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Sila Sibiri

Sila Sibiri (dt. Kraft Sibiriens) ist der offizielle Name einer im Bau befindlichen Pipeline, die Erdgas aus der Republik JakutienDie überwiegend von Jakuten bewohnte Republik Sacha (Jakutien) liegt im asiatischen Teil Russlands. Mit drei Millionen Quadratkilometern Fläche ist sie etwa so groß wie die EU und damit das größte Föderationssubjekt der Russischen Föderation. Allerdings ist die Republik mit nur etwa 950.000 Einwohnern sehr dünn besiedelt. Hauptstadt und einzige Großstadt ist Jakutsk. Jakutien ist reich an Bodenschätzen, unter anderem werden in der Region Diamanten und Gold gefördert. und der Region Irkutsk in die Länder des pazifischen Raums transportieren soll. Das Pipelineprojekt wurde im Jahr 2012 im Auftrag des Präsidenten Wladimir Putin vom staatlichen Gasmonopolisten Gazprom initiiert. Für die Pipeline ist eine Länge von viertausend Kilometern und eine Kapazität von ca. 61 Milliarden Kubikmetern Erdgas im Jahr veranschlagt.

Ein wesentlicher Teil der Lieferungen ist für den chinesischen Energiemarkt bestimmt. Laut dem Lieferungsvertrag, den Gazprom und der chinesische Energiekonzern CNPC im Mai 2014 mit einer Laufzeit von 20 Jahren abschlossen, wird Gazprom jährlich 38 Milliarden Kubikmeter Erdgas nach China pumpen. Die Entwicklungskosten der Sila Sibiri bezifferte Gazprom auf ca. 55 Milliarden US-Dollar. Anlässlich des offiziellen Baustarts am 1. September 2014 nannte Putin das Vorhaben „das größte Bauprojekt der Welt“. 

Die Inbetriebnahme der Pipeline war ursprünglich für 2018 geplant. Allerdings gehen die Bauarbeiten momentan nur sehr schleppend voran. Gazprom fehlen die notwendigen finanziellen Mittel sowohl für die Förderung in schwer zugänglichen Gasfeldern als auch für die Durchführung des eigentlichen Pipelineprojekts: Die im Zuge des Ukraine-Konflikts beschlossenen westlichen SanktionenAls Reaktion auf die Angliederung der Krim beschlossen sowohl die USA als auch die EU im März 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzernen, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen  (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht). gegen Gazprom erschweren den Zugang zu westlichen Krediten und verhindern die Teilnahme westlicher Investoren am Projekt.

Darüber hinaus stellen die fallenden Gaspreise die erhofften hohen Gewinne des Deals mit China infrage. Laut Gazproms Berechnungen sollte der Konzern für die Gaslieferungen nach China insgesamt ca. 400 Milliarden US-Dollar erhalten. Der Preis, den die chinesische Firma für das russische Gas zahlen muss, ist an den Ölpreis gebunden. Infolge der fallenden Ölpreise schrumpfen die erwarteten Einnahmen nun rapide zusammen. Legt man den heutigen Ölpreis zugrunde, würde Gazprom keine großen Gewinne mehr erzielen. Einige Experten spekulieren, dass die beiden Vertragspartner aus diesem Grund den Beginn der Gaslieferungen auf die Jahre 2019–2021 verschoben haben.1

Zurzeit fehlt außerdem noch eine interne Infrastruktur, die die Gasfelder in West- und Nordsibirien miteinander und mit der Sila Sibiri verbindet, sodass das Erdgas anschließend nach China und zum Flüssiggaswerk auf der Pazifikinsel Sachalin transportiert werden kann. Eine Lösung wäre eine Kooperation Gazproms mit dem staatlichen Ölkonzern RosneftAls staatliche Energiegesellschaft Anfang der 1990er Jahre gegründet, stieg Rosneft in den 2000er Jahren zu einem zentralen Akteur des russischen Energiesektors auf. Das Unternehmen war Hauptprofiteur der Zerschlagung des YUKOS-Konzerns und wurde durch weitere Zukäufe zu einem der mächtigsten Unternehmen Russlands. Der niedrige Ölpreis und die westlichen Sanktionen machen dem Giganten jedoch zu schaffen. Ende September 2017 wurde Altkanzler Gerhard Schröder zum Vorsitzenden des Direktorenrats von Rosneft berufen., der bereits Projekte auf Sachalin durchführt und Flüssigerdgas für Sila Sibiri liefern könnte. Rosneft hat jedoch signalisiert, dass es vorzugsweise in Märkte exportiert, die höhere Exporteinnahmen versprechen. Insgesamt ist davon auszugehen, dass die Fluktuation der Ölpreise auf dem Weltmarkt, die westlichen Sanktionen gegen Russland sowie die Entwicklung der geopolitischen Lage im pazifischen Raum den Fortgang des Pipelineprojektes und seinen Erfolg auch im Weiteren mitbestimmen werden.


1.Vedomosti: Vvod gazoprovoda Sila Sibiri sdvigaetsja minimum na polgoda
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Rosneft

Als staatliche Energiegesellschaft Anfang der 1990er Jahre gegründet, stieg das Unternehmen in den 2000er Jahren zu einem zentralen Akteur des russischen Energiesektors auf. Rosneft war Hauptprofiteur der Zerschlagung des YUKOS-Konzerns und wurde durch weitere Zukäufe zu einem der mächtigsten Unternehmen Russlands. Der niedrige Ölpreis und die westlichen Sanktionen machen dem Giganten jedoch zu schaffen.

YUKOS

Nach der Übernahme durch Michail Chodorkowskis MENATEP-Invest-Gruppe 1995 entwickelte sich das Erdölunternehmen YUKOS zum erfolgreichsten seiner Art in Russland. Ab 2003 wurde YUKOS mit rechtlich zum Teil zweifelhaften Strafrechtsprozesssen zerschlagen und weitgehend unter staatliche Kontrolle gebracht. Der Fall ist beispielhaft für den Anspruch der russischen Exekutive, zentrale wirtschaftliche Prozesse zu kontrollieren und keine politisch aktiven Unternehmer zu dulden.

Yukos-Aktionäre

Große Teile des Erdölunternehmens YUKOS waren zu Anfang der 2000er Jahre im Besitz einiger im Ausland registrierter Firmen, an denen Michail Chodorkowski die Mehrheit hielt. Wenngleich solche Steuertricks oft formal legal und unter russischen Großunternehmern üblich waren, ging der russische Staat ab 2003 gegen den Konzern vor – nach Meinung vieler Experten aus politischen Motiven. Die ehemaligen Eigentümer erwirkten 2014 zunächst ein Urteil, das Russland zu einer Entschädigungszahlung verpflichtet. Das Den Haager Bezirksgericht gab jedoch 2016 einer Revisionsklage Russlands statt, das Urteil wurde aufgehoben.

Michail Chodorkowski

Einst einer der reichsten Männer Russlands, wurde Michail Chodorkowski 2003 verhaftet und in Folge eines – nach Ansicht vieler Experten – politisch motivierten Prozesses de facto enteignet. Während seiner 10-jährigen Haftstrafe etablierte sich Chodorkowski als einer der im Westen sichtbarsten Vertreter der Opposition in Russland.

Platon Lebedew

Der vom Auftreten her eher unscheinbare aber höchst erfolgreiche Geschäftsmann begleitete seinen schillernden Kollegen Michail Chodorkowski durch den Boom des Erdölkonzerns YUKOS sowie durch die Strafprozesse gegen das Unternehmen. Zu Beginn der 2000er Jahre einer der reichsten Männer Russlands, war Lebedew von 2003 bis 2014 in einer Strafkolonie inhaftiert. Im Gegensatz zu Chodorkowski verfolgt er keinerlei politische Projekte.

Sanktionen

Als Reaktion auf die Angliederung der Krim beschlossen sowohl die USA als auch die EU im März 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Diese umfassen Einreiseverbote für unmittelbar in den Konflikt involvierte russische Politiker und Wirtschaftsführer sowie das Einfrieren von Vermögenswerten. Wegen russischer Unterstützung für die in der Ostukraine kämpfenden Milizen erließ die EU Ende Juli und im September 2014 ein separates Sanktionenpaket. Es besteht aus dem Finanzierungsstopp russischer Staatsbanken, Öl- und Rüstungskonzernen, sowie aus verschiedenen Handelsbeschränkungen. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen  (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht).

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