. In dieser Phase verschwanden in Dagestan die blühenden jüdischen Gemeinden in Bujnaksk, Kisljar und Chassawjurt. Die jüdische Bevölkerung von Derbent sank von 17.000 auf 2000. Hinter all dieser Gewalt steckten natürlich Kriminelle, die um Posten, Einfluss und Besitz konkurrierten. Sie wurde jedoch mit Hilfe nationalistischer und antisemitischer Parolen begründet. In der zweiten Hälfte der 1990er Jahre ließ die kriminelle Gewalt nach, und das Leben kehrte in ruhigere Bahnen zurück.

Wie Vorurteile sich zu einem Pogrom entwickeln

Antisemitismus ist (wie vergleichbare Phobien) keine Ideologie, sondern ein Element, das im Unterbewussten schlummert. Er ist eine Art normale Mikroflora, die pathogen werden kann, so dass der Organismus beziehungsweise der Wirt geschwächt wird. Andersgläubige und Fremde werden nicht gemocht, über ethnische Nachbarn werden üble Mythen erzählt. Doch vorläufig leben alle friedlich zusammen, besuchen einander und gehen auf Hochzeiten. Setzt aber eine Krise ein, dann brechen die überkommenen Vorurteile durch.

Das Schlimmste ist, wenn eine solche Zuspitzung in einer noch nicht vollständig modernisierten Gesellschaft auftritt. Wie eben im Nordkaukasus, wo die Masse der Landbevölkerung immer noch in die Städte strebt. Die Menschen bewahren dabei ihre traditionellen Vorurteile, verlieren aber die traditionelle Kontrolle und entgleiten der Aufsicht der althergebrachten Autoritäten. Sie sind desorientiert, verlangen ein Stück vom urbanen Kuchen, wissen aber nicht, wie sie es richtig abbeißen sollen. Sie sind schlichtweg arm, oft ohne Arbeit, von radikalen Predigern geleitet, jung und leicht zu mobilisieren.

Für die alteingesessene städtische Bevölkerung ist ein andersgläubiger Nachbar Konkurrenz und Ressource zugleich. Schließlich betrachten sich alle als Teil der Polis, sie empfinden einen Polis-Patriotismus. Dagegen ist ein Städter für die Migranten ein Ziel, und ein andersgläubiger Städter erst recht.

Das Problem von Gesellschaften mit unvollendeter Modernisierung ist das schnelle Wachstum der Metropolen, denn nur dort sind zusätzliche Ressourcen verfügbar, die nicht in die Peripherie gelangen. Machatschkala ist eine solche Stadt. In den letzten zehn Jahren hat die Einwohnerzahl dort stark zugenommen auf mehr als 600.000. Einschließlich der Vororte leben dort jetzt fast eine Million Menschen, also nahezu ein Drittel der Bevölkerung der Republik Dagestan. Das schnelle Wachstum der Stadt wird durch eine für Russland überdurchschnittliche Geburtenrate getragen. Viele der jungen Einwohner sind erst vor kurzem in die Stadt gezogen. In einer solchen Stadt ist es leichter als irgendwo sonst, 2000 aggressive Randalierer zu finden.

Was wollten die Menschen, die sich am Flughafen versammelten?

Ethnische oder religiöse Identität ist häufig ein Grund für starke emotionale Reaktionen. Ich bin von dem Überfall der Hamas auf Israel stark mitgenommen, weil ich Jude bin, und weil ich dort Freunde und Verwandte habe. Muslime nehmen das, was mit der Bevölkerung des Gaza-Streifens geschieht, ebenfalls sehr schmerzlich wahr. Das Mitgefühl mit Glaubensgenossen ist eine verständliche Emotion, doch mit Pogromen hat sie nichts zu tun. Friedlicher Protest ist eine legitime Form kollektiven politischen Handelns, was in Dagestan ganz normal wäre, wo die muslimische Mehrheit auf der Seite der Palästinenser steht. Doch die Situation hat eine andere Wendung genommen.

Am 29. Oktober stürmten mehrere hundert Männer den Flughafen von Machatschkala in Dagestan, um ihre Unterstützung für die Bevölkerung im Gaza-Streifen zu demonstrieren. Aufschrift auf dem Schild: „Wir sind gegen jüdische Flüchtlinge!“ / Foto © Ramazan Rashidov/TASS/imago-images

Die Bevölkerung in Dagestan neigt zu spontanen Aktionen. Im vergangenen Herbst, als in Russland die Mobilmachung begann, war Dagestan die einzige Region in Russland, in der die Aktionen dagegen recht heftig und sogar gewaltsam ausfielen. Das war kein Einzelfall. Jedes Mal, wenn in Dagestan irgendwo der Strom ausfällt oder die Gasversorgung zusammenbricht, was aufgrund der infrastrukturellen Probleme nicht selten der Fall ist, veranstalten die Menschen massenhafte und recht aggressive Aktionen. Ich will nicht sagen, dass am Flughafen von Machatschkala die gleichen Leute aktiv waren, die im Herbst gegen die Mobilmachung protestierten. Aber die Reaktion ist Teil der lokalen politischen Kultur.

Aktionen zur Unterstützung der Bevölkerung im Gaza-Streifen finden weltweit statt, auch in Europa und in Amerika. In muslimischen Ländern, beispielsweise in der Türkei, versammeln sich besonders große Menschenmengen. Die Versammlung in Istanbul mit einer Million Teilnehmern fand übrigens auch am Flughafen statt. Das Vorgehen der Teilnehmer ist legitim, solange es gewaltlos bleibt. Die Bewohner von Machatschkala hatten ebenfalls das Recht, ihre propalästinensische und antiisraelische Demonstration mit heftigen Parolen zu veranstalten. Schließlich gehen ja auch Studenten angesehener US-Universitäten auf Demonstrationen, die zur Unterstützung des Gaza-Streifens aufrufen, und sie tragen dabei Plakate, die – vorsichtig ausgedrückt – politisch nicht korrekt sind.

Die jungen Menschen in Machatschkala, die durch Informationen über den Krieg in Gaza und Berichte von Massendemonstrationen in aller Welt für die Muslime in Palästina aufgeheizt wurden, entschlossen sich zu demonstrieren. Demonstrationen sind in Russland derzeit äußerst gefährlich, in Dagestan werden sie aber, wie gesagt, weiterhin praktiziert. Die Menge zog zum Flughafen, weil dort regelmäßig Flugzeuge aus Tel Aviv landen. Die Logik war klar: Die Unzufriedenheit mit Israel sollte eben gegenüber Menschen aus Israel demonstriert werden, die wohl mit diesem Flug ankommen würden. Anfangs ergab sich alles zwar heftig und spontan, aber recht friedlich. Die sozialen Medien sorgten für eine schnelle Mobilisierung.

Wir lassen keine israelischen Flüchtlinge nach Dagestan

Im Weiteren kamen spezifische dagestanische und russische Faktoren zum Tragen. Auf dem Platz vor dem Flughafen versammelten sich nicht gar so viele Menschen. Nach Medienangaben waren es weniger als 2000, aber es waren nur junge Männer. Frauen – das ist die Spezifik der Region – nehmen an solchen Aktionen nicht teil. Auch nicht ältere Männer, die eine Balance zwischen Islam und den lokalen Bräuchen wahren. Das Publikum radikaler islamischer Predigten besteht überwiegend aus jungen Männern. Die Menge wiegelte sich auf. Einfach da zu stehen und Parolen zu rufen, erwies sich als wenig interessant und ziemlich langweilig. Die Menge ging dazu über, aktiv ihre Kraft und Wut zu demonstrieren, und sie machte sich auf zum Flugfeld.

Gott sei Dank wurden keine Passagiere gelyncht; alle konnten in Sicherheit gebracht werden. Aber es fehlte nicht mehr viel zum Schlimmsten. Freuen kann man sich nicht nur für die, die sich in Lebensgefahr befanden, und am Leben blieben, sondern für alle. Schließlich macht Blutvergießen eine Lage unumkehrbar.

Die Parole „Wir lassen keine israelischen Flüchtlinge nach Dagestan“ ist nicht aus dem Nichts entstanden. Sie entstammt der Annahme, dass die in Israel lebenden Bergjuden ihre Frauen, Kinder und Alten schicken würden. Also alle, die sich nicht an den Kampfhandlungen beteiligen können und unter dem Beschuss leiden. Und sie würden dort hingehen, wo sie bis zur Repatriierung gelebt hatten, zu Familienangehörigen oder zu Freunden. Ich weiß nicht, ob es solche Fälle tatsächlich gab, doch erscheint diese Annahme nicht absurd. An Israelis war man in Dagestan gewöhnt: Sie kamen regelmäßig zu Hochzeiten, Beerdigungen, Totengedenken oder einfach zu Besuch. Jetzt, während der Konfrontation, war es der Menge wichtig, Feinde des Islam – Juden und Israelis – nicht in ihr muslimisches Land zu lassen.

Fremde Mächte hinter den Unruhen?

„Das Pogrom am Flughafen wurde von jemandem provoziert …“ Meiner Ansicht nach ist das eine der dümmsten Thesen, die in den sozialen Netzwerken und in den Medien wiederholt werden. Die Regierung redet der Bevölkerung ständig ein, dass das Volk kein Subjekt ist, niemals ohne Strippenzieher hinter den Kulissen auskommt, und dass jeder Protest von Feinden organisiert wird. Der russische Präsident Wladimir Putin und der dagestanische Gouverneur Sergej Melikow haben behauptet, dass die Unruhen auf dem Flughafen von Machatschkala von amerikanischen Geheimdiensten inspiriert wurden. In den oppositionellen Medien und den sozialen Netzwerken kursierte als Antwort auf Putin eine genau gegensätzliche Erzählung: Nein, es war die Regierung, die das alles angezettelt hat, das war eine Provokation der Regierung!

Man muss schon sehr wenig Respekt vor Menschen haben, seien sie nun gut oder schlecht, um zu denken, dass sie ohne einen Wink der Obrigkeit keinen Schritt tun. Das ist eine Art koloniale Optik: Der edle Wilde ist in seinem Urzustand so lange entgegenkommend und freundlich, bis ihn jemand zu etwas Schlechtem verführt. Man kann der Meinung sein, dass sich jemand übel verhält, man kann diesen Menschen dafür hassen, und man kann sogar zur Selbstverteidigung töten. Aber man darf nicht aufhören, in ihm einen Menschen zu erkennen, der selbst Entscheidungen trifft, seien sie nun gut oder schlecht, und der selbst dafür die Verantwortung übernimmt.

Natürlich trägt die Regierung eine Verantwortung für alles, was im Land und in der Region passiert. Trotzdem trifft sie keine unmittelbare Schuld an dem Geschehen. Sie ist am wenigsten an Exzessen dieser Art interessiert, weil sie a) ständig von einer interreligiösen Harmonie in Russland spricht; b) „gegen den Nazismus kämpft“, was angesichts von Pogromen im eigenen Land wenig überzeugend wäre; c) versucht, den Tourismus in Dagestan zu entwickeln und viel Geld dafür investiert und schließlich d) ihr Gewaltmonopol bewahren will. Meiner Ansicht nach steckt hinter den Ereignissen Fahrlässigkeit und keine üble Absicht.

Das Regime hat besonnen und sehr ernst reagiert, bis hin zur Erklärung von Präsident Putin, die bereits am Tag nach dem Pogrom erfolgte, wobei er das längst nicht aus jedem Anlass tut. Die Worte waren äußerst streng, das Ergebnis jedoch fiel bescheiden aus. Lediglich 15 Beteiligte an den Unruhen wurden zu acht Tagen Arrest verurteilt. Und das, obwohl der Flughafen für zwei Tage lahmgelegt war und einige Polizisten verletzt wurden. Für einen friedlichen Protest ungleich geringerer Dimension in Moskau oder anderen russischen Städten werden Aktivisten zu langen Haftstrafen verurteilt. Das Regime verfolgt offensichtlich zwei Ziele: Es will deutlich machen, dass ein solches Verhalten nicht hingenommen wird, und es will gleichzeitig keinen Anlass für neue Proteste liefern. Es bleibt zu hoffen, dass die Maßnahmen wirken und die Geschehnisse eine lokale Episode bleiben. Andernfalls könnte die jahrhundertelange Geschichte der Juden im Kaukasus bald beendet sein.

Der Text geht auf einen Post von Valery Dymshits auf Facebook zurück, den das Portal Takie Dela übernahm. Der Autor hat ihn für dekoder überarbeitet und ergänzt.

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Gnose

Erinnerung an den Holocaust im heutigen Russland

Zahlreiche sowjetische Juden fielen dem Holocaust zum Opfer. Soldaten der Roten Armee zählten zu den ersten, die das Grauen der Konzentrationslager dokumentierten. Dennoch spielte der Holocaust nach 1945 keine Rolle in der sowjetischen Kriegserinnerung. Im heutigen Russland ist der Umgang mit dem Holocaust vom sowjetischen Erbe, aber auch von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen geprägt. Eine Gnose von Ilja Altman.

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Der Holocaust in der Sowjetunion und den von ihr annektierten Gebieten

Etwa sechs Millionen Juden fielen dem Holocaust zum Opfer, die überwiegende Mehrheit in Osteuropa. Rund drei Millionen von ihnen hatten zuvor in Polen gelebt und auch die deutschen Vernichtungslager, bis heute weltweites Symbol des nationalsozialistischen Völkermords, befanden sich auf polnischem Boden. Doch nicht nur das polnische Judentum wurde fast vollständig ausgelöscht: Auch auf dem Gebiet der Sowjetunion ermordeten deutsche Einheiten unter Mithilfe einheimischer Hilfskräfte Millionen Menschen. Nur wenige kamen in die Vernichtungslager in Polen, die Juden aus der Ukraine und dem Baltikum, aus Belarus, Russland und Moldawien wurden meist Opfer von Massenerschießungen. Obwohl etwa einem Drittel der sowjetischen Juden die Evakuierung gelungen war, gab es gerade in jenen Gebieten, die erst 1939/1940 von der Sowjetunion annektiert worden waren, kaum eine Chance auf Untertauchen und Überleben.

 

Minsk 1941 (Farbfoto) / Foto © Bundesarchiv, N 1576 Bild-006/Herrmann, Ernst, CC-BY-SA 3.0

Vor Beginn des Zweiten Weltkriegs lebten in der Sowjetunion etwa 2,8 Millionen Juden. Ihre Gemeindestrukturen und politischen Organisationen waren durch die sowjetische Herrschaft der vergangenen 20 Jahre zerschlagen worden. Ein vielseitiges jüdisches Leben wie im Zarenreich oder in den ersten Jahren der Sowjetunion existierte nicht mehr und Judentum wurde nun als Nationalität definiert. Mit den sowjetischen Annexionen Ostpolens (1939) sowie Bessarabiens und des Baltikums (1940) wuchs die jüdische Bevölkerung um etwa 1,6 Millionen Menschen, hinzu kamen etwa 200.000 Flüchtlinge aus den deutsch besetzten Gebieten.1 Somit hatten die Gruppen, die man gemeinhin als „sowjetische“ Juden bezeichnet, recht unterschiedliche soziale, politische und kulturelle Charakteristika.

Die deutsche Invasion in der Sowjetunion 1941/42 erstreckte sich schließlich über Gebiete, in denen etwa 4,1 Millionen Juden lebten. Allerdings entging ein erheblicher Teil von ihnen der Besatzung. Denn während Ostpolen und Litauen innerhalb weniger Tage von der Wehrmacht überrannt wurden, blieb in den weiter östlich gelegenen Gebieten Zeit, um Teile der Bevölkerung zu evakuieren. Dies betraf vor allem Fachpersonal samt Familien, darunter auch zahlreiche Juden. Zudem wurde ein Teil der jüdischen Männer zur Roten Armee eingezogen. Allerdings hatten es die sowjetischen Stellen während der Zeit des Hitler-Stalin-Pakts bis Juni 1941 unterlassen, die jüdische Bevölkerungsgruppe über die Verfolgungen unter deutscher Herrschaft zu unterrichten. Fast alle der etwa 2,5 bis 2,6 Millionen Juden, die in den westlichen Gebieten der Sowjetunion zurückgeblieben waren, fanden während der deutschen Besatzung den Tod.2

Die Eskalation des Holocaust

Mit dem deutschen Einmarsch in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann auch der systematische Mord an den Juden Europas. Zwar hatten Sicherheitspolizei und einzelne Einheiten der Wehrmacht bereits nach dem Krieg gegen Polen Massenerschießungen an Polen und Juden vorgenommen und zehntausende Juden waren dort in Lagern und Ghettos umgekommen. Doch für den Krieg gegen die Sowjetunion waren noch weit größere Verbrechen geplant. Bevölkerung und Kriegsgefangene sollten dort nicht nur völlig entrechtet werden – bestimmte Personengruppen sollten direkt ermordet werden. Dieser deutsche Vernichtungskrieg richtete sich nicht nur gegen alle Juden, sondern auch gegen die sowjetischen Kriegsgefangenen, von denen mindestens 2,5 Millionen verhungerten oder erschossen wurden, Roma, Patienten psychiatrischer Anstalten, kommunistische Funktionäre und die Bevölkerung in den Partisanengebieten, wo Hunderttausende ihr Leben bei angeblichen „Vergeltungsaktionen“ verloren. Das genaue Ausmaß dieser Mordbefehle lässt sich heute nicht mehr eindeutig rekonstruieren. Sicher ist jedoch, dass im Zuge des Kampfes gegen den vorgeblichen „jüdischen Bolschewismus“ Angehörige der sowjetischen Eliten in Kommunistischer Partei und Staatsapparat, insbesondere alle Juden unter ihnen, direkt nach dem Einmarsch getötet werden sollten, ebenso wie gefangene Politoffiziere und jüdische Soldaten der Roten Armee. Darüber hinaus war geplant, große Teile der Bevölkerung von der Nahrungsmittelversorgung abzuschneiden und verhungern zu lassen. Schließlich ergingen auch besondere Befehle gegen die jüdische Bevölkerung, insbesondere jüdische Männer im wehrfähigen Alter sollten ermordet werden.3

Jüdische Rotarmisten in deutscher Gefangenschaft, 1942 (Farbfoto) / Foto © PIXPAST.com

Bereits wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion begannen deutsche Einheiten mit ihren Mordaktionen, so am 23. Juni 1941 im westukrainischen Sokal, dann am 24. Juni in der Stadt Garsden (Gargždai) im westlichen Litauen. Während der ersten Wochen des Krieges deklarierten die Besatzer diese Mordaktionen als Vergeltung für angebliche Vergehen von Juden, doch bald wurden kaum mehr solche Begründungen vorgeschoben. Die deutsche Polizei suchte nun systematisch nach den führenden Persönlichkeiten der jüdischen Gemeinden, etwa nach Akademikern und Verwaltungsbeamten. Diese wurden unter Vorwänden zur Meldung aufgerufen und anschließend erschossen. Darauf folgten junge jüdische Männer, die ebenfalls zu einem erheblichen Teil ermordet wurden.

Mit dem schnellen Vormarsch der Wehrmacht im Juli/August 1941 drangen die Mordkommandos immer weiter nach Osten vor. Vereinzelt begannen sie nun, auch jüdische Frauen und Kinder zu erschießen, so zuerst in Mitau (Jelgava) in Lettland. Die neu installierte Zivilverwaltung in Litauen forderte sogar, Frauen und Kinder systematisch zu ermorden, da die Männer und damit oft die Ernährer der Familien bereits getötet worden waren. Den Übergang zu einer neuen Dimension der Massenmorde markiert das Massaker in Kamjanez-Podilskyj in der Ukraine, wo Ende August 1941 innerhalb von zwei Tagen 23.800 jüdische Männer, Frauen und Kinder ermordet wurden.

Totaler Massenmord

Spätestens an diesem Punkt wurde deutlich, dass alle Juden in den besetzten Gebieten ermordet werden sollten. Auch in Litauen löschten deutsche und litauische Kommandos im August/September 1941 ganze jüdische Gemeinden aus, lediglich in Wilna, Kaunas und Schaulen (Siauliai) sind Ghettos eingerichtet worden. Aber besonders weiter östlich, hinter der Front, begannen die deutschen SS- und Polizeikommandos unmittelbar nach der Eroberung von Städten damit, alle dort verbliebenen Juden binnen kurzer Zeit zu ermorden. Ihren Höhepunkt erreichten diese Verbrechen dann aber nach der Eroberung Kiews. In enger Absprache mit den Wehrmachtstellen organisierte die Einsatzgruppe C einen Aufruf an alle in Kiew verbliebenen Juden, sich am 29. September an einer Kreuzung im Westen der Stadt zu versammeln. Eine Augenzeugin schrieb in ihr Tagebuch: „Es gehen Frauen, Männer, junge Mädchen, Kinder, Greise, ganze Familien. Viele führen ihr Hab und Gut auf Schubkarren mit sich, aber die meisten tragen Sachen auf den Schultern. Sie gehen schweigend, leise. Es ist unheimlich.“4 An diesem und dem folgenden Tag ermordete das Sonderkommando 4a zusammen mit einem Polizeibataillon und ukrainischen Helfern 33.771 Menschen im Babyn Jar-Park. Weitere solche Massaker folgten im Oktober in Dnjepropetrowsk und im Dezember in Charkiw.
 

Jüdische Organisationen errichteten nach Zusammenbruch der Sowjetunion dieses Denkmal am Rande der Schluchten von Babyn Jar. / Foto © Martin Fejer/EST&OST/imago-images

Zuletzt erreichten die deutschen Besatzer auch die Kerngebiete der Sowjetunion, also das Territorium der RSFSR. Auch dort richteten sie kaum Ghettos ein, sondern erschossen binnen weniger Tage alle Juden, die sie ergreifen konnten, insgesamt bis zu 200.000 Menschen. Der Mehrzahl der jüdischen Einwohner auf dem Gebiet des heutigen Russlands war jedoch vorher die Flucht ins Innere der Sowjetunion gelungen.5

Im September/Oktober 1941 wandten die deutschen Funktionäre ihre Aufmerksamkeit wieder den westlichen Gebieten der Sowjetunion zu. Dort lebten die meisten Juden noch, weil die Mordkommandos oft schnell mit den Fronttruppen weitergezogen waren. Insbesondere in jenen ehemals ostpolnischen Gebieten, die 1939 von Stalin annektiert und der Belarussischen und der Ukrainischen SSR angegliedert worden waren, setzte nun eine zweite Welle von Massakern ein. Anders als noch im Sommer, als vor allem Männer erschossen wurden, ermordeten die Täter nun vor allem Kinder, alte Menschen und auch Frauen, weil man diese nicht als Arbeitskräfte einsetzen wollte. Auch die Deportation von Juden aus dem Deutschen Reich diente als Vorwand, um die einheimischen Juden zu ermorden, so beim Rigaer Blutsonntag Ende November/Anfang Dezember 1941.

Die Mehrzahl der Massenmorde fiel ins Jahr 1942. Vor allem im ehemaligen Ostpolen wurde zwischen Mai und November ein Ghetto nach dem anderen durch Massenerschießungen vernichtet. Dazu dienten auch die beiden Vernichtungsorte Bronnaja Gora und Maly Trostenez im heutigen Belarus. Nach der zweiten deutschen Offensive, die 1942 bis nach Stalingrad führte, gerieten auch die Juden im Nordkaukasus in eine tödliche Falle. Oft handelte es sich um Menschen, die aus anderen Gebieten geflüchtet oder evakuiert worden waren und nun im September/Oktober 1942 den Deutschen in die Hände fielen und sofort erschossen wurden. Lediglich in Ostgalizien, in Minsk, Riga und Litauen bestanden einige Ghettos bis ins Jahr 1943, dann wurden auch deren Insassen ermordet oder in Zwangsarbeitslager – vor allem in Estland - deportiert. Die letzten jüdischen Zwangsarbeiter und Zwangsarbeiterinnen deportierte die SS dann 1944 nach Westen, wo sie im Strudel der Evakuierungen und „Todesmärsche“ wenig Chancen auf Überleben hatten.

Verzeichnis der Orte, in denen in der besetzten Sowjetunion mehr als 500 Juden erschossen wurden / Karte © Stiftung Denkmal für die ermordeten Juden Europas und Stiftung Topographie des Terrors6

Die Täter und ihre Helfer

Es waren nicht allein die berüchtigten Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, die massenhaft mordeten. Zunehmend wurden auch reguläre Polizeibataillone der Ordnungspolizei eingesetzt. Als dritte Kraft aus dem SS- und Polizeiapparat traten zwei Brigaden der Waffen-SS zu den Tätern. Insbesondere die SS-Kavalleriebrigade, die im Raum zwischen Belarus und der Ukraine eingesetzt war, ermordete im Zuge vermeintlicher Partisanenbekämpfung Zehntausende jüdischer Menschen. Und auch die Wehrmacht unterstützte die Verbrechen nicht nur tatkräftig durch ihre Militärverwaltung und Logistik, einzelne Einheiten erschossen selbst Juden. Für die Ermordung von etwa 50.000 jüdischen Kriegsgefangenen war die Wehrmacht sogar überwiegend verantwortlich.7

Lange ist übersehen worden, dass nicht nur die deutschen Angreifer, sondern auch ihre rumänischen Verbündeten einen Vernichtungskrieg in der Sowjetunion führten. Schon unmittelbar nach ihrem Angriff Anfang Juli 1941 begannen rumänische Einheiten damit, Juden in Bessarabien und der nördlichen Bukowina zu ermorden, Regionen, die Stalin 1940 Rumänien abgenommen hatte. Bei ihren Verbrechen standen die rumänischen Täter den Deutschen in nichts nach. Nach der Besetzung der Großstadt Odessa im Oktober 1941 verübten sie sogar eines der größten Massaker des Holocaust, mindestens 25.000 Juden wurden in der Hafenstadt ermordet, wahrscheinlich noch erheblich mehr. Danach vertrieben die rumänischen Besatzer die überlebenden Juden Richtung Norden innerhalb ihres eigenen Besatzungsgebietes, wo sie zwischen Dezember 1941 und März 1942 deutschen, rumänischen und ukrainischen Einheiten zum Opfer fielen. Vermutlich fallen zehn Prozent aller Morde an Juden in der besetzten Sowjetunion in die Verantwortlichkeit rumänischer Stellen.8

In den besetzten sowjetischen Gebieten, sowohl weiter westlich als auch in der Russischen Föderation, waren einheimische Helfer am Holocaust beteiligt. Daneben bemühten sich die Besatzer darum, in Zusammenarbeit mit antikommunistischen Untergrundgruppen Pogrome auszulösen. Dies gelang vor allem in der Westukraine, etwa in Lemberg, Tarnopol oder Zloczow sowie in Litauen. Nicht selten initiierten einheimische antisemitische Aktivisten diese Gewaltaktionen auf eigene Faust, die oft parallel zu den deutschen Massenerschießungen verliefen.9

Kein Entkommen

Für die Juden unter Besatzung war die Lage nahezu aussichtslos. Die stalinistische Staatsführung machte die deutschen Verbrechen an Juden zwar anfangs international bekannt, unternahm jedoch kaum etwas zur Rettung von Menschenleben. Vielmehr zeigte sie ab 1942 zusehends selbst antisemitische Züge.10 Wer 1941 nicht hatte fliehen können, war nun ungehemmter Gewalt ausgeliefert. Insbesondere in der Westukraine und im Baltikum sahen sich die Juden zudem mit einer antisemitisch eingestellten Bevölkerungsmehrheit konfrontiert. Nicht selten kamen Denunziationen von Nachbarn; einheimische Polizisten machten den Verfolgten das Leben schwer und verübten auf eigene Faust Gewaltakte. Antikommunistische Untergrundgruppen wie die Ukrainische Aufstandsarmee waren sogar mehrheitlich antisemitisch eingestellt und ermordeten oftmals versteckte Juden.11 Nur in größeren Städten war die Möglichkeit gegeben, in Verstecken oder mit falschen Papieren unterzutauchen. Die ersten kleinen jüdischen Widerstandsgruppen bildeten sich um die Jahreswende 1941/42, teilweise mit dem Ziel, Rache für die Verbrechen zu üben, in erster Linie aber, um Menschenleben zu retten. So beteiligten sie sich an Ghettorevolten und Fluchtversuchen. Eine Flucht war jedoch fast nur in Regionen mit Waldgebieten erfolgreich, da man hier zeitweise untertauchen und selbst einige „Familienlager“ bilden konnte. Außerdem operierten dort Partisanengruppen. Obwohl diese den Juden meist ambivalent gegenüberstanden, gelang doch einigen, meist jungen Männern die Aufnahme. Insgesamt überlebte jedoch nur ein Bruchteil der untergetauchten Juden den Krieg.

Nach dem Holocaust

Nach dem Ende des Krieges wurde der Holocaust in der Sowjetunion nur kurz thematisiert und verschwand dann als Thema aus der Öffentlichkeit. So wurde etwa die Arbeit am Schwarzbuch über die Vernichtung der Juden eingestellt und die Opfer des Holocaust wurden als „friedliche Sowjetbürger“ zu den Millionen zivilen Opfern des Großen Vaterländischen Krieges gezählt. Erst während der Perestroika fand das Thema in die Öffentlichkeit. In den Nachfolgerepubliken der Sowjetunion, auf deren Territorium der Holocaust stattgefunden hat, wird bis heute unterschiedlich mit diesem Teil der Geschichte umgegangen. Insbesondere im Baltikum und in der Ukraine kollidiert die Erinnerung an den Judenmord in manchen Orten mit der Heroisierung antikommunistischer Kräfte, von denen einige aber selbst an den Verbrechen beteiligt waren. In Russland wird der Holocaust zwar inzwischen auf politischer Ebene stark in die nationale Geschichtserzählung integriert, auf lokaler Ebene treffen zivilgesellschaftliche Erinnerungsinitiativen jedoch mitunter auf Widerstände.

Zum Weiterlesen

 

Altman, Ilja (2008): Opfer des Hasses: Der Holocaust in der UdSSR 1941–1945, Gleichen/Zürich
Arad, Yitzhak (2009): The Holocaust in the Soviet Union, Lincoln 
Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte, Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Universtät Freiburg: Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945, Band 7: Sowjetunion mit annektierten Gebieten I: Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien, bearb. von Bert Hoppe, Hildrun Glass, München, 2012 und Band 8: Sowjetunion mit annektierten Gebieten II: Generalkommissariat Weißruthenien und Reichskommissariat Ukraine, bearb. von Bert Hoppe, Imke Hansen, Martin Holler, München, 2016

1.Altshuler, Mordechai (1998): Soviet Jewry on the Edge of the Holocaust: A Social and Demographic Profile, Jerusalem 
2.Pohl, Dieter (2012): Just How Many? On the Death Toll of Jewish Victims of Nazi Crimes, in: Kokh, A./Polian, P. (Hrsg.): Denial of the Denial, or the Battle of Auschwitz: The Demography and Geopolitics of the Holocaust, Boston, S. 129-148 
3.Browning, Christopher (2003): Die Entfesselung der „Endlösung“. Nationalsozialistische Judenpolitik 1939-1942, München, S. 360-428 
4.Bundesarchiv, Institut für Zeitgeschichte, Lehrstuhl für Neuere Geschichte der Universtät Freiburg (2012): Die Verfolgung und Ermordung der europäischen Juden durch das nationalsozialistische Deutschland 1933–1945: Sowjetunion mit annektierten Gebieten I: Besetzte sowjetische Gebiete unter deutscher Militärverwaltung, Baltikum und Transnistrien, Band 7, München, S. 296 
5.Rebrova, Irina (2020): Re-Constructing Grassroots Holocaust Memory: The Case of the North Caucasus, Berlin, S. 341 
6.Karte aus der Ausstellung „Massenerschießungen: Der Holocaust zwischen Ostsee und Schwarzem Meer 1941-1944“, wissenschaftliche Erarbeitung der Karte: Dr. Andrej Umansky, Dr. Alexander Kruglov. Erschießungsorte mit weniger als 500 Opfern sind auf der Karte nicht verzeichnet.
7.Pohl, Dieter (2008): Die Herrschaft der Wehrmacht: Deutsche Militärbesatzung und einheimische Bevölkerung in der Sowjetunion 1941-1944, München, S. 243-282 
8.Ioanid, Radu (2000): The Holocaust in Romania: The Destruction of Jews and Gypsies Under the Antonescu Regime, 1940-1944, Chicago 
9.Dean, Martin (2000): Collaboration in the Holocaust: Crimes of the Local Police in Belorussia and Ukraine, 1941-44, London 
10.Kostyrcenko, G. V. (2003): Tajnaja politika Stalina: Vlast' i antisemitizm, Moskva 
11.McBride, Jared (2016): Peasants into Perpetrators: The OUN-UPA and the Ethnic Cleansing of Volhynia, 1943–1944, in: Slavic Review 75 (2016), S. 630-654 
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