Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Murka ist wohl das bekannteste russische Lied aus dem kriminellen Liederrepertoire. Als Urheber gilt zwar der Dichter Jakow Jadow (1873–1940), das Lied existiert aber in zahlreichen Varianten und gehört eher zum allgemeinen Liedgut. Wenn es auch Unterschiede in Details, Reimen und im Text gibt, bleibt das generelle Sujet des Liedes stets unberührt: Es geht um Liebe, Verrat und Tod. Obwohl es von Kriminellen und Banditen handelt und das Lied voller Jargonwörter ist, ist Murka weit über die Grenzen der kriminellen Subkultur hinaus beliebt.
Nach der Oktoberrevolution 1917 kam es zu Erhebungen unterschiedlicher antibolschewistischer Kräfte – der Weißen – gegen die neuen sowjetischen Machthaber – die Roten. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung. Dass die Weißen weder politisch noch organisatorisch eine Einheit bildeten, war letztendlich ein wesentlicher Grund für ihre Niederlage. Demgegenüber gelang den Bolschewiki der straffe Aufbau der Roten Armee, mit deren Hilfe sie auch die Niederschlagung von Konflikten erreichten, die parallel zur Auseinandersetzung mit den Weißen entstanden waren (Polnisch-Sowjetischer Krieg, Partisanenbewegungen, Abfall von Randgebieten). Der Sieg im Bürgerkrieg bedeutete die endgültige Machtkonsolidierung für die sowjetische Regierung.
Das Demokratieverständnis vieler Menschen bezieht sich nicht nur, oder nicht einmal zentral, auf das theoretische Konzept von Demokratie, sondern auf die eigene Erfahrung mit Demokratie. Dies gilt auch für das Russland der 1990er Jahre. In Meinungsumfragen wünscht sich ein großer Teil der russischen Bevölkerung weniger demokratische Prinzipien, als vielmehr „Ordnung“ und „eine starke Hand“. Während die 1990er Jahre in Russland in dieser Hinsicht katastrophal schlecht abschneiden, nimmt im folgenden Jahrzehnt eine große Mehrheit der russischen Bevölkerung eine deutliche Verbesserung wahr. Im längerfristigen Durchschnitt ist etwa ein Viertel der russischen Bevölkerung nicht der Meinung, dass Russland eine Demokratie im Sinne der in Westeuropa und den USA entwickelten Konzepte benötige.
Als Reaktion auf die Annnexion der Krim und Russlands militärisches Eingreifen in der Ostukraine beschlossen sowohl die USA als auch die EU im Jahr 2014 wirtschaftliche Sanktionen gegen Russland. Im Juli 2017 beschlossen die USA zudem, Russland für die Angliederung der Krim, die mutmaßliche Einmischung in den US- Präsidentschaftswahlkampf und für die Unterstützung Baschar al-Assads im syrischen Bürgerkrieg zu bestrafen. Die neuen beziehungsweise modifizierten Sanktionen können bei voller Umsetzung nachhaltig Russlands Rohstoffgeschäft schädigen (das einen großen Teil des Staatshaushalts ausmacht).
Russland nimmt seit 1994 teil am ESC (wie der Grand Prix Eurovision de la Chanson seit 2002 heißt). Trotz großer Popularität des Wettbewerbs beim russischen Publikum, gibt es von offizieller Seite immer wieder Vorschläge, Russlands Teilnahme beim ESC einzustellen und stattdessen ein Gegenmodell aufzubauen nach Vorbild des sowjetischen Interwidenije (1977–1980 in Polen durchgeführt). 2017 trat Russland wegen des Einreiseverbots in Kiew für die Sängerin Julia Samoilowa nicht beim ESC auf. 2018 trat Samoilowa in Lissabon an, ist jedoch im Halbfinale ausgeschieden. In der ESC-Geschichte hat Russland ein Mal gewonnen (2008), vier Mal den zweiten und drei Mal den dritten Platz gemacht.
Die weibliche Bevölkerungsmehrheit in der Sowjetunion bekam die Anforderungen und Folgen des Krieges stark und unmittelbar zu spüren. Die Frauen mussten die einberufenen Männer sowohl in der Industrie als auch, und vor allem, in der Landwirtschaft ersetzen, was Schwerstarbeit ohne Rücksicht auf eigentlich geltende Arbeitsschutzgesetze bedeutete. Außerdem nahmen rund 1 Million Frauen in Uniform am Krieg teil. In der am heroischen Großen orientierten Erinnerungskultur des Krieges finden die Frauen aber nur geringen Raum.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde Karl Marx in Russland zu einem der einflussreichsten Philosophen. Schon bald nach der deutschen Erstausgabe von 1867 gab es sein Kapital auch auf Russisch. Das Werk fand in Russland ein weitaus lebhafteres Echo als in Deutschland oder irgendwo sonst in Europa. Nach der Oktoberrevolution wurde ein vermeintlich texttreuer, dogmatischer Marxismus zu einer dominierenden und schließlich sogar absolut gesetzten Ideologie.
Ilya Varlamov (geb. 1984) ist ein russischer Fotograf und Urbanblogger, der mit seiner Seite varlamov.ru ein Millionenpublikum erreicht. In seinen Beiträgen kritisiert er humorvoll architektonische und städtebauliche Projekte, was ihm viele Fans beschert hat – unter lokalen Machthabern jedoch auch einige Feinde.
Sergej Lawrow (geb. 1950) ist seit mehr als einem halben Jahrhundert im diplomatischen Dienst. Seit zwei Jahrzehnten vertritt er als Außenminister Wladimir Putins Politik in der Welt mit Fachwissen und Verhandlungsgeschick – und immer öfter auch mit Drohungen und Lügen.
Alla Pugatschowa (geb. 1949) gilt als die Grande Dame der sowjetisch-russischen Popmusik. Ihr Erfolg ist seit den 1970er Jahren ungebrochen. Am Anfang ihrer Karriere mischte sie typisch russische Elemente mit zeitgenössischen westlichen Musikstilen. Als eine der ersten sowjetischen Sängerinnen ging sie auf Welttournee, sie hatte Musikprojekte mit Künstlern wie ABBA oder Udo Lindenberg, sang aber auch die Lieder für den bekannten sowjetischen Film Ironija Sudby. Nach dem Mauerfall setzte Pugatschowa ihre Karriere auch auf anderen Gebieten fort, sie gründete beispielsweise ein eigenes Modelabel oder war in verschiedenen Musik-Shows tätig.
Maxim Gorki (1868–1936) war der meistgedruckte sowjetische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen.Maxim Gorkis Paradox bestand darin, dass er seine moralische Autorität in den Dienst des Stalinismus stellte. Ulrich Schmid über den meistgedruckten sowjetischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts.
Die Krim ist eine Halbinsel im nördlichen Schwarzen Meer. Sie stand lange Zeit unter osmanischem Einfluss und wurde Ende des 18. Jh. von Russland erobert. In der Sowjetunion fiel die strategisch und kulturell wichtige und als Urlaubsdomizil beliebte Krim der Ukrainischen Sowjetrepublik zu. Die 2014 erfolgte Angliederung an Russland löste eine internationale Krise aus.