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Vergangenes, ganz nah

Ein Mann schaut aus einem Zugfenster. Er blickt den Betrachter direkt an, ganz präsent, ernst sieht er aus. Erst auf den zweiten Blick merkt man: Er trägt eine Uniform, eine historische Uniform. Und der Zug … ist auch ein historischer. Und da wird klar: Das ist nicht irgendein Zeitgenosse, das ist Zar Nikolaus IINikolaus II. (1868–1918) war der letzte russische Zar. Der Sohn Alexanders III. regierte von 1894 bis zu seiner erzwungenen Abdankung am 02. (15.) März 1917. Unter seiner Herrschaft verlor Russland nicht nur den Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, sondern erlebte auch die Revolution von 1905, die zur Einführung des ersten russischen Parlaments, der Duma, führte. In der historischen Forschung wird Nikolaus II. oft als eher schwacher und unentschlossener Herrscher dargestellt. Im Juli 1918 wurde er gemeinsam mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Im Jahr 2000 wurden er und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Mehr dazu in unserer Gnose .
 
Olga Schirnina, eine studierte Germanistin, koloriert alte Schwarzweiß-Fotos. Nicht nur Abbildungen von bekannten Persönlichkeiten, auch Alltagsszenen, Bilder aus Akademien oder auch Kriegsfotos. In Farbe wirkt das Vergangene irritierend nah, das Historische plötzlich ganz aktuell. 

Streng dokumentarisch ist das nicht. Aber: Wie viel Wahrheit und wie viel Realität transportiert Fotografie? Es sind eben viele Wahrheiten und viele Realitäten. Auch auf den kolorierten, bunten Bildern von Olga Schirnina.

Quelle dekoder
Russisches Bauernmädchen, 1925 / Alexander Belikow
Eine Bäuerin und ein junges Mädchen stehen auf hölzernem Flusssteg. Die Bäuerin schultert ein Tragjoch mit zwei Eimern Wasser, Russland 1900er Jahre / Samuel Hopwood

Prinz Jussupow, Graf Sumarokow-Elston posiert dem Künstler Walentin SerowDer Maler Walentin Serow (1865–1911) war ein gefeierter Porträtist des späten Zarenreichs. Die bürgerlichen Mäzene der Moskauer und Sankt Petersburger High Society ließen sich von ihm genauso malen wie der Adel und die Zarenfamilie. Sein Stil ist vielseitig und reicht vom lichten Impressionismus zum düsteren Symbolismus. Serow war Mitglied der Peredwishniki und von Djagilews Mir Iskusstwa, aber ebenso der Kaiserlichen Kunstakademie in St. Petersburg. Er ist ein wichtiger Vertreter einer russischen Kunstszene, die sich um die Jahrhundertwende in regem Austausch mit dem Westen befand. Mehr dazu in unserer Gnose für ein Porträt mit einem Araber, 1909

Großherzoginnen Maria und Olga RomanowaMaria und Olga Romanowa waren die Töchter des Zaren Nikolaus II. In der Nacht vom 16. auf den 17. August 1919 wurden sie, Nikolaus II. mit seiner Frau und ihre drei Geschwister von den Bolschewiki ermordet. Die Romanows sind die bedeutendste russische Zaren-Dynastie. Das Adelsgeschlecht regierte Russland zwischen 1613 und 1917., 1912

Kavallerie, KosakenKosaken ist die Bezeichnung einer sozialen Gruppe, die sich teilweise aus dem (para-)militärischen Stand im 15. Jahrhundert formiert hat. Die soziostrukturelle Zusammensetzung früherer Reiterverbände der Kosaken ist nicht klar nachvollziehbar. Im 18. Jahrhundert wurden sie zum großen Teil in die Kavallerieverbände der regulären Armee integriert. Die Wiederbelebung der Tradition nach dem Zerfall der UdSSR wird von oppositionellen Kreisen oft als „folkloristisch“ bzw. „archaisch“ bezeichnet. In den südlichen Regionen Russlands übernehmen Kosaken oft die zweifelhafte Rolle einer Volksmiliz. Es kommt dabei immer wieder zu gewalttätigen Angriffen auf Oppositionspolitiker und Aktivisten, wie z. B. auf Alexej Nawalny oder die Kunstaktivistinnen von Pussy Riot., Russische Armee, 1912

Bildungsinstitut für adlige Mädchen, IrkutskIrkutsk ist eine Universitätsstadt und liegt etwa 70 km entfernt vom südwestlichen Ufer des Baikalsees. Nachdem 1760 der Sibirische Trakt, die erste Straßenverbindung zwischen Moskau und Irkutsk, fertiggestellt worden war, entwickelte sich die Stadt zum Drehpunkt für den Handel, unter anderem auch mit dem Kaiserreich China. Durch den wirtschaftlichen Aufschwung wurde die Stadt bald auch zu einem bedeutenden Zentrum für Wissenschaft und Kultur. Seit 1900 wird Irkutsk immer wieder als Paris Sibiriens bezeichnet und gilt als einer der populärsten Stopps auf einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn., 1912
Iwan PawlowIwan Pawlow (1849–1936) war ein russischer Physiologe und Verhaltensforscher. 1904 erhielt er als erster Russe den Nobelpreis für Physiologie und Medizin. Aus einer Priesterfamilie stammend, nahm er zunächst ein Theologiestudium auf, bevor er sich den Naturwissenschaften zuwandte. Bis heute ist er für seine anhand von Hunden gewonnenen Erkenntnisse zur Konditionierung von Verhalten berühmt (Pawlow’scher Reflex), die die Grundlagen für die theoretischen Annahmen des Behaviorismus bilden. (1849–1936), russischer Physiologe. Pawlow (Mitte, mit Bart) mit Assistenten und Studenten an der Kaiserlichen Militärmedizinischen Akademie in Sankt Petersburg, vor einer Demonstration seines Experiments an einem Hund, 1912–14
11. September 1913: Beim 3. Militärflugzeugwettbewerb fiel der Motor der fliegenden Meller-II aus etwa 50 Meter Höhe auf den unten geparkten Doppeldecker Russki Witjas (dt. Russischer Ritter). Es war das einzige Exemplar dieses historischen Flugzeugs. Flugzeugbauer Igor Sikorski hat es nach dem Unfall nie wieder aufgebaut (damals befand sich schon das Flugzeug Ilja Muromez im Bau). Bei der Meller-II wurde die Tragflächenkosntruktion nicht zerstört, dem Piloten gelang eine sichere Landung.
Der Mann auf der linken Seite ist Adam Gaber-Wlynski – Pilot der Meller-II; in der Mitte Igor Sikorski – Konstrukteur des Russki Witjaz
Professor Wladimir Makowski im Malerei-Atelier der russischen Akademie der KünsteNach europäischem Vorbild wurde 1757 in St. Petersburg die Kaiserliche Akademie der Künste gegründet. Die langjährige Ausbildung der Maler, Bildhauer, Graphiker und Bildhauer folgte strengen formalen und thematischen Vorgaben. Der Akademie war die wichtigste Instanz für Geschmack und ästhetisches Empfinden. Erst zur Mitte des 19. Jahrhunderts wurde ihre Monopolstellung in künstlerischen Belangen aufgebrochen. Mehr dazu in unserer Gnose , Sankt Petersburg, 1913
Flugzeugbeschuss während des Ersten WeltkriegsRussland ist dem Ersten Weltkrieg an der Seite der Alliierten Anfang August 1914 beigetreten. Nach anfänglichen spektakulären Erfolgen kam es zu Rückschlägen und bald stellte sich heraus, dass der russische Staat den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen war. Die Transportprobleme und schlechte Versorgung der Städte führten Anfang 1917 zu großen Demonstrationen, die in die Februarrevolution mündeten. Die Frage von Frieden und Krieg war auch nach der Abdankung Nikolaus´ II. von entscheidender Bedeutung. Die Provisorische Regierung führte den Krieg weiter, was zu einem militärischen und innenpolitischen Desaster führte. Erst nach der Oktoberrevolution wurde am 3. März 1918 ein separater Friedensvertrag zwischen Sowjetrussland und den Mittelmächten geschlossen. Russland musste erhebliche Verluste an Territorium, Produktionskapazitäten und Bevölkerung hinnehmen. Mehr dazu in unserer Gnose , 14. Juli 1916
Zar Nikolaus II., 28./29. Juli 1916
Ankunft des Zaren Nikolaus II. am Standort der 1. Armee, geführt von Oberbefehlshaber General Alexander Litwinow, 30. Januar 1916, Bezirk Dwinsk
Wladimir Iljitsch LeninNach der Februarrevolution, die zur einer Doppelherrschaft von Provisorischer Regierung und Arbeiter- und Soldatensowjet geführt hatte, fixierte sich Lenin auf den gewaltsamen Sturz der Provisorischen Regierung. Die bolschewistische Partei wurde zum Anziehungspunkt für alle unzufriedenen, radikalen und anarchistischen Elemente, die durch die revolutionären Ereignisse aufgewühlt worden waren. Nach dem misslungenen Juliaufstand nutzte Lenin die politische Krise und das Machtvakuum aus, um seine Strategie des bewaffneten Aufstandes im Oktober 1917 zu verwirklichen. Mehr dazu in unserer Gnose während des Russischen BürgerkriegsNach der Oktoberrevolution 1917 kam es zu Erhebungen unterschiedlicher antibolschewistischer Kräfte – der Weißen – gegen die neuen sowjetischen Machthaber – die Roten. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung. Dass die Weißen weder politisch noch organisatorisch eine Einheit bildeten, war letztendlich ein wesentlicher Grund für ihre Niederlage. Demgegenüber gelang den Bolschewiki der straffe Aufbau der Roten Armee, mit deren Hilfe sie auch die Niederschlagung von Konflikten erreichten, die parallel zur Auseinandersetzung mit den Weißen entstanden waren (Polnisch-Sowjetischer Krieg, Partisanenbewegungen, Abfall von Randgebieten). Der Sieg im Bürgerkrieg bedeutete die endgültige Machtkonsolidierung für die sowjetische Regierung. Mehr dazu in unserer Gnose  bei der Parade der WsewobutschDas russische Kurzwort Wsewobutsch steht für wseobschtscheje wojennoje obutschenije (dt. allgemeine militärische Ausbildung). Es bezeichnet das System der Militärausbildung, das alle Arbeiter und Bauern zwischen 18 und 40 Jahren in ihren Betrieben durchlaufen mussten. Wsewobutsch bestand zwischen 1918 und 1923, schätzungsweise fünf Millionen Menschen absolvierten damals die Ausbildung. Während des Großen Vaterländischen Kriegs 1941–1945 wurde das System wiederbelebt, insgesamt durchliefen in dieser Zeit schätzungsweise rund zehn Millionen Menschen das Programm. -Truppen in Moskau am 25. Mai 1919
Priester Solodkow, der Schiffsarzt und die Katze an Deck der Kagul in Bizerta (Tunesien), 1921
Anatoli LunatscharskiAnatoli Lunatscharski (1875–1933) war ein russischer Journalist, Literatur- und Kunstkritiker, der nach der Oktoberrevolution 1917 das neu entstandene Volkskommissariat für Bildungswesen leitete und damit die Kultur- und Bildungspolitik der frühen Sowjetunion stark prägte. Er galt als enger Vertrauter Lenins. mit seiner Frau
Moskau, Sucharew Turm, 1931
Die ersten Fahrgäste der Moskauer Metro, 1935
Marine-Aufklärer der Nordflotte 1942 unter dem Kommando des Unterleutnants Petrow / Jewgeni Chaldei
LeningradDie 1703 von Zar Peter dem Großen gegründete und nach seinem Schutzheiligen, Apostel Simon Petrus, benannte Stadt Sankt Petersburg wurde 1914 zum ersten Mal umbenannt. Sie hieß bis zu Lenins Tod im Jahr 1924 Petrograd. Dann wurde der Name zu seinen Ehren in Leningrad geändert. Seit 1991 heißt sie wieder Sankt Petersburg, umgangssprachlich meist Piter genannt. im Zweiten WeltkriegAls Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte. Mehr dazu in unserer Gnose 1944, Zuschauer des Leningrader GorkiMaxim Gorki (1868–1936) war der meistgedruckte sowjetische Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Er verkehrte in revolutionären Kreisen und begründete 1905 die bolschewistische Zeitung Nowaja Shisn (dt. Neues Leben) mit, bei der Lenin als Chefredakteur arbeitete. Spätestens nach der Veröffentlichung seiner beiden Theaterstücke Der Kleinbürger (1902) und Nachtasyl (1904) wurde er in Russland so populär, dass die verschiedenen Versuche der politischen Führung, gegen ihn vorzugehen, immer wieder große Proteste auslösten. Ab 1913 kam es zwischen Gorki und Lenin zu Auseinandersetzungen über die Revolution und deren Ziele, die zu einer zeitweisen Emigration Gorkis aus Russland führten. Nach Lenins Tod wurde er 1927 offiziell als proletarischer Schriftsteller anerkannt. Seine Geburtsstadt Nishni Nowgorod wurde ihm zu Ehren 1932 in Gorki umbenannt, sein Werk Die Mutter sollte fortan als Vorbild für die neue sowjetische Literatur dienen.Maxim Gorkis Paradox bestand darin, dass er seine moralische Autorität in den Dienst des Stalinismus stellte. Ulrich Schmid über den meistgedruckten sowjetischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Mehr dazu in unserer Gnose -Theaters
SewastopolSewastopol ist mit rund 440.000 Einwohnern die größte Stadt auf der Krim. Seit 2014 ist Sewastopol ein international nicht anerkanntes Föderationssubjekt Russlands. Die Stadt ist seit dem 18. Jahrhundert Hauptstützpunkt der russischen/sowjetischen Schwarzmeerflotte. Nach dem Zerfall der Sowjetunion war Sewastopol deshalb ein häufiger Konfliktpunkt in den Beziehungen zwischen Russland und der Ukraine. im Zweiten Weltkrieg, Panzer der Roten Armee, 1944 / Jewgeni Chaldei
9. Mai 1945 in Moskau: Der Tag des SiegesDer Tag des Sieges wird in den meisten Nachfolgestaaten der UdSSR sowie in Israel am 9. Mai gefeiert. Er erinnert an den Sieg der Sowjetunion über das nationalsozialistische Deutschland und ist in Russland inzwischen der wichtigste Nationalfeiertag. Der 9. Mai ist nicht nur staatlicher Gedenktag, sondern wird traditionell auch als Volks- und Familienfest begangen. Mehr dazu in unserer Gnose

Bildredaktion: Andy Heller
Kolorationen: Olga Schirnina
Veröffentlicht am 05.05.2020

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Großer Vaterländischer Krieg

Als Großen Vaterländischen Krieg bezeichnet man in Russland den Kampf der Sowjetunion gegen Hitlerdeutschland 1941–1945. Der Begriff ist an den Vaterländischen Krieg gegen Napoleon im Jahr 1812 angelehnt. Galt der Sieg über den Faschismus offiziell zunächst als ein sozialistischer Triumph unter vielen, wurde er seit Mitte der 1960er Jahre zu einem zentralen Bezugspunkt der russischen Geschichte.

Oktoberrevolution 1917

Die Revolutionen des Jahres 1917 markierten eine Zeitenwende in Russland: Im Februar der Sturz des letzten Zaren und nur wenige Monate später, am 7. und 8. November, der Sturz der Übergangsregierung durch die Bolschewiki unter Führung von Lenin. Robert Kindler über Ursachen und Folgen der Oktoberrevolution.

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Russland im Ersten Weltkrieg

Russland sei nicht in der Lage, einen längeren Krieg durchzustehen. Davon war der einflussreiche konservative Politiker Pjotr DurnowoPjotr Durnowo (1843/45–1915) war ein konservativer russischer Politiker. 1905/06 bekleidete er für einige Monate das Amt des Innenministers und war in dieser Zeit verantwortlich für Massenverhaftungen und für die blutige Niederschlagung von Streiks. Sein hartes Vorgehen gegen die Revolution brachte ihm in konservativen Kreisen hohes Ansehen ein, löste aber auch viel Kritik aus, die schließlich zu seiner Ablösung führte. fest überzeugt. Im Februar 1914 warnte er in einer Denkschrift an Zar Nikolaus II.Nikolaus II. (1868–1918) war der letzte russische Zar. Der Sohn Alexanders III. regierte von 1894 bis zu seiner erzwungenen Abdankung am 02. (15.) März 1917. Unter seiner Herrschaft verlor Russland nicht nur den Russisch-Japanischen Krieg von 1904/05, sondern erlebte auch die Revolution von 1905, die zur Einführung des ersten russischen Parlaments, der Duma, führte. In der historischen Forschung wird Nikolaus II. oft als eher schwacher und unentschlossener Herrscher dargestellt. Im Juli 1918 wurde er gemeinsam mit seiner Familie von den Bolschewiki ermordet. Im Jahr 2000 wurden er und seine Familie von der Russisch-Orthodoxen Kirche heiliggesprochen. Mehr dazu in unserer Gnose eindringlich vor den möglichen Folgen: „Die Unruhen werden damit beginnen, dass man die Regierung für alle Katastrophen verantwortlich macht. […] Die besiegte Armee, die ihre zuverlässigsten Männer verloren hat und von der primitiven bäuerlichen Gier nach Land mitgerissen wird, wird zu demoralisiert sein, als dass sie als Bollwerk für Gesetz und Ordnung dienen könnte [...] und Russland wird in hoffnungslose Anarchie stürzen, deren Ausgang nicht vorauszusehen ist.“1

Drei Jahre später sollten Durnowos Befürchtungen Realität werden. Im Ersten Weltkrieg zerfiel das Russische Imperium. Den Belastungen eines modernen Krieges war es nicht gewachsen.

Der russische Staat war den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen / Foto © ITAR-TASS

Zunächst schien nichts auf ein solches Szenario hinzuweisen. Wie überall in Europa, so löste der Beginn des Krieges auch in Russland Begeisterung aus. Als sich Zar Nikolaus II. am 2. August 1914, dem Tag der russischen Kriegserklärung, in der Öffentlichkeit zeigte, jubelten ihm die Menschen enthusiastisch zu. In den Zeitungen wurde der sichere Sieg beschworen, Intellektuelle glaubten, es beginne eine Zeit der nationalen Erneuerung und das russische Parlament, die DumaIm Zuge der Revolution von 1905 ordnete Zar Nikolaus II. die Schaffung einer gewählten Duma an, die als zweite Kammer neben dem Reichsrat weitgehend dem Zaren unterstand. Als erstes Parlament in der Geschichte Russlands hatte diese Duma zeitweise eingeschränkte Entscheidungskompetenzen. Der Zar behielt sich etwa das Recht vor, Beschlüsse der Duma außer Kraft zu setzen, radikale Parteien wurden zunächst nicht zur Wahl zugelassen und das 1907 erlassene Wahlrecht privilegierte Wohlhabende und Landbesitzer. Im Laufe der Zeit wurde die Duma dennoch zu einem Ort der Kritik an der Monarchie. Formal existierte die Duma bis Oktober 1917., erklärte seine Selbstauflösung, um der Regierung nicht „im Wege zu sein“.

Russland verfolgte zu Beginn des Krieges ambitionierte Ziele. Von besonderer Bedeutung waren dabei die Eroberung Konstantinopels und der Meerengen. Darüber hinaus beanspruchte das Imperium Teile Ostpreußens, Galiziens sowie weitere Gebiete für sich. Und nicht zuletzt sollten die russischen Kriegsziele den Anspruch unterstreichen, Schutzmacht aller Slawen zu sein.  

Krieg führen

In den ersten Tagen und Wochen konnten russische Truppen eine Reihe von Erfolgen erzielen. Doch bereits Ende August 1914 gelang es den Deutschen bei der Schlacht von Tannenberg, die nach Ostpreußen eingedrungene russische Armee zu besiegen. Auch an den anderen Fronten in Galizien und den Karpaten kam es nach anfänglichen spektakulären Erfolgen zu Rückschlägen. Besser sah es indes an der dritten russischen Front im Mittleren Osten aus, wo das Imperium wichtige Siege über das Osmanische Reich errang.2

Der Bewegungskrieg der ersten Kriegsmonate machte bald etwas festeren Frontlinien Platz, ohne freilich in einen Stellungs- und Grabenkrieg wie im Westen Europas zu münden. Bis zum Ende des Krieges kam es immer wieder zu großen Offensiven.

Von Beginn an litt die Armee unter erheblichen Problemen, denn auf einen längeren Abnutzungskrieg war Russland nicht vorbereitet. Zu den verheerenden Verlusten an Menschen und Material kamen große Schwierigkeiten mit dem Nachschub. Die Verkehrsnetze waren nicht in der Lage, den immensen Bedarf der Truppen zu bewältigen. Immer wieder fehlte es an genügend Waffen, Munition und warmen Uniformen. Krankheiten breiteten sich in der Truppe aus. Gleichzeitig sank die Moral der Soldaten, unter denen die Überzeugung wuchs, sie würden sinnlos geopfert. Den überlegenen Ressourcen der MittelmächteMittelmächte wurden die im Ersten Weltkrieg verbündeten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn genannt. Hinzu kamen das Osmanische Reich sowie Bulgarien. hatte die russische Armee in den kommenden Jahren trotz einer Reihe begrenzter Erfolge letztlich kaum noch etwas entgegenzusetzen. 

„Innere Feinde“ und Führungskrise

Im Krieg gerieten nationale Minderheiten unter Verdacht, mit den Feinden gemeinsame Sache zu machen. Als erstes traf es die in Russland lebenden Deutschen. In vielen Städten kam es zu antideutschen Ausschreitungen, die sowohl „deutsche“ Firmen trafen, aber auch vor der deutschen Botschaft nicht Halt machten. Die russische Hauptstadt Sankt Petersburg wurde in PetrogradDie 1703 als St. Petersburg gegründete Hauptstadt des russischen Zarenreiches wurde unmittelbar nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges, in dem Russen unter anderem gegen Deutsche kämpften, in Petrograd umbenannt. Die Umbenennung war mit der massiven anti-deutschen Stimmung verbunden. umbenannt, und zahlreiche baltendeutsche Offiziere mussten ihren Abschied nehmen.

Vor allem deportierten die Behörden hunderttausende Deutsche aus den westlichen Reichsteilen nach Sibirien und ZentralasienMit Zentralasien wird hier jene Region bezeichnet, in der sich heute die Staaten Kasachstan, Usbekistan, Turkmenistan, Tadschikistan und Kirgisistan befinden. Die Region wurde vom russischen Imperium bis zum Ende der 1860er Jahre unterworfen. Die heutigen Staatsgrenzen gehen weitgehend auf die Gründung nationaler Republiken in der Sowjetunion im Jahr 1924 zurück.. Dies war jedoch nicht nur Ausdruck einer weit verbreiteten „Germanophobie“, sondern Teil des Bemühens von Militär und Regierung, in frontnahen Regionen ethnisch homogene Gebiete zu schaffen. Neben den deutschen Kolonisten wurden daher auch Teile der jüdischen Bevölkerung ins Landesinnere umgesiedelt.3 Im Verlaufe des Krieges wurden mehrere Millionen Menschen entwurzelt und vertrieben. Ein ganzes Imperium befand sich auf der Flucht, wie der Historiker Peter Gatrell es einmal formuliert hat.4

Militärische Niederlagen und innere Krisen ließen das Vertrauen in die Führung zunehmend schwinden. Deshalb entschied sich Zar Nikolaus II. im August 1915, das Oberkommando über die Armee zu übernehmen. Doch dieser Schritt trug mehr als alles andere dazu bei, das Vertrauen in die Autokratie zu untergraben. Denn von nun an war der Herrscher, der von Militärangelegenheiten wenig verstand, persönlich verantwortlich für das Schicksal an den Fronten. 

Krieg und Revolution

Je länger der Krieg dauerte, desto deutlicher traten die strukturellen Schwierigkeiten zutage, die das Imperium schon seit langer Zeit plagten. Deshalb war der Krieg zwar nicht die einzige Ursache, wohl aber ein wesentlicher Auslöser für die Revolutionen des Jahres 1917. Der russische Staat zeigte sich den Belastungen eines modernen Krieges nicht gewachsen. Besonders betroffen war die Zivilbevölkerung. Ab 1915 nahmen Streiks, Demonstrationen und HungerunruhenAnfang 1917 kam es wegen des Krieges zu Versorgungsschwierigkeiten in der russischen Hauptstadt Petrograd und anderswo. Es kam zu Demonstrationen verarmter und vom Hunger bedrohter Menschen, vor allem von Frauen. Diese Proteste weiteten sich rasch aus und führten innerhalb weniger Tage zu einer Massenbewegung, die schließlich den Sturz des letzten Zaren zur Folge hatte (Februarrevolution). immer mehr zu. Im Winter 1916/17 erreichte die Krise ihren Höhepunkt, und es war schließlich eine Demonstration verzweifelter FrauenEs waren Frauen, die mit ihrer Demonstration am 8. März 1917 die Ereignisse in Gang setzten, die schließlich den Zaren stürzen und den radikalen Politikwechsel ermöglichen sollten. Zu der Zeit kämpften Frauen in Russland immer mehr um ihre Rechte – und gestalteten die revolutionären Umbrüche aktiv mit.  Mehr dazu in unserer Gnose , die Brot für sich und ihre Familien forderten, aus der die FebruarrevolutionDie Februarrevolution – ausgelöst durch eine Hungerdemonstration in Petrograd, der sich Streiks von Arbeitern und Soldaten anschlossen – beendete das zaristische Regime, das die Unterstützung der Bevölkerung bereits weitgehend verloren hatte. Mit der Revolution endete die über dreihundert Jahre währende Herrschaft des Hauses Romanow im Russischen Reich. Gleichzeitig läutete sie die Phase der „Doppelherrschaft“ von Provisorischer Regierung und dem Petrograder Rat (Sowjet) der Arbeiter- und Soldatendelegierten ein. Mehr dazu in unserer Gnose entstand.

Die neuen Machthaber in Provisorischer RegierungNach der Februarrevolution 1917, mit der in Russland der letzte Zar gestürzt wurde, wurde in Russland eine „Doppelherschaft“ eingeführt. Auf einer Seite standen die Sowjets der Arbeiter und Soldaten auf der anderen die Provisorische Regierung. Sie bestand bis zur Oktoberrevolution unter wechselnder Führung und hatte sich seit Juli 1917 in den Winterpalast zurückgezogen. Schon im Frühjahr hatte die Regierung - deren Regierungsphase auch als demokratisches Experiment bezeichnet wird - erste Krisenerscheinungen, während die Sowjets zunehmend an Macht gewannen. und Sowjet übernahmen von der zarischen Regierung die Verantwortung für den Krieg. Dem Petrograder Sowjet gelang es durch den berühmten Befehl Nr. 1Der Befehl Nr. 1 vom 1./14.3.1917 war die erste Anweisung des Sowjets an die in Petrograd stationierten Soldaten, reichte aber in seiner Wirkung weit darüber hinaus. In allen militärischen Einheiten sollten Komitees aus gewählten Vertretern gebildet werden. Die zentrale Passage dieses Befehls lautete: „Die Befehle der militärischen Kommission der Staatsduma sind nur in den Fällen auszuführen, wenn sie zu den Befehlen und Beschlüssen des Sowjets der Arbeiter- und Bauerndeputierten nicht in Widerspruch stehen.“, der unter anderem festlegte, dass in allen Einheiten Soldatenkomitees gegründet werden und Soldaten weitgehende Mitspracherechte erhalten sollten, die Loyalität der Soldaten zu sichern. Zugleich trug dieser Befehl entscheidend dazu bei, die Disziplin innerhalb der Armee zu untergraben. Vielerorts begehrten die Soldatenräte gegen ihre Offiziere auf, setzten sie ab und wählten neue. Vor allem aber hofften die Frontsoldaten darauf, dass die Revolution ein Ende des Krieges bringen würde.

Die Frage von Frieden und Krieg sollte in den kommenden Monaten zu einem Problem von entscheidender Bedeutung werden. Die Zusage der Provisorischen Regierung an die Alliierten, dass Russland seine Verpflichtungen erfüllt und nicht aus dem Krieg ausscheiden werde, löste nicht nur Demonstrationen und Streiks aus, sondern führte auch zu einer Regierungskrise.

Sommeroffensive 1917

Gleichzeitig gab es eine zweite Bewegung, die den Krieg als Ausdruck des „nationalen Geistes“ der Revolution begriff. Eine massive Offensive gegen die deutschen Stellungen, die am 1. Juli (18. Juni nach Julianischem Kalender) begann, sollte den Kampfgeist der Truppen heben und zugleich den Weg zum Frieden ebnen. Der russische Kriegsminister Alexander KerenskiAlexander Kerenski (1881-1970) war russischer Politiker. Nach der Februarrevolution 1917 bekleidete er in der Provisorischen Regierung den Posten des Justizministers und war Minister für Armee und Flotte, zwischen Juli und Oktober 1917 war er Chef der Provisorischen Regierung. Nach der Oktoberrevolution wanderte er nach Frankreich aus, ging später in die USA. erzeugte mit seinen flammenden Reden Begeisterungsstürme. Angesichts der scheinbaren Euphorie schlugen die Befürworter des Unternehmens alle Warnungen in den Wind: Zahlreiche Einheiten weigerten sich, zur Offensive anzutreten, und es häuften sich die Berichte über Meutereien und Desertationen. Als der Angriffsbefehl gegeben wurde, brach die Sommeroffensive schließlich rasch in sich zusammen.

Die Niederlage war nicht nur ein militärisches Desaster, sondern sie trug direkt zu weiteren Krisen bei, als die BolschewikiDie Bolschewiki (dt. etwa: Mehrheitler) unter Führung von Wladimir Lenin waren zunächst eine Minderheitenfraktion innerhalb der russischen Sozialdemokratie. Ihren Namen erhielten sie aufgrund eines einmaligen Abstimmungserfolges über die Menschewiki (dt. etwa: Minderheitler) auf einem Parteitag im Jahr 1903. Nach der Parteispaltung im Jahre 1912 konstituierten sie sich als revolutionäre Kaderpartei. Im Oktober 1917 organisierten sie den Sturz der Provisorischen Regierung in Russland und gingen aus dem anschließenden Bürgerkrieg siegreich hervor.  einen halbherzigen Aufstandsversuch unternahmen und der General Lawr KornilowLawr Kornilow (1870–1918) war ein General der russischen Armee. Er wurde vor allem durch die Kornilow-Affäre im Jahr 1917 bekannt – einen gescheiterten Putschversuch gegen die Provisorische Regierung, die unter Alexander Kerenski bestand. einen (bis heute umstrittenen) Putschversuch wagte.

Es waren vor allem die Bolschewiki, die vom innenpolitischen Chaos profitierten, weil sie sich als einzige politische Kraft kompromisslos für ein sofortiges Ende des Krieges aussprachen. Unmittelbar nachdem sie im OktoberAm 25. Oktober (7. November) 1917 stürzten die Bolschewiki die Provisorische Regierung, die nach der Februarrevolution eingesetzt wurde. Die Machtübernahme in Petrograd erfolgte ohne viel Blutvergießen, jedoch schloss sich ihr ein mehrjähriger Bürgerkrieg mit Millionen Todesopfern an. Zahlreiche westeuropäische Staaten unterstützten den Widerstand gegen die Bolschewiki auch militärisch. So nahm die Geschichte der UdSSR ihren Anfang. Mehr dazu in unserer Gnose die Macht an sich gerissen hatten, forderten sie in ihrem ersten Dekret die sofortige Beendigung aller Kampfhandlungen und einen Frieden ohne jede Annexion. Die MittelmächteMittelmächte wurden die im Ersten Weltkrieg verbündeten Deutsches Reich und Österreich-Ungarn genannt. Hinzu kamen das Osmanische Reich sowie Bulgarien. ließen sich davon jedoch nicht beeindrucken und setzten ihren Vormarsch fort. Weil die Bauernsoldaten in Scharen die Armee verließen, sahen sich die neuen Machthaber gezwungen, in formale Friedensverhandlungen einzutreten. Nach langwierigen und komplizierten Gesprächen wurde im März 1918 der Vertrag von Brest-LitowskAm 3. März 1918 schloss Sowjetrussland mit den Mittelmächten in Brest-Litowsk nach langwierigen Verhandlungen einen Friedensvertrag. Die sowjetische Seite schied damit aus dem Ersten Weltkrieg aus, musste aber erhebliche Verluste an Territorien, Bevölkerung, Anbauflächen und Industrieanlagen akzeptieren. Für die sowjetische Seite gab es angesichts der Bedrohung durch die deutschen Truppen keine Alternative zur Unterzeichnung des Abkommens. Die Mittelmächte hofften – letztlich vergeblich – mit den gewonnenen Ressourcen den Krieg im Westen fortsetzen und gewinnen zu können. Mehr dazu in unserer Gnose unterzeichnet. Die Hoffnung der Bevölkerung auf ein Ende der Gewalt sollte sich als trügerisch erweisen. Der Staatenkrieg ging nahtlos in den BürgerkriegNach der Oktoberrevolution 1917 kam es zu Erhebungen unterschiedlicher antibolschewistischer Kräfte – der Weißen – gegen die neuen sowjetischen Machthaber – die Roten. Die Kämpfe wurden von beiden Seiten mit äußerster Brutalität geführt, vor allem auch gegen die Zivilbevölkerung. Dass die Weißen weder politisch noch organisatorisch eine Einheit bildeten, war letztendlich ein wesentlicher Grund für ihre Niederlage. Demgegenüber gelang den Bolschewiki der straffe Aufbau der Roten Armee, mit deren Hilfe sie auch die Niederschlagung von Konflikten erreichten, die parallel zur Auseinandersetzung mit den Weißen entstanden waren (Polnisch-Sowjetischer Krieg, Partisanenbewegungen, Abfall von Randgebieten). Der Sieg im Bürgerkrieg bedeutete die endgültige Machtkonsolidierung für die sowjetische Regierung. Mehr dazu in unserer Gnose über, der erst 1921/22 endete.

Vergessener Krieg

In der Sowjetunion und in Russland spielte der Erste Weltkrieg in Erinnerungskultur und Geschichtspolitik lange Zeit nur eine untergeordnete Rolle. In der sowjetischen Geschichtsschreibung galt der „imperialistische Krieg“ als ebenso verhängnisvolle wie logische Konsequenz des Kapitalismus. Auf dem Territorium der ehemaligen Sowjetunion gab es deshalb keine offiziellen Denkmäler, die an die Jahre 1914 bis 1917 erinnerten. Seine Relevanz bestand vor allem darin, zentral für die Vorgeschichte des Jahres 1917 zu sein. Hingegen bewahrte die Bevölkerung in vielen Regionen die Erinnerung an den „deutschen Krieg“.

Nach dem Zerfall der SowjetunionDer Zerfallsprozess der Sowjetunion begann Mitte der 1980er Jahre und dauerte mehrere Jahre an. Die Ursachen sind umstritten. Während einige hauptsächlich Gorbatschows Reformen für den Zerfall verantwortlich machen, sehen andere die Gründe vor allem in globalen Dynamiken. Eine zentrale Rolle spielte in jedem Fall die Politik der russischen Teilrepublik. Mehr dazu in unserer Gnose veränderte sich der Umgang mit dem Ersten Weltkrieg in Russland zunächst kaum. Eine eigenständige Erinnerung an die Jahre 1914 bis 1917/18 gab es praktisch nicht.5 Der Erste Weltkrieg war auch deshalb lange Zeit Russlands „vergessener“ Krieg, weil er mit dem „Makel“ des erfolglosen Krieges behaftet war.

Erst in den letzten Jahren veränderte sich die Position der staatlichen Geschichtspolitik. 2012 wurde ein Gedenktag für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs eingeführt. Zugleich argumentieren staatsnahe Historiker, die Geschichte dieses Krieges zeige, dass Uneinigkeit und Revolution zum Staatszerfall und in die Katastrophe führen würden.6 Mit dem 100. Jahrestag des Kriegsausbruchs 2014 gewann die Memorialisierung noch einmal an Dynamik: So wurden sowohl in Moskau als auch in anderen russischen Städten mehrere Denkmäler und Gedenkorte für die Helden und Gefallenen des Ersten Weltkriegs enthüllt.7


Zum Weiterlesen
Figes, Orlando (1998): Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der Russischen Revolution 1891–1924, Berlin
Gatrell, Peter (1999): A Whole Empire Walking: Refugees in Russia during World War I, Bloomington
Gatrell, Peter (2005): Russia’s Great War: A Social and Economic History, Harlow
Holquist, Peter (2002): Making War, Forging Revolution: Russia’s Continuum of Crisis, 1914–1921, Cambridge MA
Sanborn, Joshua (2014): Imperial Apocalypse: The Great War and the Destruction of the Russian Empire, Oxford
Sapper, Manfred/Weichsel, Volker (Hrsg.) (2014): Totentanz: Der Erste Weltkrieg im Osten Europas, in: Osteuropa 2-4, Berlin 

1.zit. nach: Figes, Orlando (1998): Die Tragödie eines Volkes: Die Epoche der Russischen Revolution, 1891–1924, Berlin, S. 272
2.Überblick bei: Sanborn, Joshua A. (2014): Russian Empire, in: Daniel, Ute/Gatrell, Peter/Janz, Oliver/Jones, Heather/Keene, Jennifer/Kramer, Alan/Nasson, Bill (Hrsg.): 1914–1918-online: International Encyclopedia of the First World War, Freie Universität Berlin
3.ausführlich: Gatrell, Peter (1999): A Whole Empire Walking: Refugees in Russia during World War I, Bloomington, S. 23-25
4.ebd.
5.Cohen, Aaron J. (2003): Oh, That: Myth, Memory, and World War I in the Russian Emigration and the Soviet Union, in: Slavic Review 62 1, S. 69-86
6.Deutschlandfunk: Russlands vergessener Krieg 
7.Eine Auflistung der Gedenkorte findet sich auf Wikipedia
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Schwarzmeerflotte

Die Schwarzmeerflotte ist eine der vier Flotten der russischen Marine. Sie operiert im Schwarzen und im Asowschen Meer. Das Hauptquartier befindet sich in Sewastopol auf der ukrainischen, von Russland annektierten, Halbinsel Krim. Die strategische Bedeutung der Schwarzmeerflotte hat sich parallel zu historisch-geopolitischen Entwicklungen stark gewandelt. Ihre Symbolkraft ist in Russland nach wie vor hoch.

Alexander Newski

Als Fürst von Nowgorod errang Alexander Jaroslawitsch „Newski“ im 13. Jahrhundert wichtige militärische Siege gegen Schweden und den Deutschen Orden. Diese Erfolge begründeten die Verehrung, die ihm bis heute in Russland zuteil wird. Von der Orthodoxen Kirche heiliggesprochen, tilgten die Bolschewiki zunächst die Erinnerung an ihn aus der Geschichte, bis er als nationale Identifikationsfigur unter Stalin in den 1930er Jahren wieder rehabilitiert wurde.

weitere Gnosen
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