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Bolotnaja-Platz

Der Bolotnaja-Platz befindet sich zwischen dem Kreml und dem alten Kaufmannsviertel Samoskworetschje im Zentrum Moskaus. Er hat im Mittelalter zunächst als Handelsplatz gedient, später kam ihm immer wieder eine wichtige politische Bedeutung zu, zuletzt während der Proteste gegen die Regierung in den Jahren 2011/12.

Der Bolotnaja-Platz ist ein ca. 350m x 100 m großer öffentlicher Platz im historischen Stadtzentrum Moskaus. Er befindet sich gegenüber dem Kreml auf der künstlichen Baltschug-Insel (auch Bolotnaja-Insel genannt), die vom Moskwa-Fluss im Norden und dem Wasserumleitungskanal im Süden begrenzt wird.

Bis in das späte 18. Jahrhundert gab es auf dem Gebiet regelmäßige Überflutungen, woher sich auch der Name ableitet (boloto = Sumpf, Moor). Da der Platz nicht für die Bebauung geeignet war, entstand an dieser Stelle bereits im Mittelalter ein zentraler Handelsplatz. Zugleich war der Platz bekannt für die traditionellen russischen Boxkämpfe (kulatschnyj boj) sowie für öffentliche Hinrichtungen von Aufständischen, weshalb ihm bis heute eine wichtige historische Bedeutung zukommt. Hier wurde 1671 der Anführer der aufständischen DonKosakenKosaken ist die Bezeichnung einer sozialen Gruppe, die sich teilweise aus dem (para-)militärischen Stand im 15. Jahrhundert formiert hat. Die soziostrukturelle Zusammensetzung früherer Reiterverbände der Kosaken ist nicht klar nachvollziehbar. Im 18. Jahrhundert wurden sie zum großen Teil in die Kavallerieverbände der regulären Armee integriert. Die Wiederbelebung der Tradition nach dem Zerfall der UdSSR wird von oppositionellen Kreisen oft als „folkloristisch“ bzw. „archaisch“ bezeichnet. In den südlichen Regionen Russlands übernehmen Kosaken oft die zweifelhafte Rolle einer Volksmiliz. Es kommt dabei immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf Oppositionspolitiker und Aktivisten, wie z. B. auf Alexej Nawalny oder die Kunstaktivistinnen von Pussy Riot. gegen das Zarenreich gevierteilt und 1775 der Anführer des Bauernaufstands enthauptet.

Foto © Leonid FaerbergErst als 1786 ein Kanal zur Umleitung der Moskwa fertiggestellt wurde, nahmen die Überflutungen ab und es wurde möglich, die neu entstandene Insel zu bebauen. Nach der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. verlor der Bolotnaja-Platz seine Bedeutung als Handelszentrum und wurde allmählich zu einer parkähnlichen Anlage umgestaltet. 1931 entstand am Rande des Platzes das konstruktivistische Haus an der UferstraßeDas Haus der Regierung (auch: Haus an der Uferstraße) ist ein Gebäude im Zentrum Moskaus gegenüber dem Kreml. Es ist sowohl architektonisch als auch politisch-historisch bedeutsam und verkörpert die Geschichte der frühen Stalin-Ära wie kaum ein anderes Gebäude. (dom na naberezhnoj, offiz. dom prawitelstwa (Haus der Regierung), in das zahlreiche Parteifunktionäre einzogen, von denen viele wiederum den stalinistischen Säuberungen zum Opfer fielen, sowie das für die sowjetische Architektur ebenso prototypische Kinotheater Udarnik.

Nach dem Ende der UdSSR wurde der eher unscheinbare Platz vorwiegend von Jugendlichen und Subkulturen als Treffpunkt benutzt. Im Anschluss an die umstrittenen Parlamentswahlen im Dezember 2011 fanden dort – nicht zuletzt weil er als öffentlicher Raum in unmittelbarer Nähe des Kremls mehr als 50.000 Personen Platz bietet – die größten Regierungsproteste seit den 1990er Jahren statt. Dadurch ist der Bolotnaja-Platz zu einem symbolischen Ort der Protestbewegung geworden. Andererseits wird der Ausdruck Bolotniki (die vom Bolotnaja-Platz) häufig von Regierungsseite verwendet, um die Regierungskritiker in Anlehnung an die ursprüngliche Bedeutung des ehemaligen Sumpfes in ein negatives Licht zu rücken.

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Wenige Tage vor der Protestaktion wurde mit Boris Nemzow einer der Hauptinitiatoren ermordet. Anstatt des geplanten Anti-Krisen-Marschs fand in Moskau ein Trauermarsch statt, an dem etwa 50.000 Menschen teilnahmen.

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Lew Rubinstein (geb. 1947) ist ein russischer Dichter, Literaturkritiker, Essayist und Publizist. In literarischer Hinsicht ist er vor allem für seine minimalistische Karteikarten-Poesie bekannt, eine Mischung aus literarischer, visueller und performativer Kunst, die er in den 1970er Jahren entwickelte. Rubinstein gilt zudem als einer der Begründer und führender Vertreter des Moskauer Konzeptualismus.

Er ist außerdem politisch in der Opposition aktiv. So unterstützt er die russische LGBT-Bewegung, hielt Mahnwachen für die inhaftierten Pussy-Riot Musikerinnen Maria Aljochina und Nadeshda Tolokonnikowa ab und sprach sich in einer Erklärung russischer Kulturschaffender gegen die Aggression in der Ostukraine aus

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Boris Nemzow war einer der bekanntesten Politiker Russlands und galt als scharfer Kritiker Wladimir Putins. In zahlreichen Publikationen machte er auf Misswirtschaft und Korruption in Russland aufmerksam, was ihm viele einflussreiche Gegner einbrachte. Ende Februar 2015 wurde Nemzow in der Nähe des Kreml erschossen. Im Juni 2017 wurden fünf Tschetschenen wegen Mordes verurteilt. Das Urteil ist umstritten, da unklar bleibt, wer die Auftraggeber der Verurteilten sind.

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Szene aus dem Film Kin-dsa-dsa! (All rights reserved)