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Kollektivierung der Landwirtschaft

Als die Lebensmittelversorgung in der noch jungen und bürgerkriegsgebeutelten Sowjetunion immer kritischer wird, beschließt Stalin 1929 die Kollektivierung der Landwirtschaft: Die Bauern werden enteignet und ihr Besitz in staatlichen KolchosenDas Wort bezeichnete in der Sowjetunion eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Es setzt sich zusammen aus den Anfängen der Wörter „kollektiv“ (kollektiwny) und „Wirtschaft/Haushalt“ (chosjaistwo). Seit 1929 wurde die Landwirtschaft mit Zwangskollektivierungen in Kolchosen organisiert. Die Betriebe waren formal selbstverwaltet, die Produktionsmittel gehörten dem Kollektiv. Die Leiter der Kolchosen wurden allerdings von der Partei eingesetzt, und der Boden gehörte dem Staat. zusammengeschlossen. In der Folge kam es insbesondere ab 1932/33 zu einer der größten europäischen Hungersnöte mit bis zu sechs Millionen Opfern.

Eine der Errungenschaften der Revolution von 1917 war, dass den Bauern erstmals in der russischen Geschichte ihr Boden gehörte. Die sowjetische Gesellschaft bestand zu dieser Zeit zu etwa 80 Prozent aus Bauern, die auf dem Land lebten und Subsistenzwirtschaft betrieben. 1921/22 wurde in der von Bürgerkrieg, Inflation und Bauernaufständen geplagten Sowjetunion (SU) die Neue Ökonomische PolitikAls Neue Ökonomische Politik (Nowaja Ekonomitscheskaja Politika – NEP) wird eine kurze Periode in der Geschichte der Sowjetunion der 1920er Jahre bezeichnet. Das Ziel von NEP bestand in der Dezentralisierung und Liberalisierung der Wirtschaft und in der teilweisen Rückkehr zu marktwirtschaftlichen Methoden. Während der Hungersnöte im und nach dem Bürgerkrieg (1918–1923) trug die NEP maßgeblich zur Verbesserung der Versorgung bei. Im Zuge der Einführung der Planwirtschaft und der Realisierung des ersten Fünfjahrplans wurde die NEP 1928 de facto abgeschafft. (Nowaja Ekonomitscheskaja Politika – NEP) ausgerufen, die zur wirtschaftlichen Konsolidierung der SU beitragen sollte. Bis zum Ende der NEP 1928 ermöglichte diese den Bauern, überschüssige Erzeugnisse frei zu verkaufen.

1927 kam es wetterbedingt zu einer schlechten Ernte und Grundnahrungsmittel wurden knapp. Verschärft wurde die Lage noch dadurch, dass viele Bauern sich weigerten, ihre Erträge zu den staatlich festgesetzten, niedrigen Preisen an die staatlichen Händler zu verkaufen. Stattdessen horteten sie die Ernten oder verkauften sie auf privaten Märkten, sodass im Vergleich zum Vorjahr nur die Hälfte der Ernte in den Wirtschaftskreislauf gelangte. Die massiv forcierte Industrialisierung schien aufgrund der hungrigen und unzufriedenen städtischen Industriearbeiter in Gefahr.

Stalin war der Ansicht, die Bauern sabotierten den Staat. Dafür machte er in erster Linie die Kulaken, relativ wohlhabende Großbauern, verantwortlich und beschloss 1928 „außerordentliche Maßnahmen“, um diese „inneren Feinde“ zu bekämpfen: Die Geheimpolizei und spezielle Beschaffungsbrigaden durchsuchten das ganze Land und beschlagnahmten die zurückgehaltenen Ernten. Der Widerstand seitens der Bauern gegen die Kollektivierung war groß und da die Überzeugungsarbeit der sowjetischen Agitatoren, sich freiwillig zu KolchosenDas Wort bezeichnete in der Sowjetunion eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Es setzt sich zusammen aus den Anfängen der Wörter „kollektiv“ (kollektiwny) und „Wirtschaft/Haushalt“ (chosjaistwo). Seit 1929 wurde die Landwirtschaft mit Zwangskollektivierungen in Kolchosen organisiert. Die Betriebe waren formal selbstverwaltet, die Produktionsmittel gehörten dem Kollektiv. Die Leiter der Kolchosen wurden allerdings von der Partei eingesetzt, und der Boden gehörte dem Staat. zusammenzuschließen, nicht wirkte, wurde zunehmend Gewalt angewendet. Ende 1929 sagte Stalin den Kulaken offen den Krieg an und erklärte, sie müssten als Klasse liquidiert werden: 60.000 „konterrevolutionäre Kulaken“ sollten ins Arbeitslager geschickt oder hingerichtet werden, 150.000 „Halbkulaken“ verbannt und 500.000 regimetreue Kulaken auf schlechtere Böden in ihrer Region umgesiedelt werden.1

In den folgenden zwei Jahren wurde die Kollektivierung rigoros und gewaltsam durchgesetzt; die Bauern wurden enteignet und ihr gesamter Besitz verstaatlicht, auch Kulturgüter wie zum Beispiel Kirchen wurden dabei häufig zerstört oder als Kornspeicher zweckentfremdet. Überall im Land entstanden KolchosenDas Wort bezeichnete in der Sowjetunion eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Es setzt sich zusammen aus den Anfängen der Wörter „kollektiv“ (kollektiwny) und „Wirtschaft/Haushalt“ (chosjaistwo). Seit 1929 wurde die Landwirtschaft mit Zwangskollektivierungen in Kolchosen organisiert. Die Betriebe waren formal selbstverwaltet, die Produktionsmittel gehörten dem Kollektiv. Die Leiter der Kolchosen wurden allerdings von der Partei eingesetzt, und der Boden gehörte dem Staat. als real existierendes, sozialistisches Zukunftsideal.

Die Bauern rebellierten dagegen, in dem sie zum Beispiel Millionen Tiere lieber schlachteten, als den Beschaffungsbrigaden zu übergeben. Im März 1930 waren bereits 60 Prozent der bäuerlichen Haushalte kollektiviert, gegen die übrigen ging das Regime brutaler denn je vor: Tausende Menschen wurden durch Sondergerichte zum Tode verurteilt, bis 1931 wurden fast zwei Millionen in Arbeitslager deportiert oder in entlegene Regionen verbannt.

Die Kollektivierung wurde letztlich jedoch der gesamten Bevölkerung zum Verhängnis. Die kollektivisierten Bauern weigerten sich nicht nur, Land, dass nicht ihnen gehörte, zu bewirtschaften, sie waren auch durch die Verluste der letzten Jahre zermürbt und ausgezehrt; viele hatten kaum genug Nahrung zum Überleben. Im Zuge des Überlebenskampfes nahm der Diebstahl von Nahrungsmitteln zu und wurde zu solch einem Problem, dass er in einem Erlass des Politbüros im August 1932 unter Todesstrafe gestellt beziehungsweise mit zehn Jahren Arbeitslager bestraft wurde. Die Produktivität der Landwirtschaft war durch das rigorose Vorgehen der Sowjets zu diesem Zeitpunkt bereits so sehr gesunken, dass es im Winter 1932/33 zu einer schrecklichen Hungerkatastrophe kam, die fünf bis sechs Millionen Menschen das Leben kostete. In der Ukraine, die als Kornkammer der Sowjetunion besonders stark von der Zwangskollektivierung betroffen war und in der vermutlich 3,5 Millionen Menschen verhungert sind, wird auch vom HolodomorAls Holodomor wird eine schwere Hungersnot in der Ukraine in den Jahren 1932 und 1933 bezeichnet, der mehrere Millionen Menschen zum Opfer fielen. Die wörtliche Übersetzung bedeutet soviel wie „Töten durch Hunger“. Die Bewertung der Hungersnot ist bis heute umstritten. Im Mittelpunkt der Debatte steht die Frage, ob die Hungersnot vorsätzlich durch die Politik Stalins herbeigeführt wurde oder einfach eine Folge von Missernten und Zwangskollektivierung war. gesprochen.  

1935 schließlich hatte Stalin sein Ziel erreicht, 98 Prozent der Bauern waren in KolchosenDas Wort bezeichnete in der Sowjetunion eine landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft. Es setzt sich zusammen aus den Anfängen der Wörter „kollektiv“ (kollektiwny) und „Wirtschaft/Haushalt“ (chosjaistwo). Seit 1929 wurde die Landwirtschaft mit Zwangskollektivierungen in Kolchosen organisiert. Die Betriebe waren formal selbstverwaltet, die Produktionsmittel gehörten dem Kollektiv. Die Leiter der Kolchosen wurden allerdings von der Partei eingesetzt, und der Boden gehörte dem Staat. organisiert. Dies ging jedoch so sehr zu Lasten der Bauern, dass das Produktivitätsniveau der Landwirtschaft erst wieder in den 1950er Jahren über demjenigen der Zeit vor der Kollektivierung lag.


1.Büchse, Nicolas (2009): Der Krieg gegen die Bauern, in: GEO Epoche 38, Stalin, S. 69
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