Wiegenlied für Mariupol
Wissen, Journalismus und Medienkompetenz zu Osteuropa.
Verfemt man den russischen Imperialismus, so muss auch die russische Kultur auf den Prüfstand. Und so ist es verständlich, warum die Übersetzung von Belletristik aus einem Land, das einen unmenschlichen Krieg führt, derzeit ins Hintertreffen gerät.
Doch könnte das dazu führen, dass die russischsprachige Literatur als wichtiges Kommunikationsmittel gesellschaftlicher Themen, Strömungen und Denkrichtungen jenseits der Nachrichtenwelt verlorengeht.
Der Dar-Literaturpreis hat sich der russischsprachigen Literatur und ihrer Übersetzung in andere Sprachen verschrieben. Bewerben können sich Autor:innen aus allen Ländern. Ende Mai 2026 wurden die diesjährigen Preisträger:innen bekanntgegeben. Der Preis selbst besteht in der Finanzierung der Übersetzungen ins Englische, Französische und Deutsche und somit dem Sicht- und Lesbarmachen der Bücher außerhalb der russischsprachigen Community.
Ins Leben gerufen wurde Dar von dem Schriftsteller Michail Schischkin und Slawist:innen in der Schweiz.
In diesem Jahr gibt es statt der geplanten zwei, sogar drei Preisträger:innen, die dieselbe Stimmenzahl aus der Jury erhielten:
Die erste Preisträgerin ist Alexandra Kraschewskaja mit Kolybelnaja po Mariupolju (Wiegenlied für Mariupol) in 30 Träumen. Die zweite ist Xenja Bukscha mit ihrem dystopischen Nachkriegsgesellschaftsroman Malenki raj (Kleines Paradies). Der dritte Preisträger ist Oleg Radzinsky mit dem Roman Pokajannyje dni (dt. Tage der Buße) über das Verhältnis der russischen Intelligenzija zur Politik.
dekoder bringt in Kooperation mit dem Dar–Literaturpreis jeweils Ausschnitte der Werke auf Deutsch.