Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Mit dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 begann auch die Schlacht um die Brester Festung. Der Widerstand der Besatzung ist in Russland und Belarus bis heute zentraler Bestandteil der Erinnerung an den „Großen Vaterländischen Krieg”. Allerdings ist die Überlieferung der Ereignisse stark ideologisch geprägt, wodurch das Geschehene nur selektiv erinnert wird und Fakten verzerrt werden.
Viktor Scheiman gilt als graue Eminenz der belarussischen Politik und rechte Hand Alexander Lukaschenkos. Fast alle wichtigen politischen Ämter des Landes hatte er einmal inne. Im Juni 2021 trat er überraschend zurück. Was bleibt sind die Spekulationen um seine Verwicklungen in politische Morde, Waffenhandel und zwielichtige Devisengeschäfte.
Bereits seit dem Mittelalter waren die belarussischen Gebiete Heimat zahlreicher Juden. Über die Jahrhunderte erlebten sie hier ein „goldenes Zeitalter“ und das Aufblühen des jüdischen Geisteslebens, aber auch Diskriminierung, Armut und Pogrome. Bis zum Holocaust waren zahlreiche belarussische Städte stark jüdisch geprägt.
Am 22. Juni 1941 überfiel Hitlers Wehrmacht die Sowjetunion. Somit fing der Große Vaterländische Krieg an – der im Nachhinein siegreiche Verteidigungskampf der Sowjetunion gegen die nationalsozialistischen Aggressoren. Innerhalb weniger Wochen drangen die Wehrmachttruppen weit auf das sowjetische Territorium vor, es fielen über 236.000 Sowjetsoldaten, während mehr als zwei Millionen in deutsche Kriegsgefangenschaft gerieten. Das „Unternehmen Barbarossa“ und der Blitzkrieg konnten jedoch nicht realisiert werden. Bereits im Herbst kamen die Truppen vor Moskau zum Stehen.
Die Beziehungen zwischen der NATO zu Russland standen von Anfang an unter keinem guten Stern. Der erste Generalsekretär der NATO, Hastings Ismay, brachte es in den 1950er Jahren auf die kurze Formel: „to keep the Russians out, the Americans in, and the Germans down“. Nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Systeme in Osteuropa stand zeitweise jedoch sogar eine russische NATO-Mitgliedschaft im Raum. Die frühen 1990er Jahre waren von schwierigen Diskussionen geprägt, bei denen einerseits Beitrittswünsche osteuropäischer Staaten und andererseits russische Empfindlichkeiten berücksichtigt werden mussten. Letztlich setzte sich die Linie des amerikanischen Präsidenten Bill Clinton durch, der eine Osterweiterung der NATO befürwortete. Heute sind die Beziehungen zwischen der NATO und Russland stark angespannt.
Ales Adamowitsch (1927–1994) war ein sowjetischer und belarussischer Schriftsteller, Drehbuchautor, Literaturwissenschaftler und Menschenrechtler. Er lehrte unter anderem belarussische Literatur in Minsk und an der Lomonossow-Universität Moskau. Adamowitschs Werke wurden zum Teil in andere Sprachen übersetzt, er gilt als Klassiker der belarussischen Literatur.
Chatyn war ein nordöstlich von Minsk gelegenes belarussisches Dorf, das 1943 von der SS niedergebrannt wurde. Dabei starben mindestens 150 Zivilisten. Chatyn wurde nie wieder aufgebaut und ist bis heute eines der wichtigsten Symbole des deutschen Vernichtungskrieges in Belarus. 1969 wurde am Ort des ehemaligen Dorfes eine Gedenkstätte zur Erinnerung an die NS-Verbrechen errichtet.
Wassil Bykau (1924–2003) war ein sowjetisch-belarussischer Schriftsteller. Als Rotarmist kämpfte er im Zweiten Weltkrieg, der auch im Zentrum seines Werkes steht. Dabei widmete er sich nicht der Heroisierung des Krieges, sondern den moralischen Dilemmata der Soldaten und dem Überlebenskampf der Zivilbevölkerung. Seine auf Belarussisch verfassten Erzählungen wurden in zahlreiche Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt. Während der Perestroika setzte sich Bykau für eine unabhängige und demokratische Republik Belarus ein. Aufgrund von Repressionen emigrierte er 1997 nach Westeuropa.
Zahlreiche sowjetische Jüdinnen und Juden fielen dem Holocaust zum Opfer, Soldaten der Roten Armee zählten zu den ersten, die das Grauen der Konzentrationslager dokumentierten. Dennoch spielte der Holocaust nach 1945 keine Rolle in der sowjetischen Kriegserinnerung. Im heutigen Russland ist der Umgang mit dem Holocaust vom sowjetischen Erbe, aber auch von aktuellen gesellschaftlichen und politischen Entwicklungen geprägt.
Im Grunde ein gegrillter Fleischspieß wie überall. Allerdings nicht ganz: Mit kultigen Geheimrezepten wird das Schweinefleisch mariniert. Für russische Schaschliki braucht es natürlich große Spieße. Zubereitung liegt offiziell ausschließlich in Männerhand.2 kg Zwiebeln auf 4 kg Fleisch. Die Zwiebelringe mit viel Salz mit den Händen durchwalken, Fleisch dazu, Pfeffer, Kräuter, rotes Paprika. Alles weiterhin mit den Händen mischen. Eine Geheimzutat: Das Fleisch zunächst mit Buttermilch oder Kefir durchtränken. Alles über Nacht zugedeckt stehen lassen. Am nächsten Tag grillen.
Die Belarussische Sozialistische Sowjetrepublik (BSSR) war eine Unionsrepublik der Sowjetunion. Sie wurde erstmals am 1. Januar 1919 im russischen Smolensk ausgerufen und bestand bis August 1991. Nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg und dem Friedensvertrag von Riga wurde die BSSR 1920 neu gegründet, ohne die westlichen Territorien, welche an Polen abgetreten wurden. Durch den Hitler-Stalin-Pakt wurden diese Gebiete 1939 jedoch wieder Teil der BSSR und blieben es auch nach 1945. Die rund 70 Jahre BSSR haben Belarus stark verändert und prägen das Land bis heute.
Sjanon Pasnjak (geb. 1944) ist ein belarussischer Oppositioneller. Schon während der Perestroika wurde er zum Anführer der Belarussischen Volksfront „Wiedergeburt“ – eine soziale und politische Bewegung, aus der 1993 die sich als nationalkonservativ positionierende Partei Belarussische Nationale Front (BNF) entstand. Pasnjak galt vielerorts als charismatisch, aber auch als radikaler politischer Gestalter des unabhängigen Belarus. Als direkter Gegner von Lukaschenko musste er bereits 1996 ins Exil, bis heute prägt er aber die politische Landschaft des Landes.