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    Besatzungsmuseum

    Viele Historiker kritisieren die einseitige Deutung der Geschichte, wie sie beispielsweise in Besatzungsmuseen in Tallinn, Riga, Kiew oder Chisinau präsentiert wird. Sie dienten vor allem geschichtspolitischen Zwecken und reduzierten das didaktische Konzept auf ein Täter-Opfer-Schema, so die Argumentation. Vor diesem Hintergrund fordern die Kritiker die Umsetzung eines sogenannten multiperspektivischen Zugangs, der das geschichtspolitische Deutungsmonopol aufbreche.

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  • Gnose

    unseriöse Zeitschriften (wissenschaftliche Publikationen)

    Viele wissenschaftliche Publikationen in Russland entsprechen nicht den gängigen Standards wissenschaftlichen Arbeitens. Da die Anzahl renommierter Zeitschriften begrenzt ist, und weil Forscher häufig zu vielen Publikationen quasi verpflichtet werden, entstanden in den letzten Jahren viele neue Medien ohne anerkannte Qualitätssicherung.

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  • Gnose

    Theorie Lew Gumiljows zur Ethnogenese

    Das Ethnogenese-Konzept des russischen Philosophen Lew Gumiljow (1912–1992) gilt als einer der Vorläufer des gegenwärtig viel diskutierten Konzepts des Neo-Eurasismus. Das „stereotype Verhalten“ einer Ethnie sieht Gumiljow als „empfindungs-abhängig“ von vorherrschenden klimatisch-geographischen Faktoren. Dabei behauptet der Philosoph, dass die daraus bezogene „biochemische Energie“ jedes Menschen entscheidend bei der Integration einer Ethnie sei und dass dieser Integrationsprozess durch eine „kosmische Strahlung“ beeinflusst sei. Wenn Menschen in der Lage seien, mehr von dieser Strahlung aufzunehmen als für sie nötig ist, dann könnten sie dieses Übermaß an ihre Umwelt weitergeben. Solche Menschen sind für Gumiljow Menschen langen Willens beziehungsweise Passionare. 

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  • Gnose

    Zitationsindex

    Gemeint ist hier in erster Linie der sogenannte Index des wissenschaftlichen Zitierens Russlands – eine Zitationsdatenbank, die Angaben darüber enthält, welche Publikationen von wem zitiert werden. Die Menge von Zitaten wird als ein Maß für die Forschungsqualität eines Wissenschaftlers gesehen. Das spiegelt sich auch in den Gehältern wider – neben einem zumeist niedrigen Festgehalt erhalten viele Lehrkräfte erfolgsbezogene Prämien.

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  • Gnose

    Sowok

    Im Original „Sowok“. Sowok ist eine abwertende Ableitung von Sowjetunion. Sie bedeutet „Kehrblech“ und stand in kritischen Kreisen sowohl für den sogenannten Homo Sovieticus als auch für die politische Wirklichkeit der Sowjetunion.

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  • Gnose

    Wata, watnik

    Internet-Mem und eine häufige, kritisch-sarkastische Schmähformel für einen Patrioten. Watnik ist eigentlich eine Winterjacke, sie besteht aus einem derben Oberstoff und einer Watte-Füllung.

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  • Gnose

    86 Prozent für Putin

    Gemeint ist der Zustimmungswert für Präsident Putin, der sich nach der Angliederung der Krim in Meinungsumfragen abzeichnete und bis zur Ankündigung der Rentenreform im Juni 2018 weitgehend unverändert blieb.

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  • Gnose

    Außerhalbsein

    Außerhalbsein – auf Russisch wnenachodimost – ist ursprünglich ein Schlüsselbegriff aus der Literaturtheorie des Philosophen und Literaturwissenschaftlers Michail Bachtin (1895–1975). Der schwer übersetzbare Neologismus, der im Deutschen auch als Außerhalbbefindlichkeit wiedergegeben wird (und im Englischen als exotopy, extralocality oder outsidedness), bezeichnet das Verhältnis des Autors zu seinem Werk: eine paradoxe Distanz, die zugleich die Identifikation mit dem literarischen Helden fordert wie auch die totale Unverbundenheit und Fremdheit seinen Gedanken und seinem Handeln gegenüber. Yurchak überträgt diesen Begriff auf soziologische Phänomene, insbesondere in der sowjetischen und postsowjetischen Gesellschaft: Der Einzelne vermag Handlungsweisen zu entwickeln, die Funktionen des staatlich kontrollierten Gesellschaftssystems ins Gegenteil umzudeuten, ohne dabei selbst zu diesem System in einen Widerspruch zu treten – er befindet sich zugleich innerhalb und jenseits des Systems.

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  • Gnose

    Europäische Universität Sankt Petersburg

    Die private Europäische Universität Sankt Petersburg wurde 1994 gegründet. Sie zählt auf dem Gebiet der Sozial- und Geisteswissenschaften zu den besten Lehreinrichtungen Russlands. Die Hochschule bildet vor allem Masterstudenten und Doktoranden aus. Seit 2008 steht die Universität unter Druck von Behörden. Damals wurde sie kurzzeitig wegen unzureichender Brandschutzmaßnahmen geschlossen. Im März 2017 setzte das Sankt Petersburger Schiedsgericht ihre Lehrlizenz aus. Mit einer neuen Lizenz ist die Universität seit 2018 wieder in der Lehre aktiv.

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