Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären – und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.
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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.
Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat.
Comics waren in der Sowjetunion allgemein als ein feindliches Phänomen diskreditiert. Die sowjetische Kultur war allerdings voll mit Bildern, Karikaturen und Comicstrips, die als Propaganda und Kinderliteratur kursierten. Eine eigenständige russische Comic-Industrie war erst nach der Perestroika möglich; sie entwickelte sich jedoch nur schleppend. Dies hing einerseits mit der mangelnden Nachfrage zusammen, andererseits mit alten Vorurteilen gegenüber Comics. Neben Comics mit westlichen und japanischen Stilmerkmalen entwickelten sich in Russland spezifische Genres, wie zum Beispiel die dokumentarisch-journalistische Graphic Reportage.
Der sowjetische Diktator Josef Stalin (geb. 1878) erlag Anfang März 1953 einem Schlaganfall. Da das totalitäre Regime im höchsten Maße personalisiert war, stürzte sein Tod die Sowjetunion in allgemeine Orientierungslosigkeit. Ein Außenseiter kam an die Macht und brach drei Jahre später offiziell mit dem Personenkult um Stalin.
Sergej Prokofjew (1891–1953) war ein russischer und sowjetischer Musiker und Komponist. Weltberühmt wurde er vor allem mit seinen Werken Peter und der Wolf und Romeo und Julia. Nach einigen Jahren der Emigration in den 1920er Jahren kehrte er 1936 in die UdSSR zurück, wo er nach einem Jahrzehnt des Erfolgs in Ungnade der Staatsführung und persönlich Stalins fiel. Bis zu seinem Tod blieb er aus der Geschichte der russischen Musik fast ausgeschlossen. Erst im Zuge der Entstalinisierung der 1960er Jahre wurde er wieder in den Olymp der sowjetischen Musik befördert.
Am 3. März 1918 schloss Sowjetrussland mit den Mittelmächten in Brest-Litowsk nach langwierigen Verhandlungen einen Friedensvertrag. Die sowjetische Seite schied damit aus dem Ersten Weltkrieg aus, musste aber erhebliche Verluste an Territorien, Bevölkerung, Anbauflächen und Industrieanlagen akzeptieren. Für die sowjetische Seite gab es angesichts der Bedrohung durch die deutschen Truppen keine Alternative zur Unterzeichnung des Abkommens. Die Mittelmächte hofften – letztlich vergeblich – mit den gewonnenen Ressourcen den Krieg im Westen fortsetzen und gewinnen zu können.
Igor Setschin (geb. 1960) ist seit 2012 Chef des Mineralölkonzerns Rosneft. Als enger Vertrauter von Präsident Putin gilt er bei vielen als zweitmächtigster Mann Russlands. Oft als Putins Schatten bezeichnet, war Setschin von 1999 bis 2008 stellvertretender Leiter der Präsidialverwaltung und von 2008 bis 2012 stellvertretender Regierungschef Russlands.
Der sowjetisch-russische Schriftsteller Daniil Granin (1919–2017) schrieb zahlreiche fiktionale, autobiographische und essayistische Texte über die Erinnerung an den Zweiten Weltkrieg. Große Bekanntheit erlangte er als Mitherausgeber des Blockadebuchs (Blokadnaja kniga), welches erstmals persönliche Erinnerungen von Überlebenden der Blockade Leningrads einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich machte. Eine wichtige Säule in Granins Werk stellt die Auseinandersetzung mit der Frage nach der gesellschaftlichen und ethischen Verantwortung des Einzelnen dar, der er in zahlreichen Prosatexten am Beispiel von Wissenschaftlerfiguren nachgeht.
Sergej Eisenstein (1898–1948) war ein sowjetischer Regisseur und wurde bereits zu Lebzeiten zum Klassiker. Der Stummfilm Panzerkreuzer Potemkin (1925) begründete seinen Ruhm. Zu seinen wichtigsten Filmen zählen außerdem Oktober (1927–28), Alexander Newski (1938) und der unvollendete Iwan der Schreckliche (1945–1948). Obwohl Eisenstein unter starkem Druck durch die politische Führung und Zensur stand, gilt er bis heute als Visionär der Filmgeschichte.
Am 26. Januar 1918 verabschiedete die bolschewistische Regierung ein Dekret über den Übergang zum gregorianischen Kalender. Damit holte man 13 Tage Unterschied in der Zeitrechnung zwischen Russland und den meisten europäischen Ländern auf und wollte dem „chronologischen Doppeldenken“ ein Ende setzen. Da die Russisch-Orthodoxe Kirche den „neuen“ Kalender nicht akzeptierte und kirchliche Feiertage weiter nach dem julianischen Kalender feierte, kam es zur sogenannten „Doppelherrschaft der Zeitregime“. Prominentestes Beispiel dafür ist die gleichzeitige Existenz des Neujahrsfestes (am 1. Januar) und des „alten“ Neujahrsfestes (am 14. Januar).
Am 23. Dezember 1917 (05.01.2018), wenige Wochen nach der Oktoberrevolution, verabschiedete die bolschewistische Regierung eine radikale Sprachreform. Sie sollte die Dubletten im Alphabet abschaffen und die Deklination der Adjektive und Pronomen vereinfachen. Auch wenn es um die Umsetzung einer Reform ging, die bereits vor den Bolschewiki vorbereitet wurde, war das Ziel, alten Denkmustern durch eine neue Sprache die Grundlage zu entziehen. Parallel dazu fanden auch tiefgreifende sprachliche Umwälzungen statt, die zur Entstehung einer neuen ideologisch geprägten Sprache führten. In Anspielung auf Orwells 1984 wird diese Sprache oft als Newspeak bezeichnet.
Alexej Nawalny hatte im Dezember 2016 seine Präsidentschaftskandidatur erklärt. Nach neun Monaten Kampagnenarbeit hatte sein Team Anfang Oktober 2017 insgesamt 80 Regionalbüros eröffnet.Doch aufgrund einer Bewährungsstrafe durfte er laut russischem Gesetz im Endeffekt nicht zur Präsidentschaftswahl 2018 antreten. Nawalny antwortete darauf mit einer neuen Strategie: Er rief er zu Protestaktionen und einem „Streik der Wähler“ auf.
Xenia Sobtschak (geb. 1981) ist eine bekannte Journalistin und Aktivistin der russischen Opposition. Als Tochter des ehemaligen St. Petersburger Bürgermeisters und Putin-Vertrauten Anatoli Sobtschak wurde sie in Russland zunächst als It-Girl bekannt und moderierte mehrere Unterhaltungsshows. Seit 2011 engagiert sich Sobtschak in der Opposition. Sie beteiligte sich auch an den Bolotnaja-Protesten gegen Wahlfälschung. Damit wurde sie für das staatliche Fernsehen, in dem sie bis dahin omnipräsent gewesen war, zu einer Persona non grata und tritt seitdem nur noch im unabhängigen Fernsehsender TV Doshd auf. Im Oktober 2017 gab Sobtschak ihre Kandidatur für die Präsidentschaftswahl 2018 bekannt.
Im politischen Diskurs des personalisierten Autoritarismus Russlands ist die Person Putins zentral. Auch viele Künstler thematisieren den Präsidenten in ihren Werken. Die Kunstgattungen sind reich an Beispielen, vor allem musikalische Werke erfreuen sich größerer Reichweiten. Neben den vielen Lobliedern gibt es auch zahlreiche Schmählieder auf Putin. Bislang sind weder staatliche Verbote noch Förderungen dieser Musikgattung bekannt.