Telegram-Sperrung: „Die Situation ist beschissen“

Foto © Alexey Maishev/ IMAGO / SNA

Telegram ist mit 95 Millionen Nutzern der meistgenutzte Messenger in Russland. Die Webseiten unabhängiger Exilmedien sind spätestens seit dem Beginn der Vollinvasion gesperrt, über die Medienplattform Telegram erreichen sie aber immer noch Millionen. Doch auch Z-Blogger und Propagandakanäle haben hier eine massive Präsenz mit Millionenpublikum. Dieses Dilemma war wohl ein Grund, weshalb Telegram bislang nicht gesperrt wurde. Am 1. April soll es soweit sein: trotz zahlreicher Proteste von Z-Bloggern, Propagandisten und Angehörigen russischer Invasionstruppen, die ihre Kampfhandlungen zum Teil über Telegram koordinieren.

Der Entscheidung über die vollständige Sperrung ging eine Testphase voraus: Im August 2025 hat der Kreml Telegram zusammen mit WhatsApp zum neuen „digitalen Staatsfeind Nummer Eins“ erklärt. Seitdem werden beide Dienste immer stärker gestört. Ein Ziel der Behörden ist, Nutzer:innen den neuen quasi-staatlichen Messenger MAX aufzuzwingen, der wohl besser von russischen Geheimdiensten kontrolliert werden kann.

Mit der vollständigen Sperrung von Telegram soll wohl auch der letzte Rest der Pressefreiheit in Russland verschwinden. Da die Leserschaft der oppositionellen Medien aber tendenziell VPN-affin ist, dürfte die Wirkung zunächst überschaubar bleiben. Bis auch der Zugang zu VPN effektiver eingeschränkt wird, werden die staatlichen Kanäle viel mehr unter der Sperrung leiden.

Wie bedeutsam Telegram ist, zeigt sich daran, dass einige populäre Medien ausschließlich als Telegram-Kanäle arbeiten, darunter auch Ostoroshno, novosti (dt. Vorsicht, Nachrichten) mit 1,5 Millionen Abonnent:innen (Stand März 2026). Der Kanal gehört Xenija Sobtschak, die enge familiäre Verbindungen zu Putin und seinem Freundeskreis hat. Für ein Nicht-Exil-Medium berichtet Ostoroshno, novosti aber relativ frei von Zensur und Propaganda: Die Meldungen sind zwar vorsichtig formuliert, halten dem Realitätscheck aber erstaunlich oft stand. Da die meisten unabhängigen Stimmen entweder verstummt oder geflohen sind, sind Meldungen aus dem Inland rar, demensprechend sind Artikel von Ostoroshno, novosti auch in Exilredaktionen begehrt.  

Bereg hat den Chefredakteur von Ostoroshno, novosti Sergej Titow gefragt, wie die russische Medienwelt ohne Telegram aussehen wird.


Bereg: Ostoroshno, Nowosti gibt es jetzt auch schon auf Max. Wann ging der Kanal an den Start?

Sergej Titow: Im Dezember. Erst haben wir nur Scam gepostet: bescheuerte KI-Bildchen, Nachrichten auf Türkisch. Wir wollten einfach sehen, ob uns jemand bemerkt, was da so los ist, und zeigen, was wir davon halten.

Und, hat euch jemand bemerkt?

Von Max selbst oder von regierungstreuen Kanälen kam erstaunlicherweise gar keine Reaktion.

Für unsere Redaktion ist es extrem traurig [zu Max zu wechseln], aber es ist die einzige Möglichkeit, irgendwie zu überleben und Werbung zu verkaufen.

Habt ihr Werbeangebote konkret für Max?

Ja, aber nur vereinzelt. Ich glaube, Blogger auf Max gehen aktiv auf die Kunden zu, aber die Marketingleute winken bisher ab.

Ende Februar tauchte bei euch unter einigen Posts der Hinweis auf: „Aufgrund des Drucks auf Telegram sind wir jetzt auch auf Max vertreten“ – und ein Link zum Kanal. Aber ihr bombardiert die Follower nicht so wie zum Beispiel Mash. Ist das eine ideologische Entscheidung?

Klar, das ist eine rein ideologische Frage, da bin ich ganz ehrlich. Das führt hin und wieder zum Streit mit Xenja Sobtschak, weil sie als die Weitsichtigere schon lange sagt, dass uns nichts Gutes erwartet und wir Max voranbringen sollten.

Unsere Redaktion hat diesen Wunsch lange ignoriert, aber jetzt zeigt sich, dass Xenja wohl recht behält und wir auf sie hätten hören sollen. Wir haben es ignoriert und waren stolz, dass wir bis zum Schluss durchhalten. Als Journalist finde ich, ich habe richtig gehandelt. Als Manager muss ich wohl zugeben, dass es eine schlechte Entscheidung war, weil wir jetzt wahrscheinlich 40.000 [Follower] mehr haben könnten.

Gestern [am 10. März 2026] haben wir einen Post darüber veröffentlicht, dass wir keine andere Wahl haben. Ein Leser schrieb: „Echt jetzt, sogar ihr?“ Ich antwortete, dass hier bald alle weg sind. Und er ganz traurig: „Na, dann also Max …“

Ihr habt große Werbekunden wie zum Beispiel die Alfa-Bank. Sind die bereit, für Werbung auf Max zu zahlen?

Ich kann solche Dinge nicht kommentieren. Aber ich kann mein Wissen als jemand teilen, der in dieser Branche arbeitet. Nach der Nachricht, dass die FAS [Föderale Antimonopolbehörde – dek] die Werbung schon verboten hat oder verbieten wird – keine Ahnung, wie die Erklärung genau aussieht –, beginnen große Kunden auf dem russischen Markt die Zusammenarbeit mit verschiedenen Kanälen zu kündigen.

Jeder vernünftige Mensch ist gegen Max. Alle sagen, das ist der letzte Dreck

Wenn sie Telegram morgen offiziell verbieten, so wie Instagram, wird der Markt zusammenbrechen. Aber der Prozess ist schon im Gange, die Budgets werden gekürzt.

Glaubst du, dass man eine große Leserschaft auf eine komplett andere Plattform umleiten kann? Das muss doch riesige Verluste bedeuten.

Ich denke, dass viel vom Content abhängt. Bei dem durchschnittlichen TASS– oder NTW-Leser ist das einfacher. Unsere Kernleserschaft sind Menschen, die nicht gut finden, was passiert. Aber wir vertreten eine softere Position als die Exil-Medien.

Ich selbst als jemand, der in Moskau lebt, bin gegen Max. Jeder vernünftige Mensch ist gegen Max. Alle sagen, das ist der letzte Dreck. Wir haben unsere Nische, wir wissen, dass wir sie [die Leserschaft] nur schwer rüberbekommen. Tja, das war’s dann mit den 1,6 Millionen. Ich glaube nicht, dass wir die Million [auf Max] knacken werden.

Wie viele Abonnenten habt ihr im Moment [auf Max]?

63.600. Das ist ein schwerer Start.

Über welchen Zeitraum?

Zwei Monate vielleicht. Seit wir aktiv dazu aufrufen. Nach dem gestrigen Post kamen rund 5000 dazu. Es läuft schleppend. Wir können von Erfolg sprechen, wenn wir die 300.000 knacken. Das wären Zahlen, die man einem Werbekunden halbwegs zeigen kann.

Auf Max gibt es keine Konkurrenz, das ist eine geschlossene Plattform. Telegram war immer ein freies Feld; wenn jemand erfolgreich war, dann hatte er sich das fair erarbeitet. Auf Max wird es keine liberalen Medien geben, keine öffentlichen Kanäle mit Memes über reale Probleme; ein Teil der Blogger, die wirklich gelesen werden, wird verschwinden. Das ist keine freie Konkurrenz, dieses Abgeschottetsein schränkt unser Wachstum ein. Jeder weiß, dass wir niemals solche Zahlen [wie auf Telegram] erreichen werden.

Im [System-]Chat auf Max werden Vorschläge angezeigt, wen man abonnieren soll. Da ist alles klar: Simonjan, RIA Nowosti. Man kann dieses Chat-Fenster nicht einmal schließen.

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Im Netz der Propaganda

Wie es der staatlichen Propaganda gelang, Millionen Russinnen und Russen davon zu überzeugen, dass ein Krieg der sicherste Weg zum Frieden ist. Data-Recherche von dekoder und der Novaya Gazeta Europe.

Hast du selbst einen Account auf Max?

Ja, natürlich.

Wieso natürlich? Du bist doch dagegen?

Wir hatten letztens so einen Fall in der Redaktion. Jemand war im Gerichtssaal, bei [Arsen] Markarjan, und konnte uns kein Video [über Telegram] schicken. Er musste es über Max schicken – das hat eine Sekunde gedauert. Viele meiner Bekannten sagen, Max ist total scheiße, und einen Monat später müssen sie mit ihrer Oma sprechen und nichts anderes funktioniert. Was bleibt einem also übrig?

Wir haben auch Mitarbeiter, die sich aus Prinzip nicht anmelden. Was soll man denen sagen? Vollstes Verständnis, ist doch klar.

Heißt ihr auf Max genauso?

Ja, wir haben einfach ein KI-Bild generiert, quasi unseren bösen Bruder. (Er zeigt mir einen Avatar im Horrorstil.) Ich habe ChatGPT gebeten, eine teuflische Version von unserem Logo zu erstellen. Das ist meine Art, gegen diesen Wahnsinn zu protestieren. Wahrscheinlich werden wir es früher oder später entfernen müssen.

In fünf Jahren wird Max für manche die einzige Realität sein

Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eure Follower nicht zu Max wechseln, sondern einfach mithilfe von VPN die Sperre umgehen, so wie bei Instagram?

Es gibt gar nicht so viele Beispiele, in denen Telegram erfolgreich gesperrt wurde. Deshalb bin ich eigentlich sicher, dass der russische Staat wenig ausrichten kann. Aber die Gefahr liegt woanders: Sobald die Werbung abgeschaltet wird, könnte sich das sowohl sehr negativ auf die Mitarbeiter auswirken, die vielleicht ihren Job verlieren, als auch auf die ganze Medienbranche.

Wir reden die ganze Zeit von Max. Gibt es denn eine andere Alternative zu Telegram?

Wir sind seit Kurzem auf Threads, mal sehen, was das gibt. Aber die Frage ist nicht, wie und wohin mit den Lesern, sondern die Finanzierung. Auf Threads kann man auch keine Werbung schalten – das ist Meta und in Russland verboten. Vielleicht entwickelt sich das Ganze so, dass der Markt selbst bestimmt, wohin man geht, weil dort Werbung erlaubt ist.

Aber wenn es konkrete Leute gibt, die das Ziel verfolgen, aus dem russischen Internet ein chinesisches zu machen, dann kann ich mir schwer vorstellen, wie da eine moralisch korrekte und halbwegs freie Plattform entstehen soll, mit der man arbeiten kann. In jedem Fall wird sie staatlich sein.

Hat Max als Messenger denn das Potential, Telegram für das Publikum in Russland zu ersetzen? Du sagst ja, dass Videos schnell verschickt werden.

Teilweise ist das schon so. Für die Sicherheitsbehörden, die diese Entscheidungen treffen, ist die Bevölkerung eine Herde von Schafen. Und wenn man die in einen Pferch prügelt, was sollen sie ausrichten? Ein paar werden vielleicht in den Wald entwischen, aber der Großteil wird gehorchen. Insofern denke ich, dass sie zum Teil damit Erfolg haben werden und Max wachsen wird.

Telegram wird wahrscheinlich Menschen mit liberaleren Meinungen anziehen. Und Max wird trotzdem Teil der Realität. Es wird einem schon jetzt möglichst bequem gemacht: Man kann damit seinen Ausweis vorzeigen, wenn man Alkohol kauft.

Mir scheint das trotzdem nicht eine Frage der Bequemlichkeit, sondern eine von Einschüchterung und Zwang.

Es gibt da ein interessantes Element, das viele Emigranten wahrscheinlich übersehen. Da wächst eine Generation von jungen Menschen heran, die 13 oder 14 Jahre alt waren, als der Krieg begann. Die haben kein Problem damit, ihren Ausweis bei Max hochzuladen. Ich habe Mitarbeiter, die sind 21 oder 22 und die erinnern sich an kaum etwas aus dem Vorkriegsrussland. Es ist ihnen zum Beispiel völlig fremd, einfach Flugtickets zu buchen und übers Wochenende nach Europa zu jetten – das ist ihnen völlig fremd. Das kennen die nur aus Memes von Boomern und Millenials. Je länger die junge Generation mit Max lebt, desto mehr wird sie sich auch daran gewöhnen.

Vielen, die weg sind, scheint Max wirklich nur dafür gut zu sein, die Oma anzurufen. Aber du sprichst ja von einer ganzen jungen Leserschaft, die damit aufwächst. Das ist etwas unheimlich.

Na klar. Ich wirke vielleicht, als wäre ich gut gelaunt, aber in der Redaktion und bei anderen Moskauer Journalisten herrscht in Wirklichkeit Panik. Auf dem Werbemarkt auch. Natürlich sind die Aussichten düster. Gut möglich, dass Max in fünf Jahren für manche die einzige Realität sein wird, an die sie sich erinnern.

Lass uns über Sicherheit bei Max sprechen, oder besser gesagt die Abwesenheit davon. Der Messenger kann auf Ausweisdaten und die IP-Adresse zugreifen. Du hast auf deinem Kanal kürzlich berichtet, dass Fotos, die aus privaten Chats gelöscht werden, auf dem Server gespeichert bleiben.

Viele haben Angst, dass Max so eine Art Spionage-Messenger ist und sie dort abgehört werden. Aber das glaube ich weniger, weil es einfach ein Abklatsch des Messengern von Odnoklassniki ist und kein geniales Spionage-Tool.

Trotzdem ist unsere Befürchtung, dass die Suche in Kanälen irgendwie kontrolliert und die Reaktionen auf Posts künstlich hochgeschraubt werden. Wir sehen zum Beispiel, dass auf unserem Kanal auf Max Posts mit Äußerungen der iranischen Regierung zum Konflikt [mit den USA und Israel] ein Haufen Likes bekommt, egal was die iranische Regierung sagt. Und unter jedem Statement von amerikanischer oder israelischer Seite regnet es Clowns und Kackhaufen. Vielleicht sind die Menschen in Russland ja wirklich solidarisch mit dem iranischen Brudervolk, aber doch nicht so.

Auf Max veröffentlichen wir keine Nachrichten, die mit Politik zu tun haben

Tut Ostoroshno, Nowosti etwas für die Sicherheit seiner Abonnenten auf Max?

Wir tun, was wir können. Als es noch mehr Freiheiten gab, waren unsere Posts mit dem Hinweis versehen, dass das soziale Netzwerk VKontakte die Daten der User an die Sicherheitsbehörden weitergibt. Was können wir tun? Erstens rufen wir niemanden dazu auf, sich [bei Max] anzumelden, und wir sagen auch nicht, dass Max die beste App der Welt ist. Wir sagen: Die Situation ist beschissen, aber was soll man machen?

Warum nicht?

Weil man auf Max den konkreten Journalisten finden kann, der diese Nachricht gepostet hat. Sollte es Fragen seitens der Regierung geben, stellt das ein Risiko für diesen Journalisten dar. Deshalb veröffentlichen wir auf Max keine Nachrichten, die mit Politik oder ansatzweise mit dem Verteidigungsministerium zu tun haben.

Wir würden auch nicht schreiben, dass Nawalny vergiftet wurde – es wäre ein Suizid. Auf Max gibt es quasi Ostoroschno, Nowosti light.

Ostoroschno, Nowosti selbst ist leiser geworden, weil die Freiheit in Russland immer weiter eingeschränkt wird. Wir haben lange Angriffe auf zivile Objekte gemeldet. Gestern [am 10. März 2026] gab es ein Beispiel mit der Fabrik in Brjansk. Wir haben Bilder aus allen Perspektiven, wir haben den Standort des Einschlags und die ungefähre Zahl der Todesopfer. Können wir das posten? Nein. Wir müssen Angst haben, weil es verboten ist, Daten zu Einschlägen zu veröffentlichen. Also warten wir, bis die Nachricht von den staatlichen [Medien] oder [dem Z-Blogger Wladislaw] Pozdnjakow gebracht wird – ein großer Freund der russischen Regierung, der den Standort rausposaunt, ohne ihn überhaupt irgendwie zu blurren.

Vor langer Zeit haben wir über LGBTQ-Themen berichtet und mit dem Warnhinweis LGBTQ markiert [als die sogenannte LGBT-Bewegung verboten wurde]. Jetzt ist selbst das unvorstellbar. Auf Max gibt es dann die noch krasser beschnittene Version von Ostoroschno, Nowosti.

Gnose

Russisches YouTube

YouTube war die letzte westliche Social-Media-Plattform in Russland, die noch frei zugänglich war. Wer unabhängige Informationen zum Krieg gegen die Ukraine sucht, kann sie dort finden. Viele geblockte Medien sind deswegen zu YouTube gewechselt. Allerdings konkurrieren sie dort mit den Fakes und der massiven Desinformation der russischen Staatspropaganda. Wohl deswegen war YouTube in Russland lange Zeit nicht gesperrt.

Von

Kannst du bitte ein paar Beispiele nennen, was ihr auf Max postet und wie das in Zukunft aussehen wird?

Zweitens haben wir in der Redaktion sofort beschlossen, keine „heißen“ Nachrichten zu posten. Zum Beispiel haben wir gerade einen Post darüber veröffentlicht, wie ein Wehrpflichtiger von Militärpolizisten gefoltert wurde. Diese Typen wurden verurteilt, und jetzt versuchen sie, einen Vertrag zu unterschreiben und wieder an die Front zu gehen. So etwas werden wir auf Max nicht veröffentlichen.

Zum Beispiel Verschiedenes aus aller Welt und Nachrichten, die nichts mit den Klagen der Mütter und Ehefrauen von Mobilisierten oder dem gewaltsamen Vorgehen gegen sie zu tun haben. Nachrichten frei von Politik, die das Regime triggern könnten, wie zum Beispiel der Oscar für Mr. Nobody gegen Putin.

Mir ist bewusst, dass Ostoroschno, Nowosti in der Form, wie es jetzt existiert, bald Geschichte ist. Entweder wird man uns zerschlagen oder die Umstände führen zum Aus – sei es, weil Telegram verboten wird oder man morgen dazu übergeht, Journalisten auf offener Straße abzuknallen. Oder weil wir etwas posten, das den Falschen triggert.

Warum denkt ihr dann jetzt, im fünften Kriegsjahr, nicht darüber nach, mit der Redaktion ins Exil zu gehen?

ON ist mein Baby, aber es gehört mir nicht. Ich habe es aufgebaut, es lebt, aber ich bin nicht ansatzweise der Eigentümer. 2022, als Kirill [Suchanow] angeklagt wurde und wir nach Jerewan ausgereist sind, hätten wir nicht zurückkommen sollen. Das ist mein persönlicher Standpunkt. Aber die Entscheidung hat damals die Person getroffen, der das Unternehmen gehört – Xenja Anatoljewna (Sobtschak – dek.). Sie hat vor langer Zeit die Wahl getroffen, trotz allem in Russland zu bleiben. Ich verstehe sie nicht.

Ich glaube, wenn wir vor vielen Jahren umgezogen wären, könnte ON seine Flügel ausbreiten und andere Dinge tun. Aber die Entscheidung steht – na, ok, arbeiten und leben wir eben hier. Andererseits haben wir wahrscheinlich auch viel Gutes bewirkt, das wir aus dem Exil nicht bewirkt hätten.

Warte mal, ihr geht nach Armenien, und da ruft Sobtschak an und sagt: „Komm zurück, sonst bist du gefeuert?“

Nein, es gab eine interne Besprechung, und die Mehrheit hat entschieden, dass wir lieber zurückgehen und nach den Regeln der Russischen Föderation spielen sollen.

Denkst du gar nicht darüber nach, für ein anderes Medium zu arbeiten? Nicht einmal eins, dessen Werte du komplett teilst?

Ich habe Schwierigkeiten, mir das vorzustellen. Ich weiß, dass viele im Exil einen beruflichen Abstieg in Kauf nehmen mussten. Es wäre schwer, so etwas wie Ostoroschno, Nowosti von Grund auf neu aufzubauen.

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