2025: die Top-10 der dekoder-Redaktion

Screenshots und Collage: dekoder

Auch 2025 haben wir in unzähligen Beiträgen die innerbelarussischen, -ukrainischen und -russischen Debatten begleitet, analytisches Wissen zu Geschichte und Kultur sowie Hintergrundstücke zum russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine geliefert und damit auch die unschätzbare journalistische Arbeit unserer ukrainischen, belarussischen und russischen Kollegen und Kolleginnen sichtbar gemacht.

Aus allen Veröffentlichungen hat das dekoder-Team seine Favoriten ausgewählt, die wir im Folgenden präsentieren. Viel Spaß beim Lesen und Entdecken!


Philip Hoheisel: In Die Teppiche stehen für den Traum von einem besseren Leben hat mich die spannende Ge­schichte hinter „einem kleinen Detail auf alten Familien­fotos“ ganz schnell fas­ziniert und ge­fesselt.

Dmitry Kartsev: Für mich ist die Gnose Systematische In­haf­tierung von Zivilist­:innen in von Russ­land be­setz­ten Ge­bieten der Ukraine ein groß­arti­ges Bei­spiel dafür, dass der Jour­na­lis­mus mit seinen Mitteln die aktu­ell­sten wissen­schaft­lichen Auf­gaben lösen kann.

Peggy Lohse: Unter dem Grau der Stahl­konstruk­tionen und dem Schmerz des Krieges schlägt ein Herz aus Worten: Charkiw ist mein Stadt-Schwarm der bis­herigen (Kriegs-)Jahre. Wie das? Das be­schreibt wunder­bar diese Essay-Gnose über die Front­stadt des Wortes und des Wider­stands.

Anton Himmelspach: Puti­nismus wird es auch nach Putin geben: Maxim Katz argu­men­tiert, dass Millionen Russen nach dem Krieg über diese beste Zeit ihres Lebens in Nostal­gie schwel­gen werden.

Rüdiger Marx: Der Beitrag In meinem Zuhause wohnen Besatzer hat mich un­mittel­bar ge­troffen, weil er mich an meine Schwieger­mutter und Groß­mutter in Mykolajiw er­innert und daran, wie abrupt ein normales Leben zer­stört werden kann. Die per­sön­liche Erzähl­weise der Autorin und die ein­ge­bettet­en Musik­videos bringen das Erlebte schmerz­haft nah – nicht abstrakt, sondern mensch­lich und unaus­weichlich.

Bianca Siedenschnur: Der Ab­schied von der Garage er­innert mich an die DDR-Garage meines Vaters im Dorf in Nord­west-Mecklen­burg, in der wir Kinder mit aller­hand Werk­zeug, Holz und Metall hantieren durften. Hier und in der 2019 ver­öffent­lich­ten Bilder­strecke wird mir bewusst, wie Papas – nun fast lang­weilig wirkende – Garage hätte zweck­ent­fremdet werden können. Auch in meinem Dorf mussten die Garagen für Bau­land weichen, aber ohne die Willkür wie in der russischen Provinz.

Ingo Petz: „Ich habe kaum noch wen, mit dem ich mich unter­halten kann“, sagt Pawel. Er und drei weitere Inter­viewte be­schreiben in aller Tiefe, warum sie in Belarus bleiben und wie sie im repressiven Regime über­leben. Wir haben kaum mehr Repor­tagen und Berichte aus dem heutigen Leben in Belarus. Diese Interviews bieten einen seltenen Innen­blick: direkt, packend und er­schütternd zeigen sie, wie sich eine ent­fesselte Staats­gewalt gegen die eigenen Bürger wendet und wie wert­voll demokratische Frei­heit ist.

Leonid A. Klimov: Für einen Redakteur ist der Lieblings­text oft der, an dem man am längsten ge­arbeitet hat. Für mich war es in diesem Jahr die zwei­teilige Ge­schichte vom Aufstieg und Unter­gang des Moskauer Gas­imperiums: Teil 1 und Teil 2.

Friederike Meltendorf: Der rosa Fleck und Russlands toxische Mythen ist mein Lieblings­text 2025 – ein Brief­wechsel zwischen Andrej Archangelski und Sergej Medwedew für das Special Russlands Geschichts­mythen entlarvt (auch auf Englisch! Denn Russisch ist nicht mehr die meist­gelesene Sprache in Ost­europa). Beide Autoren sind seit dekoders Beginn an treue und enorme Autoren. Beide traf ich im Frühling in Berlin und freue mich sehr, dass daraus dieser Text ent­standen ist. Ein bitter­süßer Effekt deren Exils.

Nicole Eyberger: Ein be­schauliches Dorf in Burjatien. Sanfte Hügel, Kühe und Pferde… Erst auf den zweiten Blick: das Z-Symbol für Russ­lands Krieg gegen die Ukraine am Hang, Kriegs­parolen am Garten­zaun. Mord und Tod gehen um im sibiri­schen Dorf schaut auf Femi­zide in schein­barer Idylle, erzählt von Ausweg­losig­keit, Alkohol und Gewalt, von der Angst vor Männern – ins­besondere Kriegs­heim­kehrern. Eine ver­störende Normali­tät, in der getötete Frauen leiser be­trauert werden als ge­fallene Soldaten.

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