Medien

Debattenschau № 59: Schweigen über 100 Jahre Revolution

Weltweit wird dieser Tage der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. vor 100 Jahren gedacht. Doch Russland scheint sich mit diesem Erbe schwerzutun. Den 7. November als Feiertag, wie er zu Sowjetzeiten begangen wurde, hat Putin bereits 2005 abgeschafft. So gab es in Russland am Jahrestag der Revolution „business as usual“. Einige tausend Anhänger und auch Mitglieder Kommunistischer Parteien aus dem Ausland zogen mit Fahnen und Liedern durch Moskaus Innenstadt. Auf dem Roten Platz fand dagegen ein ReenactmentAls Reenactment bezeichnet man die möglichst authentische Neuinszenierung historischer Ereignisse. Es ist zentraler Teil einer spezifischen Theorie der Geschichtsschreibung, die darauf abzielt, Gedanken und Absichten der historischen Akteure durch ein Nachstellen der Ereignisse nachzuvollziehen. Dabei geht es im klassischen Reenactment nicht nur um das Nachstellen militärischer Schlachten, sondern auch um zivile historische Inszenierungen. der Militärparade vom 7. November 1941 statt – Kriegs- statt Revolutionsgedenken.
 
In den Medien war der Jahrestag der Revolution kein großes Thema. Unter den Onlineportalen etwa hatten am 7. November überhaupt nur vereinzelte das Revolutionsjubiläum als Aufmacher auf ihrer Startseite. Die staatlichen Sender Perwy KanalDer Erste Kanal gilt aufgrund seiner hohen Reichweite als das wichtigste Massenmedium des Landes. Seit dem Ende der Sowjetunion war er stets mehrheitlich im Staatsbesitz – wenn auch seit 1994 unter Beteiligung von Großunternehmern. Er ist ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation des Kreml. und Rossija 1Ein staatlicher Fernsehsender, der zusätzlich zu seinem Hauptprogramm noch 80 Regionalsender unterhält. Er gehört zur Allrussischen Staatlichen Fernseh- und Radiogesellschaft (WGTRK). hatten jeweils eine Serie zum Thema aufgelegt, die staatliche Agentur TASS eine eigene Multimedia-Site.

War die Revolution gut, war sie schlecht? Was soll da überhaupt erinnert werden? Und was sagt diese Form des (Nicht-)Erinnerns über das Heute aus? dekoder bringt Debatten-Ausschnitte aus russischen Medien.

Quelle dekoder

RIA Novosti: Versöhnt euch!

Der Kommentar von Radiojournalist Ilja Charlamow für die Agentur RIA Novosti ist ganz im Einklang mit der offiziellen „Versöhnungs“-Rhetorik:

Deutsch
Original
Einige der sogenannten Historiker und Menschen aus der Politik rufen dazu auf, das sowjetische Erbe auszuradieren, die Revolution zu verurteilen, ebenso wie das aus ihr hervorgegangene Staats- und Gesellschaftssystem.  [...]
Das 100-jährige Oktoberjubiläum – wie sollte es nicht als Anlass dienen, sich zu versöhnen, nein, sich auszusöhnen mit der eigenen Geschichte und den eigenen ideologischen Gegnern. Zumindest sollte man das beharrlich versuchen. Unsere Geschichte ist so wie sie ist. Eine andere gibt es nicht und wird es nie geben.
Некоторые так называемые историки и политические деятели призывают перечеркнуть, вымарать советское наследие и осудить революцию, так же как и созданный в ее результате общественно-политический строй. [...]
Столетие Октября – чем не повод помириться, нет, примириться со своей историей и со своими идейными оппонентами. Во всяком случае, настойчиво попытаться это сделать. Она – наша история – такова. Другой нет и никогда не будет.

 

erschienen am 7. November 2017

Republic: Eine externe Macht war’s

Andrej Archangelski zieht auf Republic Parallelen zwischen dem Umgang mit der Revolution und der Ukraine:

Deutsch
Original
Mehrere Varianten ein und desselben Ereignisses – es ist, als würde von dem eigentlichen Anlass abgelenkt. Es wurde eine Vielgestalt von Bewertungen der Revolution zugelassen, ja sogar befördert: Heute gibt es in den Staatssendern eine eher „roteKrasnyje (dt. die Roten) war eine – vor allem im Russischen Bürgerkrieg genutzte –  umgangssprachliche Bezeichnung für die Rote Arbeiter- und Bauernarmee. Dazu gehörten das Heer und die Luftstreitkräfte Sowjetrusslands (seit 1922 Sowjetunion). Die Rote Armee ging Anfang 1918 aus den Regimentern der Roten Garde hervor – den Milizen der Bolschewiki bei der Oktoberrevolution. 1946 wurde sie in Sowjetarmee umbenannt.“ Version der Revolution (die in offiziösen Verlautbarungen zart kritisiert wird); es gibt eine „weißeBelyje (dt. die Weißen) ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für die Weiße Bewegung, deren militärischer Arm Weiße Armee die zahlenmäßig größte antibolschewistische Partei im Russischen Bürgerkrieg (1917/1918–1922) stellte. Die Bewegung war äußerst heterogen, viele Historiker sehen bei einem Großteil ihrer Anhänger aber einen gemeinsamen Nenner in Demokratie, Parlamentarismus und Marktwirtschaft.“, monarchistische; und es gibt eine Verschwörungsversion. Alle existieren in der Informationslandschaft zeitgleich. 

Das hat den Diskurs über die Revolution auf eine neue dialektische Ebene gehoben – genau wie im Fall der antiukrainischen Propaganda, die die Formel „Man hat uns entzweit“„Man hat uns entzweit” ist ein verschwörungstheoretisches Propaganda-Motiv, das vermutlich von Separatisten im Osten der Ukraine in Umlauf gebracht wurde. Demnach habe der 2014 an die Macht gekommene ukrainische Präsident Poroschenko mit seinen Anhängern einen Konflikt zwischen den „Brüdervölkern“ gestiftet und dadurch den Krieg verursacht. Andere Versionen sehen Poroschenko als einen Handlanger der USA oder der Freimaurer. hervorbrachte. Es ist ein Universal-Verfahren in dem Moment, in dem alles Schreckliche schon getan und gesagt ist. Und die Verantwortung wird einer nicht benannten externen Macht zugeschoben.

Множество версий одного и того же события – как способ отвлечения внимания от единственной причины. Многовариативность в оценках революции, как мы видим, допускалась и даже поощрялась: сегодня в государственном эфире присутствует условно «красная» версия революции (которая мягко критикуется официозом), есть «белая», монархическая; есть, наконец, версия заговора – все они существовали в информационном поле одновременно. Это перевело разговор о революции на новый диалектический уровень – как и в случае с антиукраинской пропагандой, породив формулу «нас поссорили»; универсальный способ в момент, когда все ужасное уже было сделано и сказано, переложить ответственность на некую неназванную, могущественную силу снаружи.

 

erschienen am 7. November 2017

Echo: Eine Revolution? Gab es nicht!

Oppositionspolitiker Leonid GosmanLeonid Gosman (geb. 1950) ist ein russischer Oppositionspolitiker und Präsident der politischen Bewegung Union der Rechten Kräfte. Diese Organisation ging 2008/2009 aus der gleichnamigen Partei hervor, die vom liberalen Politiker Boris Nemzow mitbegründet und -geführt worden war.  dagegen prangert in seinem Blogeintrag, den Echo Moskwy veröffentlicht hat, das offizielle Schweigen an:

Deutsch
Original
Urteilen Sie selbst.

Ein Mensch lebt, solange man sich an ihn erinnert. Bei einem Ereignis ist es dasselbe – es lebt, solange man sich daran erinnert.

Wenn nun vor genau 100 Jahren in unserem Land eine Große Revolution stattgefunden hätte, dann hätte sich das derzeitige Staatsoberhaupt heute an die Nation gewandt, hätte gesagt: Das und das sind die Lektionen, Schlussfolgerungen und so weiter. Hat sich aber nicht an die Nation gewandt.
Wenn vor genau 100 Jahren in unserem Land eine Große Revolution stattgefunden hätte, dann hätte es heute eine Schweigeminute gegeben, in Erinnerung der Opfer des damals losgetretenen Bürgerkriegs – Weißer, Roter, zufällig Involvierter. Hat es nicht gegeben. [...]

Die Machthaber haben unsägliche, paranoide Angst vor Revolutionen. Die Erinnerung daran, was vor 100 Jahren passiert ist, verletzt die zarten Seelen unserer Führungsriege. Also hat nichts stattgefunden. Eine Parade zu Ehren von 1941Zum 24. Jubiläum der Oktoberrevolution im Jahr 1941 fand auf dem Roten Platz in Moskau eine Militärparade statt. Der Vormarsch der deutschen Wehrmacht stockte damals einige dutzend Kilometer vor Moskau. Die Militärparade sollte vor allem den Kampfgeist der sowjetischen Truppen stärken. Laut Sowjetpropaganda gingen die aufmarschierenden Soldaten direkt vom Roten Platz an die Front. hat stattgefunden. Hurra, Genossen!

Судите сами.

Человек жив, пока о нем помнят. Событие тоже — живо, пока о нем помнят. 
Если бы ровно сто лет назад в нашей стране случилась великая революция, то сегодня нынешний глава государства обратился бы в связи с этим к нации — уроки, мол, итоги и прочее. Не обратился. 
Если бы ровно сто лет назад в нашей стране случилась великая революция, то сегодня объявлялась бы минута молчания в память жертв развязанной тогда гражданской войны — белых, красных, случайных. Ее не было. [...]
Власть фантастически, паранойяльно боится революции. Воспоминание о том, что случилось сто лет назад, ранит тонкие души нашего начальства. Значит, ничего и не было. А был парад 1941 года! Ура, товарищи!

 

erschienen am 7. November 2017

Izvestia: Offene Diskussionen

Valentina MatwijenkoValentina Matwijenko (geb. 1949) gilt als die höchstrangige russische Politikerin. Von 2003–2011 war sie Gouverneurin von St. Petersburg und bekleidet derzeit als Vorsitzende des russischen Föderationsrats das dritthöchste Staatsamt des Landes. Nach der Annexion der Krim gehörte sie zu den ersten sieben Personen auf der Sanktionsliste der USA. wiederum, die Vorsitzende des FöderationsratsDer Föderationsrat ist gleichzeitig die Länderkammer und das Oberhaus des Parlaments. 170 Abgeordnete aus 85 Föderationssubjekten vertreten dort die Gliedstaaten im föderalen Gesetzgebungsprozess., findet in ihrem Beitrag in der staatsnahen Izvestia Gründe für das offizielle Schweigen zum 100. Jahrestag der Revolution:

Deutsch
Original
Man kann mit aller Bestimmtheit sagen, dass es in unserem Land de facto eine gesamtgesellschaftliche Diskussion gegeben hat. Breit, offen und völlig frei von offiziösen und regulierenden Eingriffen. Nicht zuletzt durch die modernen Informations- und Kommunikationstechnologien hatten alle die Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern, die das wollten. Und die Menschen haben, wie man so sagt, ihr Herz ausgeschüttet. Meiner Ansicht nach, hat das der Debatte einen besonderen Wert eingetragen. Im Grunde ist ein Panorama der politischen und der Ideenlandschaft des modernen Russland entstanden.
Можно со всей определенностью сказать, что в нашей стране фактически состоялась дискуссия общенационального масштаба. Она носила широкий, открытый характер, была полностью свободна от налета официоза, регулирования. В немалой степени благодаря современным информационно-коммуникативным технологиям возможность высказаться получили все, кто хотел это сделать. И люди, что называется, выплеснулись. На мой взгляд, это придало обсуждению особую ценность. По сути, мы получили панорамную картину идейного и политического ландшафта современной России.

 

erschienen am 7. November 2017

Snob: Hass und Angst

Fjodor KrascheninnikowFjodor Krascheninnikow (*1976) ist ein russischer Politologe und Publizist, Leiter des Instituts für Entwicklung und Modernisierung der Öffentlichkeitsarbeit. Er ist unter allem auch politisch aktiv und war in den 1990er und 2000er Jahren Mitglied einiger Parteien (u. a. der LDPR). 2011-12 war er aktiver Teilnehmer der Protestbewegung und des Koordinationsrates der Opposition. hat sich für Snob das Kino- und Fernsehprogramm zur Revolution angeschaut:

Deutsch
Original
Worüber schweigt der Staat, wo wird gebrüllt? Daran kann man ziemlich gut erkennen, was in den Köpfen der Ideologen des derzeitigen Regimes vor sich geht. [...]

Den Mächtigen ist die Revolution auf den Straßen verhasst. Sie drehen fast durch, so hassen sie die, die das „Boot ins Wanken“ bringen und radikale Losungen skandieren. Keinesfalls möchten sie zeigen, dass im Endeffekt die Revolutionäre siegen, und nicht die orthodoxe Monarchie mit ihren Gendarmen, Metropoliten und KosakenKosaken ist die Bezeichnung einer sozialen Gruppe, die sich teilweise aus dem (para-)militärischen Stand im 15. Jahrhundert formiert hat. Die soziostrukturelle Zusammensetzung früherer Reiterverbände der Kosaken ist nicht klar nachvollziehbar. Im 18. Jahrhundert wurden sie zum großen Teil in die Kavallerieverbände der regulären Armee integriert. Die Wiederbelebung der Tradition nach dem Zerfall der UdSSR wird von oppositionellen Kreisen oft als „folkloristisch“ bzw. „archaisch“ bezeichnet. In den südlichen Regionen Russlands übernehmen Kosaken oft die zweifelhafte Rolle einer Volksmiliz. Es kommt dabei immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf Oppositionspolitiker und Aktivisten, wie z. B. auf Alexej Nawalny oder die Kunstaktivistinnen von Pussy Riot.. Deswegen sehen wir auf dem Bildschirm nur Karikaturen von Randfiguren, die aus der Emigration zurückgekehrt und bereit sind, sogar von Vaterlandsfeinden Geld zu nehmen. Aber wir sehen auf dem Bildschirm nicht die wahren Revolutionäre von 1917.

По тому, о чем власть молчит и о чем кричит, можно составить довольно полное представление о том, что происходит в голове у идеологов существующего режима.
[...]
Власти ненавистна революция на улицах, она до истерики ненавидит тех, кто «раскачивает лодку» и выдвигает радикальные лозунги, и ей совсем не хочется показывать, что в итоге побеждают как раз революционеры, а не православная монархия с жандармами, митрополитами и казачеством. Поэтому на экранах мы увидим лишь приехавших из эмиграции карикатурных маргиналов, готовых брать деньги даже у врагов Отечества. Но мы не увидим на экране настоящих революционеров 1917 года [...]

 

erschienen am 30. Oktober 2017

7x7: Lenin vs. Stalin

Der Archangelsker Journalist Leonid Tschertok kritisiert auf 7x7 den zunehmenden Stalinkult, auch wenn über die Revolution gesprochen wird:

Deutsch
Original
Ist Ihnen schon aufgefallen, dass Stalin mit den Jahren immer mehr Anhänger hat und LeninNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen.  immer weniger? Es stellt sich so dar, dass der schnauzbärtige effektive ManagerStalin als „effektiver Manager“ ist eine Formel, die Stalin-Anhänger vorbringen, um die „Notwendigkeit“ der tiefgreifenden Reformen der 1930er Jahre zu unterstreichen, die letztendlich auch die „faschistische Gefahr“ gebannt hätten. Die Gegner dieser Formel betonen, dass Stalin über Leichen ging, um das Land zu modernisieren. Ursprünglich entstammt die Formel dem Aufsatz einer russischen Schülerin, die Stalins Wirken 2009 anhand des Lehrbuchs für die 11. Klasse „Geschichte Russlands. 1900–1945“ interpretierte. die Fehler des Führers, der das R nicht rollen konnte, korrigierte, indem er die Industrialisierung und KollektivierungAls die Lebensmittelversorgung in der noch jungen und bürgerkriegsgebeutelten Sowjetunion immer kritischer wird, beschließt Stalin 1929 die Kollektivierung der Landwirtschaft: Die Bauern werden enteignet und ihr Besitz in staatlichen Kolchosen zusammengeschlossen. In der Folge kam es insbesondere ab 1932/33 zu einer der größten europäischen Hungersnöte mit bis zu sechs Millionen Opfern. in Gang setzte – anstelle der Wirtschaft des zerfallenen Imperiums, die durch den Bürgerkrieg und das Chaos der ersten Sowjetmacht-Jahre zerstört worden war. Übrigens, der Sieg im Großen Vaterländischen KriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. – was ist das, wenn nicht die Folgenbeseitigung des Friedensvertrags von Brest-LitowskAm 3. März 1918 schloss Sowjetrussland mit den Mittelmächten in Brest-Litowsk nach langwierigen Verhandlungen einen Friedensvertrag. Die sowjetische Seite schied damit aus dem Ersten Weltkrieg aus, musste aber erhebliche Verluste an Territorien, Bevölkerung, Anbauflächen und Industrieanlagen akzeptieren. Für die sowjetische Seite gab es angesichts der Bedrohung durch die deutschen Truppen keine Alternative zur Unterzeichnung des Abkommens. Die Mittelmächte hofften – letztlich vergeblich – mit den gewonnenen Ressourcen den Krieg im Westen fortsetzen und gewinnen zu können.? Hätten sie Deutschland damals ganz und gar geschlagen … dann wäre dort wohl kaum ein Platz für Hitler gewesen. [...]

Man sagt, dass 1991 verantwortungslose Abenteurer an die Macht kamen … und die von 1917 – was waren sie?

Вот ещё одна системная ошибка спорящих о революции. Сталинские репрессии – это впереди, мы же говорим о первопричине, что из чего вылупилось. Кстати, обратили внимание, что с годами всё больше защитников как раз у Сталина, и всё меньше у Ленина? Получается так, что усатый эффективный менеджер исправлял ошибки картавого вождя, введя индустриализацию и коллективизацию взамен разрушенной гражданской войной и общей бесхозяйственностью первых лет советской власти экономики павшей империи. Впрочем, как и победа в Великой Отечественной войне - что это, как не ликвидация последствий того самого «Брестского мира»? Добили бы тогда Германию окончательно… вряд ли в ней потом нашлось место Гитлеру. 
Говорят, в 91-м к власти пришли авантюристы… а те, из 17-го, кем были?

 

erschienen am 7. November 2017

Vedomosti: Zerstörung aller Formen

Der Philosoph Alexander Rubzow meint auf Vedomosti, dass der damalige Verlust einer rechtsstaatlichen Ordnung in gewisser Weise bis heute nachwirkt:

Deutsch
Original
Nach einer Revolution geht es ganz allgemein darum, wieder zu einer Form zu finden. Ansonsten herrschen auf ewig Ausnahmezustand und gesetzlose Willkür, wo die Machthaber sogar die formalen Normen brechen, die sie selbst aufgestellt haben. [...]     

Durch den Oktober 1917 wurde nicht nur einfach eine konkrete Form zerstört, sondern das Verhältnis zu allem Formalen. [...] Eine Revolution bricht stets das Gesetz und ist in diesem Sinne immer verbrecherisch. Doch wenn sie vorüber ist, schafft sie Raum für eine neue Form. Die Revolutionen im Westen waren weder sauberer noch humaner als unsere. Aber sie blieben zeitlich begrenzte Episoden und wurden nicht zur dauerhaften Existenzweise. [...]      

Zum Allgemeingut geworden, spiegelt sich die Vernachlässigung und Missachtung der Form überall wieder: Zum Beispiel im Sport, wo ein „klar überlegener Sieg“ „unwesentliche“ Formverstöße psychologisch nichtig werden lässt.

Выход из революции имеет и более общий смысл: восстановления формы, правильного отношения к ней. Без этого становится хроникой режим чрезвычайного положения и властного беззакония, когда власть легко нарушает даже те формальные нормы, что установлены ею самой. [...]

Октябрь 1917 г. обрушил не просто конкретную форму, но само отношение ко всему формальному. [...] Революция всегда нарушает закон и в этом смысле всегда преступна, но, прекращаясь, она уступает место новой форме. Революции на Западе были не чище и не гуманнее нашей, но они были эпизодами, а не способом существования. [...]

 

erschienen am 6. November 2017

dekoder-Redaktion

 

 

 

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Oktoberrevolution 1917

Eine Woche vor jenem Ereignis, das als „Oktoberrevolution“ in die Geschichte eingehen sollte, notierte der Schriftsteller Maxim GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war ein russischer Schriftsteller. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen.: „Eine unorganisierte Menge, die kaum weiß, was sie will, wird sich auf die Straße wälzen, und in ihrem Gefolge werden Abenteurer, Diebe und professionelle Mörder „die Geschichte der russischen Revolution machen“.“1 Gorkis Furcht vor einer Gewaltexplosion sollte sich bewahrheiten. Die Geschichte der russischen Revolution und des daraus resultierenden BürgerkriegsNach der Oktoberrevolution 1917 kam es zu Erhebungen unterschiedlicher antibolschewistischer Kräfte – der Weißen – gegen die neuen sowjetischen Machthaber – die Roten. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung. Dass die Weißen weder politisch noch organisatorisch eine Einheit bildeten, war letztendlich ein wesentlicher Grund für ihre Niederlage. Demgegenüber gelang den Bolschewiki der straffe Aufbau der Roten Armee, mit deren Hilfe sie auch die Niederschlagung parallel zur Auseinandersetzung mit den Weißen entstandener Konflikte erreichten (Polnisch-Sowjetischer Krieg, Partisanenbewegungen, Abfall von Randgebieten). Der Sieg im Bürgerkrieg bedeutete die endgültige Machtkonsolidierung für die sowjetische Regierung. war eine Geschichte blutiger Konflikte und brutaler Auseinandersetzungen.

Die radikalsten unter den russischen Sozialisten, die BolschewikiDie Bolschewiki („Mehrheitler“) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki („Minderheitler“) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  unter ihrem Führer Wladimir LeninNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen. , waren dabei die treibenden Kräfte. Ihr Staat, die Sowjetunion, entstand aus der erbarmungslosen Gewalt, mit der sie ihren Herrschaftsanspruch durchsetzten und die Bevölkerung des Vielvölkerreichs unterwarfen. Ungeachtet dessen verbanden Menschen in aller Welt mit dem Staatsbildungsprojekt der Bolschewiki das Versprechen auf eine bessere Zukunft. In dieser Perspektive markierte die Oktoberrevolution den Beginn einer neuen Zeitrechnung.

Zu Beginn des Jahres 1917 befand sich das Russische Imperium in einer tiefen Krise. Der seit 1914 andauernde Erste Weltkrieg überforderte das Land in wirtschaftlicher und militärischer Hinsicht. Im Februar gingen in der russischen Hauptstadt PetrogradDie 1703 vom Zaren Peter dem Großen gegründete und nach seinem Schutzheiligen, Apostel Simon Petrus, benannte Stadt Sankt Petersburg wurde 1914 zum ersten Mal umbenannt. Sie hieß bis zu Lenins Tod im Jahr 1924 Petrograd. Dann wurde der Name zu seinen Ehren in Leningrad geändert. Seit 1991 heißt sie wieder Sankt Petersburg, umgangssprachlich meist Piter genannt. die Menschen auf die Straße und forderten eine bessere Versorgung mit LebensmittelnAnfang 1917 kam es wegen des Krieges zu Versorgungsschwierigkeiten in der russischen Hauptstadt Petrograd und anderswo. Es kam zu Demonstrationen verarmter und vom Hunger bedrohter Menschen, vor allem von Frauen. Diese Proteste weiteten sich rasch aus und führten innerhalb weniger Tage zu einer Massenbewegung, die schließlich den Sturz des letzten Zaren zur Folge hatte (Februarrevolution).. Die Unruhen weiteten sich rasch aus und führten innerhalb weniger Tage zum Sturz des letzten russischen Zaren: die Februarrevolution in Russland. Nach der Abdankung Nikolaus‘ II. etablierte sich in Petrograd die sogenannte „DoppelherrschaftMit dem Begriff wird das parallele Bestehen von Provisorischer Regierung und Petrograder Sowjet bezeichnet, das für das Jahr 1917 prägend war. Während die Provisorische Regierung formal die Staatsgewalt innehatte, wurde der Sowjet durch die Unterstützung von Arbeitern und Soldaten legitimiert. Trotz zahlreicher Konflikte brauchten und stützten beide Seiten einander. Der daraus resultierende Patt war mitverantwortlich für die immer gravierender werdende Staatskrise Russlands. Ähnliche Konstellationen wie in Petrograd gab es 1917 in vielen russischen Städten.“. Formal übernahm eine Provisorische RegierungNach der Februarrevolution 1917, mit der in Russland der letzte Zar gestürzt wurde, wurde in Russland eine „Doppelherschaft“ eingeführt. Auf einer Seite standen die Sowjets der Arbeiter und Soldaten auf der anderen die Provisorische Regierung. Sie bestand bis zur Oktoberrevolution unter wechselnder Führung und hatte sich seit Juli 1917 in den Winterpalast zurückgezogen. Schon im Frühjahr hatte die Regierung - deren Regierungsphase auch als demokratisches Experiment bezeichnet wird - erste Krisenerscheinungen, während die Sowjets zunehmend an Macht gewannen. die Amtsgeschäfte, bis eine konstituierende Versammlung über die Zukunft des Reiches entscheiden sollte. Doch die Regierung war abhängig von den Räten der Arbeiter und Soldaten, den Sowjets. Diese verstanden sich als Vertreter jener, die die Revolution „gemacht“ hatten.

Im Verlaufe des Jahres 1917 radikalisierten sich die Sowjets zusehends angesichts der immer weiter um sich greifenden sozialen und militärischen Krise. Die Bolschewiki, die vor dem Ausbruch der Februarrevolution noch eine wenig bedeutende radikale Splittergruppe waren, profitierten davon. Ihre klaren ForderungenUnmittelbar nach seiner Ankunft aus dem Schweizer Exil im April 1917 verkündete Lenin in Petrograd ein politisches Programm, das als Aprilthesen bekannt wurde. Lenin erklärte, die provisorische Regierung dürfe nicht länger unterstützt werden, sondern alle Macht müsse den Sowjets übergeben werden, der Krieg solle sofort beendet und Großgrundbesitzer enteignet werden. Ziel sei es, einen Sowjetstaat zu errichten. Dieses radikale Programm war auch unter den Bolschewiki anfangs sehr umstritten, gewann aber im Laufe des Sommers 1917 immer mehr Anhänger.    nach Brot, Frieden und Land wirkten anziehend auf viele, deren Hoffnungen sich nach der Februarrevolution nicht erfüllt hatten. Gleichzeitig wurden sie immer wieder als Handlanger der Deutschen bezeichnet; ein Verdacht der durch die spektakuläre Reise Lenins in einem verplombten WaggonIm April 1917 reiste der Führer der russischen Bolschewiki, Wladimir Lenin, gemeinsam mit weiteren Revolutionären in einem verschlossenen Waggon aus dem Schweizer Exil nach Russland. Aufgrund der Kriegssituation war er gezwungen, durch Deutschland zu fahren. Die deutsche Regierung ermöglichte die Rückkehr Lenins, weil sie darin eine Möglichkeit sah, die innenpolitische Situation in Russland weiter zu destabilisieren. Aufgrund der ungewöhnlichen Umstände der Reise wurde den Bolschewiki vorgeworfen, deutsche Agenten zu sein. durch die feindlichen Linien erhärtet wurde. Doch die öffentliche Meinung interessierte Lenin wenig. Er setzte auf den gewaltsamen Umsturz.

Mythos vom Ansturm auf das Winterpalais

Am 7. November 1917In Russland galt im Jahr 1917 noch der julianische Kalender. Der zum Ende des 16. Jahrhunderts entstandene gregorianische Kalender ersetzte diesen in Sowjetrussland erst im Februar 1918. Lenin fertigte das Gesetz über die Übernahme des gregorianischen Kalenders mit seiner Unterschrift aus. Da zur Zeit der Oktoberrevolution – Machtübernahme durch die kommunistischen Bolschewiki – noch der julianische Kalender galt, wurde das Datum im Zuge der Umstellung zwar vom 25./26. Oktober auf den 7./8. November  entsprechend angepasst, die Bezeichnung Oktoberrevolution aber beibehalten. war es soweit. Nach mehreren Tagen kaum verhüllter Vorbereitungen besetzten Soldaten und bewaffnete Arbeiter strategisch bedeutende Gebäude in der russischen Hauptstadt. Die Provisorische Regierung gebot schließlich nur noch über das Winterpalais am Ufer der Newa. Anders als die bildstarke Mythologisierung durch Sergej EisensteinsSergej Eisenstein (1898–1948) war ein sowjetischer Regisseur und wurde bereits zu Lebzeiten zum Klassiker. Berühmt geworden ist er mit dem Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin (1925). Zu seinen wichtigsten Filmen zählen Oktober (1927–28), Alexander Newski (1938) und der nicht vollendete Film Iwan der Schreckliche (1945–1948). Obwohl Eisenstein unter starkem Druck durch die politische Führung und  Zensur stand (einige Filme konnte er deshalb nicht vollenden), gilt er bis heute als Visionär der Filmgeschichte. Film Oktober nahelegt, gab es keinen Ansturm der revolutionären Massen auf das Gebäude. Die wenig motivierten Verteidiger des Gebäudes ließen sich ohne große Gegenwehr entwaffnen. Lenin proklamierte vor dem in der Nacht zusammengetretenen Zweiten Allrussischen Sowjetkongress die Sowjetmacht. Denjenigen moderaten Sozialisten, die gegen diese Anmaßung protestierten, rief Leo Trotzki hinterher, sie sollten dorthin gehen, wo sie hingehörten: „Auf den Kehrichthaufen der Geschichte.“

Der Bolschewik, Ölgemälde von Boris Kustodijew (1920) © Gemeinfrei

In ihren ersten Beschlüssen griff die neue Regierung, der sogenannte Rat der Volkskommissare populäre Forderungen auf. Die bolschewistischen Machthaber erklärten sich zu sofortigen Friedensverhandlungen ohne jede Vorbedingung mit den Mittelmächten bereit, sie verfügten, dass der Boden jenen gehören sollte, die ihn bearbeiteten, und sie sprachen den Nationalitäten des russischen Imperiums das Recht auf Selbstbestimmung zu. Einige Zeit später wurden überdies die Nationalisierung der Banken sowie die Einführung der Arbeiterkontrolle in den Fabriken dekretiert. Indes verschärfte sich die Krise immer mehr: Der Krieg mit den Mittelmächten dauerte an, die Wirtschaft lag am Boden und die staatliche Ordnung war in weiten Teilen des Imperiums zusammengebrochen. Die Erosion etablierter Hierarchien führte in die Anarchie. Wie Gorki es prophezeit hatte, versank Russland in einem Chaos aus Gewalt, unkontrollierter Massenmigrationen, Epidemien, Versorgungsschwierigkeiten und militärischen Rückschlägen. Rasch wurde die Lage zu einer Bedrohung für die Bolschewiki selbst. Für die meisten Zeitgenossen im In- und Ausland stand deshalb fest, dass die neue Regierung bald der Vergangenheit angehören würde.

Doch die Bolschewiki konnten sich behaupten, weil sie radikaler und entschlossener als ihre Gegner vorgingen. Die im Januar 1918 zusammengetretene Verfassunggebende VersammlungNach der Abdankung des Zaren Nikolaus II.und der Machtübernahme durch die Provisorische Regierung 1917 sollte die Verfassunggebende Versammlung einberufen werden, um die zukünftige Regierungsform festzulegen. Die Bolschewiki, die im Oktober 1917 die Provisorische Regierung stürzten, brandmarkten die Versammlung als bourgeois, ließen aber ihre Wahl im November 1917 zu. Nach der ersten Sitzung am 5. Januar 1918 sperrten sie den Sitzungsort, das Taurische Palais, ab und erklärten die Versammlung für aufgelöst.Nach der Abdankung des Zaren Nikolaus II.und der Machtübernahme durch die Provisorische Regierung 1917 sollte die Verfassunggebende Versammlung einberufen werden, um die zukünftige Regierungsform festzulegen. Die Bolschewiki, die im Oktober 1917 die Provisorische Regierung stürzten, brandmarkten die Versammlung als bourgeois, ließen aber ihre Wahl im November 1917 zu. Nach der ersten Sitzung am 5. Januar 1918 sperrten sie den Sitzungsort, das Taurische Palais, ab und erklärten die Versammlung für aufgelöst. ließen sie bereits nach einem Tag schließen, unliebsame Zeitungen wurden verboten und gegen massiven Widerstand in den eigenen Reihen war Lenin sogar bereit, den Mittelmächten weitreichende territoriale Zugeständnisse zu machen, um eine „Atempause“ für den Kampf im Inneren zu gewinnen. Das Regime errichtete eine brutale Gewaltherrschaft, die sich gegen tatsächliche und imaginierte Feinde richtete. Abertausende Menschen fielen dem Roten Terror zum Opfer und die Angst vor Repressionen trieb unzählige Angehörige der ehemaligen Eliten in die Emigration. Rücksichtslosigkeit war schließlich auch der Schlüssel für den Sieg im 1918 ausbrechenden Bürgerkrieg, der drei Jahre dauerte.  

Handelte es sich beim Umsturz der Bolschewiki um eine Revolution oder war er nichts anderes als ein Putsch? Der Streit darüber ist so alt, wie das Ereignis selbst und er ist bis heute mehr als ein akademisches Problem: Hängt doch die Legitimität des gesamten sowjetischen Projekts nicht zuletzt von der Antwort auf diese Frage ab. Für die sowjetische Geschichtsschreibung war die Sache klar. Hier resultierte die „Große Sozialistische Oktoberrevolution“ zwingend aus der Februarrevolution und markierte den Beginn einer neuen Ära in der Menschheitsgeschichte; den Triumph der unterdrückten Klassen über die kapitalistischen Ausbeuter. Dagegen wurde mehrfach eingewandt, dass der Oktober eine radikale Abkehr von den demokratischen Prinzipien des Februars darstellte und direkt in die Diktatur der Bolschewiki führte. Weitere Forschungskontroversen um die Revolutionen von 1917 entzündeten sich unter anderem daran, ob das Ende des Imperiums systemisch bedingt oder ob der Erste Weltkrieg entscheidend für die Ereignisse von 1917 war. In jüngerer Zeit sind die beide Revolutionen des Jahres 1917 zudem als Teil eines „Kontinuums der Krise“ (Peter Holquist) zwischen 1914 und 1921 interpretiert worden.2 In dieser Perspektive waren die Revolutionen eine Zeit kurzlebiger Hoffnungen und Utopien, vor allem aber waren sie Teil einer umfassenden sozialen und kulturellen Krise.„Doch die Bolschewiki konnten sich behaupten, weil sie radikaler als ihre Gegner vorgingen.“ © Gemeinfrei


1.Gorki, Maxim (1972): Unzeitgemäße Gedanken über Kultur und Revolution, Frankfurt/Main, S. 87
2.Holquist, P. (2002): Making War, Forging Revolution. Russia’s Continuum of Crisis, 1914-1921, Cambridge
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