Gnosen

Unsere Gnosen sind Hintergrundtexte, die ein spezifisches Thema oder Phänomen knapp, lesbar und wissenschaftlich fundiert erklären und zitierbar sind. Gnose kommt vom griechischen gnosis – Erkenntnis. Und das ist es, was unsere Gnosen liefern sollen. Etwa wie in Diagnose oder Prognose.  

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Gleichzeitig ist die Gnose ein eigenes dekoder-Format: ein Wort, das wir erfunden haben und das sich bei uns fest eingebürgert hat. Mit ihm bezeichnen wir diese besondere Textform, die es in dieser Kombination – journalistisch zugänglich, wissenschaftlich fundiert, in enger Zusammenarbeit mit Forschenden – nur bei dekoder gibt. Gnosen sind so etwas wie unser Markenzeichen, ein Stück „dekoder-Sprache“.  

Darum sind Gnosen für uns mehr als nur „Hintergrundtexte“: Sie stehen für die enge Verbindung zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit, für die Qualität und Glaubwürdigkeit von dekoder – und für das kleine Stück Magic, das unser Projekt von Anfang an geprägt hat. 

Editorial: Gnose und Gnu


  • Gnose

    Alexej Uljukajew

    Alexej Uljukajew (geb. 1956) war von 2004 bis 2013 Erster Stellvertretender Vorsitzender der Zentralbank Russlands und von 2013 bis 2016 Wirtschaftsminister. Am 14. November 2016 wurde Uljukajew überraschend verhaftet, er soll im Rahmen der Übernahme des Ölkonzerns Baschneft durch Rosneft 2 Millionen US-Dollar Schmiergeld angenommen haben. Im Dezember 2017 wurde der ehemalige Minister zu acht Jahren strenger Lagerhaft verurteilt.

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    Die Verfassung der Russischen Föderation

    Die russische Verfassung trat im Dezember 1993 in Kraft. Darin wurden Menschenrechte zum ersten Mal in der Geschichte Russlands zum höchsten Wert erklärt. Heute befindet sich Russland sowohl bei Menschenrechten als auch bei Rechtsstaatlichkeit in den unteren Feldern der Rankings, unweit solcher Länder wie Sierra Leone. Auch viele Bürger Russlands halten die Verfassung für ein Feigenblatt: 30 Prozent halten sie für unbedeutend, nur 27 Prozent sind der Ansicht, dass sie grundlegende Freiheitsrechte garantiert.

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    Kunst und Revolution

    Die Oktoberrevolution markierte eine Zäsur in der Kunstproduktion Russlands und anderer Regionen des ehemaligen Russischen Reichs. Viele avantgardistische Künstler engagierten sich für die bolschewistische Revolution. Sie verarbeiteten das Thema in ihrer Kunst, stellten ihr Schaffen in den Dienst des staatlichen Agitprop und betätigten sich aktiv in der Kulturpolitik. Andere Künstler sahen dagegen mit der Revolution ihre Schaffensgrundlage gefährdet und emigrierten ins westliche Ausland.

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    Arbeiter und Kolchosbäuerin

    Die rund 24 Meter hohe Statue Arbeiter und Kolchosbäuerin von Vera Muchina und Boris Iofan entstand 1937 für den Sowjetischen Pavillon auf der Weltausstellung in Paris. Und gewann den Grand Prix. Die Figuren verkörpern die jugendlichen Gestalten der idealtypischen „Kinder des Oktobers“, Angehörige der ersehnten „ersten sowjetischen Generation“. Die Statue, die ab 1939 in Moskau stand, gilt als Schlüsselwerk des Sozialistischen Realismus und wurde als visuelles Klischee Vorlage für Parodien und die Werbung.

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    Wlast

    Der russische Begriff Wlast ist sehr vieldeutig: Wlast kann sowohl den Macht- und Herrschaftsbegriff umfassen, als auch die Staatsmacht, Regierung, Behörden, Oligarchen oder auch irgendeine Obrigkeit. Je nach Interpretation kann Wlast außerdem ganz andere Bedeutungsinhalte haben: von der personifizierten Staatsmacht Putins, über die Anonymität und Unsichtbarkeit der Macht, wie man es etwa bei Kafka kennt, bis hin zum Orwellschen Unterdrückungsapparat.

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    Nikolaus II.

    Nikolaus II. (1868–1918) war der letzte russische Zar. Der Sohn Alexanders III. regierte von 1894 bis zu seiner erzwungenen Abdankung am 02. (15.) März 1917. Unter seiner Herrschaft verlor Russland nicht nur den Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, sondern erlebte auch die Revolution von 1905, die zur Einführung des ersten russischen Parlaments, der Duma, führte. In der historischen Forschung wird Nikolaus II. oft als eher schwacher und unentschlossener Herrscher dargestellt. Im Juli 1918 wurde er gemeinsam mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Im Jahr 2000 wurden er und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen.

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    Protestantismus in Russland

    Seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhundert zogen viele deutsche Kaufleute, Handwerker, und Soldaten an verschiedene Orte Russlands, wo sie ihr lutherisches Bekenntnis gemeinsam feierten. 1567 wurde auch erste lutherische Kirche in Russland errichtet. Seit dem 18. Jahrhundert gab es bereits einen sehr pluralen Protestantismus in Russland, zum Ausbruch des Ersten Weltkriegs bildete das Luthertum die drittgrößte Konfession im Russischen Reich. Die brutale Religionsverfolgung Stalins bedeutete das Ende der lutherischen Kirchen. Das Klima für die Lutheraner in Russland änderte sich erst in den 1970er Jahren, als Vertreter des Lutherischen Weltbundes erstmals verstreute lutherische Gemeinschaften in Sibirien besuchen durften. Heute gibt es etwa 3 Millionen evangelische Christen in Russland und wieder eine Vielzahl kleinerer unterschiedlicher lutherischer Kirchen und evangelischer Kirchenzusammenschlüsse.

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    Matrjoschka

    Die Steckpuppe Matrjoschka (abgeleitet vom russ. Frauenname Matrjona) ist das wohl populärste russische Souvenir. Darüber hinaus ist sie ein Gesinnungszeichen: Als Gastgeschenke begleiteten Matrjoschkas russisch-sowjetische Kulturkontakte und dokumentieren eine nicht nur in linken Kreisen kultivierte Russlandromantik abseits verordneter Politik. Die mehrteiligen Holzfiguren in Gestalt einer Bauersfrau werden seit Ende des 19. Jahrhunderts produziert und stellten ursprünglich „Mütterchen Russland“ dar. Seit der Transformationszeit ist unter anderem auch die Polit-Matrjoschka verbreitet, die die Abfolge russischer und sowjetischer Regierungschefs von Lenin bis Putin kritisch-ironisch vorführt.

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    Siemens in Russland und der Sowjetunion

    Nach rund 170 Jahren nahezu unverbrüchlicher Geschäftsbeziehung beendet die Siemens AG ihr Russlandgeschäft: „Wir verurteilen den Krieg in der Ukraine und haben beschlossen, unsere industriellen Geschäftsaktivitäten in Russland in einem geordneten Prozess zu beenden“, sagte im Mai 2022 Konzernchef Roland Busch. 1853 fing das Unternehmen an, sich im Land zu engagieren und legte damit einen Grundstein für den späteren globalen Erfolg. Zentral für das Russlandgeschäft von Siemens waren die Verbindungen zum Staat – auch während der Sowjetzeit.

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    Michail Prochorow

    Prochorow gilt als typischer Vertreter der politisch gut vernetzten russischen Superreichen, die in den 1990er Jahren mit zwielichtigen Firmenübernahmen ein Vermögen machten. Im Jahr 2011 betrat er überraschend die politische Bühne. Mit seiner Kandidatur für die Präsidentschaftswahl – von einigen als Projekt des Kreml betrachtet – erzielte er auf Anhieb ein Ergebnis von acht Prozent der Stimmen.

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    Rosneft

    Als staatliche Energiegesellschaft Anfang der 1990er Jahre gegründet, stieg Rosneft in den 2000er Jahren zu einem zentralen Akteur des russischen Energiesektors auf. Das Unternehmen war Hauptprofiteur der Zerschlagung des YUKOS-Konzerns und wurde durch weitere Zukäufe zu einem der mächtigsten Unternehmen Russlands. Der niedrige Ölpreis und die westlichen Sanktionen machen dem Giganten jedoch zu schaffen. Ende September 2017 wurde Altkanzler Gerhard Schröder zum Vorsitzenden des Direktorenrats von Rosneft berufen.

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    Raumfahrtprogramm der UdSSR

    Das Raumfahrtprogramm der UdSSR startete am 4. Oktober 1957 mit einem Satelliten, der später als Sputnik (dt. u. a. Weggefährte) in die Geschichte eingegangen ist. In der darauffolgenden Dekade überholte die Sowjetunion sichtbar die USA und wies viele spektakuläre Erfolge auf: Erster Mensch im Kosmos, die erste Raumsonde Richtung Mars, die Installation des ersten meteorologischen Satelliten, der erste Satellit zur Fernsehübertragung, der erste Ausstieg eines Menschen ins freie All etc. Das Raumfahrprogramm war ein starkes propagandistisches Mittel, das die Überlegenheit des kommunistischen Systems deutlich machen sollte. Gleichzeitig bedeutete das Programm auch ein Wettrüsten, an dessen Kosten nicht zuletzt die Sowjetunion zugrunde gehen sollte.

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