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Felix Edmundowitsch Dsershinski

Von den einen als „eiserner“ Held verehrt, von den anderen hingegen als grausamer Mörder verabscheut: Felix Dsershinski. Der einstige Chef der sowjetischen Geheimpolizei Tscheka ist im Vergleich zu Lenin oder Stalin im heutigen Russland eher eine historische Randfigur. Von größerer Bedeutung als der Täter Dsershinski ist die Debatte um sein Denkmal vor dem KGB-Gebäude in Moskau – Ende Februar war sie erneut entflammt.

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Weißes Band

Das weiße Band ist eines der Hauptsymbole der Protestbewegung von 2011/2012. Es bringt die Kritik an den manipulierten Dumawahlen im Dezember 2011 und den Präsidentenwahlen im März 2012 zum Ausdruck und steht sinnbildlich für die in diesem Zusammenhang entstandene Forderung „Für saubere Wahlen“.

Schon vor dem Aufkommen der Proteste fand das weiße Band, dessen Farbwahl Reinheit und Sauberkeit symbolisieren soll, in unterschiedlicher Weise Verwendung. Bereits im Jahr 2009 wollte Alexej Dymkowski, ein später in Ungnade gefallener Mitarbeiter des Innenministeriums, die Symbolik des weißen Bandes für eine Bewegung gegen die Korruption in den Sicherheitskräften nutzen. Im November 2011 griff das vom Antikorruptionsaktivisten Alexej Nawalny unterstützte Projekt RosAgit diese Idee wieder auf und verteilte Anstecknadeln mit weißen Bändern in mehr als  20 russischen Städten. Auch diese Aktionen waren gegen Korruptionsfälle und Beamtenwillkür gerichtet und verschafften dem weißen Band eine zunehmende Bekanntheit als neues Protestsymbol.

Nach den manipulierten Dumawahlen 2011 gab es zahlreiche Aufrufe in den sozialen Netzwerken, das weiße Band als Zeichen der sich formierenden Protestbewegung zu verwenden, und es wurde schnell zu deren wichtigstem Symbol.1 Vom Internet aus, wo es zahlreiche social media-Profile schmückte, verbreitete sich das weiße Band auf die Straße. Bei der Großdemonstration auf dem Bolotnaja-Platz trugen die meisten der Teilnehmer das Band an ihrer Kleidung.

Eine der größten Protestaktionen mit gezielter Verwendung des weißen Bandes war der sogenannte Weiße Ring vom 29. Januar 2012. Dabei fuhr auf dem Moskauer Gartenring, einer 17 Kilometer langen Ringstraße um das Zentrum Moskaus, ein Autokorso von Demonstranten, die ihre Fahrzeuge mit weißen Bändern und Luftballons geschmückt hatten.

Teilnehmer einer Protestveranstaltung mit weißem Band – Foto © Igor Bakirov

Das weiße Band der Opposition wird häufig als Gegenstück zum St. Georgs-Band verstanden, das neben dem historischen Gedenken an den Großen Vaterländischen Krieg zunehmend die Zustimmung zum politischen Kurs Putins symbolisiert.


1.BBC Russkaja Služba: „Belaja lentočka“: nedovolnye vychodjat is seti na ulicy
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Alexej Nawalny gilt als bekanntester Kreml-Kritiker. Bei seiner Rückkehr nach Russland am vergangenen Sonntag wurde er noch am Flughafen festgenommen, derzeit läuft bereits ein Prozess gegen ihn. Jan Matti Dollbaum über den widersprüchlichen Oppositionspolitiker und dessen Potential, der Macht auf lange Sicht gefährlich zu werden. 

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