
Seit Mitte Juli gehen ukraineweit wieder tausende Menschen täglich auf die Straße. Die Bilder der diesjährigen Papp-Proteste in Kyjiw und Lwiw gehen um die Welt, demonstriert wird aber auch in Charkiw, Dnipro und Odesa, Mykolajiw, Tscherkassy und sogar in den sehr frontnahen Großstädten Sumy und Saporishshja, die die russische Armee täglich mit Lenkbomben, kleinen FPV- und größeren Kamikaze-Drohnen terrorisiert.
Auslöser für die diesjährigen Papp-Proteste war am 15. Juli Selenskys Entlassung von Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow, der erst im Januar als Experte für moderne Kriegstechnologien und zuvor Digitalisierungsminister ins Amt geholt worden war. Doch mit jedem neuen Protesttag kommen weitere Forderungen hinzu: von der Rückkehr Fedorows über die Entlassung des Armee-Oberbefehlshabers Olexandr Syrsky bis hin zu allgemein mehr Transparenz in der Personalpolitik der Staatsführung. Die jüngsten Ministerwechsel nehmen die Demonstrierenden zum Anlass öffentlich zu diskutieren, wie in der Ukraine im anhaltenden Verteidigungskrieg gegen Russland trotz ausbleibender Wahlen politische Entscheidungen getroffen werden und wie stabil die staatlichen Institutionen noch sind. Besonders empört viele, dass diese wichtigen Entscheidungen kurz vor der Sommerpause des Parlaments getroffen wurden.
Unter den Demonstrierenden sind Veteranen und Angehörige von Soldat:innen, Militärhelfer:innen, Aktivist:innen sowie zahlreiche Menschen, die durch Russlands Besatzung ukrainischer Gebiete ihr Zuhause verloren haben. Für diese sind politische Personalfragen auch mit der Aussicht auf Deokkupation und der Hoffnung auf eine Rückkehr nach Hause verbunden.
Das ukrainische Online-Medium Zmina verfolgt die Proteste von Beginn an. In ihrer Reportage erfährt Reporterin Olexandra Jefymenko von ganz unterschiedlichen Demonstrierenden, was sie zum Protest motiviert und was die jüngsten politischen Entscheidungen für sie persönlich bedeuten.
Indes erwirkten die Proteste schon erste Reaktionen: Selensky hat am 21. Juli Syrsky entlassen und den jungen, seit 2014 kriegserfahrenen Mychajlo Drapaty zum Oberbefehlshaber berufen. Doch die Proteste gehen weiter: Viele wollen noch immer Fedorow als Verteidigungsminister zurück und allgemein bessere Erklärungen zu Personalentscheidungen.
„Der Juli riecht nach Pappe“
Die diesjährigen Proteste sind die zweite große Demonstrationswelle seit der russischen Vollinvasion in der Ukraine. Die erste gab es im Juli 2025, als die Werchowna Rada ein Gesetz verabschiedete, das die Unabhängigkeit des Nationalen Antikorruptionsbüros und der Spezialisierten Antikorruptionsstaatsanwaltschaft beschneiden sollte.
Die aktuellen Proteste haben einen anderen Anlass: die Personalrochade des Präsidenten. Dabei geht es den Teilnehmenden immer weniger nur um konkrete Namen. Im Mittelpunkt stehen zunehmend die Art und Weise der Entscheidungsfindung, die Rolle des Parlaments, die Transparenz bei Personalentscheidungen sowie die Frage, inwieweit staatliche Institutionen unter Kriegsbedingungen unabhängig und kohärent bleiben können.
Wie schon 2025 ist auch 2026 das Pappschild zum Symbol des Widerstands geworden, darauf schreiben die Demonstrierenden ihre Forderungen. Passend postete jemand im sozialen Netzwerk Threads: „Der Juli in Kyjiw riecht nach Pappe!“

Auf den Kundgebungen entstanden sogleich Freiwilligeninitiativen: In Kyjiw brachten Menschen Wasser und Tee, stellten Handy-Ladestationen bereit und richteten kostenloses WLAN ein. Die Demonstranten nahmen die Vorwürfe (vorwiegend in anti-ukrainischen und pro-russischen Socialmedia-Kanälen – dek), die Proteste seien angeblich „bezahlt“, mit Humor und begannen, einander Süßigkeiten zu schenken – als symbolische „Bezahlung“ für die Teilnahme.
Hintergrund: Selenskys Regierungsumbau im Juli 2026
Das Personalkarussell begann sich am 15. Juli zu drehen: Am Vortag hatte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selensky eine erneute Umgestaltung der Regierung sowie Veränderungen an der Spitze der Strafverfolgungsbehörden angekündigt. Der damaligen Ministerpräsidentin Julija Swyrydenko bot er einen neuen Arbeitsschwerpunkt in den bilateralen Beziehungen zu einem der wichtigsten internationalen Partner an. Am 13. Juli war bereits bekannt geworden, dass Swyrydenko ihren Rücktritt als Ministerpräsidentin eingereicht hatte, den die Werchowna Rada am Folgetag bestätigte. Damit führten die übrigen Mitglieder der Regierung ihre Ministerämter bis zur Ernennung des neuen Kabinetts geschäftsführend weiter aus.
Am 15. Juli teilten Abgeordnete der Partei Diener des Volkes nach einem Treffen mit Selensky mit, dass der Präsident den bisherigen Innenminister Ihor Klymenko als Verteidigungsminister vorschlagen werde. Am selben Tag bestätigte Mychajlo Fedorow, dass er sein Amt als Verteidigungsminister, das er erste vor einem halben Jahr, im Januar 2026, angetreten hatte, niederlegen werde. Daraufhin kam es in Kyjiw und anderen Städten der Ukraine zu Protestaktionen.
Am 16. Juli billigte die Werchowna Rada die neue Zusammensetzung der Regierung. Für den Beschluss Nr. 15415 stimmten 264 Abgeordnete (von aktuell 390 Abgeordneten). Am selben Tag erklärte Selensky, er habe Jewhenii Chmara, bis dato Chef des ukrainischen Inlandsgeheimdienstes SBU, mit der Wahrnehmung der Aufgaben des Verteidigungsministers der Ukraine betraut.
Zum Redaktionsschluss dieses Textes ist Chmara weiterhin amtierender Verteidigungsminister der Ukraine. Olexandr Syrsky ist vom Amt des Oberbefehlshabers der Streitkräfte der Ukraine zurückgetreten; an seine Stelle trat Mychajlo Drapaty.
Maryna Bulanowa: „Als er abgesetzt wurde, tat sich für mich ein Abgrund auf“

Für Maryna Bulanowa, eine Freiwillige aus Charkiw, begann ihr Protest mit der Entlassung des Verteidigungsministers. Sie kam am nächsten Tag zur Demonstration und ist seitdem fünf Tage in Folge dabei. Meistens kommt sie abends, wenn sich die meisten Menschen auf dem Platz versammeln.
„Ich bin keine Anhängerin von Fedorow, ich idealisiere ihn nicht. Ich finde, dass er wirklich ein effektiver Minister war, meiner Meinung nach sicherlich der beste, den ich beobachtet habe. Als er abgesetzt wurde, tat sich für mich ein Abgrund auf“, sagt Maryna.
Bulanowas Mutter, die sich ebenfalls als Freiwillige engagiert, lebt weiterhin in Charkiw und geht dort zusammen mit Verwandten und Freunden zu den Protesten. Für Maryna ist das neben dem familiären Aspekt auch deshalb von Bedeutung, weil das Leben der Menschen in Charkiw besonders stark von der Vollinvasion geprägt und die Freiwilligencommunity eng mit den Soldaten und deren Familien verbunden ist.
Auch Zivilisten haben das Recht, sich zu Entscheidungen der Militärführung zu äußern, besonders wenn es um ihren Staat geht, den sie verteidigen und unterstützen.
Auch Bulanowa selbst unterstützt die Armee schon seit Jahren. Der Großteil ihres ehrenamtlichen Engagements besteht in der Hilfe für Verwundete. Darum wandelten sich auch ihre Forderungen nach den ersten Protesttagen.
Neben der Forderung Fedorow zurückzuholen, wurde zunehmend auch die Unzufriedenheit mit der Militärführung sichtbarer. Nach und nach tauchten Plakate auf, die die Entlassung Olexandr Syrskys forderten. Bulanowa verweist auf Aussagen von Militärangehörigen und Soldaten, die sie persönlich kennt und die ebenfalls die Arbeit des Oberbefehlshabers kritisieren. Und sie ist überzeugt: Auch Zivilisten haben das Recht, sich zu Entscheidungen der Militärführung zu äußern, besonders wenn es um ihren Staat geht, den sie verteidigen und unterstützen.
„Besonders genervt haben mich Kommentare in sozialen Netzwerken, die die Proteste kritisieren: Welches Recht hätten Zivilisten, den Oberbefehlshaber zu kritisieren? Dies dürften nur Militärangehörige. Darüber kann ich mich echt ärgern, denn wenn man es so sieht, haben Zivilisten keinerlei Recht, den Oberbefehlshaber zu kritisieren, und die Militärangehörigen können es auch nicht. Dann hätte also niemand das Recht, ihn zu kritisieren“, sagt Maryna Bulanowa.
Lenije Umerowa: „Mit so einem Personal-Mist werden wir die Krym nur noch auf alten Postkarten zu sehen bekommen“


Für Menschen, die durch die russische Besatzung ihr Zuhause verloren haben, haben die Personalentscheidungen in der Staatsführung noch einen weiteren Aspekt: die Fähigkeit des Staates, den Krieg so zu führen, dass für sie eine Rückkehr in die Heimat möglich wird.
Lenije Umerowa ist Aktivistin und ehemalige politische Gefangene von der Krym. Sie nimmt bereits zum zweiten Mal an den Protesten teil. Am ersten Tag brachte sie ein Plakat mit der Aufschrift: „Mit so einem Personal-Mist werden wir die Krym nur noch auf alten Postkarten zu sehen bekommen“. Hinter dieser Formulierung steht die Befürchtung, dass die Veränderungen im Verteidigungsministerium jene Prozesse behindern könnten, die zuletzt Hoffnung auf die Rückeroberung der besetzten Gebiete gegeben hatten.
„Ich finde, dass die Veränderungen der vergangenen Jahre uns besonders nach diesem extrem schweren Winter etwas Hoffnung gegeben haben, unsere besetzten Gebiete zurückzubekommen, insbesondere meine Heimat, die Krym. Nachdem die Regierung und speziell der Verteidigungsminister gehen mussten, bin ich mir aber nicht sicher, ob es damit weitergeht. Noch mehr Angst habe ich davor, dass es weitere Rückschritte gibt“, sagt Umerowa.
Anastassija mit Lulu: „Er darf nicht eigenmächtig Entscheidungen treffen, von denen meine Zukunft abhängt“

Maryna ist nicht die Einzige, der es bei dem Protestum mehr als nur eine Personalentscheidung geht. Anastassija ist mit ihrer Hündin Lulu zur Demonstration gekommen. Für sie steht nicht die Frage nach einem bestimmten Namen für das Amt des Verteidigungsministers im Vordergrund. Viel wichtiger sei, wie der Staat funktioniert und wer wie Entscheidungen trifft. Sie spricht über das Parlament, die Regierung und die Notwendigkeit systemischer Veränderungen. Ihrer Meinung nach dürften selbst unter Kriegsrecht Entscheidungen, die die Zukunft des Landes bestimmen, nicht von einer einzigen Person abhängen. Solange keine Wahlen möglich seien, müsse man nach anderen Mechanismen suchen, sich politisch einzubringen und beispielsweise über eine Regierung der nationalen Einheit zu sprechen.
„Mir geht es nicht darum, dass Fedorow entlassen wurde, sondern darum, dass unser Land systemische Veränderungen braucht, nämlich dass die Verfassung wieder funktioniert.“
Anastassija
Auch die absolute Mehrheit [von Selenskys Partei Sluha Narodu – dek] im Parlament sieht sie als Problem, weil diese zu schnelle Abstimmungen ohne ausreichende Diskussionen ermögliche. In einem solchen System laufe die Gesellschaft Gefahr, nur noch Zaungast bei Personalentscheidungen zu bleiben.
„Ich würde mir wünschen, dass das Ziel der Proteste nicht einfach die Rückkehr von Fedorow oder der Rücktritt Syrskys ist, sondern dass Wolodymyr Selensky keine Entscheidungen mehr im Alleingang trifft. Er darf nicht eigenmächtig solche Entscheidungen treffen, von der meine Zukunft und die der hier anwesenden Menschen abhängt“, sagt sie.
Natalija Djomotschkina: „Für mich ist die Befreiung der besetzten Gebiete sehr wichtig. Genau deshalb bin ich hier“

Als die Krym besetzt wurde, studierte Natalija Djomotschkina auf der Halbinsel gerade Medizin. Sie stammt aus Cherson und gehörte am 26. Februar 2014, damals noch als Studentin, zu den Teilnehmenden einer proukrainischen Kundgebung vor dem Gebäude des Obersten Rates in Simferopol. Damals versammelten sich dort zwischen 5000 und 10.000 Krymtataren, Ukrainer und Angehörige weiterer Nationalitäten auf dem Platz vor dem Parlament der Autonomen Republik Krym. Die Kundgebung wurde vom Medschlis des krymtatarischen Volkes organisiert. Die Teilnehmer setzten sich für die territoriale Integrität der Ukraine ein und wandten sich gegen die Versuche prorussischer Kräfte, eine Besetzung der Halbinsel zu legitimieren. Für Natalija war das die erste Demonstration ihres Lebens.
„Ich komme aus Cherson und habe sehr viele Verwandte in den besetzten Gebieten. Aus diesem Grund ist mir die Befreiung des ukrainischen Territoriums besonders wichtig. Genau deshalb bin ich hier“, erklärt die Ärztin. Aufgrund ihrer Arbeit im Krankenhaus konnte sie am ersten Tag nicht zur Demonstration kommen. Am nächsten Abend aber nahm sie an der Kundgebung teil. Für sie wie auch für viele andere Menschen, die auf eine Rückkehr in ihre Heimat hoffen, stehen Personalentscheidungen im Verteidigungssektor in direktem Zusammenhang mit den Chancen des Befreiungskampfes.
„Krieg kennt keine Ferien. Unsere Soldaten haben oft keinen Urlaub, und selbst wenn es einmal Urlaub gibt, ist er sehr kurz. Deshalb lehne ich Syrsky ab, weil ich fürchte, dass es noch weniger Urlaub geben und stattdessen gegen diejenigen vorgegangen wird, die das kritisieren. Das ist einfach inakzeptabel“, sagt Djomotschkina.
Iryna Sjedowa: „Es muss zuerst diskutiert und dann entschieden werden – nicht umgekehrt“

Iryna Sjedowa ist Expertin der Krym-Menschenrechtsgruppe, stammt aus Kertsch [auf der Krym – dek]. Auch sie protestiert nicht wegen einer einzelnen Entscheidung, sondern weil sich ihre Unzufriedenheit nach und nach gesteigert hat. „Ich fand es schlimm, als Fedorow und die gesamte Regierung entlassen wurden und nichts erklärt wurde. Man hat uns vor vollendete Tatsachen gestellt. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht“, sagt Sjedowa.
Sie erinnert an Skandale im Zusammenhang mit der Militärführung, dem Staatlichen Ermittlungsbüro und anderen hohen Beamten. Ihrer Ansicht nach hat die Gesellschaft das Recht, bei wichtigen Entscheidungen Erklärungen zu erhalten, wenn diese das Funktionieren des Staates betreffen. Im Fall des Verteidigungsministers hält Iryna die Entlassung einer Person, die konkrete Erfolge vorweisen konnte, für einen Fehler. Der Verteidigungsminister müsse sich in erster Linie um Verwaltung, Finanzen und die Kommunikation mit internationalen Partnern kümmern, während sich der Generalstab auf die Kriegsführung konzentrieren sollte.
Sjedowa will erreichen, dass die Regierung strategische Entscheidungen im Vorhinein öffentlich erläutert: „Alle Entscheidungen, insbesondere so strategische und wichtige wie ein Regierungswechsel, müssen der Gesellschaft mitgeteilt und erläutert werden. Es muss zuerst diskutiert und erst dann entschieden werden – nicht umgekehrt.“
Kateryna Ejchmann mit Olha: „Wenn die Kampagne abrupt endet, bezweifle ich, dass wir der Befreiung des Südens je wieder näherkommen“

Kateryna Ejchmann leitet die Öffentlichkeitsarbeit der Stiftung Vesta. Während sie ihre kleine Tochter Olha stillt, hält sie ihr Pappschild hoch, das besagt: „Genug mit dem Gedöns“. Ejchmann arbeitet in der Veteranenhilfe, ist selbst Binnenvertriebene und kritisiert besonders die Ernennung Witalii Kims, zuvor Gouverneur der Region Mykolajiw, zum Minister für Veteranenangelegenheiten. Ihrer Ansicht nach sollte niemand ohne eigene Veteranenerfahrung oder ohne Erfahrung in einer Veteranenfamilie ein Ministerium leiten, das für diese Gruppe zuständig ist. Außerdem spricht sie sich gegen eine mögliche Zusammenlegung des Ministeriums für Veteranenangelegenheiten mit dem Bereich für Binnenvertriebene aus:
„Als jemand, der im Bereich der Veteranenarbeit tätig und zugleich Binnenvertriebene ist, halte ich die Idee eines gemeinsamen Ministeriums für Veteranenangelegenheiten und Binnenvertriebene für völlig falsch. Das sind zwei große, völlig unterschiedliche Bevölkerungsgruppen mit verschiedenen Bedürfnissen. Wenn man sie zusammenlegt, können wir sicher sein, dass wir niemals eine vernünftige Politik für diese beiden Bevölkerungsgruppen erleben werden.“
Kateryna Ejchmann
Ejchmanns persönliche Geschichte betrifft die Front in der Region Saporishshja. Nachdem sie durch russische Besatzung ihr Zuhause verloren hatte, glaubte sie lange Zeit nicht mehr daran, ihre Heimat einmal wiedersehen zu können. Doch in den vergangenen Monaten habe sich dieses Gefühl verändert: „Im letzten halben Jahr, seit sie begonnen haben, effektiv Brücken und Straßen anzugreifen, keimte in mir die Hoffnung auf, dass es möglich werden könnte zurückzukehren – sogar noch zu meinen Lebzeiten. Wenn diese Kampagne jetzt abrupt endet, bezweifle ich, dass wir der Befreiung des Südens je wieder näherkommen.“
Tetjana Kopajhorodska und Marija Melnyk: „Das Wichtigste sind nicht Namen, sondern Resultate“

Tetjana Kopajhorodska und Marija Melnyk sind als Ehefrauen ukrainischer Soldaten zum Protest gekommen. Ihre Männer dienen im Militär, weshalb sie die jüngsten Personalentscheidungen nicht nur als Bürgerinnen, sondern auch aus der Perspektive betroffener Familien beurteilen. Tetjana Kopajhorodska führt ein Unternehmen, in dem Veteranen arbeiten. Für sie ist es wichtig, dass bei der Entscheidung über den neuen Verteidigungsminister die Position der Kommandeure und derjenigen zählt, die unmittelbar an der Verteidigung des Landes beteiligt sind. Sie besteht nicht auf der Rückkehr Fedorows, möchte jedoch, dass die von ihm begonnenen Prozesse fortgesetzt werden.
„Das Wichtigste sind nicht Namen, sondern Resultate. Mychajlo Fedorow sollte die Chance bekommen, die begonnenen Reformen zu Ende zu führen. Wenn nicht er, braucht es für dieses Amt zumindest eine Person, die genau versteht, wie man seine Visionen umsetzt und den eingeschlagenen Kurs fortsetzt. Unsere Männer schützen uns vor bestimmten Informationen, doch man merkt an ihren Stimmen, an der Intonation oder am Blick, dass etwas nicht stimmt. Deswegen möchten wir hier Haltung zeigen und sie unterstützen – ob mit oder ohne Plakat –, denn sie sind nicht allein.“
Tetjana Kopajhorodska
Außerdem biete der Protest eine gute Möglichkeit für einen gewaltfreien Austausch zwischen der Gesellschaft und der politischen Führung. Die Menschen kämen hierher, um einander zu sehen und zu begreifen, dass sie mit ihren Sorgen und ihrer Unzufriedenheit nicht allein sind, sagt Kopajhorodska: „Vielen Menschen lag das Thema auf der Seele, und nun sehen wir, dass wir nicht allein sind, dass es viele Gleichgesinnte gibt und dass wir unsere Probleme und Ängste nicht für uns behalten müssen, sondern hierherbringen können, um unsere Führung zu ermutigen mit uns zu kommunizieren.“
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Marija Melnyk ist bereits zum zweiten Mal beim Protest: „Der Hauptgrund hierherzukommen, ist die Entscheidung, meinen Mann zu unterstützen, denn er ist bereits seit zwei Jahren in der Armee. Zuletzt habe ich bei ihm eine gewisse Hoffnung und Zuversicht gespürt, denn er hat die Veränderungen gesehen. Als er von Fedorows Rücktritt erfuhr, fiel es ihm sehr schwer zu sprechen, hatte fast Tränen in der Stimme“, erzählt Marija.
Ihre persönliche Forderung ist dann auch ganz konkret: die Rückkehr Fedorows als Verteidigungsminister. Dies sei nicht nur politisch geboten, sondern entspreche auch dem Empfinden der Soldaten, die die Ergebnisse der Arbeit des Verteidigungsministeriums unmittelbar erfahren.


In Kyjiw, Charkiw, Odessa und anderen Städten sprechen die Menschen weiter über die Notwendigkeit systemischer Veränderungen: über die Arbeit des Parlaments, Transparenz bei Personalentscheidungen, die Rolle der Zivilgesellschaft und den Umgang mit Soldaten und Veteranen. Wer durch die russische Besatzung das Zuhause verloren hat, fordert, dass der Staat strategisch weiterhin dafür arbeite, dass sie eines Tages zurückkehren können.
Das ist die ukrainische Gesellschaft: Menschen, die mit Pappschildern ihre Stimme erheben, wenn es ihnen wichtig ist, gehört zu werden.