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Was war da los? #1

Quelle dekoder

Foto ©  Ilya Varlamov/zyalt.livejournal.com
Das Foto ist vom 11. Dezember 2010, aufgenommen auf dem ManegenplatzDer Manegenplatz liegt im Stadtzentrum Moskaus: Im Osten steht der Kreml, im Norden das ehemalige Hotel Moskwa und im Süden die namensgebende Manege. Der Platz ist ein Kristallisationspunkt der Geschichte, ein Schauplatz wichtiger politischer Auseinandersetzungen und ein Gedächtnisort in der Erinnerungskultur Russlands. Die Verkleinerungsform Maneshka steht heute aber vor allem für die nationalistischen Ausschreitungen, die sich in den Jahren 2002 und 2010 auf dem Platz abspielten. Mehr dazu in unserer Gnose in Moskau, im Hintergrund sieht man den Kreml. Der Platz wird auch liebevoll Maneshka genannt. Seit dem 11. Dezember 2010 allerdings steht der Begriff Maneshka auch für nationalistische Ausschreitungen.

An dem Tag sind tausende Menschen auf dem Manegenplatz aufmarschiert. Wenige Tage zuvor war Jegor Swiridow, Fan der Fußballmannschaft SpartakSpartak Moskau ist mit 22 Titeln die erfolgreichste russische Fußballmannschaft. 1922 als Stadtteilmannschaft gegründet, wurde Spartak gegen Ende der 1930er Jahre zum populärsten und mythenumwobenen Team der Sowjetunion, das in der Zeit des Großen Terrors dem Geheimpolizei-Team Dinamo trotzte. Seitdem wurde sie als „Mannschaft des Volkes“ bezeichnet. Mit dem Namen Spartak ist auch die Entstehung der russischen Fanbewegung verbunden.  Mehr dazu in unserer Gnose , bei einer Schlägerei mit aus dem Kaukasus stammenden Männern ums Leben gekommen. Nationalisten vermuteten, dass das Verbrechen von der Polizei verheimlicht würde.

Der Blogger Ilya VarlamovIlya Varlamov (geb. 1984) ist ein russischer Fotograf und Urbanblogger, der mit seiner Seite varlamov.ru ein Millionenpublikum erreicht. In seinen Beiträgen kritisiert er humorvoll architektonische und städtebauliche Projekte, was ihm viele Fans beschert hat – unter lokalen Machthabern jedoch auch einige Feinde. Mehr dazu in unserer Gnose war Augenzeuge am 11. Dezember 2010 auf der Maneshka, von ihm stammt das Foto. Auf Batenka.ru erinnert er sich:


„Dass sich die Fans auf der Maneshka versammeln wollten, wussten viele, obwohl es zu dieser Zeit solche Zusammenrottungen – speziell im Zentrum von Moskau – noch nicht oft gab. Ich erinnere mich ehrlich gesagt überhaupt nicht, dass es früher unerlaubte Massenaktionen gab. Seinerzeit waren das, was die Opposition, die Nationalisten veranstalteten, eher unvorhersehbare Kleinstereignisse.

Niemand hatte die Pläne für die Maneshka richtig ernst genommen: Morgens gab es einen Protestmarsch [zum Gedenken an den ermordeten Spartak-Fan Jegor SwiridowJegor Swiridow (1982–2010) war ein Moskauer Fan der Fußballmannschaft Spartak. Im Dezember 2010 wurde er bei einer Schlägerei mit kaukasischstämmigen jungen Männern getötet. Nationalisten vermuteten, dass das Verbrechen von der Polizei verheimlicht worden sei. Aus Protest marschierten am 11. Dezember einige tausend Menschen auf dem Manegenplatz auf. Es kam zu massiven Ausschreitungen; Maneshka, eigentlich eine Abkürzung für den Manegenplatz, wird seitdem auch als Gattungsname für nationalistische Ausschreitungen verwendet.dek], Blumen wurden niedergelegt, alles lief recht friedlich und ruhig. Ich erinnere mich, dass ich noch mit Kollegen darüber gesprochen habe, ob es sich überhaupt lohnt, zur Maneshka zu fahren, denn vielleicht würde dort gar nichts passieren. Die Fans hatten morgens ziemlich ruhig und still gewirkt, es schien fast, als würde es keine Bilder geben, keine Geschichten. Aber ich hatte an dem Wochenende nichts vor und bin deshalb mit ein paar Kollegen hingefahren.

Als wir bei der Maneshka ankamen, sahen wir, dass überhaupt keine Polizei da war, sich aber immer mehr Nationalisten versammelten. Völlig ungezwungen fühlten sie sich: Skandierten wie gewohnt ihre Sprüche „Russland den Russen“ und ähnliches.

Dieses Bild konkret ist dem Zufall zu verdanken: Dass die Arme, die dort zum Hitlergruß erhoben sind, eine Linie bilden, die auf den Kreml zeigt, ist eine unumgängliche Folge der Architektur des Manegenplatzes. Es gibt dort eine Treppe, die eine Art Amphitheater bildet, auf der die Menschen standen. Als ich das sah, habe ich mich einfach zum höchsten Punkt begeben, den ich finden konnte, und dieses Bild im Weitwinkel aufgenommen.

Viele der Versammelten trugen schwarze Masken, die die Gesichter vollständig verdeckten – sowas kann man sich heute kaum mehr vorstellen. Sie zündeten Handfackeln und Rauchkörper. […]

Irgendwann hatten die versammelten Nationalisten genug vom Rumstehen und Brüllen. Es begann das, was in diesen Kreisen zum Standard gehört: „Kommt, los, wir schlagen jemanden zusammen.“

Zu allem Unglück kamen gerade in dem Moment diese jungen, dunkelhäutigen Jugendlichen vorbei. Die Menge prügelte sofort auf sie ein, ein paar Journalisten schafften es, die Jungs zu retten. Sie wurden zu einem Rettungswagen geschleppt. Dann kam auch der OMONOMON (Otrjad Mobilny Osobogo Nasnatschenija – dt. „Mobile Einheit besonderer Bestimmung“) umfasst verschiedene Spezialeinheiten der Polizei. Sie werden vor allem bei Demonstrationen und Massenveranstaltungen herangezogen, aber auch bei Geiselnahmen, Aktionen gegen organisierte Kriminalität oder für den Objektschutz eingesetzt. Das 1988 gegründete Format untersteht seit 2016 der neu geschaffenen Nationalgarde Russlands..

Und bald hatte die Menschenmenge einen neuen Feind, so wie manchmal nach Fußballspielen. Da wurde dann der Weihnachtsbaum zerlegt, und man kloppte sich mit der Polizei.“

Autor: Ilya VarlamovIlya Varlamov (geb. 1984) ist ein russischer Fotograf und Urbanblogger, der mit seiner Seite varlamov.ru ein Millionenpublikum erreicht. In seinen Beiträgen kritisiert er humorvoll architektonische und städtebauliche Projekte, was ihm viele Fans beschert hat – unter lokalen Machthabern jedoch auch einige Feinde. Mehr dazu in unserer Gnose
Übersetzung: dekoder-Team

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Manegenplatz

Der Manegenplatz, kurz auch Maneshka genannt, liegt im Zentrum Moskaus gleich westlich der Kremlmauern. Benannt nach der am Südrand gelegenen Manege, entstand der Platz erst in den 1930er Jahren.

Die wechselvolle Geschichte der Stadt verdichtet sich hier zu kulturellen und historischen Knotenpunkten: Traditionsreiche Namen wie Ochotny rjadStraße im Zentrum Moskaus, in der sich das Gebäude der Staatsduma befindet. und Mochowaja uliza erinnern an vergangene Zeiten, als hier der Handel blühte. Von den Vaterländischen Kriegen gegen NapoleonAls Vaterländischer Krieg ging Napoleons gescheiterter Feldzug gegen Russland im Jahr 1812 in die russische Geschichtsschreibung ein. Die russische Armee, für die der Überfall unerwartet kam, unternahm einen über mehrere Wochen dauernden Rückzug bis in die Tiefe des Landes hinein. Die erste große und blutige Schlacht, die für den Ausgang des Krieges entscheidend zu sein schien, fand in Borodino bei Moskau statt. Zwar hat die Grande Armée taktisch gesiegt und im Anschluss Moskau besetzt, jedoch waren die Verluste so groß, dass Napoleon bald selbst den Rückzug antreten musste. Im Dezember 1812 wurde Napoleons Armee an der russischen Grenze nahezu vollständig vernichtet. Mehr dazu in unserer Gnose und HitlerAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. Mehr dazu in unserer Gnose , die für das (offizielle) kulturelle Gedächtnis Russlands noch immer zentral sind, zeugen die Manege und das Denkmal für Marschall Shukow.

Nicht weniger wichtig aber ist der Manegenplatz als Ort und Symbol für Zusammenstöße von offiziellen und oppositionellen Strömungen: Hier fanden in den frühen 1990ern Demonstrationen statt, die maßgeblich zum Zerfall der UdSSR beitrugen, später wüteten hier mehrmals nationalistische Hooligans. Die Verkleinerungsform Maneshka steht seither weniger für den Platz selbst als für die Krawalle im Jahr 2010.

Der Manegenplatz in Moskau: Wer es schafft, hier den Ton anzugeben, der kann sich auch landesweit Gehör verschaffen – Foto © Ilya VarlamovIlya Varlamov (geb. 1984) ist ein russischer Fotograf und Urbanblogger, der mit seiner Seite varlamov.ru ein Millionenpublikum erreicht. In seinen Beiträgen kritisiert er humorvoll architektonische und städtebauliche Projekte, was ihm viele Fans beschert hat – unter lokalen Machthabern jedoch auch einige Feinde. Mehr dazu in unserer Gnose / varlamov.ru

Steht man unweit des Kreml vor dem Four-Seasons-Hotel – dem ehemaligen Hotel MoskwaDas Hotel Moskwa war eines der größten Hotels Moskaus. Es galt bis zu seinem Abriss im Jahr 2004 als ein architektonisches Paradebeispiel des Sozialistischen Klassizismus. Zwischen 2005 und 2014 wurde das Hotel nach historischem Vorbild wieder aufgebaut. Die Gründe für Abriss und Wiederaufbau als Four Seasons Hotel Moscow sind unklar. Im Jahr 2009 wurde eine Veruntreuung von 87,5 Millionen US-Dollar festgestellt, die Ermittlungen dauern an. – am nordöstlichen Ende des Manegenplatzes, sieht man vor sich den Eingang zum unterirdischen Einkaufszentrum Ochotny rjadStraße im Zentrum Moskaus, in der sich das Gebäude der Staatsduma befindet.. Es wurde erst Ende der 1990erDie 1990er Jahre waren in Russland ein Jahrzehnt des radikalen politischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Umbruchs. Demokratischer Aufbruch einerseits und wirtschaftlicher Niedergang andererseits prägten die Zeit nach dem Zerfall der Sowjetunion. Mehr dazu in unserer Gnose Jahre fertiggestellt, doch sein Name (dt. etwa Jagd-Markt) erinnert an längst vergangene Zeiten, als gleich rechts von hier mit Wild, Vieh und Jagdwaffen gehandelt wurde.1

Auch geradeaus, wo heute Spaziergänger auf dem Manegenplatz an akkurat gestutztem Rasen und pompösen Springbrunnen vorbeiflanieren, herrschte lange Zeit geschäftiges Treiben.
Eine Karte von 1852 zeigt an dieser Stelle ein ganzes Viertel aus Gassen und Gebäuden, wo sich noch bis zur Revolution das organisierte Chaos russischer Märkte abspielte. Als man in den 1930er Jahren das Hotel Moskwa errichtete, wurde das Quartier vollständig abgerissen – es entstand der Manegenplatz.

Exerzierhalle, Garage und Galerie

Im Westen liegt die Mochowaja-Straße2, an der entlang sich auch die Manege erstreckt. Dieser lange, von Säulen umstandene Bau schließt den Platz nach Süden ab. Errichtet wurde die Manege zum fünfjährigen Jubiläum des Sieges über Napoleon im Vaterländischen Krieg 1812. Sie diente im Lauf der Jahrhunderte bereits als Exerzierhalle, Garage des Kreml-Fuhrparks und Ausstellungsraum. Und auch der andere, der Große Vaterländische KriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. Mehr dazu in unserer Gnose , ist auf dem Manegenplatz präsent – in Gestalt des 1995 eingeweihten Denkmals für Marschall Shukow.

Auch in der Sowjetzeit sollte auf dem Platz an vergangene Großtaten erinnert werden. Seit dem umfangreichen Abriss in den 1930ern hatte der Manegenplatz zwar zunächst nur geringe Bedeutung: Von Autoverkehr umgeben, war er kaum mehr als ein asphaltiertes Vorzimmer des Roten Platzes. Diese bauliche Lücke sollte 1967 jedoch mit einem Monument zum 50-jährigen Jubiläum der OktoberrevolutionAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. Mehr dazu in unserer Gnose gefüllt werden.

 
In den frühen 1990er Jahren fanden auf dem Manegenplatz Demonstrationen statt, die maßgeblich zum Zerfall der UdSSR beitrugen – Foto © Ilya Varlamov

Doch kam das Denkmal, das die Errungenschaften der Revolution und damit die Sowjetunion feiern sollte, nie zustande, stattdessen entwickelte sich der Platz zum Zentrum des ZerfallsDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. Mehr dazu in unserer Gnose ebendieses Staates. Am 20. Januar 1991 wandten sich Zigtausende gegen einen Einsatz der Roten Armee im abtrünnigen LitauenIm Jahr 1990 erklärte Litauen seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion. Es kam daraufhin in mehreren Städten zu Konfrontationen zwischen Anhängern und Gegnern der Entscheidung. Letztere wurden von sowjetischen Truppen unterstützt. Bei Zusammenstößen während der Stürmung des Fernsehturms und der Staatsmedien in Vilnius durch die Sowjetarmee am 13. Januar wurden 14 Menschen getötet und über 1000 verletzt. Dieser Tag wird seither manchmal als Blutsonntag bezeichnet., im Februar forderte man lautstark den Rücktritt Michail GorbatschowsGeboren 1936 beerbte Gorbatschow 1985 Konstantin Tschernenko als Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU. Seine Reformprogramme Glasnost und Perestroika öffneten die UdSSR für politische und wirtschaftliche Veränderungen, die im – von ihm nicht angestrebten – Zerfall der UdSSR mündeten. Er leitete das Ende des Kalten Krieges ein, ermöglichte die deutsche Wiedervereinigung und erhielt für seine Verdienste 1990 den Friedensnobelpreis. Im heutigen Russland werfen ihm viele vor, für den Zusammenbruch der Sowjetunion und die wirtschaftlichen Probleme der 1990er Jahre verantwortlich zu sein. und skandierte „Jelzin! Jelzin!”.

Im Zuge der Umbauten ab 1993 ist die Asphaltfläche einem mehrstufigen Arrangement aus Zierbrunnen, Bänken und Geländern gewichen und eignet sich so nur noch bedingt für große Ansammlungen. Doch von seiner politischen Bedeutung hat der Platz nichts eingebüßt. Vor allem zwei Ereignisse haben sich ins Gedächtnis der Moskauer eingegraben.

Krawalle im Dezember 2010

Als während der Fußball-Weltmeisterschaft 2002 auf dem Manegenplatz das Spiel Russland gegen Japan gezeigt wurde, kam es zu bis dahin beispiellosen Ausschreitungen: Nationalistische Parolen grölend zerschlugen Hooligans Scheiben und steckten Autos in Brand – die vollkommen unvorbereitete Polizei sah zu.

Am 11. Dezember 2010 wüteten hier erneut radikale Fußballfans. Wenige Tage zuvor war ein Fan des Teams Spartak MoskauSpartak Moskau ist mit 22 Titeln die erfolgreichste russische Fußballmannschaft. 1922 als Stadtteilmannschaft gegründet, wurde Spartak gegen Ende der 1930er Jahre zum populärsten und mythenumwobenen Team der Sowjetunion, das in der Zeit des Großen Terrors dem Geheimpolizei-Team Dinamo trotzte. Seitdem wurde sie als „Mannschaft des Volkes“ bezeichnet. Mit dem Namen Spartak ist auch die Entstehung der russischen Fanbewegung verbunden.  Mehr dazu in unserer Gnose bei einem Kampf mit kaukasischstämmigen jungen Männern getötet worden. Nationalisten vermuteten, dass das Verbrechen von der Polizei verheimlicht würde. Aus Protest marschierten am 11. Dezember einige tausend Menschen auf dem Manegenplatz auf.3
Die unangemeldete Versammlung entwickelte sich zu einer regelrechten Schlacht zwischen der Polizei und randalierenden Hooligans, die unter Demonstration des Hitlergrußes rechtsextreme Parolen riefen. Ein Passant usbekischer Herkunft wurde mit Verletzungen ins Krankenhaus eingeliefert, nachdem ihn sechs Demonstranten attackiert hatten.4

Auch in den nachfolgenden Tagen wurden immer wieder Überfälle von Ultranationalisten auf fremdländisch aussehende Menschen registriert.

Das in der Umgangssprache verbreitete Wort Maneshka steht heute weniger für den Manegenplatz selbst als für diese Krawalle vom Dezember 2010 – der Begriff wird inzwischen sogar auch vom Kontext losgelöst als Gattungsname für nationalistische Ausschreitungen verwendet.

Symbolträchtige Aktionen im Schatten der Kremltürme

Auf dem Platz an den Mauern des russischen Machtzentrums (auch bis zur DumaAls Staatsduma wird das 450 Abgeordnete umfassende Unterhaus der Föderalen Versammlung Russlands bezeichnet. Im Verhältnis zu Präsident und Regierung nimmt die Duma verfassungsmäßig im internationalen Vergleich eine schwache Stellung ein. Insbesondere das Aufkommen der pro-präsidentiellen Partei Einiges Russland führte dazu, dass die parlamentarische Tätigkeit zunehmend von Präsident und Regierung bestimmt wurde. Mehr dazu in unserer Gnose ist es nicht weit) finden auch weiterhin symbolträchtige Aktionen statt:  Während der Proteste 2011/12Nachdem Putin im September 2011 angekündigt hatte, wieder Präsident werden zu wollen, und im Dezember zahllose Wahlbeobachter über massive Wahlfälschungen berichteten, bildete sich in Russland die größte Protestbewegung seit dem Ende der Sowjetunion. Sie bewies erstaunliches Durchhaltevermögen, versiegte jedoch im Jahr 2013 aufgrund von inneren Streitigkeiten und der repressiven Reaktion des Staates. Mehr dazu in unserer Gnose gab es hier immer wieder Festnahmen und kleinere Kundgebungen: Der Oppositionspolitiker Alexej NawalnyAlexej Nawalny ist einer der bekanntesten Oppositionspolitiker und Aktivisten Russlands, der die staatliche Elite in seinen Veröffentlichungen regelmäßig mit schwerwiegenden Vorwürfen zu Korruption und Machtmissbrauch konfrontiert. Er gilt als einer der schärfsten Kritiker Wladimir Putins. Mehr dazu in unserer Gnose rief 2014 zu einem spontanen MarschNach der Urteilsverkündung gegen Alexej Nawalny und seinen Bruder Oleg im umstrittenen Yves-Rocher-Prozess am 30. Dezember 2014 fanden sich spontan mehrere Tausend Demonstranten auf dem Manegenplatz zusammen, um gegen das Urteil zu demonstrieren. Mehr dazu in unserer Gnose über die Twerskaja-StraßeDie Twerskaja-Straße ist eine der zentralen Straßen Moskaus. Sie beginnt in der Nähe des Kremls und führt über den Gartenring bis zur Autobahnausfahrt M10, die nach St. Petersburg führt. Schon im 17. Jahrhundert galt sie als eine der vornehmsten Adressen der Stadt, was ihr den Spitznamen Zarenstraße einbrachte. Zur Zeit der Sowjetunion wurde sie unter dem Namen Gorki-Straße bekannt, die meisten der Gebäude wurden damals abgerissen und durch Gebäude im Stil des Sozialistischen Klassizismus ersetzt. Bis heute ist sie eine der repräsentativsten Straßen Moskaus und beherbergt zahlreiche noble Geschäfte.  bis zum Manegenplatz auf. Und auch die Staatsmacht nutzt den Platz im Schatten der Kremltürme: Während der Proteste von 2011/12 fanden hier mehrere Gegenkundgebungen zur Unterstützung Wladimir Putins und der Regierungspartei statt, hier trat Putin auch nach seiner Wiederwahl im März 2012 auf – mit der berühmten Freudenträne im Augenwinkel.5

Am Eingang zum Roten Platz an der nordöstlichen Ecke des Manegenplatzes steht ein roter, im altrussischen Stil gefertigter Prachtbau: Er beherbergt das wichtigste historische Museum des Landes. All die Umwälzungen und Verwerfungen, die sich auf diesem Platz abspielen, landen irgendwann hier in den Vitrinen. Wer weiß, wie die nächsten Exponate aussehen werden? Die Geschichte, die sich in den vergangenen Jahrzehnten auf dem Manegenplatz entfaltete, hat jedenfalls gezeigt: Wer es schafft, hier den Ton anzugeben, der kann sich auch landesweit Gehör verschaffen.


1.yodnews.ru: Polnaja istorija Manežnoj ploščadi
2.Auch dieser Name (dt. Moosstraße) erinnert an den Handel, mit dem dieser Ort untrennbar verbunden ist: Hier wurde früher Moos verkauft, das zur Isolierung von Holzhäusern diente.
3.Der Fernsehsender Rossija-24 zählte gar 50.000 Demonstranten: lenta.ru: GUVD Moskvy ocenilo čislennost‘ mitingovavšich na Manežnoj v 5 tysjač čelovek
4.lenta.ru: Šest‘ čelovek zaderžany za napadenie na uzbeka v moskovskom metro
5.YouTube: Putin plačet vo vremja vystuplenija na Manežkoj ploščadi

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Aktion am 30. Dezember 2014 auf dem Manegenplatz

Nach der Urteilsverkündung gegen Alexej Nawalny und seinen Bruder Oleg im umstrittenen Yves-Rocher-Prozess am 30. Dezember 2014 fanden sich spontan mehrere Tausend Demonstranten auf dem Manegenplatz zusammen, um gegen das Urteil zu demonstrieren.

Protestbewegung 2011–2013

Nachdem Putin im September 2011 angekündigt hatte, wieder Präsident werden zu wollen, und im Dezember zahllose Wahlbeobachter über massive Wahlfälschungen berichteten, bildete sich in Russland die größte Protestbewegung seit dem Ende der Sowjetunion. Sie bewies erstaunliches Durchhaltevermögen, versiegte jedoch im Jahr 2013 aufgrund von inneren Streitigkeiten und der repressiven Reaktion des Staates.

Einzelprotest (Piket)

Der Einzelprotest in Form einer Person, die mit einem Protestbanner o. ä. an einem öffentlichen Ort steht, ist eine Form des Protests, die in Russland am wenigsten streng reguliert ist: Sie bedarf nicht der vorherigen Anmeldung bei den Behörden. Allerdings ist die Rechtslage seit 2004 nach und nach verschärft worden, z. B. können mehrere solcher Einzelproteste von Gerichten nachträglich als gemeinsame Aktion definiert und entsprechend behandelt werden.

Bolotnaja-Bewegung

Bolotnaja-Bewegung ist eine oft, aber nicht immer, abwertend gebrauchte Bezeichnung für die Proteste gegen Wahlfälschung und das Einiges Russland in den Jahren 2011–13, insbesondere deren Hochphase von Dezember 2011 bis Mai 2012. Der Begriff leitet sich vom Bolotnaja-Platz im Moskauer Stadtzentrum ab, auf dem drei der größten Demonstrationszüge (10.12.2011, 4.2.2012, 6.5.2012) endeten. Ein verwandter Begriff ist der Bolotnaja-Prozess. Dieser bezieht sich auf die Massenverhaftungen und anschließenden Gerichtsverfahren im Zusammenhang mit dem Marsch der Millionen am 6.5.2012 auf dem Bolotnaja-Platz.

Bolotnaja-Platz

Der Bolotnaja-Platz befindet sich zwischen dem Kreml und dem alten Kaufmannsviertel Samoskworetschje im Zentrum Moskaus. Er hat im Mittelalter zunächst als Handelsplatz gedient, später kam ihm immer wieder eine wichtige politische Bedeutung zu, zuletzt während der Proteste gegen die Regierung in den Jahren 2011/12.

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