„Man kann nicht sagen, dass Belarus heute ein Teil Russlands ist”

Tomas Venclova bei der Leipziger Buchmesse im Jahr 2017. / Foto © Star-Media/ Imago

Als „Litauens Stimme in der Weltliteratur” hat der Deutschlandfunk Tomas Venclova bezeichnet. Das Leben und Werk des litauischen Übersetzers, Schriftstellers und Lyrikers ist geprägt von den historischen Verwerfungen und totalitären Systemen des 20. Jahrhunderts, die sein Land und seine Heimatstadt erlebt haben. Der unangepasste Kosmopolit wurde 1937 in der Memelstadt Klaipeda geboren, bis heute beteiligt er sich immer wieder an öffentlichen Debatten.

Mark Dsjuba vom belarussischen Online-Portal Salidarnasc/GazetaBY hat den Denker und Schreiber in Vilnius getroffen. Im Interview spricht Venclova über sein Elternhaus und seine Emigration in die USA, über die Rückkehr nach Litauen und vor allem über die Beziehung zwischen Belarussen und Litauern.


Salidarnasc/GazetaBY: Ihr Vater, Antanas Venclova, unterstützte die Sowjetmacht, 1965 wurde er als Volksschriftsteller der Litauischen SSR ausgezeichnet. Wie kamen Sie angesichts dieser grundverschiedenen Ansichten miteinander aus?

Tomas Venclova: Bis ich 19 oder 20 Jahre alt war, hatte ich dieselben Ansichten wie mein Vater. Doch dann erhielt ich Zugang zu neuen Informationen, und unter dem Einfluss meiner Freunde und persönlicher Erfahrungen veränderten sich meine Ansichten stark. Obwohl mein Vater und ich nicht damit hinter dem Berg hielten, dass wir die Situation in Litauen unterschiedlich beurteilten, bemühten wir uns, ein enges Verhältnis zu wahren, Vater und Sohn zu sein. Ich bin sehr froh, dass uns das gelungen ist. Mein Vater war schwer krank, er erlitt mehrere Herzanfälle, sodass ich mit meinen Worten und Taten vorsichtig sein musste. Wäre ich zu seinen Lebzeiten offen als Dissident aufgetreten, wäre er vielleicht viel eher gestorben. (Antanas Venclova starb 1971 – Anm. d. Red.).

In vielen belarussischen Familien sprechen Kinder und Eltern, Brüder und Schwestern heute nicht mehr miteinander, weil sie konträre politische Ansichten haben: Die einen unterstützen das Lukaschenka-Regime, die anderen können sich nicht mit der Diktatur und den Menschenrechtsverletzungen abfinden. Denken Sie, dass man dennoch versuchen sollte, den Kontakt aufrechtzuerhalten?

In jeder Familie ist die Situation anders. Ich selbst bin froh, dass ich das Verhältnis zu meinem Vater aufrechterhalten konnte. Er führte mir gegenüber das Beispiel eines italienischen rechten Aktivisten und seines kommunistischen Sohnes an, die trotz dieser Differenz Vater und Sohn blieben. Mein Vater sagte: „Bei uns ist es in etwa dasselbe.“

Universalrezepte kann ich verständlicherweise nicht anbieten. Nur in einem bin ich sicher: Toleranz ist besser als Zorn.

1955: Tomas Venclova mit seiner Mutter Eliza und seinem Vater Antanas im Familienhaus, wo sie den chinesischen Schriftsteller Ge Baoquan zu Gast hatten / Foto © privat

Wie gelang es Ihnen, 1977 das sowjetische Litauen zu verlassen?

Das war eine komplizierte Geschichte. In der Litauischen SSR hatte ich aufgrund meiner Äußerungen die Möglichkeit verloren, im Kulturbereich zu arbeiten, womit ich bis dahin mein Geld verdient hatte. Ich wurde nicht mehr gedruckt (auch meine Übersetzungen nicht) und erhielt keine Lehraufträge mehr an Universitäten. Ich schrieb also einen offenen Brief an das Zentralkomitee der Litauischen KP und veröffentlichte ihn im Samisdat (so gelangte er in den Westen und stieß auf Resonanz). Darin hieß es: „Wenn ich im sowjetischen Litauen nicht arbeiten darf, wäre es doch vernünftiger, in die USA auszuwandern, wo es eine litauische Gemeinschaft gibt, in der litauische Bücher erscheinen und ich nützlich sein kann.“

Es war verrückt, einen solchen Brief zu schreiben. Schon deshalb, weil sie niemanden einfach so in den Westen gehen ließen. Die Juden ließen sie raus – aber auch nicht viele. Aber ich war kein Jude. Hätten sie mich nach diesem Brief gehen lassen, dann hätten alle gehen können, und es gab genug, die das wollten.

Ich verließ also das Land und begann, die Litauische Helsinki-Gruppe zu repräsentieren, dafür wurde mir die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen.

Aber mein Brief erlangte Aufmerksamkeit, im Westen schrieb man darüber und berichtete im Radio. Zwei Personen, die die Litauische Helsinki-Gruppe gegründet hatten (die erste offene Menschenrechtsorganisation der Litauischen SSR entstand 1976 – Anm. d. Red.), wandten sich an mich. Sie sagten: Du bist jetzt eine bekannte Persönlichkeit, solche brauchen wir – würdest du dich uns anschließen? Meine Antwort lautete: Ich würde ja beitreten – ich habe nichts zu verlieren und der Schutz der Menschenrechte ist sinnvoll. Aber wenn ich der Litauischen Helsinki-Gruppe beitrete, dann ist es nicht ausgeschlossen, dass sie mich doch aus dem Land lassen, und ihr ins Gefängnis kommt – dann wirke ich wie ein Deserteur. Sie sagten: Mach dir keine Sorgen – wenn, dann werden alle verhaftet, auch du. Solltest du entgegen aller Wahrscheinlichkeit doch das Land verlassen dürfen, dann wirst du unser Vertreter im Westen – das hilft uns auch.

Ich trat also der Litauischen Helsinki-Gruppe bei und wir betätigten uns offen als Dissidenten gegen den Staat. Einmal kamen Regierungsvertreter zu mir und sagten: „Sie wollen ins Ausland – warum fahren Sie nicht?“ Ich antwortete, dass ich weder Pass noch Visum habe. Sie sagten: „Sie bekommen Pass und Visum, Hauptsache, Sie gehen.” Ich bekam zwei Wochen Bedenkzeit. Ich musste mich mit Familie und Freunden beraten. Meine Familie war nur meine Mutter. Sie sagte: Keine Frage, fahr, besser dort als im Gefängnis. Die Freunde waren auch dafür: Fahr, du kannst dort in unserem Namen sprechen.

Ich verließ also das Land und begann, die Litauische Helsinki-Gruppe zu repräsentieren, dafür wurde mir die sowjetische Staatsbürgerschaft entzogen. Erst dann ersuchte ich – erfolgreich – um politisches Asyl in den USA. Nach einiger Zeit erhielt ich auch die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.

Aus der Litauischen Helsinki-Gruppe kam übrigens nur ein Mitglied ins Gefängnis: Viktoras Petkus. Er kam erst 1988 frei und wurde im freien Litauen Berater des litauischen Präsidenten für Menschenrechtsfragen. Viktoras hatte keinerlei Vorbehalte gegenüber meiner Ausreise und blieb mein enger Freund.

Wie ging es Ihnen, als sie in die USA kamen?

Ich hatte das große Glück, eine Stelle an der Universität zu bekommen. Ich hatte, wie man zu Sowjetzeiten sagte, starke Unterstützung, nämlich meine Freunde Czesław Miłosz und Joseph Brodsky, die sich um mich kümmerten, wobei ich natürlich auch große Anstrengungen unternahm, um meine Dissertation zu verteidigen.

In Yale, der zweitältesten und zweitbesten amerikanischen Universität, lehrte ich mehr als 30 Jahre lang slawische Literatur. Ich ging nicht, wie viele politische Emigranten aus der Sowjetunion damals, zum Radio, und befasste mich nur in der Freizeit mit Politik. Ich dachte nicht, dass ich jemals nach Litauen zurückkehren würde. Die UdSSR hatte nicht vor, sich zu ändern. Doch dann, zehn Jahre nach meiner Emigration, begann die Sowjetunion unerwartet zu zerfallen. Und ich konnte wieder nach Litauen reisen.

Warum sind Sie 2017, nach 40 Jahren in den USA, wieder nach Vilnius zurückgekehrt?

Weil es in Vilnius interessanter ist. Ich habe Amerika nie lieben gelernt. New Haven, die Stadt, in der sich die Yale University befindet und wo ich mit meiner Frau lebte, ist ein guter Ort: Es gibt ein kulturelles Leben, hervorragende Museen, zwei Theater und vieles mehr. Dennoch ist die kulturelle Szene in Vilnius lebendiger. Und sie ist keine fremde, sondern die eigene. Die Rückkehr nach Vilnius war auch der Überredungskunst meiner Frau zu verdanken. Nun freue ich mich selbst: Wir haben hier mehr Freunde, intensivere Beziehungen.

„Ich habe dich nicht überredet“, mischt sich da seine Frau ins Gespräch, die Schriftstellerin Tatjana Milovidova-Venclova. „Ich habe einfach gesagt, dass ich gern in Vilnius leben würde. Zudem war mein Großvater auch Litauer.“ 

Das hat sie erst vor Kurzem herausgefunden. Ihr Großvater starb während der Blockade von Leningrad. Er war ein echter Litauer, aus Samogitien, ein Katholik. Unter Stalin verheimlichte er das allerdings, da Menschen anderer Nationalität damals verhaftet wurden. Er war Parteimitglied, konnte den Repressionen aber entgehen. Er trat auf interessante Weise aus der Partei aus – 1932 hörte er einfach auf, Mitgliedsbeiträge zu zahlen. Als der große Terror kam, war er schon unter dem Radar und blieb unbeschadet.“ 

Aufgrund der Politik des Lukaschenka-Regimes wird heute viel über Konflikte zwischen Belarus und Litauen gesprochen. Sie haben ein Buch geschrieben, Geschichte Litauens für alle – gab es in der Vergangenheit eine Zeit, in der Litauen und Belarus verfeindet waren?

Nein, niemals. Das ist selten für das Verhältnis zwischen diesen beiden Völkern. Vermutlich gab es auch keine irrsinnige Liebe zwischen den beiden, aber echte Feindschaft auch nicht. Die Litauer hatten Fehden mit Polen, Deutschen, Russen und sogar Letten (eine Art kleiner Krieg von 1918–1920). Aber mit Belarus war alles in Ordnung.

Vor dem Krieg in der Ukraine war ich mehrfach in Belarus: Ich besuchte Nawahrudak, Mir und Njaswish, schaute mir das gemeinsame Kulturerbe an. Ich war auch im Wald von Kurapaty. Überhaupt war ich fast in allen großen und kleinen belarussischen Städten. In den 1950er Jahren fuhr ich mit einem Freund mit dem Kajak von der Siedlung Pjasotschnaje bei Minsk – dort beginnt der Njoman – bis zur Ostsee dauert es 23 Tage. Damals sah ich viele Orte: Stoubzy, Schtschorsy, Ljubtscha, Hrodna … Wir dachten an das Großfürstentum Litauen und hatten das Gefühl, wir seien in gewissem Sinne auf gemeinsamem Land unterwegs.

Auf dem belarussischen Abschnitt der Reise trafen wir damals übrigens einige Belarussen, die Litauisch sprechen konnten. Im Großen und Ganzen war es zur damaligen Zeit in Litauen viel freier als in Belarus, bei euch war die Sowjetmacht viel aufdringlicher. Aber die Nähe der beiden Völker war dennoch spürbar.

Wie können Belarussen und Litauer mit dem gemeinsamen historischen Erbe umgehen, das Hitzköpfen heute zu spalten versuchen?

Ich habe mit einem belarussischen Aktivisten gesprochen und ihn gefragt: „Was denkt ihr, wie viel Prozent der Geschichte und Kultur im Großfürstentum waren belarussisch?“ Er sagte: „100 Prozent.“ Und ich fragte: „Und wie viel waren dann litauisch?“ Und er sagte: „Auch 100 Prozent.“ Das gefiel mir.

Zu Zeiten des Großfürstentums war alles sehr verwoben. Sogar die Sprachen waren einander damals näher, viele konnten beides sprechen, Litauisch und Slawisch. Auch die litauischen Fürsten. Die Muttersprache des Fürsten Algirdas (Alhierd), der aus Wizebsk stammte, war Litauisch, aber er sprach auch die slawische Sprache – Protobelarussisch oder Frühbelarussisch, wahrscheinlich sogar häufiger als Litauisch.

Insgesamt war die Situation im Großfürstentum vergleichbar mit der Rus, wo die Fürsten Skandinavier waren, Waräger. Igor – das war Ingvar, Olga eigentlich Helga. Aber sie assimilierten sich, übernahmen die lokale slawische Sprache. Manchmal werde ich gefragt: War Mindaugas Belarusse oder Litauer? Der litauischen Etymologie nach ist alles klar – Mindaugas bedeutet „Vieldenker, Vielklug“. Es ist kein slawischer Name, aber Mindaugas sprach zweifellos auch Belarussisch. Dasselbe trifft auf Vytautas („Verteidiger des Volkes“) zu: Schon am Namen der Fürsten lässt sich feststellen, dass sie litauischer Herkunft waren.

Man kann nur Gutes über die Beziehung zwischen unseren Völkern sagen, was bei Weitem nicht häufig vorkommt. 

Aber Belarus war ein wichtiger Teil des Großfürstentums. Man sprach häufiger slawisch und auch das Schrifttum war hauptsächlich slawisch, denn die Slawen waren getauft, die Litauer waren Heiden geblieben, und die Kultur war zu jener Zeit stark mit dem Christentum verknüpft. Ende des 19. bis Anfang des 20. Jahrhunderts wiesen die litauische und die belarussische Nationalbewegung große Ähnlichkeiten auf und standen einander nah. Es gab nicht nur Bekanntschaften, sondern auch Hochzeiten – litauische Kämpfer heirateten Belarussinnen und umgekehrt. In Vilnius gab es viel belarussisches Geschehen: Die Luzkewitschs, Kupala, Bahdanowitsch und viele andere lebten hier.

Für die Litauer war übrigens viel mit Königsberg verbunden, dem heutigen Kaliningrad, dort erschien das erste litauische Buch. Etwa dieselbe Bedeutung, die Vilnius für die Belarussen hat (ein wichtiges kulturelles Zentrum der Vergangenheit, das heute nicht mehr zum Land gehört), hat Königsberg für die Litauer.

Zusammenarbeit, gegenseitige Hilfe und Unterstützung prägten das gesamte 20. Jahrhundert. Der Erschaffer der belarussischen [weiß-rot-weißen] Nationalflagge etwa, Klaudsij Dush-Duscheuski, lebte und starb in Kaunas. Sowohl unter den Litauern, als auch unter den Westbelarussen gab es antipolnische Einstellungen. Zu Sowjetzeiten trug die Zusammenarbeit kommunistische Farben, aber nicht immer. Man kann also nur Gutes über die Beziehung zwischen unseren Völkern sagen, was bei Weitem nicht häufig vorkommt.

Ich denke, das historische Erbe sollte nicht zu allzu großem Streit führen. Manche blasen das Thema aus politischen Gründen auf, manche halten die sogenannten „Litwinisten“ für den Hauptfeind, aber für mich ist das alles Unsinn, die Differenzen sind nicht so groß, wie man sie darzustellen versucht. Aus der aktuellen litauischen Literatur empfehle ich übrigens die historischen Romane von Kristina Sabaliauskaitė.

Ende 2025 erschienen die ersten zwei Bände von Silva Rerum in belarussischer Übersetzung.

Das ist sicher auch für belarussische Leser interessant. Das alte Vilnius des 17. und 18. Jahrhunderts wird gut beschrieben: Es war ja halb slawisch und halb jüdisch.

In Ihrem Buch Namen von Vilnius gibt es viele belarussische Namen: Franzisk Skaryna, Maxim Harezki, Ryhor Schyrma, Jan Pasnjak, Uladsimir Karatkewitsch und viele andere. Kannten Sie vielleicht jemanden davon persönlich?

Maxim Tank war häufig bei meinen Eltern zu Gast. Mein Vater hat übrigens auch seine Werke übersetzt.

Warum wissen Litauer und Belarussen heute so wenig voneinander, obwohl sie Nachbarn sind und eine gemeinsame Geschichte teilen?

Ehrlich gesagt: Litauen interessiert sich mehr für Westeuropa, als für seine östlichen Nachbarn. Man kann aber auch nicht sagen, dass die Litauer gar nichts über die Belarussen wissen. Ich versuche auch, über die belarussische Frage zu sprechen – unter anderem in meinen Büchern. Wir wissen übrigens auch nicht sonderlich viel über die Polen. Und über die Letten wissen wir in etwa so viel, wie über die Belarussen.

Ich denke, alles wird gut ausgehen – nur fürchte ich auch, dass ich es nicht mehr erleben werde. 

Man hat heute das Gefühl, dass zwischen Belarus und seinen westlichen Nachbarn ein neuer Eiserner Vorhang heruntergelassen wird. Die einfachen Belarussen können faktisch kaum mehr ein Visum für die EU bekommen, wenn sie sich keine teure Pauschalreise leisten können.

Ja, das ist schwierig, aber Krieg ist Krieg. Belarus war für einige Zeit aktiv an den Kampfhandlungen beteiligt. Aktuell finden keine Angriffe mehr von belarussischem Territorium aus statt. Aber wenn Krieg herrscht, dann geht leider ein Eiserner Vorhang herunter. Ich kann nichts Gutes darin sehen, aber wir tragen da keine Schuld.  

Ich denke, alles wird gut ausgehen – nur fürchte ich auch, dass ich es nicht mehr erleben werde. Andererseits habe ich das auch über die Sowjetmacht gedacht: „Alles wird gut, aber ich werde es nicht erleben.“ Zu meiner Verwunderung durfte ich es dann doch noch sehen

Warum ist das kleine Litauen unabhängig, aber das viel größere Belarus Russland unterworfen?

Ich würde nicht sagen, dass Belarus völlig abhängig von Russland ist. Lukaschenka betreibt eine gerissene Politik und versucht zu betonen, dass er in gewissem Maße selbständig ist.

Wie ist das gekommen? In Litauen gab es vor dem Zerfall der UdSSR bereits eine Tradition der Unabhängigkeit: Zwischen dem ersten und dem zweiten Weltkrieg bestand 20 Jahre lang ein unabhängiger Staat, in dem eine starke intellektuelle Elite entstehen konnte. Nach dem Anschluss an die UdSSR blieb die Erinnerung an das unabhängige Litauen erhalten.

In Belarus gab es keine solche Tradition der Unabhängigkeit und so konnte sich das Land seit dem Zerfall der UdSSR bislang nur zur Hälfte aus der russischen Umklammerung lösen. Aber zur Hälfte ist es immerhin gelungen: Man kann nicht sagen, dass Belarus heute ein Teil Russlands ist.

Worin liegt für Sie der Sinn des Lebens?

In der Arbeit. Bei Mandelstam heißt es sinngemäß: in der gewissenhaften Plackerei. Eine gute Familie ist nützlich, aber kein Muss.