
„Ein weißer Fleck in Europa“ – so nannte das Autorenkollektiv einer 2011 in Deutschland erschienenen Monografie das Land Belarus und unterstrich damit seinen sogar in den Nachbarstaaten geringen Bekanntheitsgrad1. In den vergangenen 15 Jahren hat sich das kaum verändert: Belarus gehört in Europa nach wie vor zu den unbekannten Ländern. Die Aufmerksamkeit, die die Massenproteste der Belarussinnen und Belarussen gegen das autoritäre Regime im Jahr 2020 im Ausland erregten, währte nur kurz. Seit Februar 2022 taucht die Mitwirkung des belarussischen Diktators an Russlands Krieg gegen die Ukraine das Land in ein negatives Licht.
Ein wesentlicher Grund für den geringen Bekanntheitsgrad ist wohl, dass sich die moderne belarussische Nation im Schatten einflussreicher Nachbarn herausbildete und erst in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in Erscheinung trat, also bedeutend später als andere europäische Nationen. Ein zweiter gewichtiger Grund ist die Tatsache, dass der Prozess der Nationalstaatenbildung bis heute nicht abgeschlossen ist.
Unter welchen Bedingungen ist die sogenannte Nationalbewegung, Wiedergeburt (belarus. adradshenne) genannt, entstanden? Wo liegen ihre Wurzeln? Welche Ereignisse und Persönlichkeiten beeinflussten ihre Entwicklung? Der Historiker Viktor Schadurski nimmt uns mit in eine faszinierende Geschichte, deren Auswirkungen bis heute zu spüren sind.
Schritte zur belarussischen Nation
„Vor langer Zeit, als unser Land mit Litauen sich vereinte und auch mit Polen aus freien Stücken sich verband, als alle ‚Belarus‘ es nannten, nicht ohne Grund! Denn es war weder groß, noch war es klein, nicht rot noch schwarz, sondern weiß und rein; es schlug und unterdrückte keinen, verteidigte sich bloß. Viele Völker gab es, die verloren erst ihre Sprache, wie ein Mensch, dem es die Sprache verschlägt vor dem Tod, und starben dann gänzlich. Deshalb vergesst unsere belarussische Sprache nicht, auf dass ihr nicht sterbet!“
Mit diesen Worten beschrieb Franzischak Bahuschewitsch, Teilnehmer des Aufstandes von 1863-64, am Ende des 19. Jahrhunderts die Alltagsprache der Belarussen als unabdingbaren Teil ihrer einzigartigen Identität. Damals gehörte Belarus zum Russischen Reich, das im 19. Jahrhundert immer öfter als „Völkergefängnis“ bezeichnet wurde. Bahuschewitschs Aufruf „Vergesst unsere belarussische Sprache nicht, auf dass ihr nicht sterbet!“ gilt heute als eine der frühen Spuren der aufkommenden belarussischen Nationalidee.
Bahuschewitsch genießt in Belarus bis heute hohes Ansehen. Ihm sind Museen, Denkmäler und Straßen gewidmet. Zu seiner Zeit war er die Stimme der einfachen Leute und Bauern, die sich den Wurzeln und der Erde verbunden fühlten, auf der ihre Vorfahren seit Jahrhunderten gelebt hatten. Der Dichter schätzte auch die Sprache seiner Umgebung und weigerte sich, Polnisch oder Russisch als höherwertig zu betrachten, wie es zu jener Zeit in Adel und Beamtenschaft üblich war. In seinem Selbstverständnis waren Sprache und Heimat untrennbar miteinander verbunden. Heute stimmen Historiker überein, dass er mit obigem Ausspruch den Belarussen und Belarussinnen einen der langlebigsten Imperative mit auf den Weg gegeben hat. Das Zitat stammt aus seiner 1891 in Krakau herausgegebenen Gedichtsammlung Dudka białaruskaja (dt. Die belarussische Flöte), die er in den damaligen belarussischen Dialekten verfasst hatte. Kurz darauf entwickelte sich in raschem Tempo eine belarussische Literatursprache, die Einzug in die Publizistik nahm. Bahuschewitsch war, neben vielen anderen seiner Zeitgenossen, einer ihrer Wegbereiter.
Nicht nur Literaten und Dichter des 19. Jahrhunderts wie Bahuschewitsch setzten sich mit Sprache und Lokalkultur auseinander, sondern auch früher schon eine ganze Reihe von Historikern, Ethnologen und anderen Intellektuellen. Bekanntermaßen waren diesen analogen Prozessen in Europa die Französische Revolution und die Napoleonischen Kriege vorausgegangen, gefolgt von einer Reihe weiterer Revolutionen gegen Tyrannei, die allmählich bis an die westlichen Ränder des Russischen Reiches vordrangen – darunter auch auf belarussisches Gebiet. Im Grunde bestanden die aufziehenden Veränderungen darin, dass Vertreter der herrschenden Eliten, die entweder der polnischen oder der russischen Kultur angehörten, mehr auf die sprachlichen und kulturellen Besonderheiten der lokalen Bevölkerung achteten, vor allem der Bauernschaft, die über die Jahrhunderte einzigartige Mundarten bewahrt hatte. Neben den Besonderheiten von Dialekten, die niemals schriftlich normiert wurden, stießen auch die kulturellen Traditionen der Landbevölkerung, die sich deutlich von denen der Nachbarvölker unterschieden, auf Interesse. Der belarussischen Volkskunde verschrieben sich unter anderem zwei Vertreter des katholischen Hochadels: die Brüder Konstantin und Ewstafij Tyschkewitsch. Im Rahmen ihrer archäologischen und ethnografischen Studien trugen sie eine reiche Sammlung an Altertümern zusammen, die zum Grundstock des ersten historischen Museums wurde, das 1842 in Lahojsk eröffnete. Im Jahr 2000 beschloss die Regionalverwaltung von Lahoisk die Gründung eines Geschichts- und Volkskundemuseums, das nach Konstantin und Ewstafij Tyschkewitsch benannt wurde und heute die erhalten gebliebenen Bestände der erwähnten Sammlung beherbergt.
Ein glühender Verfechter der belarussischen Kultur und Sprache aus dem lokalen katholischen Adel war Winzent Dunin-Marzinkewitsch (1808-1884), der als „erster professioneller belarussischer Schriftsteller“ gilt, da er sich für die Literatur als hauptsächliche Einkommensquelle entschied. Seine Theaterstücke schrieb er in belarussischer und polnischer Sprache, benutzte oft beide nebeneinander, um die Stände zu markieren (Bauern sprachen Belarussisch, der Adel Polnisch). In den 1840er Jahren gründete er auf seinem Gut Luzinka eine Theatergruppe, die Stücke in belarussischer Sprache aufführte.

Sein bekanntestes Werk Pinskaja schljachta (dt. Der Pinsker Adel) von 1866 erfreut sich bis heute großer Beliebtheit. Gleichzeitig ist eine zweibändige Aufsatzsammlung von Dunin-Marzinkewitsch, dessen Stücke jahrzehntelang auf dem Lehrplan belarussischer Schulen standen, 2023 von der Regierung zum „extremistischen Material“ erklärt worden. Man muss wohl davon ausgehen, dass jegliche Kritik am Russischen Reich bei den belarussischen Machthabern – dem Kreml folgend – Missfallen erregt. Neben Dunin-Marzinkewitschs Aufsätzen ereilte dieses Schicksal in den letzten Jahren auch die Bücher anderer belarussischer Autoren und Autorinnen.
Obwohl die europäische Idee der Nationenbildung Belarus mit Verspätung erreichte, wurde sie von vielen lokalen Intellektuellen begeistert aufgenommen. Sie kamen immer mehr zu der Auffassung, dass die Bevölkerung der belarussischen Gebiete eine „unterdrückte Volksgruppe“ mit eigener Sprache und besonderem Brauchtum darstellt. Allmählich entwickelten auch die Bewohner der belarussischen Gebiete selbst das Bewusstsein, dass sie zwar auch „russisch“ waren, aber anders als die Bewohner der zentralen Gouvernements des Kaiserreichs (sog. Moskali).
Einer der Begründer der belarussischen Folkloristik war Jan Czeczot (1796-1847). Er zählt zu den Wegbereitern der „belarussischen Wiedergeburt“ (Adradshenne), einer sehr heterogenen Gruppe aus verschiedenen sozialen Schichten und Religionen, mit verschiedenen Meinungen und Interessen, die sowohl in Belarus als auch im Ausland aktiv war. Czeczot wurde im Oktober 1823 zusammen mit Gleichgesinnten festgenommen und als „Philomat“ angeklagt, das heißt als Mitglied einer geheimen patriotischen Studentenverbindung an der Wilnaer Universität, die seit 1817 bestand und 1823 verboten wurde. Ein Jahr später wurde er zur Verbüßung seiner Strafe nach Orenburg verfrachtet. Nach seiner Rückkehr 1833 begann er eine aktive Aufklärungstätigkeit, vor allem vor allem rund um die Erforschung der belarussischen Volkskunst. Seine Ergebnisse fanden Eingang in das sechsbändige Werk Piosnki wieśniacze (Dorflieder).
Wilna (Vilnius) und Sankt Petersburg, die Hauptstadt des Russischen Reiches, wurden zu wichtigen Zentren einer wachsenden Bewegung für die nationale Selbstbestimmung der Belarussen.
Pioniere der Emanzipation
Eine besondere Rolle in der Entwicklung der belarussischen Kultur und nationalen Identität kam Vilnius zu, das jahrhundertelang die Hauptstadt des Großfürstentums Litauen gewesen war. Unter der Herrschaft des russischen Zaren schwand ab dem Ende des 19. Jahrhunderts zwar seine politische Bedeutung, doch blieb Vilnius ein wichtiges kulturelles Zentrum der litauisch-belarussischen Gouvernements. Dazu trug wesentlich die Kaiserliche Universität Wilna (1803-1832) bei, die ab 1823 die größte Hochschule des Russischen Reiches und eine der größten von ganz Europa war, deren Studentenzahlen sogar die der Universität von Oxford übertrafen. Viele Professoren erforschten und lehrten hier Belarussische Geschichte: Joachim Lelewel, Ignati Danilowitsch, Ignati Anazewitsch, Iossif Jaroschewitsch, Michail Bobrowski und andere mehr. Obwohl in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts noch der allpolnische Zugang zur Geschichte dominierte, begannen Historiker, das Großfürstentum aus der allgemeinen polnischen Geschichte auszugliedern und seine eigenständige Rolle in der Konföderation herauszustellen2.
Michail Bobrowski etwa, der das Erbe des belarussischen Buchdruckers Franzisk Skorina erforschte, verfolgte die engen historischen und kulturellen Verbindungen zwischen Belarus, Polen und Litauen. Die oben genannten und auch weitere Intellektuelle identifizierten sich vornehmlich mit der polnischen Sprache und Kultur, konnten sich jedoch, auch wenn sie auf polnisch publizierten, gleichzeitig als Belarussen und Litauer fühlen. Die zaristische Regierung war allerdings darauf aus, den Einfluss der polnischen Kultur und Identität in den belarussischen Gebieten zu beschränken, da er der offiziellen Ideologie eines „geeinten russischen Volkes“ entgegenstand.
Jegliches Andersdenken wurde brutal unterbunden. Besonders scharfe Repressionen erlebten die belarussischen und litauischen Gouvernements nach zwei misslungenen Revolten – dem Novemberaufstand 1830 und dem Januaraufstand 1863-64. Nach der Niederschlagung des ersten Aufstandes nahm Zar Nikolaus I. aktiv Kurs auf Russifizierung – die vollständige Integration dieser Gebiete in das administrative, kulturelle und religiöse System des Imperiums. Im Jahr 1832 wurde die Wilnaer Universität geschlossen, und über die belarussischen Gebiete, besonders den Nordwesten, rollte eine Welle der Verhaftungen und Deportationen und raubte der ohnehin dünnen kulturellen Schicht, der auch Unterstützer der belarussischen Wiedergeburt angehörten, die letzten Kräfte.
Im Februar 1839 wurde auf dem Gebiet des Russischen Reiches die griechisch-katholische (unierte) Kirche aufgelöst, der die meisten Belarussen angehörten. Mehr als 1,5 Millionen belarussische Unierte wurden gezwungen, zur Orthodoxie überzutreten, was ihnen die Machthaber als „Rückkehr zum Glauben der Vorfahren“ verkauften. Die unierten Geistlichen hatten in ihren Predigten und in der Seelsorge nicht selten die belarussische Umgangssprache verwendet, also die Sprache des einfachen Volkes. 1840 ließ Nikolaus I. die Begriffe „Belarus“ und „Belorussija“ in offiziellen Dokumenten verbieten und durch „Nordwestprovinz” ersetzen.
Angesichts der brutalen Unterdrückung revolutionärer und nationaler Gesinnungen, Äußerungen und Aktivitäten auf dem Gebiet der Nordwestprovinz gewann ein anderes aktives Zentrum der belarussischen Wiedergeburt an Bedeutung: Sankt Petersburg, wo die Jugend aus den belarussischen Gebieten nun an die Hochschulen strömte. Im Jahr 1884 gab eine Gruppe belarussischer Studenten die erste dreisprachige Zeitung heraus: Gomon (Lärm), in russischer, belarussischer und polnischer Sprache. Sie wurde sowohl in Sankt Petersburg als auch in Minsk und anderen belarussischen Städten verbreitet. Die Ideen für das illegale Blatt kamen von Alexander Martschenko und Chaim Ratner, Mitglieder einer belarussischen Studentenverbindung an der Sankt Petersburger Universität und Unterstützer der sozialistischen Bewegung Narodnaja Wolja (dt. Wille des Volkes). Diese geheime revolutionäre Terrororganisation entstand 1879 im Russischen Reich und zielte darauf ab, die Monarchie mittels individuellen Terrors zu demokratischen Reformen zu zwingen: durch die Ermordung hochrangiger Beamter. Als Vorbild dienten den Belarussen die russischen Revolutionäre, die die geknechtete Bauernschaft als Motor für Veränderungen betrachteten. Auch die ukrainische Studentenverbindung (Verband der „Ukrainischen Sozialistischen Föderalisten“, 1883-1888) mit ihren revolutionären und nationalen Ideen inspirierte die Gründer der Gomon. Jedoch mussten sie die Erfahrung machen, dass die Bauern, in die sie so große Hoffnungen gesetzt hatten, nicht nur ihre Ideen weder verstanden noch unterstützten, sondern sie auch häufig an die Polizei auslieferten.
Das erste belarussische politische Manifest
In der zweiten Ausgabe der Zeitung Gomon wurde das erste belarussische politische Manifest veröffentlicht. Sie erschien im November 1884 und wurde von den Behörden konfisziert. In dem Manifest hieß es, das belarussische Volk spüre eine natürliche Verbundenheit und mache einen Unterschied zwischen seinen eigenen Interessen und jenen seiner „Wohltäter “, der Polen und Großrussen. Zum ersten Mal in der Geschichte wurde die Idee einer politischen Autonomie öffentlich formuliert, mit Belarus als „einheitlichem Wirtschaftsraum“ mit spezifischen Eigenheiten innerhalb eines föderativen und demokratischen Russlands: „All diese Besonderheiten verleihen Belarus das Recht auf Eigenständigkeit im Kreise der anderen Völker Russlands“3.
Im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts ging die intellektuelle Elite in den belarussischen Gebieten also von der Volkskunde zu politischen Projekten über: von einer regionalen zu einer modernen nationalen Identität. Gomon war die ein erster Schritt auf dem Weg zur belarussischen politischen Selbstbestimmung. Ab dem Zeitpunkt ihrer Erstausgabe wurde aus einer nationalen Idee ein Zukunftsideal, dessen Ziel ein souveräner Staat Belarus war. Die Verhaftung durch die Gendarmen des Zaren setzte dem ambitionierten Plan dieser belarussischen Revolutionäre jedoch ein Ende.

Die immer stärker werdende Forderung nach einer „neuen Nation“ erfuhr weder bei den polnischen Nationalisten noch bei den Befürwortern des Konzepts eines „gesamtrussischen Volkes“ Zuspruch. Die polnischen Nationalisten meinten, die Belarussen seien nicht bereit für eine eigene Nation und sollten sich der polnischen Bewegung anschließen. Die Befürworter des „gesamtrussischen Volkes“ hielten die regionalen, nationalen und kulturellen Eigenheiten der Belarussen für Folgen negativer polnischer und katholischer Einflüsse, die so schnell wie möglich verschwinden sollten. In Russland verbreitete sich in jenen Jahren die Ideologie des sogenannten Westrussismus (Sapadnorussism), der Großrussen, Kleinrussen und Belarussen als ein gemeinsames Volk mit nur wenigen regionalen Unterschieden betrachtete. In der bereits erwähnten zweiten Ausgabe von Gomon wurde betont, dass die nächsten Nachbarn der Belarussen das Recht des Stärkeren missbrauchten und rücksichtslos mit harter Hand gegen den lebendigen Organismus des belarussischen Volkes vorgingen und ihm abverlangten, sich demütig dem Stärkeren zu unterwerfen, sich zu assimilieren und im großrussischen oder polnischen Meer aufzulösen4.
Die erhöhte Aufmerksamkeit für die „lokale (hiesige) Identität“ zeigte sich, wie gesagt, auf verschiedene Weise und war auf unterschiedliche Motive zurückzuführen. Davon zeugt auch das Wirken von Kastus Kalinouski, Anführer des Januaraufstandes von 1863-64, einer für Belarus sehr bedeutenden historischen Persönlichkeit. Gemeinsam mit seinen Mitstreitern gab Kalinouski sieben Ausgaben der Zeitung Mushyzkaja prauda (dt. Bauernwahrheit) in belarussischer Sprache in lateinischer Schrift heraus, wenngleich er im Alltag hauptsächlich polnisch sprach. Seine letzten Schriftstücke vor der Hinrichtung („Aufzeichnungen unter dem Galgen“) verfasste er im Gefängnis allerdings auf Belarussisch. Er verfolgte keinen konkreten Plan, einen belarussischen Staat zu gründen, sondern träumte lediglich von einem autonomen Gebiet des ehemaligen Großfürstentums Litauen innerhalb der Rzeczpospolita, die die Aufständischen wiederherstellen wollten5. Sie dachten nicht in den Kategorien einer belarussischen Staatlichkeit, da diese Gegend für sie Teil eines größeren politischen Gebildes war. Die Herausgabe der Zeitung in belarussischer Sprache zielte insofern vor allem darauf ab, die Solidarität der Bauernschaft für die Aufständischen zu gewinnen.
Zwei Brüder und die erste belarussische Partei
An der Schwelle vom 19. zum 20. Jahrhundert begannen sich im halbfeudalen Russischen Reich aus vereinzelten revolutionären Gruppierungen im Untergrund – vor allem Narodniki und Marxisten – politische Parteien herauszubilden, die ihre politischen und wirtschaftlichen Programme konkreter formulierten. Der Prozess der Parteienbildung orientierte sich an der Erfahrung westeuropäischer politischer Institutionen und erfasste sowohl das Zentrum als auch die Peripherie des riesigen Landes. Es dominierten jene politischen Strömungen, die sich die Interessen der Bauernschaft auf die Fahnen schrieben, die je nach Quelle etwa 80 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachte. Die Bauern waren der ärmste Stand ohne jegliche politische Rechte, weshalb die Sozialrevolutionäre dachten, sie zum Sturz der Autokratie mobilisieren zu können.
Im Jahr 1902 wurde ausgehend von russischen und ausländischen revolutionären Gruppierungen in Genf die Partei der Sozialrevolutionäre PSR) gegründet, die zur größten und einflussreichsten sozialistischen Partei im Russischen Reich des beginnenden 20. Jahrhunderts wurde. Die Partei vertrat die Interessen der Bauernschaft und forderte den Sturz des Zaren und die „Sozialisierung des Bodens“. Sie verfügte über ein breites Netz an Untergrundzellen sowohl in den russischen Gouvernements als auch in der weitläufigen Peripherie, darunter auch in Belarus.
Im Winter 1902-1903 gründeten belarussische Revolutionäre nach dem Beispiel russischer, polnischer, jüdischer und anderer Organisationen im Untergrund von Wilna ihre erste politische Partei – die Belarussische revolutionäre Vereinigung (russ. Gromada, blr. Hramada). Auf dem ersten Parteitag im Dezember 1903 wurde sie umbenannt in Belarussische Sozialistische Gromada (BSG). Das Programm dieser neuen Partei ähnelte dem der bereits erwähnten PSR: Es ging um die Interessen der Bauernschaft, den Sturz der Autokratie, die Abschaffung des Kapitalismus und die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaftsordnung. Solche politischen Ideen waren damals in ganz Europa modern. Die neue Partei sah ihre Aufgabe im Kampf gegen die soziale Ungleichheit, in einer gerechteren Verteilung der Gewinne der wachsenden Industrie. Bezogen auf die nationale Frage waren ihre Ansätze recht gemäßigt: Sie wollte eine national-ethnische Autonomie mit einem Regionalparlament (Sejm) in Wilna als Teil eines föderativen und demokratischen Russlands. Ein wichtiger Programmpunkt war auch die Entwicklung der belarussischen Kultur.
Bei der Entstehung der ersten belarussischen Partei spielten zwei Brüder eine wichtige Rolle: Iwan und Anton Luzkewitsch. Iwan (1881-1919) wurde Parteivorsitzender, Anton (1884-1942) ihr Chefideologe und Publizist. Sie waren die Söhne eines Katholiken, der 1863 am Aufstand teilgenommen hatte, und wuchsen polnischsprachig auf. Der Vater kämpfte für die Wiedererrichtung der Rzeczpospolita, die Söhne widmeten sich der Idee eines unabhängigen Belarus. Die Weltsicht der jungen Luzkewitsch-Brüder wurde maßgeblich von den Werken Franzischak Bahuschewitschs und Winzent Dunin-Marzinkewitschs geprägt. Schon als Gymnasiast in Minsk organisierte der sechzehnjährige Iwan gemeinsam mit dem jüngeren Bruder Anton eine Gruppierung, die sich für nationale und soziale Gerechtigkeit engagierte. Einen ernsthaften Anschluss an die Bewegung für die belarussische Wiedergeburt fanden sie durch ihre Bekanntschaft mit dem Schriftsteller und Künstler Karus Kaganez (Kasimir Kostrowizki), einem späteren Mitgründer der BSG.
Angesichts der beginnenden Russischen Revolution (1905-1907) war Zar Nikolaus II. gezwungen, den Unterstützern einer konstitutionellen Monarchie Zugeständnisse zu machen, und veröffentlichte am 17. Oktober (nach gregorianischem Kalender: 30. Oktober) 1905 das „Manifest über die Verbesserung der staatlichen Ordnung“. Damit garantierte er bürgerliche Freiheiten, erweiterte das Wahlrecht auf breitere Bevölkerungsschichten und gründete die Staatsduma (Parlament). Das sogenannte Oktobermanifest bildete die Rechtsgrundlage zur Milderung bisher geltender Verbote, darunter die Veröffentlichung unabhängiger Druckwerke und die Verwendung der Nationalsprachen. Als direkte Folge wurden politische Parteien, Gewerkschaften, zivilgesellschaftliche Organisationen und die oppositionelle Presse legal.

Die Belarussische Sozialistische Gromada nutzte diese neuen Möglichkeiten und trat für kurze Zeit aus dem Untergrund hervor. Jedoch folgte schon wenige Monate später die Reaktionspolitik, die die Parteiarbeit abermals stark beschränkte. So beschlossen Iwan und Anton Luzkewitsch, ihren Fokus auf die Herausgabe einer legalen belarussischen Zeitung zu richten. Das war die Geburtsstunde der Zeitung Nascha Dolja (Unser Schicksal, September bis Dezember 1906) und später Nascha Niwa (Unsere Scholle, November 1906 bis August 1915).
Nascha Dolja erschien einmal wöchentlich in Wilna. Die Hälfte der Auflage wurde in russischer Sprache kyrillisch gedruckt, die andere Hälfte auf polnisch und in lateinischer Schrift. Die Auflage der ersten Ausgabe betrug 10.000 Exemplare. Die revolutionären Aufrufe in der Zeitung erregten jedoch die Aufmerksamkeit der zaristischen Polizei: von sechs veröffentlichen Ausgaben wurden vier konfisziert, die siebte Nummer wurde schon in der Druckerei vernichtet. Die zunehmenden Repressionen zwangen die Führung der Belarussischen Sozialistischen Gromada dazu, auf dem Parteitag 1907 ihre Auflösung zu verkünden. Gleichzeitig riefen sie ihre Mitstreiter dazu auf, sich auf die Herausgabe der Nascha Niwa zu konzentrieren.
Nascha Niwa – kleine Zeitung, großes Erbe
Wenn der Weg auch dornig war, so war die Wochenzeitung Nascha Niwa doch eine ziemliche Erfolgsgeschichte. Sie spielte eine enorme Rolle für die belarussische Nationalbewegung, die Konsolidierung einer politischen belarussischen Nation, die Entwicklung der Nationalsprache und -literatur. In ihren polemischen Artikeln, Agitationsschriften und Gedichten entlarvte sie die antibelarussische Politik der polnischen und russischen Chauvinisten. Fast neun Jahre lang blieb die Zeitung das wichtigste gesellschaftspolitische, wissenschaftlich-aufklärerische und kulturelle Medium der Nationalbewegung. Man kann sogar so weit gehen, sie zum Zentrum des intellektuellen Lebens in den belarussischen Gebieten zu erklären.
Ein wichtiges Scherflein trug zur Nascha Niwa neben den Luzkewitsch-Brüdern auch ihr erster Redakteur bei, Alexander Wlassow. Er lud bekannte Autoren wie Janka Kupala und Jakub Kolas, spätere Klassiker der belarussischen Literatur, ein, für die Zeitung zu schreiben. Der Überlieferung nach brachten ihnen diese Aufträge weder Geld noch sonstige materielle Gewinne. Doch blieben sie der Zeitung eng verbunden, Kolas als Stammautor, Kupala am Ende sogar als Chefredakteur (1914-15). Der Grundsatz der Zeitung war die Pflege einer lebendigen belarussischen Sprache in ihrer grammatischen und lexikalischen Vielfalt.

Obwohl die Zeitung aufgrund von Schwierigkeiten bei der Verbreitung, wegen Finanzierungsproblemen und aufgrund des niedrigen Alphabetisierungsgrades der Bevölkerung keine flächendeckende Bekanntheit in der belarussischen Bevölkerung erreichen konnte, erzeugte sie doch eine bedeutende Resonanz: Im Jahr 1910 etwa gingen 650 Leserbriefe ein6. Die Zeitung hatte mehr als 3.000 ständige und temporäre Korrespondenten sowohl in Belarus als auch weit darüber hinaus7. In der Nascha Niwa wurden Auszüge aus der späteren Kurzen Geschichte von Belarus (1910) von Wazlau Lastouski abgedruckt, die als erstes Buch gilt, das die belarussische Geschichte aus nationaler Perspektive darstellt. Man muss allerdings anmerken, dass Lastouski, der über keine einschlägige Ausbildung verfügte, auch Fakten und Ereignisse beschrieb, die nicht ausreichend belegt waren, sodann jedoch zum kollektiven Geschichtsbild beitrugen8.
Im Juli 1913 initiierte die Redaktion der Nascha Niwa in Wilna die Gründung einer Belarussischen Verlagsgenossenschaft, die Bücher und Kalender herausgab und verkaufte. Tatsächlich hatten belarussische Enthusiasten bereits im Mai 1906 in Sankt Petersburg offiziell eine Herausgebergesellschaft mit dem Namen Zahlanie sonce i ŭ naše wakonce (etwa: Irgendwann wird auch uns die Sonne scheinen) registriert. Sie veröffentlichte nicht nur Belletristik, sondern auch die ersten Lehrbücher, Theaterstücke, Ratgeber für Hausfrauen und Postkarten auf Belarussisch. Sie wurden in Auflagen von insgesamt über 100.000 Stück gedruckt.
Die Gründung der Nascha Niwa fiel in eine Zeit, in der das Interesse an der belarussischen Kultur nicht nur im Verlagswesen zunahm. Auch belarussische Folklore- und Theatergruppen wurden immer populärer. So gründete etwa Ignat Bujnizki 1807 gemeinsam mit seinen Töchtern und Freunden auf seinem Landgut Poliwatschi eine Amateurtheatergruppe, die sich schon bald großer Beliebtheit erfreute. Nach einem erfolgreichen Auftritt in Wilna beschlossen Bujnizki und seine Mitstreiter im Sommer 1910, sich ganz ihrem Theater zu widmen und damit durch Belarus und die umliegenden Gebiete zu touren.
Die Vorstellungen fanden in belarussischer Sprache statt. In der Regel begannen sie mit Gedichten, dann wurde ein Stück gespielt. Nach dem Stück gab ein Chor belarussische Volkslieder zum Besten und am Ende wurden Tänze aufgeführt. Bujnizki war 1917 Gründungsmitglied der Ersten Belarussischen Gesellschaft für Drama und Komödie in Minsk, aus der bald darauf das Nationale Akademische Janka-Kupala-Theater hervorging9. Die Nascha Niwa erschien ab 23. November 1906 in kyrillischer Schrift, bis 31. Oktober 1912 parallel auch in lateinischer Schrift. Die Auflage betrug etwa 4.500 Exemplare, insgesamt erschienen mindestens 400 Ausgaben.
Der Erste Weltkrieg versetzte der Wiedergeburt der belarussischen Kultur einen schweren Schlag. Aufgrund des Kriegsgeschehens wurde die Nascha Niwa im August 1915 eingestellt. Von Oktober bis Dezember 1920 erschienen unter polnischer Besatzung noch einmal neun Ausgaben, dann wurde sie von der polnischen Militärzensur verboten. Nach dem Durchbruch an der Ostfront hatte Polen nämlich bedeutende Anteile des belarussischen Gebietes besetzt. Grund für das Verbot waren zahlreiche Artikel, die das Besatzungsregime kritisierten und das Ziel eines unabhängigen belarussischen Staates deklarierten, was den Plänen der damaligen polnischen Machthaber widersprach.
Erst nachdem Litauen und Belarus 1991 ihre staatliche Souveränität erlangt hatten, wurde die Nascha Niwa in Vilnius mit Siarhiej Dubaviec als Chefredakteur neu gegründet und schnell als Zeitung nationaldemokratischer Ausrichtung populär. 1996 zog die Redaktion nach Minsk. Nach der Niederschlagung der Massenproteste gegen Lukaschenko erlebte die Zeitung 2021 ernste Repressionsmaßnahmen. Anfang Juli 2021 wurden zahlreiche Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen festgenommen, die Webseite wurde blockiert, die Nascha Niwa wurde zur „extremistischen Organisation“ erklärt.
Schon Ende Juli 2021 konnte der in Freiheit gebliebene Teil der Redaktion die Webseite der Nascha Niwa in Litauen wieder in Betrieb nehmen, die bis heute eines der meistgenutzten belarussischsprachigen Online-Medien ist. Die Geschichte dieser Zeitung spiegelt also gewissermaßen die Entwicklung der belarussischen Nationswerdung.
Das vorläufige Ende der Adradshenne
Die Februarrevolution von 1917 führte zum Ende der Zarenherrschaft und brachte die unterdrückten Völker an den Rändern des Imperiums ihrer Unabhängigkeit näher. Nach der darauffolgenden Oktoberrevolution 1917 blieb kein Stein mehr auf dem anderen. Auch die belarussische Nationalbewegung erwachte wieder zum Leben und erklärte offen ihre Pläne zur Gründung eines eigenen Staates. Es entstanden neue belarussische Organisationen, und wieder wurden Zeitungen und Bücher in belarussischer Sprache gedruckt. Man machte sich die weiß-rot-weiße Flagge zueigen, die 1918 zum offiziellen Symbol der im Ersten Weltkrieg unter deutscher Besatzung proklamierten Belarussischen Volksrepublik (BNR) wurde. Ein Rumpfstaat, der kaum internationale Anerkennung fand und unter deutscher Besatzung im Ersten Weltkrieg Monate nur wenige Monate existierte. Von September 1991 bis Mai 1995 war sie abermals die Staatsflagge der Republik Belarus. Heute symbolisiert sie die demokratische Opposition, die Lukaschenkos Diktatur herausfordert und fest an ein unabhängiges und demokratisches Belarus glaubt.
Der Entwurf zu der Flagge stammt, wie mehrere Quellen belegen, von Klaudsij Dush-Duschewski (1891-1959), Student des Petrograder Bergbauinstituts. Angeblich kam ihm die Idee dazu in einer Frühlingsnacht 1917 im Kreise seiner Freunde. Die Farbgebung orientierte sich am mittelalterlichen Pahonja-Wappen, mit dem die Belarussen viele Ereignisse ihrer Nationalgeschichte verbinden. Da Klaudsij Dush-Duschewski in Petrograd in der Belarussischen Kriegsversehrtenhilfe arbeitete, tauchte die Flagge angeblich erstmals im März 1917 an deren Gebäude auf.
Später wurde die Flagge zusammen mit dem Pahonja-Wappen beim Ersten Allbelarussischen Kongress aufgestellt, die von 5. bis18. Dezember 1917 im Minsker Theater stattfand. Der Kongress mit 1.872 Delegierten (davon 1.167 stimmberechtigt) bildete das gesamte politische, soziale und territoriale Spektrum von Belarus ab und war die erste belarussische Versammlung dieses Ausmaßes. Sie spielte eine entscheidende Rolle für die darauffolgende Staatsgründung.
Heute ist die offizielle Haltung zu diesem Kongress ambivalent: In „milden“ Zeiten konnten Regierungsmitglieder mit belarussischem Nationalbewusstsein sogar Lukaschenko von der historischen Bedeutung des Ersten Allbelarussischen Kongresses überzeugen. Zum hundertjährigen Jubiläum fand im Dezember 2017 in Minsk die Konferenz „Die Ereignisse 1917 im Kontext der belarussischen Geschichte‘“ statt, an die der Diktator ein Grußwort sandte. Darin war folgende These formuliert: „Diese Volksversammlung demonstrierte die wichtigsten Werte, die für uns bis zum heutigen Tage von Bedeutung sind: ein eigener Staat mit einer sozialen Ausrichtung und die Tatsache, dass nur das Volk, sein Wille, die kollektive Vernunft und die richtigen Anführer für echte Unabhängigkeit sorgen können.“ Seit 2022 gab es unter dem Einfluss der stärker werdenden Abhängigkeit vom Kreml keine offiziellen Verlautbarungen bezüglich des Kongresses mehr.
Das zentrale Thema auf dem Kongress, dessen Delegierte hauptsächlich Sozialrevolutionäre oder Parteilose waren, war die belarussische Selbstbestimmung. Es wurde eine Rada (dt. Rat) aus 71 Vertretern verschiedener Parteien sowie ein Exekutivkomitee gewählt und beschlossen, die Entscheidung über das Schicksal des belarussischen Volkes auf eine Allbelarussische Gründungsversammlung zu vertagen, deren Zusammensetzung die Rada im Folgenden organisieren sollte. Doch dann kam alles anders: Obwohl die Bolschewiken die Durchführung des Kongresses genehmigt hatten, lösten sie ihn am 18. Dezember 1917 auf und nahmen die aktiven Teilnehmer fest. Die Ambitionen einer nationalen Unabhängigkeit, die bei der Versammlung geäußert worden waren, erschienen ihnen wohl doch zu gefährlich.
- Ein weißer Fleck in Europa … Die Imagination der Belarus als einer Kontaktzone zwischen Ost und West. Hrsg. von Thomas M. Bohn und Victor Shadurski. (Histoire, Bd. 29.) Bielefeld: Transcript. 2011 ↩︎
- Latyschonak A., Miranowitsch Ja. Historyja Belarussi ad sjaredsiny XVIII st. da patschatku XXI st. 2-je wyd. Smalensk: Inbelkult, 2013 ↩︎
- Publizistika belorusskich narodnikow. Nelegalnyje isdanija belorusskich narodnikow (1881–1884). Sost.: S. CH. Alexandrowitsch, I. S. Alexandrowitsch. Minsk: BGU, 1983 ↩︎
- Publizistika belorusskich narodnikow. Nelegalnyje isdanija belorusskich narodnikow (1881–1884). Sost.: S. CH. Alexandrowitsch, I. S. Alexandrowitsch. Minsk: BGU, 1983 ↩︎
- Historyja Belarussi: u 6 t. / red. kal.: M. KaLuzkewitsch, A. Da historyi belaruskaha ruchu: Wybranyja twory / Anton Luzkewitsch; [Uklad., pradm., kament., anataw. index imjonau A. Sidarewitscha]. — Minsk: Belaruski knihasbor, 2003szjuk (hal. red.) [i insch.]. T. 4: Belarus u skladse Rassiskai imperyi (kanez XVIII – patschatak XX st.) / M. Bitsch [i insch.]. Minsk, 2005. S. 158–166, 233–243 ↩︎
- Pawel Zeraschkowitsch, Ethnischer Wandel und Nationalitätenpolitik, Handbuch Weißrussland, S. 375 ↩︎
- Luzkewitsch, A. Da historyi belaruskaha ruchu: Wybranyja twory / Anton Luzkewitsch; [Uklad., pradm., kament., anataw. index imjonau A. Sidarewitscha]. — Minsk: Belaruski knihasbor, 2003 ↩︎
- Istorija «Naschei Niwy» c 1906 goda do naschich dnei (18.08.2017). https://nashaniva.com/ru/151632 ↩︎
- Sachar Schybeka, Nordwestprovinzen im Russischen Reich, Handbuch Weißrussland, S. 131/132 ↩︎