Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Fond Borby s Korrupzijei (dt. Fonds für Korruptionsbekämpfung, FBK) ist eine 2011 von Oppositionspolitiker Alexej Nawalny gegründete gemeinnützige Stiftung, die eingesandten Korruptionshinweisen nachspürt. Nachdem das russische Justizministerium im Oktober 2019 den FBK als „ausländischen Agenten“ eingestuft hatte, musste er im Juli 2020 aufgelöst werden. Anfang Juni 2021 wurde der Fonds zudem als „extremistisch“ eingestuft. Das Urteil wurde nach einem gescheiterten Berufungsverfahren am 4. August rechtskräftig.
Der aus Georgien stammende Merab Mamardaschwili (1930–1990) war ein Philosoph der Sowjetepoche. Nach dem Studium an der Moskauer Lomonossow-Universität konnte er eine schnelle Karriere in der offiziellen Philosophie machen, bis er unter Breshnew seine feste Stelle verlor. Breite Bekanntheit erlangte er vor allem dank seiner Vorlesungen, die als Bücher publiziert wurden. Bereits zu Lebzeiten genoss er einen Kultstatus, der nach seinem Tod am 25. November 1990 beinahe mythische Dimension annahm. Mittlerweile gilt er als einer der bedeutendsten Philosophen der Sowjetepoche.
Die Republik Bergkarabach ist ein nicht-anerkannter Staat (sogenanntes de-facto-Regime) auf dem Territorium, das völkerrechtlich zu Aserbaidshan gehört. Das inzwischen fast ausschließlich von Armeniern bewohnte Gebiet erklärte sich 1991 als unabhängig, der folgende Bergkarabachkrieg zwischen Armenien und Aserbaidshan in den Jahren 1992 bis 1994 kostete ca. 30.000 Menschen das Leben. Der Krieg endete mit einem Waffenstillstand. Seitdem ist der Konflikt eingefroren, flammt jedoch immer wieder auf.
Pjotr Pawlenski ist ein Performancekünstler aus St. Petersburg, der seinen eigenen Körper in teils radikaler Weise als Ausdrucksmittel einsetzt. Seine politischen Aktionen schaffen plakative Bilder für staatliche Repressionen und die Apathie der Bevölkerung. Bei einer seiner Aktionen nähte er sich selbst den Mund zu, um ein Zeichen gegen die Verhaftung der Punk-Aktivistinnen von Pussy Riot zu setzen.
Dimitri Prigow (1940-2007) gilt als einer der wichtigsten Vertreter der russischen Konzeptkunst. Sein Alleinstellungsmerkmal besteht in der medien- und gattungsübergreifenden Breite de-konstruktivistisch ausgerichteter Werke. Seit seiner Teilnahme 1987 an der documenta 8 in Kassel gehört er zu den viel ausgestellten russischen Künstlern seiner Generation.
Iwan Bunin (1870–1953) war ein russischer Schriftsteller. Breite Berühmtheit erlangte er erst mit seinen preisgekrönten Gedichten und Übersetzungen und später auch mit Erzählungen. Von Zeitgenossen galt er als bester Stilist der russischen Literatur seiner Zeit (Maxim Gorki). Nach der Oktoberrevolution emigrierte er nach Frankreich. 1933 erhielt Bunin als erster Russe den Nobelpreis für Literatur.
Ilja Chrshanowski (geb. 1975) ist ein russischer Filmregisseur, Drehbuchautor und Produzent. Er gehört zu den umstrittensten Figuren des gegenwärtigen Kulturlebens in Russland wie auch der Ukraine. In seinen Film- und Ausstellungsprojekten bearbeitet er die gewaltvolle Geschichte des 20. Jahrhunderts auf eine unkonventionelle, innovative, gleichzeitig aber höchst provokative Weise. Dies gilt insbesondere für Chrshanowskis Film- und Kunstprojekt Dau, das 2019 in Paris erstmals zu sehen war. Im selben Jahr wurde er zum künstlerischen Leiter des Babyn Yar Holocaust Memorial Center in Kiew bestellt.
Umweltbewegungen galten während der Perestroika und in den 1990er Jahren als die effektivsten sozialen Protestbewegungen im Land. Seit dem Amstantritt Putins wird die Arbeit von Umweltschutzorganisationen systematisch eingeschränkt. Heute wächst das Umweltbewusstsein spürbar, auch in der Politik gilt der Klimawandel neuerdings als Bedrohung.
Viktor Zoi (1962–1990) war Poet, Schauspieler und einer der Pioniere des sowjetischen Rock. Der Frontmann der Band Kino verunglückte 1990 bei einem Autounfall tödlich. Er war einer der berühmtesten und erfolgreichsten Musiker seiner Zeit, seine Lieder galten als Hymnen der Veränderungen der späten 1980er und der 1990er Jahre. Mit seinem Tod wurde er zu einem massenkulturellen Symbol des sowjetischen Rock.
Die XXII. Olympischen Sommerspiele fanden vom 19. Juli bis zum 3. August 1980 in Moskau statt. Die Vorbereitung und Durchführung der Spiele lief unter äußerst prekären politischen Rahmenbedingungen: Wegen der Afghanistan-Invasion sowjetischen Truppen im Dezember 1979 wurden sie von zahlreichen vor allem „westlichen“ Ländern boykottiert. Die Spiele waren jedoch sehr erfolgreich und zeigten mit 74 olympischen und 36 Weltrekorden ein hohes Leistungsniveau.
Der Vertrag über den Offenen Himmel (Open Skies) ist eine 2002 in Kraft getretene vertrauensbildende Maßnahme, zu deren Unterzeichnern heute insgesamt 34 Staaten gehören. Das Abkommen erlaubt unter anderem Staaten der NATO und des früheren Warschauer Pakts Aufklärungsflüge über das gesamte Staatsgebiet aller Teilnehmer. Im Mai 2020 erklärten die USA jedoch den Austritt aus dem Vertrag. Dieser wird nach Ablauf von sechs Monaten im November vollzogen.
Wladimir Wyssozki (1938–1980) war Dichter, Schauspieler und einer der bedeutendsten russischen Liedermacher des 20. Jahrhunderts. In seinen Texten und Liedern, die untrennbar mit seiner rauhen markanten Stimme verbunden sind, setzte er sich kritisch mit dem Alltag in der Sowjetunion auseinander. Trotz Radio- und Konzertverbots besaß er eine immense Popularität in der Bevölkerung. Grundlage hierfür waren zunächst populäre Filme und später unter der Hand verbreitete Amateur-Mitschnitte seiner illegalen Konzerte.