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Konstantin Sonin

Konstantin Sonin (geb. 1972) ist einer der meistzitierten russischen Ökonomen. In seiner Forschung beschäftigt er sich hauptsächlich mit ökonomischer Theorie und politischer Ökonomie und publiziert in den wichtigsten internationalen Zeitschriften. Sonin veröffentlichte mehrere Bücher und Aufsätze mit international führenden Wissenschaftlern wie Daron Acemoglu und Sergei GuriewSergei Guriew (geb. 1971) ist ein russischer Wirtschaftswissenschaftler, VWL-Professor am Instituts d'études politiques (Sciences Po) in Paris und seit 2015 Chefökonom der Europäischen Bank für Wiederaufbau und Entwicklung. Im Jahr 2013 wurden Vorwürfe gegen ihn erhoben, in den Fall YUKOS verwickelt zu sein. Das Ölförderunternehmen YUKOS von Michail Chodorkowski war Jahre zuvor zerschlagen und unter staatliche Kontrolle gebracht worden. Chodorkowski kam in Haft. Als Guriew ins Fadenkreuz der Justiz geriet, emigrierte er nach Frankreich. Präsident Wladimir Putin bezeichnete diesen Schritt öffentlich als Flucht., darunter zu Themen wie Populismus, staatlich gelenkte Medien und den manipulierten Parlamentswahlen 2011 in Russland.

Der promovierte Mathematiker kehrte nach einem Aufenthalt an der Harvard Universität 2001 nach Russland zurück und arbeitete fortan an der New Economic School (NES), einer liberalen Wirtschaftsuniversität in Moskau. 2011 legte er ein gemeinsames Studienprogramm zwischen der NES und der Higher School of EconomicsDie Higher School of Economics zählt zu den wichtigsten russischen Hochschulen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Reformuniversität wurde Anfang der 1990er gegründet, um Wirtschaftsexperten für den Aufbau der Marktwirtschaft auszubilden. Heute zählt die Hochschule zu den führenden Forschungsuniversitäten in Russland und nimmt auch politisch eine wichtige Rolle ein. (HSE) auf, zu der er auch 2013 in die Position des Vizerektors wechselte.

Für seine Lehr- und Forschungstätigkeit wurde der Starökonom mehrfach ausgezeichnet. Neben seiner akademischen Tätigkeit kommentiert er als Kolumnist für die Wirtschaftszeitung Vedomosti und die Moscow Times die russische Wirtschaftspolitk. Zuletzt kritisierte Sonin den von Putin eingeschlagenen Kurs des Staatskapitalismus sowie die Finanzpolitik der Russischen ZentralbankDie Russische Zentralbank ist die Hüterin der Währungsstabilität. War die vorrangige Aufgabe der Zentralbank in den 1990ern, die Inflation des Rubels zu begrenzen,so konnte sie im letzten Jahrzehnt dank steigender Rohstoffexporte große Währungsreserven anhäufen. Ende 2014 musste die Zentralbank einen Teil der Reserven jedoch verkaufen, um den drastischen Kursverfall des Rubels zu verhindern. und warnte als einer der ersten das Land vor einer großen wirtschaftlichen KriseSeit Ende 2014 befindet sich Russland in einer schweren Wirtschaftskrise. Inflation, Haushaltsdefizit und Rezession entwickeln sich zu einer ernsten Belastungsprobe für den Staat und seine Bürger..1

Im Mai 2015 gab Sonin bekannt, dass er einen Lehrauftrag an der Universität von Chicago annehmen werde und hierzu seinen Wohnsitz in die USA verlege, dabei aber auch seine Lehrtätigkeit an der HSE in Moskau fortsetzen werde. Diese Entscheidung habe er aus karrieretechnischen, aber auch aus politischen Gründen getroffen, wie er in seinem Blog mitteilte: „Natürlich hängt dieser Schritt mit den politischen Entwicklungen der letzten Jahre zusammen. Bis 2014 dachte ich nicht einmal daran, nach einer permanenten Beschäftigung im Ausland zu suchen.“2

Foto © Ekaterina Izmestieva unter CC BY 2.0Vor ihm sind bereits andere bekannte russische Wirtschaftswissenschaftler, die die staatliche Wirtschaftpolitik kritisierten, unter Druck geraten und ausgewandert. Dazu zählen Sonins Kollegen Sergei Guriew (2013 nach Frankreich) und der ehemalige stellvertretende Finanzminister und Professor der HSE Sergej Alexaschenko (2013 in die USA). Inzwischen arbeiten sechs der zehn führenden russischen Wirtschaftswissenschaftler im Ausland.3


1.vgl. sein Interview auf Spiegel Online vom 11.12.2014: Wirtschaftskrise in Russland: „Putin wird sich bis zuletzt an die Macht krallen.“
2.Livejournal.com: Litčnye novosti – Dnevnik Ekonomista: Ksonin
3.Slon.ru: „Kreml sožaleet“: 6 iz 10 veduščich rossijskich ekonomistov rabotajut za granicej
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Die Russische Zentralbank ist die Hüterin der Währungsstabilität. War die vorrangige Aufgabe der Zentralbank in den 1990ern, die Inflation des Rubels zu begrenzen,so konnte sie im letzten Jahrzehnt dank steigender Rohstoffexporte große Währungsreserven anhäufen. Ende 2014 musste die Zentralbank einen Teil der Reserven jedoch verkaufen, um den drastischen Kursverfall des Rubels zu verhindern.

Higher School of Economics

Die Higher School of Economics zählt zu den wichtigsten russischen Hochschulen im Bereich der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Die Reformuniversität wurde Anfang der 1990er gegründet, um Wirtschaftsexperten für den Aufbau der Marktwirtschaft auszubilden. Heute zählt die Hochschule zu den führenden Forschungsuniversitäten in Russland und nimmt auch politisch eine wichtige Rolle ein.

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