Medien
Gnosen
en

Tag der Einheit des Volkes

Der arbeitsfreie Feiertag wurde im Jahr 2005 eingeführt – als Ersatz für den Tag der Oktoberrevolution. Er wird am 4. November begangen und bezieht sich auf ein Ereignis aus dem Jahr 1612, als ein Volksaufstand die polnisch-litauischen Besatzer aus dem Moskauer Kreml vertrieb. Der Feiertag soll den Zusammenhalt der russischen Gesellschaft angesichts äußerer Bedrohungen symbolisieren – über ethnische und religiöse Grenzen hinweg.

Staatliche Feiertage sind in Russland seit jeher mindestens ebenso bedeutsam wie religiöse. Bis zum Ende der Sowjetunion war der 7. November – neben dem Neujahrsfest – der wichtigste Feiertag des Jahres: Als Tag der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. sollte er den Beginn einer neuen Ära in der Geschichte der Menschheit feiern. Das Ende des Staates 1991Der Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. bedeutete jedoch, dass auch die Symbolik verändert werden musste. Präsident Boris JelzinBoris Jelzin (1931–2007) war der erste demokratisch gewählte Präsident Russlands. Er regierte von 1991 bis 1999, seine Amtszeit war durch tiefgreifende politische und ökonomische Krisen geprägt. Jelzin setzte massive Reformen in Gang: unter anderem ein Programm zur Privatisierung von Staatseigentum und ein folgenschweres Programm zur Umgestaltung der politischen Kultur. Letzteres bezeichnen viele Wissenschaftler als „Entsowjetisierungs-Programm.” schlug vor, schlichtweg den bestehenden Feiertag umzubenennen, und zwar in Tag des Einklangs und der Versöhnung. Dies fand jedoch weder in der Bevölkerung noch in der politischen Elite besondere Unterstützung.1 Zum Ende von Putins erster Amtszeit ersann man also einen gänzlich neuen Feiertag. Er sollte eine ähnlich staatstragende Symbolik haben wie der Revolutionstag, dabei aber vom sowjetischen Erbe unbelastet sein. Dieser Feiertag wurde auf den 4. November gelegt.

Der 4. November symbolisiert offiziell das Ende der Zeit der Wirren – einer Periode zwischen 1598 und 1613, in der Russland mit militärischen Niederlagen, Erbfolgekonflikten und Hungersnöten zu kämpfen hatte. Rivalisierende Adelszweige suchten Unterstützung von außen, und so belagerten fremde Heere mehrere russische Städte – darunter auch Moskau. Ein Volksaufstand vertrieb schließlich die polnisch-litauischen Besatzer des Moskauer Kreml,2 woraufhin 1613 ein neuer Zar gewählt werden konnte: Michail Fjodorowitsch, der erste Angehörige der Romanow-Dynastie. Die Legende besagt, dass die Anführer des Aufstandes – Minin und Posharski – beim Sturm auf Moskau die IkoneDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott. der Gottesmutter von Kasan mit sich führten. 1649 wurde daher am 22. Oktober, dem orthodoxen Gedenktag dieser bedeutsamen Marien-IkoneDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott., ein neuer Feiertag eingerichtet: Der Tag der Befreiung Moskaus und Russlands von den polnischen Besatzern.3 Nach neuer Zeitrechnung fällt dieser auf den 4. November – auch das Datum des neuen Tags der Einheit des Volkes schließt also an die zaristische Tradition an.

Die Wiedereinführung des Feiertages im Jahr 20054 unter neuem Namen verband das Ende der Zeit der Wirren symbolisch mit dem Ende des Chaos der 1990erDas Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet, aufgrund derer es in das kollektive Gedächtnis als die wilden 1990er eingegangen ist. Mit dem Begriff werden weniger die neu erlangten Freiheiten, sondern eher negative Erscheinungen wie Armut und Kriminalität assoziiert. und sollte so das Wiedererstarken eines geeinten und stabilen (siehe auch StabilisierungDie Stabilisierung der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse war in den 2000er Jahren das erklärte Hauptziel der russischen Politik. Tatsächlich verbesserte sich die wirtschaftliche Lage des Landes in den ersten zwei Amtszeiten Putins erheblich. Die Stabilisierung als politisches Projekt ging jedoch mit einer Konzentration der Macht in den Händen des Präsidenten einher.) Russland markieren.5 Die historischen Ereignisse werden dabei jedoch vereinfacht: Es ist unklar, ob der Aufstand tatsächlich die Einheit des Volkes versinnbildlicht, da durchaus nicht alle Teile der russischen Bevölkerung an ihm beteiligt waren. Auch war mit dem Sturm auf den Kreml und sogar mit der Wahl des neuen Zaren die Zeit der Wirren noch nicht beendet.6 Die politische Führung zog jedoch die Symbolik des Ereignisses der historischen Genauigkeit vor.

Der Feiertag steht heute für die Einheit des russischen Volkes angesichts eines äußeren Aggressors und für die Fähigkeit der Russen, schwere Zeiten gemeinsam zu überwinden. Diese Bedeutung unterstrichen mehrere Dokumentationen im Staatsfernsehen7 sowie der Blockbuster 1612Ein russischer Kriegsfilm aus dem Jahr 2007 von Wladimir Chotinenko über den Polnisch-Russischen Krieg und die „Zeit der Wirren“ nach der Ermordung des Zaren Boris Godunow im Jahr 1605. des Regisseurs Wladimir Chotinenko.8 Trotz aller Bemühungen konnte die Mehrheit der russischen Bevölkerung jedoch mit dem neuen Feiertag zunächst wenig anfangen: Nur 8 Prozent der Befragten gaben im Jahr 2005 an, vom Tag der Einheit des Volkes zu wissen. Der Anteil stieg bis ins Jahr 2014 auf immerhin 54 Prozent – möglicherweise auch infolge der offiziellen Paraden, Prozessionen und Konzerte, die in den letzten Jahren vermehrt stattfanden.Die parlamentarischen Oppositionsparteien Gerechtes Russland„Gerechtes Russland“ (Sprawedliwaja Rossija, SR) ist eine von drei Oppositionsparteien im russischen Parlament. Sie begreift sich selbst als sozialdemokratisch. Mit Unterstützung des Kreml im Jahr 2006 als Mitte-Links-Alternative zur Regierungspartei Einiges Russland geschaffen, hat sie sich in den letzten Jahren zu einer gemäßigt-oppositionellen Kraft entwickelt. Parteiausschlüsse prominenter Oppositioneller zeigen jedoch, dass die Partei nicht zuviel Opposition wagen kann.„Gerechtes Russland“ (Sprawedliwaja Rossija, SR) ist eine von drei Oppositionsparteien im russischen Parlament. Sie begreift sich selbst als sozialdemokratisch. Mit Unterstützung des Kreml im Jahr 2006 als Mitte-Links-Alternative zur Regierungspartei Einiges Russland geschaffen, hat sie sich in den letzten Jahren zu einer gemäßigt-oppositionellen Kraft entwickelt. Parteiausschlüsse prominenter Oppositioneller zeigen jedoch, dass die Partei nicht zuviel Opposition wagen kann. und LDPRDie 1991 gegründete Liberal-demokratische Partei Russlands (LDPR) besitzt trotz ihrer Bezeichnung eine nationalistisch-rechtspopulistische Ausrichtung. Ihr Gründer und Vorsitzender ist Wladimir Shirinowski, der regelmäßig mit extremen und provokativen Aussagen für Aufsehen sorgt. sowie kremltreue Jugendorganisationen (siehe auch Regierungsfinanzierte JugendorganisationenRegierungsfinanzierte Jugendorganisationen (RFJ) werden in Russland seit 2000 oft als Reaktion auf ein isoliertes politisches Ereignis gegründet oder um (oppositionelle) öffentliche Personen zu diskreditieren. Die sichtbarste und bekannteste dieser Jugendorganisationen ist die im Jahr 2005 gegründete Demokratische Antifaschistische Bewegung Naschi. Sie wurde 2008 in mehrere Unterorganisationen aufgespalten und 2013 faktisch aufgelöst.) beteiligten sich an der Durchführung.9 Zwar kennen noch immer nicht alle den historischen Gehalt des Feiertages, auch gab im Jahr 2014 nur ein Fünftel der Befragten an, den Tag selbst feiern zu wollen – 12 Prozent erklärten sogar, den abgeschafften Revolutionstag zu begehen.10 Jedoch sind heute etwa zwei Drittel der Bürger davon überzeugt, dass ein Tag der Nationalen Einheit wichtig sei.11

Da der Feiertag der Bevölkerung zu Beginn unbekannt war, konnten sich russische Nationalisten des Datums bemächtigen, um Demonstrationen in Form rechtsextremer Russischer Märsche durchzuführen.12 Die Regierung gewann jedoch mit der Zeit die Deutungshoheit über das Ereignis zurück. Heute soll der Tag in der offiziellen Symbolik die ethnisch und konfessionell übergreifende Einheit des russischen Vielvölkerstaates unterstreichen. Innere Geschlossenheit fordert dabei jedoch den Preis der Abgrenzung nach außen. Aus dieser Perspektive ist es nicht verwunderlich, dass der Feiertag mit der Ukraine-KriseDer Krieg im Osten der Ukraine ist eine militärische Auseinandersetzung zwischen der Ukraine und den selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk. Die Ukraine wirft dem Nachbarland Russland vor, die Rebellen mit Personal und Waffen zu unterstützen, was Russland bestreitet. Der Krieg kostete bereits etwa 10.000 Menschen das Leben. Eine anhaltende Waffenruhe konnte trotz internationaler Vermittlungsbemühungen bisher nicht erreicht werden.    und der rhetorischen Konfrontation mit NATO und EU in den Jahren 2014/15 an Bedeutung gewann: Die Aussage des Ereignisses von 1612 eignet sich – aller Ungereimtheiten zum Trotz – zur Untermauerung von Putins Image als Beschützer Russlands und zur Festigung seines Herrschaftsanspruchs (siehe auch GesellschaftsvertragIm Russland der 2000er Jahre steht der Begriff Gesellschaftsvertrag für ein implizites Einvernehmen zwischen Bevölkerung und politischer Führung: Der Kreml sorgt für Stabilität und wirtschaftliche Prosperität, dafür mischen sich die anderen gesellschaftlichen Akteure nicht in die Politik ein. Spätestens seit der Wirtschaftskrise von 2014/15 haben sich die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Bedingungen in Russland jedoch derart verändert, dass das „Ende des bisherigen Gesellschaftsvertrags“ diskutiert wird.). Die Bemühungen, den Tag noch stärker im Bewusstsein der Bevölkerung zu verankern, wurden im Jahr 2015 folgerichtig noch einmal ausgebaut. So hielten viele Städte große Umzüge ab – unter anderem auch Sewastopol auf der KrimDie Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus..


1.Adler, Nanci (2012): Reconciliation with – or rehabilitation of – the Soviet past? S. 329, in: Memory Studies, 5 (3), S. 327-338
2.Nolte, Hans-Heinrich (2012): Geschichte Russlands, Stuttgart, S. 72f.
3.Russkaja Pravoslavnaja Cerkov: 4 nojabrja — prazdnovanie Kazanskoj IkoneDie Ikonenverehrung ist ein zentrales Element der orthodoxen Glaubenspraxis. Als Kultbilder der orthodoxen Kirchen zeigen sie Christus, die Gottesmutter Maria und andere Heilige, zuweilen auch biblische Szenen. Um nach traditioneller Praxis verehrt werden zu können, muss eine Ikone von der Kirche geweiht sein. Durch die Ikone gelangen Gläubige in einen direkten Kontakt mit den dargestellten Heiligen und indirekt auch zu Gott. Božiej Materi (v pamjatʼ izbavlenija Moskvy i Rossii ot inozemnych zachvatčikov v 1612 g.)
4.Auf Initiative des Interreligiösen Rates Russlands setzte das Parlament die Einrichtung des Feiertages 2004 auf die Agenda, und nachdem auch der orthodoxe Patriarch Aleksi II. den Feiertag abgesegnet hatte, wurde er gesetzlich verabschiedet.
5.Bacon, Edwin (2012): Public political narratives: developing a neglected source through the exploratory case of Russia in the Putin-Medvedev era, S. 778ff., in: Political Studies 60 (4), S. 768-786
6.Beispielsweise kämpften KosakenKosaken ist die Bezeichnung einer sozialen Gruppe, die sich teilweise aus dem (para-)militärischen Stand im 15. Jahrhundert formiert hat. Die soziostrukturelle Zusammensetzung früherer Reiterverbände der Kosaken ist nicht klar nachvollziehbar. Im 18. Jahrhundert wurden sie zum großen Teil in die Kavallerieverbände der regulären Armee integriert. Die Wiederbelebung der Tradition nach dem Zerfall der UdSSR wird von oppositionellen Kreisen oft als „folkloristisch“ bzw. „archaisch“ bezeichnet. In den südlichen Regionen Russlands übernehmen Kosaken oft die zweifelhafte Rolle einer Volksmiliz. Es kommt dabei immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf Oppositionspolitiker und Aktivisten, wie z. B. auf Alexej Nawalny oder die Kunstaktivistinnen von Pussy Riot. noch bis 1618 für ihre Unabhängigkeit, siehe: Otečestvennye zapiski: Čto budut prazdnovatʼ v Rossii 4 nojabrja 2005 goda?
7.siehe Bacon, Edwin, S. 778f.
8.Der Bildhauer Surab Zereteli, der auch den Wiederaufbau der Christ-Erlöser-KathedraleDie Christ-Erlöser-Kathedrale steht am linken Ufer der Moskwa in unmittelbarer Nähe zum Kreml. Sie wurde als Denkmal des Sieges über Napoleon konzipiert und entwickelte sich zum zentralen Gotteshaus der Russisch-Orthodoxen Kirche. In den 1930ern wurde die Kathedrale gesprengt, in den 1990ern originalgetreu wieder aufgebaut. Ihre Rolle im heutigen Russland ist dabei weiter kontrovers: Den Status als Heiligtum der Orthodoxie hat die Christ-Erlöser-Kathedrale längst wiedererlangt – verkörpert jedoch zugleich das enge Band zwischen Staat und Kirche. gestaltete, fertigte außerdem eine Kopie eines Denkmals für die Anführer des Aufstands Minin und Posharski. Sie wurde 2005 in Nishni Nowgorod im Beisein des Patriarchen Aleksi eingeweiht. Siehe Russkaja Pravoslavnaja Cerkov: Otkrytie pamjatnika Mininu i Požarskomu v  Hižnem Novgorode
9.Kommersant.ru: 4 nojabrja otmetjat jarmarkami i krestnymi chodami, zur Teilnahme der Jungen Garde siehe: Molodaja Gvardija: V regionach strany otmetili Denʼ narodnogo edinstva
10.Lewada.ru: Nojabrʼskie prazdniki: znanie i gotovnostʼ otmečatʼ
11.Fom.ru: 4 Nojabrja
12.Pain, Emil A. (2007): Xenophobia and Ethnopolitical Extremism in Post-Soviet Russia: Dynamics and Growth Factors, S. 906, in: Nationalities Papers, 35 (5), S. 895-911; siehe auch Kommersant.ru: Russkij prazdnik
 
dekoder unterstützen
Weitere Themen

Auflösung der Sowjetunion

Der Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik.

Russisch-Orthodoxe Kirche

Die Russisch-Orthodoxe Kirche ist die christliche Kirche mit der größten Glaubensgemeinschaft in Russland. Prägend für ihr Verhältnis zum russischen Staat ist das von der byzantinischen Mutterkirche übernommene Ideal der Symphonie, d. h. einer harmonischen Beziehung zwischen Staat und Kirche. Vor 1917 galt die Orthodoxie neben der Autokratie und dem „Volk“, genauer: einem volksverbundenen Patriotismus, als eine der wichtigsten Stützen des russischen Staates und des Zarenreichs – eine Traditionslinie, die heute wieder wirksam scheint.

Die Wilden 1990er

Das Jahrzehnt nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion war von tiefgreifenden Umbrüchen gezeichnet, aufgrund derer es in das kollektive Gedächtnis als die wilden 1990er eingegangen ist. Mit dem Begriff werden weniger die neu erlangten Freiheiten, sondern eher negative Erscheinungen wie Armut und Kriminalität assoziiert.

Erster Kanal

Der Erste Kanal gilt aufgrund seiner hohen Reichweite als das wichtigste Massenmedium des Landes. Seit dem Ende der Sowjetunion war er stets mehrheitlich im Staatsbesitz – wenn auch seit 1994 unter Beteiligung von Großunternehmern. Er ist ein zentrales Instrument der politischen Kommunikation des Kreml.

Allrussische Staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft / WGTRK

Die Allrussische Staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft WGTRK ist eine staatlich kontrollierte Medienholding. Sie besitzt mehrere landesweit empfangbare Fernseh- und Radiosender sowie Internetmedien, ausserdem 89 regionale Medienanstalten in allen Föderationssubjekten der Russischen Föderation.

Alexander Newski

Als Fürst von Nowgorod errang Alexander Jaroslawitsch „Newski“ im 13. Jahrhundert wichtige militärische Siege gegen Schweden und den Deutschen Orden. Diese Erfolge begründeten die Verehrung, die ihm bis heute in Russland zuteil wird. Von der Orthodoxen Kirche heiliggesprochen, tilgten die Bolschewiki zunächst die Erinnerung an ihn aus der Geschichte, bis er als nationale Identifikationsfigur unter Stalin in den 1930er Jahren wieder rehabilitiert wurde.

weitere Gnosen
© Mosfilm (All rights reserved)