Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Im Grunde ein gegrillter Fleischspieß wie überall. Allerdings nicht ganz: Mit kultigen Geheimrezepten wird das Schweinefleisch mariniert. Für russische Schaschliki braucht es natürlich große Spieße. Zubereitung liegt offiziell ausschließlich in Männerhand.2 kg Zwiebeln auf 4 kg Fleisch. Die Zwiebelringe mit viel Salz mit den Händen durchwalken, Fleisch dazu, Pfeffer, Kräuter, rotes Paprika. Alles weiterhin mit den Händen mischen. Eine Geheimzutat: Das Fleisch zunächst mit Buttermilch oder Kefir durchtränken. Alles über Nacht zugedeckt stehen lassen. Am nächsten Tag grillen.
Die Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) war eine Unionsrepublik der Sowjetunion. Sie wurde erstmals am 1. Januar 1919 im russischen Smolensk ausgerufen und bestand bis August 1991. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg und dem Friedensvertrag von Riga wurde die BSSR 1920 neu gegründet, ohne die westlichen Territorien, welche an Polen abgetreten wurden. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurden diese Gebiete 1939 jedoch wieder Teil der BSSR und blieben es auch nach 1945. Die rund 70 Jahre BSSR haben Belarus stark verändert und prägen das Land bis heute.
Sjanon Pasnjak (geb. 1944) ist ein belarussischer Oppositioneller. Schon während der Perestroika wurde er zum Anführer der Belarussischen Volksfront „Wiedergeburt“ – eine soziale und politische Bewegung, aus der 1993 die sich als nationalkonservativ positionierende Partei Belarussische Nationale Front (BNF) entstand. Pasnjak galt vielerorts als charismatisch, aber auch als radikaler politischer Gestalter des unabhängigen Belarus. Als direkter Gegner von Lukaschenko musste er bereits 1996 ins Exil, bis heute prägt er aber die politische Landschaft des Landes.
Obwohl sich die Reaktorkatastrophe im AKW Tschernobyl auf dem Gebiet der heutigen Ukraine ereignete, wurde Belarus am stärksten von den Folgen der Katastrophe getroffen. Etwa 70 Prozent des radioaktiven Fallouts gingen auf dem Territorium der heutigen Republik Belarus nieder. Für Belarus ist Tschernobyl daher eine nationale Tragödie mit ökologischen, gesundheitlichen, sozialen, wirtschaftlichen und politischen Dimensionen. Die Katastrophe hat die Entwicklung des Landes wesentlich beeinflusst und hat bis heute Auswirkungen auf das Leben seiner Bewohner.
1918 wurde in Minsk der Versuch unternommen, eine unabhängige Belarussische Volksrepublik zu etablieren. Doch das Projekt scheiterte. Die Republik verfügte weder über ein festumrissenes Territorium noch eine eigene Verfassung; und nach nicht einmal einem Jahr mussten ihre Vertreter Belarus verlassen. Für die belarussische Opposition stellt sie jedoch bis heute einen wichtigen Bezugspunkt dar.
In den vergangenen 200 Jahren hinderten unterschiedliche Herrschaftsbereiche und politische Systeme die moderne belarussische Sprache daran, sich durchzusetzen. Sie wurde unterdrückt und an den Rand gedrängt. Heute ist sie eine der beiden Amtssprachen der Republik Belarus und hat einen hohen Symbolwert.
Seit ihrer Unabhängigkeit 1991 unterhält die Republik Belarus enge politische, wirtschaftliche und militärische Beziehungen zu Russland. Und auch für den großen östlichen Nachbarn ist Belarus der zentrale regionale Verbündete. Seit der Niederschlagung der Proteste von 2020 und seit Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine haben sich die Abhängigkeiten von Belarus deutlich zu Gunsten Russlands verschoben.
Als belarussischer Sonderweg wird die spezifische Verbindung von planwirtschaftlichen Methoden der Wirtschaftslenkung und dem neopatrimonialen politischen System von Präsident Alexander Lukaschenko bezeichnet.
Janka Kupala gilt als Klassiker und Ikone der belarusischen Literatur. Seine Werke sind Ausdruck der schwierigen Suche der Belarusen nach einem nationalen Selbstverständnis und werden auch bei den Protesten seit Sommer 2020 häufig zitiert. Eine Gnose von Gun-Britt Kohler.
Joseph Brodsky (1940–1996) war ein russischer und US-amerikanischer Dichter, Essayist, Dramaturg und Übersetzer. 1987 wurde er mit dem Nobelpreis für Literatur ausgezeichnet. 1964 wurde Brodsky wegen tunejadstwo (dt. etwa Müßiggang, Arbeitsscheu und Sozialschmarotzertum) zu fünf Jahren Zwangsarbeit verurteilt, wegen zahlreicher Aufrufe sowjetischer und internationaler Kulturschaffender wurde er jedoch nach rund anderthalb Jahren freigelassen. 1972 drängten die sowjetischen Behörden Brodsky, das Land zu verlassen. Er wurde ausgebürgert und emigrierte schließlich in die USA. Hier lehrte Brodsky an der University of Michigan und verfasste weitere Schriften, die ihm schon zu Lebzeiten den Ruf eines Klassikers einbrachten.
Etwa 2,6 Millionen der rund sechs Millionen Opfer des Holocaust wurden auf dem Gebiet der Sowjetunion ermordet. Die systematische Ermordung der sowjetischen Juden begann zeitgleich mit dem Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges im Juni 1941. Vor allem auf jenen Gebieten, die 1939/40 von der Sowjetunion annektiert worden waren, erschossen deutsche Einheiten unter Mithilfe einheimischer Hilfskräfte Hunderttausende Juden.
Für einige sowjetische Generationen war kolbassa (dt. Wurst) mehr als nur ein Lebensmittelprodukt. Sie war vor allem eine Errungenschaft, die den Weg in die glückliche kommunistische Zukunft ebnen sollte. Alexander Meienberger über sowjetische Wurst, die heute noch für Sehnsucht nach der untergegangenen Sowjetunion sorgt. Selbst wenn es nicht immer einfach war, die Kolbassa zu bekommen.